The Crew: Wild Run im Test - Sinnvolle Verbesserungen, aber überzogener Preis
Test
Ein knappes Jahr nach Release steht mit The Crew: The Wild Run die erste Erweiterung für den ambitionierten Open World-Racer im Handel. Im Test machten sich neue Stärken wie die frisch hinzugekommen Fahrzeugklassen und Herausforderungen bemerkbar. Altlasten wie das unausgereifte Fahrverhalten und Kollisionssystem bleiben jedoch bestehen. Für viele stellt sich nun die Frage, ob das Preisschild von 30 Euro gerechtfertigt ist.
The Crew: Wild Run im Test! Mit einer beeindruckend großen und lebensechten Spielwelt trat The Crew von Ubisoft vor gut einem Jahr an, das Rennspielgenre zu revolutionieren. Ein ambitionierter Anspruch, den der Arcade-Racer zwar aufgrund technischer Makel, aufgesetzt wirkender Crew-Mechanik und alberner Story, nicht vollends einlösen konnte. Doch am Ende hängengeblieben ist das tolle Gefühl, die gesamte USA mit einer Fülle verschiedenster Aufgaben und Terrains als Rennstrecke vor sich zu haben. Und diese zum Bersten mit Aktivitäten gefüllte offene Welt nimmt mit der Erweiterung The Crew: Wild Run nochmals an Größe zu, wenn auch nicht auf die reine Fläche bezogen.
Gipfelstürmer
Quelle: Ubisoft / PC Games
Von einer praktischen Übersichtsseite können wir zu allen "The Summit"-Veranstaltungen in The Crew: Wild Run springen.
Herzstück von The Crew: Wild Run ist der neue Wettbewerb namens The Summit, wo die besten Fahrer aus der ganzen Welt zusammentreffen, um ihr Können in diversen Disziplinen unter Beweis zu stellen. Über einen neuen Punkt auf der Weltkarte können wir sofort zum Turnier springen, das Rennfahrer mit regelmäßig rotierenden Herausforderungen lockt und in einem monatlichen Summit mündet. Die Zulassung für Letzteres müssen wir uns zunächst jedoch erarbeiten, in dem wir fleißig Medaillen sammeln. Aus unseren Leistungen in allen Events errechnet sich die Medaille und damit die Wahrscheinlichkeit für tolle Belohnungen wie Aufkleber und Fahrzeugteile.
Während die Aussichten auf den Hauptpreis mit Bronze, aktuell ein Lotus Evora GTE, bei lausigen fünf Prozent liegen, erhöht sich die Chance mit einer Goldmedaille auf Fifty-Fifty. Dadurch steigt die Motivation, die Challenges mehrfach zu wiederholen, um sein Resultat zu verbessern. Die Rotation dürfte für Anreize sorgen, sich regelmäßig ins Spiel einzuklinken. Wer sämtliche Summit-Aktivitäten absolviert hat, kann in Wild Run auch eigene Freie-Fahrt-Herausforderungen kreieren. Das funktioniert denkbar einfach: Einfach auf die Weltkarte springen, Start- und Zielpunkt sowie Checkpoints des Rennens bestimmen und mit Freunden beziehungsweise eurer Crew teilen. Auf diese Weise gibt es praktisch unbegrenzt viele Events.
Drifts, Drag Races und Monster Trucks!
Quelle: Ubisoft / PC Games
Perfekter Start: In Drag-Rennen kommt es auf das richtige Timing an.
Für frischen Wind sorgen auch die neuen Fahrzeug-Ausstattungen Drifts, Dragsters und Monster Trucks. Drift dürfte selbsterklärend sein und funktioniert ähnlich wie in Need for Speed. Durch elegantes Einlenken in Kurven klettert der Punktezähler nach oben. Dabei müssen wir das Zeitlimit beachten. The Crew: Wild Run ist bei der Disziplin allerdings nicht ganz so nachgiebig wie das aktuelle NFS, wo U-Turns mit hohen Punktzahlen bewertet werden. Auch das Fahrverhalten beim Driften in Wild Run ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Die Wagen brechen schnell aus, was mehr Übung nötig macht.
An echte Tempo-Freaks richten sich die Drag Races. In den Beschleunigungsrennen auf halbwegs gerader Strecke müssen wir die Gänge im richtigen Augenblick schalten, um an Fahrt aufzunehmen. Hört sich simpel an und ist es auch, daran ändern auch nette Einfälle wie das Burn-Out-Spielchen vor Rennstart wenig, bei dem wir die Reifen durch maßvolles Gas geben auf Temperatur bringen müssen. Immerhin ist das Geschwindigkeitsgefühl gelungen, sobald die Tachonadel die Marke von 300 Kilometer pro Stunde überschritten hat. Unterm Strich haben uns die Drag-Rennen aber einfach am wenigsten Spaß gemacht.
Quelle: Ubisoft / PC Games
Monstermäßiger Spaß: Mit coolen Stunts schrauben wir unsere Punktzahl nach oben.
