Das Beste dieser Generation - Teil 4: Dark Souls - Fies, fordernd, aber irrsinnig faszinierend

Special Maik Koch

Dark Souls gehört zu den besten Spielen der scheidenden Konsolengeneration. Dabei bietet das Spiel viele Glitches, eine teils unterirdische Bildwiederholrate sowie eine auf den ersten Blick zu spärliche Story. Spielerischer Tiefgang, ein perfekt abgestimmtes Rüstungs- und Waffenarsenal sowie gnadenlos gutes Gameplay machen Dark Souls zu einem echten Highlight. Sollte euch nach GTA 5 die Langeweile quälen und ihr euch bisher noch nicht an die Souls-Spiele gewagt haben, darf euer nächster virtueller Weg gern nach Lordran führen.

Unser erstes Mal mit Dark Souls war nicht schön. Wir scheitern am ersten Boss - dem Asyldämon. Aber nur, weil wir die Hinweise auf dem Boden nicht genau verfolgen. Im Vergleich zum Vorgänger bietet Dark Souls nämlich eine Sturzattacke, die dem Asyldämon schnell fast die Hälfte seiner Lebensenergie raubt. Bereits an dieser Stelle bemerken wir, dass Dark Souls nicht im Vorbeigehen gespielt werden will und darf. Unaufmerksamkeit ist tödlich in Dark Souls. Bis wir die komplette Spielmechanik zu 100 Prozent verstehen, haben wir das Spiel fast schon durchgespielt. Dark Souls ist komplex, bietet jede Menge Freiheiten und verpflichtet den Spieler geradezu, auf Entdeckungsreise zu gehen.

In Dark Souls entdeckt ihr das Spiel komplett selbst. Ihr werdet weder an die Hand genommen, noch in irgendeiner Art und Weise spielerisch bevormundet. Ihr bekommt eine Welt vorgesetzt, und seht zu, wie ihr damit klar kommt. Frech, aber absolut befreiend und spielerisch anspruchsvoll. Wir erinnern uns an unsere NES-Vergangenheit mit Metroid. Dieses Game haben wir zuerst auch nicht verstanden. Mit jedem neu entdeckten Item wuchs aber unsere Neugier. Wir zeichneten Karten und planten unsere nächsten Entdeckungsreisen. Planet Zebes in Metroid und die Dark Souls-Spielwelt Lordran besitzen also viele Gemeinsamkeiten.

Death is not the end

Dark Souls - Diese Gargoyles versperren den Weg zur ersten Glocke. Später im Spiel erscheinen die Biester dann als normale Gegner, einfach so. Quelle: Videogameszone Dark Souls - Diese Gargoyles versperren den Weg zur ersten Glocke. Später im Spiel erscheinen die Biester dann als normale Gegner, einfach so. Bildschirmtode frustrieren, allerdings nicht zwangsläufig in Dark Souls. Ihr startet das Spiel am Feuerbandschrein, einem zentralen Knotenpunkt des Spiels - zumindest falls ihr das Tutorial schafft. Von hier aus gelangt ihr in (fast) alle Gebiete der Spielwelt Lordran. Eure Reise in Dark Souls beginnt an einem Leuchtfeuer. Durch das Besiegen von Gegnern sammelt ihr Seelen, die als Währung für Items und Level-Ups dienen. Geht euer Held drauf, so verbleibt seine virtuelle Leiche samt aller gesammelten Seelen (und eurer Menschlichkeit) an diesem Ort und ihr startet vom letztgenutzten Leuchtfeuer neu. Sterbt ihr erneut, wird eine neue Leiche abgelegt, die alte Leiche verschwindet, mitsamt aller Seelen. Nach dem Tod oder dem Rasten am Leuchtfeuer werden alle Widersacher wiederbelebt, außer einzigartige Gegner sowie Bossgegner. Demzufolge hangelt ihr euch in Dark Souls von Leuchtfeuer zu Leuchtfeuer, haut fette Gegner um und werdet so immer stärker.

Der Clou an Dark Souls ist folgendes System: Ihr plättet einen Boss oder schafft einen Levelabschnitt und findet coole Waffen und Items. Im nächsten Abschnitt haut ihr noch fettere Bosse um und findet meist viel bessere Items. Das motiviert und belohnt ungemein, denn jeder Gegner in Dark Souls 2 ist allein schlagbar. In Sachen Bildschirmtod müsst ihr für Dark Souls euren Videospiele-Geist befreien. Bildschirm-Tode werden euch zwangsläuftig ereilen, also lasst es ruhig zu. Wer bereits 30.000 Seelen durch einen unachtsamen virtuellen Tod verloren hat, sollte keinesfalls sein GamePad gegen die Wand werfen. Mit jedem Bildschirmtod werdet ihr automatisch vorsichtiger. Manchmal ist Spielfortschritt in Dark Souls sogar wichtiger als 30.000 Seelen. Anfangs kostet ein Level-Up wenige hundert Seelen, später gar mehr als 100.000 Seelen. In Dark Souls dürft ihr alle acht Status-Werte eures Helden auf Maximum von 99 Leveln. Ihr solltet also zu Beginn eure Klasse sorgsam wählen und mit Bedacht aufleveln, denn später kosten Level-Ups richtig Seelen.

