Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben in der Filmkritik: Wer hätte gedacht, dass es nach 4.0 noch dümmer werden könnte...

Special Sandro Odak

Nach Stirb Langsam 4.0 hätte es eigentlich nicht schlimmer kommen können - meint man. Nun kommt "Stirb Langsam 5 - Ein guter Tag zum Sterben" ins Kino und beweist: Es geht noch dümmer. Warum Action bei weitem nicht alles ist, erfahrt ihr in der Filmkritik unseres Kollegen Sandro Odak.

John McClane hat zwei Kinder. In den vergangenen vier Filmen haben sie eher untergeordnete Rollen gespielt – wenn sie überhaupt vorkamen. In A Good Day to Die Hard (engl. Originaltitel) kramt man nun den weniger bekannten McClane-Sprössling hervor. John McClane Jr. (Jai Courtney) ist im russischen Knast gefangen und Senior gefällt das überhaupt nicht. Nachdem er sich in Stirb langsam 4.0 mit Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead, die auch in Stirb langsam 5 mitspielt) verträgt, bahnt sich hier die nächste Familien-Tragödie an, die ein Happy End braucht.

In einem relativ steilen Storyaufbau fliegt John McClane (Bruce Willis) nach Moskau, um seinem Sohn aus der Patsche zu helfen. Wie er das auf legale Weise vor hat, erfährt man nicht – immerhin ist Junior wegen Mordes vor Gericht. Tochter Lucy warnt ihn zwar noch, nicht schon wieder ein Riesen-Chaos anzurichten, aber McClane kann sich nicht lange daran halten. Das ist dem hohen Actiontempo von Ein guter Tag zum Sterben geschuldet – abgesehen von der Einleitung, in der ein kurzer Hintergrund umrissen wird, gibt es kaum eine Filmminute, die nicht mit Explosionen und Ballereien zugemüllt ist. Bis zu einem gewissen Maß macht das auch Spaß. Stirb langsam 5 ist pures Actionkino, toll gemacht, rasant gefilmt und nicht komplett aus Retorte. Einen russischen Kampfhubschrauber haben die Filmemacher etwa von der Regierung Weißrusslands erhalten. Aber irgendwann bleibt Logik und Handlungskontinuität zugunsten der Vater-Sohn-Geschichte auf der Strecke.

Spätestens als die Handlung in das kontaminierte Tschernobyl übergeht, wird es unglaubwürdig. Da sollen Schätze und Reichtümer in einem Banktresor versteckt sein, an die in den vergangenen 20 Jahren niemand wegen der Strahlung rankam. Wie praktisch, dass der Schuft ein Radioaktivität neutralisierendes Gas hat, mit dem er den Tresor in Sekunden strahlungsfrei macht. Zu allem Überfluss springen Vater und Sohn in einer Actionszene in einen Pool voller Wasser – das ist aber nicht kontaminiert, weil es sich um Regenwasser handelt. Ja, klar.

Waren die früheren Stirb-langsam-Filme besser? Waren sie anders? Ein bisschen. John McClane ist natürlich schon immer ein Held gewesen. Er hat sich über Regeln und Gesetze hinweggesetzt und trotzdem die Geiseln gerettet. Mal waren es ein paar Dutzend in Nakatomi Plaza, mal ein paar Schulkinder, dann ein paar Tausend Menschen in Flugzeugen. Ein guter Tag zum Sterben eskaliert dieses Heldenbild. Die beiden McClanes müssen dieses Mal die ganze Welt vor einem russischen Umsturz und einer Atomwaffen-Katastrophe bewahren – das ist einfach ein bisschen zu viel des Guten.

Yippi-ki-yay, motherfucker! Bruce Willis und Jai Courtney sind in Stirb langsam 5 - Ein guter Tag zum Sterben ein gutes Vater-Sohn-Gespann. (2) Quelle: © 2012 Twentieth Century Fox Yippi-ki-yay, motherfucker! Bruce Willis und Jai Courtney sind in Stirb langsam 5 - Ein guter Tag zum Sterben ein gutes Vater-Sohn-Gespann. (2) Einen Lichtblick gibt es aber: In Stirb langsam 5 geht es nicht nur darum zu zeigen, wie toll die McClane-Familie zusammenwächst, sie zeigt auch eine zweite Familie. Der inhaftierte Oligarch Komorov (Sebastian Koch), dessen Geschichte an den Fall Chodorkowski erinnert, wird zusammen mit McClane Junior vom CIA befreit. Eigentlich soll er eine geheime Akte übergeben, doch seine Tochter Irina hat hier auch noch mitzureden. Ihr Storystrang ist zwar auch teils unlogisch aufgebaut, zeigt aber ein abwechslungsreiches Kontrastprogramm zu den McClanes.

Wer nicht auf Dinge wie Kontinuität, Logik und Geschichte achtet, wird trotzdem gut im Kino berieselt. Vor allem, weil Regisseur John Moore fast unablässig Action auf den Zuschauer prasseln lässt. Von einer Zerstörungsorgie im Moskauer Nahverkehr geht es direkt in Hausschießereien und Szenen mit Kampfhubschraubern über. Sobald Actionheld Bruce Willis in Fahrt kommt, gibt es fast keine Filmminute, in der nicht gefeuert wird oder irgendetwas explodiert.

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