Das Ende einer Legende: Uncharted gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Spieleserien der Welt - und endet mit Teil vier. Im Uncharted 4 Test verraten wir euch, ob sich das Warten gelohnt hat.
Die Zeiten ändern dich. Mit 20 hat man eben andere Hobbys und Ideale als mit 40. Oder? In den ersten Stunden von Uncharted 4 ertappen wir Nathan Drake dabei, wie er sich nach den wilden Jahren voller Abenteuer sehnt, die wir gemeinsam mit Sully, Chloe, Cutter und Elena erlebt haben.
Quelle: Games Aktuell
Ganz unten: Im Knast trifft man nicht immer die liebenswürdigsten Zeitgenossen. Davon kann Sam ein Lied singen - er wird von seinem ehemaligen Zellengenossen erpresst. (PS4)
Letztere hat Nathan am Ende von Drake's Deception geheiratet, und auch wenn die beiden sich zweifelsohne lieben, so ist doch irgendwie die Luft raus - und zwar so sehr, dass Nate beim gemeinsamen Abendessen vor der Glotze nicht einmal zuhört, wenn Elena von ihrem Arbeitstag erzählt. Da trifft es sich ja wunderbar, dass Nathans totgeglaubter großer Bruder Sam urplötzlich auftaucht, und um Hilfe bittet...
Opa Nathan
Groß war die Sorge im Vorfeld, dass Uncharted 4 den Weg in Richtung Finsternis und Verzweiflung beschreiten würde. Grund waren nicht nur der Untertitel des Abenteuers, sondern auch der erste Trailer, der einen halbtoten, sichtlich gealterten Nathan verletzt am Boden liegend zeigte. Wir können die Befürchtungen zerstreuen und versichern, dass man auch mit Uncharted 4 viel zu lachen hat und Nate keinesfalls zum buckligen Griesgram mutiert ist.
Der Unterton ist allerdings tatsächlich ernster als in den vergangenen Titeln, bei denen es in erster Linie ums Überleben und Aufspüren von Schätzen geht. In A Thief's End hingegen sind unter der Oberfläche Leitthemen wie Vertrauen, Liebe und Barmherzigkeit zu finden. All das wird dem Spieler nicht plakativ hingeknallt, die Untertöne verleihen vielmehr dem ohnehin beeindruckend unterhaltsamen Grundgerüst weitere Tiefe.
Nathan jedenfalls macht Nägel mit Köpfen, flunkert Elena etwas vor und schickt sich an, Sams Leben zu retten. Der wird nämlich von einem Diktator erpresst, mit dem er gemeinsam in einer Zelle im Knast saß und dem er naiverweise von seinem Vorhaben, einen Piratenschatz zu heben, erzählt hat.
Dem Gold des Freibeuterkönigs Avery waren Nathan, Sam und deren alter Partner Rafe schon seit Jahren auf der Spur. Rafe hat nach all der Zeit ebenfalls noch nicht aufgegeben und sich mit der südafrikanischen Söldneranführerin Nadine Ross zusammengetan. Nathan und Sam müssen nun nicht nur innerhalb von sechs Monaten den Schatz finden, sondern auch ihrer in fast allen Belangen überlegenen Konkurrenz zuvorkommen.
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Eine Bootsfahrt, die ist lustig: Neben dem Jeep steuert man manchmal ein Schnellboot. Passt dabei auf Riffe, Sandbänke und spitze Felsen auf! (PS4)
Wie üblich führt die Schnitzeljagd über mehrere Kontinente und zu Schauplätzen wie Madagaskar, Schottland, Panama und der Karibik. Neben den häufigen Ortswechseln kommt es innerhalb der 23 Kapitel des Öfteren zu Zeitsprüngen, man verkörpert mehrmals den jungen Nathan. Das Durchmischen der Episoden sorgt für noch mehr Abwechslung und ist so gut umgesetzt, dass man nie den Faden der - zugegebenermaßen - simplen und ab und zu vorhersehbaren Handlung verliert.
Die Bösewichter bleiben im Verlauf der Story recht blass, doch immerhin fallen sie überzeugender aus als Talbot in Uncharted 3. Auf die Tränendrüse gedrückt wird ebenfalls an so mancher Stelle. Wir wollen natürlich nicht spoilern und das Ende verraten, von unangemessener Melodramatik ist der Abschluss aber erfreulicherweise weit entfernt, und als Schlusstrich unter der Uncharted-Saga passt der Epilog wirklich hervorragend.
Fan-Service gibt es zuhauf, der meiste davon aber nicht allzu aufdringlich, die Anspielungsdichte an andere Videospielserien ist höher als je zuvor.
Frischer Wind
Naughty Dog war alles andere als faul bei der Entwicklung von Uncharted 4: A Thief's End. Dabei hätten die meisten Spieler sicher kein Problem damit gehabt, wenn sich das Team auf den Lorbeeren der Vorgänger ausgeruht und ein letztes Mal routiniert die Uncharted-Formel (Klettern, Rätsel, Kampf, Zwischensequenz, Klettern, Rätsel, Kampf und so weiter) abgespult hätte.
