Resident Evil - Der erste Teil der Survival-Horror-Reihe schug vor 20 Jahren ein wie die buchstäbliche Bombe. Thomas erinnert sich an seine Alpträume von damals.
Quelle: Games Aktuell
Konstante Charaktere: Chris Redfield und Jill Valentine sind von Anfang dabei. Dabei kann man eine starke Entwicklung über die Reihe hinweg erkennen.
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Generalüberholt: Beim Remake für Nintendo wurde das Spiel signifikant verändert, vor allem das Leveldesign. Die Story blieb aber gleich. (Gamecube)
"RESIDENT EVIL!"
Das markante Soundsample im Startmenü ist unvergesslich. Ich habe bestimmt Dutzende Male versucht, die zwei Worte möglichst authentisch nachzusprechen. Resi-Fans wissen sicher, was ich meine. Als das Horrorspiel am 1. August 1996 in Europa erschien, war die Playstation ein knappes Jahr alt und ich befand mich voll im CD-ROM-Fieber! Digitalisierte Filmszenen, Soundtrack von CD, Sprachausgabe - auf all das war ich scharf und all das bot mir das Action-Adventure von Capcom.
Das unheilschwanger kommentierte Intro mit echten Schauspielern und echten Wolfshunden stimmte perfekt auf das Spiel ein, auch wenn es im Vergleich zum Japan-Original leicht geschnitten daherkam. Auch die nach heutigen Maßstäben hölzerne englische Sprachausgabe im Spiel konnte meine Begeisterung nicht bremsen. Für mich war Resident Evil mit vorgerenderten Hintergründen und wechselnden Kameraeinstellung die beste Verschmelzung aus Spiel und Film, die man damals für Geld bekommen konnte. Und es war stellenweise ein spielgewordener Alptraum! Das Stöhnen der Zombies, der durchs Fenster springende Cerberus-Doberman, die Filmsequenz mit einem heranstürmenden Hunter - diese Momente werde ich vielleicht irgendwann mal verarbeiten, aber bestimmt niemals vergessen.
Resident Evil begründete das Genre des "Survival Horror", dem später Titel wie Silent Hill, Dead Space oder The Last of Us folgten. Gemeinsamkeit: Man muss nicht zwingend alle Gegner eliminieren - oft reicht dazu die Munition gar nicht - sondern man muss "einfach" nur am Leben bleiben. In Resident Evil versucht man also regelmäßig, an den Zombies vorbeizulaufen oder sie nur kampfunfähig zu machen. Das ging bei mir manchmal gehörig schief und dann schnappte ein totgeglaubter, am Boden liegender Zombie urplötzlich nach meinem Bein und knabberte mir Lebensenergie von selbigem. Die Rache folgte wortwörtlich auf dem Fuß, denn mit einem kräftigen Stiefeltritt auf sein verwestes Haupt schickte ich den Untoten endgültig ins Jenseits. Dass ich das in diesem von Wut geprägten Moment als richtig und befriedigend empfand, versteht sich von selbst ...
Eine Besonderheit von Resident Evil war, dass man zu Beginn zwischen zwei Protagonisten wählen konnte: Chris Redfield und Jill Valentine. Jill hatte die stärkere Wumme, ein größeres Inventar und zudem einen Dietrich dabei, während Chris mehr Schaden einstecken konnte. Ich entschied mich beim ersten Spielen für Jill, da ich gelesen hatte, dass es mit der Dame etwas einfacher werden würde. Bestimmt denken jetzt einige von euch "Was für 'ne Pussy!", aber ich wollte mir die größere Herausforderung halt für den zweiten Durchgang aufsparen.
Überhaupt bietet Resident Evil mit fünf unterschiedlichen Enden einen hohen Wiederspielwert.Resident Evil erschien 1996 zuerst nur für die Playstation, gehört zu den erfolgreichsten Spielen überhaupt für die Sony-Konsole und gilt als einer der zentralen Bausteine für den Sieg der Playstation im Zweikampf mit dem Saturn - für die Sega-Maschine wurde Resident Evil erst mit einem Jahr Verspätung veröffentlicht. Exklusiv für die Playstation brachte Capcom 1997 den Director's Cut von Resident Evil auf den Markt. Dieser unterschied sich durch ein längeres Intro, neue Bonuskostüme, veränderte Kameraeinstellungen, anders platzierte Gegenstände sowie einen erhöhten Schwierigkeitsgrad vom Original.
