Die Überschrift liest sich cool, macht aber keinen Sinn und passt somit perfekt zur monatlichen Kolumne über die Gesellschaft in The Division.
In der vergangenen Ausgabe habe ich meine schwindende Spielsucht beweint. Ich verbrachte die vergangenen Monate nämlich immer weniger mit unserem liebsten Hobby, weil irgendwie meine Motivation flöten ging. Andere wären froh, wenn sie nicht mehr so viel Zeit mit Games und mehr Zeit mit sinnvolleren Dingen verbringen würden.
Für mich war es aber eine schreckliche Zeit, weil Videospiele seit früher Kindheit meine Lieblingsbeschäftigung und somit ein wichtiger Bestandteil meines Leben sind. Es gibt einfach keinen gleichwertigen Ersatz. Zum Beispiel habe ich es mit ausgedehnten Spaziergängen in freier Natur versucht.
Das fränkische Umland ist dafür geradezu prädestiniert. Man sieht hin und wieder sogar Wildschweine, Rehe und anderes Getier. In GTA 5 sind diese Sichtungen aber viel cooler, weil ich da in Trevors Haut schlüpfen und das Wildlife mit einem Jagdgewehr perforieren kann. Das echte Leben ist eben kein adäquater Ersatz für die Glücksgefühle, die uns Videospiele bescheren können.
Seelenheil gefunden
Gerade als ich mich bei der Suche nach einer passenden Ersatzdroge über die Vor- und Nachteile des Crack-Rauchens informierte, wurde Ubisofts The Division veröffentlicht. Von einem Moment auf den anderen waren meine Sorgen wie weggewischt. Spiel gestartet, gefühlte 20 Minuten gezockt und anschließend bemerkt, dass in Wirklichkeit sechs Stunden vergangen waren.
Ich bin geheilt! Keine Ahnung, warum mich andere Titel wie beispielsweise Remedys Quantum Break total kaltlassen, während ich mich den ganzen Tag darauf freue, endlich The Division einschmeißen zu können. Das Spiel macht irgendwas richtig, aber ich weiß nicht genau was.
Ich bin ja jemand, der dauernd zum Kühlschrank spaziert und diesen in der Hoffnung öffnet, endlich etwas Leckeres darin vorzufinden. The Division zu spielen fühlt sich sehr ähnlich an. Ich renne durch die Gegend und hoffe: "Dieses mal bekomme ich bestimmt ein geiles Item!"
Quelle: GamesAktuell
Unser Kolumnist Ahmet Iscitürk ist Games-Aktuell-Redaktionsleiter (a. D.), Branchen-Urgestein, Comedian und ein Freund klarer Worte.
Das ist zwar auch in Destiny so, aber in The Division fällt mir eben nicht nur alle Jubeljahre ein cooles Ausrüstungsteil in den Schoß. Natürlich hat Ubisofts MMO-Shooter auch seine seltsamen Seiten und ein paar davon möchte ich hier näher ansprechen. Zum Beispiel kommt es nicht selten vor, dass man Geiseln befreien muss und diese sind oft in Räume eingesperrt, die
Kisten mit Waffen enthalten.
Welcher Geiselnehmer sperrt Geiseln mit Maschinengewehren oder Schrotflinten in einen Raum? Warum schnappen sich die Geiseln nicht einfach diese Waffen und ballern sich in Richtung Freiheit? Außerdem sind überall in den Straßen New Yorks Handys und Notebooks verstreut, die man einsammeln kann. Die Dinger sind funktionstüchtig, obwohl sie wahrscheinlich schon seit Wochen mit aktivem Display herumliegen. Handelt es sich um Wunder-Handys, denen nie der Saft ausgeht?
Für eine bessere Welt
Ich prangere das aber nicht an. Ganz im Gegenteil. Ich würde nämlich sehr gerne in einer Welt leben, in der es weniger Menschen gibt, dafür aber Smartphones und Notebooks mit 18 Monaten Akkulaufzeit. Eine Welt, in der Geiselnehmer ihre Opfer in einen Raum mit fetten Waffen sperren können, ohne eine gewaltsame Flucht befürchten zu müssen!
Eine Welt, in der Vertrauen und Anstand noch von Bedeutung sind! Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um keine spielerischen Mängel, sondern um einen smarten und irgendwie auch sozialkritischen Kommentar der Entwickler. Man muss halt zwischen den Zeilen lesen können, um die ganzen Anspielungen zu verstehen.
The Division ist vollgestopft mit solchen positiven Botschaften. Manchmal spazieren Ordnungshüter der Joint Task Force (JTF) seelenruhig an Bösewichtern vorbei, die gerade die Scheiße aus einem Unschuldigen prügeln. In der Realität würden sich diese sofort auf die Gewalttäter stürzen, um sie unschädlich zu machen.
In der heilen Welt von The Division lässt man sie gerne mal gewähren, schließlich muss doch jeder von uns hin und wieder etwas Dampf ablassen. Vor allem wenn ein tödlicher Virus fast die gesamte Bevölkerung ausgelöscht hat. Wer von uns hat in einer Extremsituation noch nicht die Fassung verloren und einen Mitmenschen mit dem Gewehrkolben massiert? Eben!
Außerdem ist Polizei-Brutalität in der realen Welt ein echtes Problem, darum finde ich es einfach schön, dass die Staatsdiener in diesem Spiel deutlich gelassener auf Kriminelle reagieren. Zudem funktioniert das GPS in diesem Spiel besser als jeder real existierende Routenplaner.
In anderen Spielen nervt es mich, wenn computergesteuerte Figuren dauernd dieselben Sätze ablassen, aber in The Division ist das nicht nervig, sondern geradezu herzerwärmend. Zum Beispiel teilen mir die JTF-Kämpfer im Minutentakt mit, dass sie glücklich darüber sind, mich auf ihrer Seite zu wissen.
Im echten Leben will kein Schwein etwas mit mir zu tun haben, darum sind solche Komplimente wie Balsam für die Seele. Je häufiger, desto besser! Was ebenfalls super ist: Im Real Life muss ich Obdachlosen mindestens 50 Euro in die Hand drücken, damit sie mir neue Turnschuhe oder eine coole Jacke besorgen, doch in The Division genügt eine Flasche Wasser.
Ein weiterer Beweis dafür, dass dieses Spiel eine bessere und lebenswertere Welt propagiert. Ich könnte noch stundenlang über die positiven Messages referieren, die The Division für uns Spieler bereithält und ganz ehrlich: Meiner Meinung nach hat Ubisoft für diesen Titel einen Friedensnobelpreis verdient!