Die neuen Monster Trucks in Wild Run stellen hingegen eine sehr gelungene Ergänzung des auf Arcade getrimmten Spielkonzepts dar. Anstatt mit den PS-starken Ungeheuern in regulären Straßenrennen zu duellieren, wirft uns das Spiel in umzäunte und mit Halfpipes und anderen Parkour-Objekten gespickte Arenen, die so auch aus Tony Hawk's Pro Skater stammen könnten. Während die Zeit runtertickt, maximieren wir unsere Highscore, indem wir überall in den Kursen verteilte Medaillen aufsammeln oder - noch besser - waghalsige Stunts vollführen. Die Halfpipes und Loopingbahnen stehen schließlich nicht ohne Grund herum.
Noch mehr Spaß mit den Monster Trucks liefert nur noch der PvP-Modus Die Krone, der bereits im Juli 2015 hinzukam und mehrere Spieler in Kampf um das Schmuckstück in eine Arena schickt. Lustige Keilereien sind da vorprogrammiert, sofern es zu keinen Verbindungsproblemen bei einem selbst oder den Mitspielern kommt. Dann nämlich wird die laufende Partie pausiert, was je nach Dauer und Häufigkeit nervt. An der Online-Pflicht ändert sich mit The Crew: Wild Run nämlich nichts.
Quelle: Ubisoft / PC Games
Weiterhin nervig: Aggressives Fahrverhalten bleibt in The Crew noch immer ungesühnt. Nicht selten wurden wir von Chaoten einfach von der Strecke gedrängt und verloren deshalb das laufende Rennen.
Born to be wild
Quelle: Ubisoft / PC Games
Die Motorräder ergänzen den ohnehin schon riesigen Fuhrpark in The Crews hervorragend.
In Wild Run sind wir erstmals auch auf Motorrädern unterwegs. Beim Händler in Saint-Louis können wir uns mit heißen Feuerstühlen namhafter Hersteller wie BMW, Ducati und Kawasaki eindecken. Von Choppern über Rennräder bis hin zu Dirt Bikes ist dabei für jedes Terrain und jeden Spielertyp ein passendes Gefährt dabei. Allerdings mangelt es noch an spezifischen Herausforderungen für Motorräder. Und so verbrachten wir die meiste Zeit damit, die Limits der Maschinen auf freier Fahrt quer durch die USA auszuloten. Das ist dank des angenehm arcadigen Fahrverhaltens zwar durchaus ein spaßiges Unterfangen, doch die Unfallphysik enttäuscht auf ganzer Linie. Selbst bei einem Frontalcrash mit Mordstempo bleiben wir wie festgekettet auf unserem Motorrad sitzen.
Ein Sturm zieht auf auf
Quelle: Ubisoft / PC Games
Aufgemöbelt: Die neuen Wettereffekte in The Crew: Wild Run können sich durchaus sehen lassen.
Grafisch hat sich in The Crew: Wild Run viel getan. Die Engine bekam unter anderem ein aufgemöbeltes Beleuchtungsmodell spendiert, wodurch die Spielwelt bei Tag und Nacht noch einen Tick realistischer aussieht, ohne aber die Qualität des aktuellen Need for Speed zu erreichen. Auch am allgemeinen Detailgrad wurde geschraubt, so fallen die parkenden Autos am Straßenrand im Vergleich zu den fahrbaren Untersätzen im Spiel optisch nicht mehr ganz so stark ab. Die auffälligste Neuerung stellen jedoch die neuen dynamischen Wettereffekte dar.
Wenn ein Sturm aufzieht und heftiger Rennen einsetzt, sieht das zwar nicht ganz so spektakulär aus wie im PS4-exklusiven Rennspiel Driveclub, kommt der Atmosphäre in der ohnehin schon lebendigen Spielwelt von The Crew aber dennoch zugute. Zumal das Wetter nicht nur eine rein optische Spielerei ist, sondern sich auf das Fahrverhalten auswirkt. Wer zu schnell über Pfützen brettert, verliert die Kontrolle über seinen Wagen. Eine gute Neuigkeit: Für das Grafik-Update ist der Kauf von Wild Run nicht nötig, die Verbesserungen erhalten alle Spieler komplett kostenlos.
Die Preisfrage
Rechtfertigen die oben genannten Inhalte den Preis von Wild Run? Immerhin kostet die The Crew-Erweiterung 30 Euro. Längst nicht alle sind glücklich über die Entscheidung, die neuen Fahrzeugklassen und Events nicht dem Season Pass zu beizufügen, sondern separat zu verkaufen. Wir können den Unmut nachvollziehen, auch uns erscheint der Preis etwas zu hoch angesetzt, wenngleich Wild Run das Hauptspiel The Crew sinnvoll verbessert. Für Neueinsteiger ist mit dem Komplettpaket für 50 (PC) beziehungsweise 60 Euro (PS4 und Xbox One) aber der ideale Zeitpunkt gekommen, um die USA motorisiert unsicher zu machen.