Stattdessen wurde der vierte Gang der Serie mit neuen Zutaten abgeschmeckt und mundet jetzt noch besser! In den neuen, offenen Bereichen macht man sich auf die Suche nach Schätzen und plaudert mit dem Begleiter. Versteckte Notizen bauen die Hintergrundgeschichte aus und für jeden entdeckten Tagebucheintrag, Schatz und optionalen Dialog erhält man nach Abschluss des Spiels Punkte, die man zum Freischalten von diversen Modifikatoren und Bonusinhalten nutzt.
Diese ruhigeren Passagen sorgen für einen noch abwechslungsreicheren Spielverlauf und sind oft mit kleinen Rätseln verbunden. Dabei kommt Nathans neues Item, das Seil mit Haken, zum Einsatz. Das benutzt man nicht nur, um entfernte Gebiete zu erreichen und über Schluchten zu schwingen, man befestigt es zum Beispiel auch am Jeep, um ihn aus dem Matsch Madagaskars zu ziehen.
Selbst im Kampf sind die neuen Möglichkeiten, Terrain zu überqueren, sehr nützlich. Und wenn wir gerade beim Thema sind: Auch an den Kämpfen hat sich einiges geändert - und zwar zum Guten!
Mut zur Deckung
Die Schießereien waren nie der beste Part von Uncharted. Im vierten Teil wurde nicht nur die Anzahl der Gefechte reduziert, sondern auch deren Länge. Statt nerviger Gegnerwellen schreitet man nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Kampf voran. Die Gegner-KI leidet allerdings immer noch gelegentlich unter groben Schnitzern.
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Aufgemerkt: Wenn Gegner etwas Verdächtiges bemerkt haben, tragen sie ein gelbes Rautensymbol über dem Kopf. Genau sehen sie aber nie hin, die KI ist manchmal schwach. (PS4)
Feinde neigen dazu, mit ihren Köpfen zuverlässig an der immer gleichen Stelle aus der Deckung zu lugen und platzieren sich ohne Bedenken dort, wo schon mehrere Leichen ihrer glücklosen Kollegen herumliegen. Wettmachen soll dieses Manko wohl die gesteigerte Aggressivität der Widersacher, die Nathan generell keine ruhige Minute lassen.
Sie zerstören die Deckung - fast alle Objekte gehen im Kugelhagel kaputt, und das sieht wirklich fantastisch aus - und treiben uns in die Enge. Wem das zu stressig ist, der setzt auf Stealth. Fast alle Auseinandersetzungen kann man mit Aktionen aus dem Hinterhalt abschließen, in dem man zum Beispiel geduckt im hohen Gras an Gegner schleicht und sie ausknockt. Oder man greift sie an ihren Beinen, während man unter ihnen an einer Kante baumelt, und schmeißt sie dann in den Abgrund.
Wie in Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain markiert man zu Übersichtszwecken Gegner mit einem Klicken auf den linken Stick. Dann hat man immer im Blick, wo sich die Soldaten herumtreiben, selbst wenn eine Wand im Weg steht. Zu guter Letzt helfen die Begleiter relativ zuverlässig bei Feuergefechten, und selbst beim Anschleichen schalten sie gelegentlich eigenständig Feinde aus, ohne gesehen zu werden.
Anders jedoch als in The Last of Us, bei dem Ellie für die Feinde stets unsichtbar war, gilt Nathan als entdeckt, wenn Feinde einen seiner Begleiter erspähen. Nicht ganz logisch, aber die meiste Zeit verhalten sich die Kumpel schlau und reiten Nate nicht in die Misere.
Was zum Denken
Knobeleien nehmen wieder mehr Raum ein in Uncharted 4. Neben den bereits erwähnten kleinen Physikspielereien und -rätseln, auf die man bei der Fortbewegung trifft, gibt es die großen Puzzle-Mechaniken mit obskuren Schaltern und Hebeln. Die großzügige Tipps-Funktion und das allwissende Notizbuch von Nathan verhindern, dass bei solchen Abschnitten Frust aufkommt.
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Uralter Mechanismus: Wie gewohnt warten einige altertümliche Apparaturen darauf, von Nathan bedient zu werden. Richtig schwierig sind die Puzzles nie. (PS4)
Manchmal geben auch die Begleiter Tipps, wo und wie es weitergehen könnte. Ebenfalls im Grunde nicht wirklich anspruchsvoll, aber toll animiert und inszeniert sind die Kletterpassagen. Es sieht nun noch natürlicher aus, wenn Nathan eine Steilwand erklimmt oder über einen matschigen Hang rutscht. Die seltenen Unterwasserabschnitte lassen sich ebenfalls gut steuern.