Quelle: Games Aktuell
Allseits beliebt: Der Zombie, der sich im Kleiderschrank versteckt. (PS1)
Die Nachfolger
Wie bei so vielen langlebigen Spieleserien konnten die vielen Fortsetzungen und Ableger von Resident Evil nicht mehr ganz die Faszination des Erstlings versprühen. Der Horror trat immer mehr in den Hintergrund, die Spiele wurden actionlastiger. Anfangs fand ich das nicht schlimm, die Mischung stimmte und gegen gut gemachtes Geballer habe ich nichts. Mit dem herausragenden Resident Evil 4 (2005) wurde die Capcom-Reihe zum Third-Person-Shooter, wobei die langsame Gegnerschar noch gut zur beschränkten Steuerung (man konnte während des Zielens nicht laufen) passte. Bei Teil 5 waren die Untoten nicht mehr lahme T-Virus-Zombies, sondern mit dem aggressiven Las-Plagas-Parasit befallen, was sie zu schnellen Mordmaschinen machte.
Gleichzeitig war die Steuerung immer noch hakelig und limitiert, für einen Nahkampf-Move musste man beispielsweise warten, bis ein entsprechendes Tastensymbol eingeblendet wurde. Das führte zu vielen frustrierenden Momenten, in denen ich den Capcom-Entwicklern gerne gehörig die Meinung gegeit hätte. Bei Resident Evil 6 haben sich die Japaner vollends übernommen, mit Horror hat das Spiel fast nichts mehr zu tun, mit Shootern von der Stange dagegen zuhauf. Der Monsteroverkill zerstört jegliche Dramaturgie, hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Ich hoffe, dass die Entwickler ihre Lehren gezogen haben und sich bei Resident Evil 7 (das vielleicht ja 2016 angekündigt wird) sich wieder auf die Ursprünge der einstigen Kultreihe besinnen.
Quelle: Games Aktuell
Resident Evil HD Remaster: Das Gamecube-Remake von 2002 (l.) wurde für die modernen Konsolen dezent aufgehübscht. Das Horrorspiel gibt es für fast jedes System.
Resident Evil heute spielen
Ihr wollt erleben, wie der Survival Horror seinen Anfang nahm? Das gestaltet sich als relativ leicht, denn Resident Evil wurde auf nahezu jeder relevanten Plattform der letzten 20 Jahre veröffentlicht. Das Original von 1996 erschien zwar nur für Playstation, Saturn und PC, das Gamecube-Remake von 2002 ist für heute Spieleraugen aber deutlich angenehmer und diente auch als Basis für die jüngsten HD-Remaster-Fassung für PS3, PS4, 360, Xbox One und PC. Diese befindet sich auch in der Resident Evil Origins Collection, die wir in dieser Ausgabe im Test haben. Ich muss euch allerdings warnen, einige Aspekte von Resident Evil wirken nach heutigen Maßstäben sehr unkomfortabel: Zum Speichern des Spielstands muss an sich an einer von mehreren im Herrenhaus verteilten Schreibmaschinen befinden und braucht hierfür ein aufgesammeltes Farbband. Waffen und Gegenstände darf man nur in begrenztem Umfang bei sich tragen, in Truhen kann man sie auslagern. Und an die Steuerung muss man sich gewöhnen, egal, welche der beiden Optionen man wählt. Belohnt für eure Mühen werdet ihr mit einem herausragenden Horror-Erlebnis!
Fakten
Entwickler: Capcom
Hersteller: Capcom/Virgin Interactive
Genre: Action-Adventure
Erschienen: 1996
Systeme: PS1, Saturn, PC
Quelle: Games Aktuell
Godfather of Resident Evil: Shinji Mikami macht heute noch auf Horror.
Mr. Survival Horror
Als Horrorfan ließ er sich bei der Gestaltung des Herrenhauses vom Overlook Hotel aus dem Film The Shining inspirieren. Ursprünglich sollte Resident Evil ein Ego-Shooter werden, aber schnell merkte Mikami, dass man dann viel zu viele Abstriche beim Detailgrad machen müsse und der filmähnliche Ansatz des 1992 erschienen Alone in the Dark besser passe. 2000 traf ich den smarten Japaner zufällig vor dem Sony-Stand auf der Tokyo Game Show.
Er wollte wohl nicht erkannt werden, trug eine große schwarze Sonnenbrille. Aber damit fiel man in der dunklen Messehalle erst recht auf. Natürlich sprach ich ihn an und sicherte mir ein Foto. Das hab ich leider nicht mehr, aber ich erinnere mich, dass Mikami darauf bleich wie ein Zombie war. Shinji Mikami zeichnete bis einschließlich Resident Evil 4 (2005) als Director oder Producer verantwortlich für die Serie. Nach seinem Weggang von Capcom ging es leider auch mit Resident Evil bergab. Mikamis letztes Werk war das überraschend gute The Evil Within, das technisch zwar seine Schwächen hatte, dramaturgisch aber der Tradition der ersten Resident Evil-Folgen folgte.