Story und Faszination

Dieser Drache bringt euch das Drachenschwert. Ihr müsst ihm dafür einfach nur den Schwanz abschlagen. Quelle: Videogameszone Dieser Drache bringt euch das Drachenschwert. Ihr müsst ihm dafür einfach nur den Schwanz abschlagen. Die Geschichte in Dark Souls müsst ihr selbst entdecken. Die Beschreibungen von Items und Waffen sowie vereinzelte NPCs hinterlassen minimale Hinweise auf die Geschichte des Spiels. Am Feuerband-Schrein erfahrt ihr von einem NPC, was ihr eigentlich zu Beginn des Spiels tun müsst. Euer Held ist als Untoter unterwegs und soll den Fluch der Verbannung der Untoten ins nördliche Asyl aufheben. Dafür läutet ihr zunächst zwei Glocken. Wo sich diese Glocken befinden und in welche Richtung ihr vom Feuerband-Schrein aus aufbrecht, müsst ihr selbst herausfinden. Ohne Souls-Erfahrung quält ihr euch bis zum zweiten Leuchtfeuer. In Dark Souls ist es jedoch keine Schande, die Wiki oder Foren zu nutzen. Für Waffen-Attribute, Rüstungs-Werte und mehr, weswegen ihr euch am besten in der umfangreichen Dark Souls-Wiki informiert.

Dark Souls ist ein Spiel, das durch die Community befeuert wird. Holt euch am Anfang am besten das Drachenschwert vom Drachen auf der Brücke. Wie ihr das bekommt? Das werdet ihr schon rausfinden. Dieses Schwert öffnete uns beispielsweise die Pforte in Dark Souls. Aber Achtung: Für das Drachenschwert benötigt ihr genügend Stärke. Nach dem Auffinden des Drachenschwertes zog uns das Dark Souls in seinen Bann und ließ uns nicht mehr los. Wir drangen immer weiter vor. Dark Souls enthält so viele Geheimnisse, von denen ihr viele nur durch die Community oder die Wiki entdeckt. Findet ihr beispielsweise ein neues Schwert, das ihr aber erst nach einem Level-Up auf Stärke nutzt, so werdet ihr erst aufhören zu spielen, bis ihr die nötigen Stats besitzt und es ausprobieren dürft. Macht dann das neue Schwert mehr Schaden, schafft ihr bis dato schwierige Gegner und Gebiete im Handumdrehen.

Hinweise auf dem Boden bei aktiviertem Online-Modus geben oft Tipps für versteckte Dinge, manchmal sogar ganz neue Welten und Gebiete samt Bossgegnern. Schafft ihr einen Endboss nicht? So kehrt einfach später zurück oder nutzt Menschlichkeit, um euch Hilfe durch andere Spieler zu holen. Das Design von Charakteren und Spielwelt in Dark Souls ist einzigartig und faszinierend, auch wenn es teils fiese Framerate-Einbrüche gibt. Dark Souls braucht keine Bombast-Grafik und stellt viele hübschere Games mit spielerischer Leichtigkeit in den Schatten. Wir träumten sogar nachts von diesem Spiel und schmiedeten beispielsweise beim Einkaufen unsere nächsten Entdeckungsreisen. Dark Souls ist ein Spiel mit Herz und Seele. Gebt Lordran eine Chance, denn sonst habt ihr in der aktuellen Konsolengeneration echt was verpasst.

Meinungen

Infos zum Spiel

Dark Souls für Xbox 360 - 2013/11/darksoulsusapackshot-pc-games.jpg Dark Souls für Xbox 360 Entwickler: From Software
Publisher: Namco
Creative Director: Hidetaka Miyazaki
Musik: Motoi Sakuraba
Release: 7. Oktober 2011
Genre: Rollenspiel
Spielmodi: Singleplayer
Plattformen: Xbox 360, PS3, PC
Engine: PhyreEngine
USK: Ab 16 Jahren
Play3-Wertung: 87%
Metacritic: 89 (PS3) / 89 (X360)
Userscrore: 8,6
Dark Souls für PS3 - 2013/11/darksoulsps3-pc-games.jpg Dark Souls für PS3

Das Beste dieser Generation - Überblick

Teil 1: Ein Rückblick auf das PS3- und Xbox 360-Zeitalter
Teil 2: Bioshock Infinite - Story-Meisterwerk mit fantastischen Charakteren
Teil 3: Heavy Rain - Der interaktive Film als Kunstform
Teil 4: Dark Souls - Fies, fordernd, aber irrsinnig faszinierend

Bildergalerie

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