Die Linearität der meisten Kraxellevel wird etwas kaschiert durch eine höhere Zahl alternativer Wege zum Ziel. Wenn man meterhoch über dem Boden hängt, wird das stets durch eindrucksvolle Kameraeinstellungen unterstrichen, nur selten steuert sich Nathan etwas langsam und stürzt eventuell in den Tod.
Durch die mehr als fairen Checkpoints ist ein gelegentliches Ableben aber alles andere als schlimm, meist steigt man an genau der gleichen Stelle wieder ins Geschehen ein.
Was für ein Anblick
Uncharted steht seit jeher für außergewöhnlich schöne Optik. Der vierte Teil übertrifft die Vorgänger deutlich. Kaum ein anderes Studio schafft es, so überwältigend schöne Naturumgebungen auf den Bildschirm zu bannen. Meisterhaft gesetzte Lichteffekte, eine satte, aber nie grelle
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Was für ein Ausblick: Im strahlenden Sonnenschein sieht Uncharted 4 am besten aus. Dann erwacht der Dschungel in der Karibik so richtig zum Leben. (PS4)
Farbgebung und nicht zuletzt herausragend animierte Charaktermodelle sowie eine fabelhafte Weitsicht machen Uncharted 4 zu dem schönsten Spiel, das die PS4 bislang gesehen hat.
Ab und zu sieht man die Einflüsse von The Last of Us, die verlassene Piratenstadt Libertalia etwa hat sicher von der Erfahrung des Studios mit der Darstellung von überwucherten, verfallenen Städten profitiert. Selbst auf kleinste Details wird bei Naughty Dog geachtet; wenn man mit dem Jeep durch eine Matschpfütze fährt, setzt sich roter Schlamm in den Reifen fest. Gibt man auf trockener Straße Gas, fliegt der Schmodder in kleinen Stückchen weg.
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Männerfreundschaft: Sully, Sam und Nathan tun sich zusammen, um gemeinsam das Leben von Nates älterem Bruder zu retten und den Piratenschatz zu finden. (PS4)
Trotz der offeneren Gebiete gibt es keinen Bereich, der schlechter aussieht als der andere. Die Full-HD-Optik läuft zudem fast permanent mit einer Bildrate von 30 Fps. Geklotzt statt gekleckert wird auch bei den Sprechern. Auf Englisch verleihen unter anderem die Synchro-Stars Nolan North und Troy Baker ihre Stimmen.
Die deutsche Übersetzung ist ebenfalls sehr gut umgesetzt, alle deutschen Sprecher leisten absolut zufriedenstellende Arbeit. Ganz an das Niveau der Anglo-Fassung kommt das Ergebnis nicht heran, aber es bewegt sich immer noch Welten über der Sprachausgabe eines durchschnittlichen Videospiels.
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Kleiner Mann: Die Kameraeinstellungen beim Klettern betonen die Weite und Offenheit der Umgebung. Nathan hängt ganz klein links am Turm. Seht ihr ihn? (PS4)
Bis auf seltene Ausnahmen sind die deutschen Sätze zudem lippensynchron - eine echte Leistung! Die musikalische Untermalung konzentriert sich auf das bekannte Thema der Reihe und weiß, wann sie sich vornehm zurückzunehmen hat, nur um im nächsten Moment orchestral die Action zu befeuern.
Würdiger Schlussakt
An Uncharted 4 führt alle Fans der Vorgänger kein, aber wirklich absolut kein Weg vorbei. Zwar fehlt es dem vierten und letzten Teil etwas an ikonischen Highlights wie etwa dem Flugzeugabschnitt in Teil drei oder dem Klettern im Zug am Beginn des zweiten Teils, dafür ist die Dichte an atemberaubenden Settings hier viel höher.
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Am seidenen Faden: Mit Hilfe des Seils und der Winde am Jeep löst man einige Physikrätsel. (PS4)
Und die beliebten, durchinszenierten Mini-Zwischenfälle, wie etwa, wenn Nathan der Stein, an dem er sich festhält, unter den Fingern zerbröselt, sind immer in genau dem richtigen Maße vertreten. Bezüglich der Zwischensquenzen hingegen kann man durchaus geteilter Meinung sein. Gerade der Einstieg ist durch den großzügigen Einsatz der cineastischen Abschnitte recht langsam, auch wenn diese Szenen natürlich wundervoll aussehen und kurzweilig umgesetzt sind.
Die Anzahl der Cutscenes in Uncharted 4 reicht zwar nicht an regelrechte Videospiel-Kinofilme wie Metal Gear Solid 4 heran, manche dürften die häufigen Action-Pausen dennoch stören. Insgesamt kann man mit etwa 15 bis 17 Stunden reiner Spielzeit rechnen - auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad. Wir sind überaus dankbar, dass Nathan Drake würdevoll aus dem Game-Geschäft aussteigen darf - er hat es sich verdient. Schöne Rente, Nathan!
Entwickler: Naughty Dog | Hersteller: Sony | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 16
