Borderlands 2-Test: Mehr Waffen, mehr Abwechslung, mehr Wub Wub und Claptrap - die neue RP-Shooter-Referenz?
TestMit Borderlands 2 hat Gearbox die Gelegenheit, das Potential des Vorgängers, der ja nicht ohne Schwächen war, vollends auszuschöpfen. Im großen Borderlands 2-Test lest ihr, ob das Ziel erreicht wurde, oder ob wir uns auch beim Nachfolger wieder mit den gleichen Mankos herumschlagen mussten. Ab Freitag ist Borderlands 2 dann für PC, Xbox 360 und PS3 erhältlich, sodass ihr euch dann euer eigenes Bild machen könnt.
Borderlands 2 kann als großer Hoffnungsträger verstanden werden. Bereits der erste Teil konnte mit der gelungenen Mischung aus Ego-Shooter und Rollenspiel, wie man sie bis dato nur von Fallout 3 kannte, überzeugen. Hinzu kam die umfangreiche Spielzeit, die individuellen Waffenkombinationen und nicht zuletzt der motivierende Koop-Modus, der ständig zwischen Zusammenarbeit und Kampf um die besten Waffen schwankte. Präsentiert wurde das Ganze im stylishen Cel-Shading-Look, der Borderlands noch das letzte Fünkchen Einzigartigkeit bescherte. Doch leider blieben bei Borderlands auch Fehler nicht aus. Zu oft machten uns KI-Aussetzer zu schaffen, zudem wusste die Story nicht zu fesseln und auch die Optik nutzte sich mangels Abwechslung in den Schauplätzen über kurz oder lang ab.
Borderlands 2 will nun alles besser machen, denn die Kritik am Vorgänger sollte Entwickler Gearbox hoffentlich erreicht haben. Bereits im Februar versprach uns der Trailer noch mehr Waffen, neue Fahrzeuge und mehr Skills. Höher, schneller weiter, und vor allem mehr "Wub Wub". Eigentlich waren das gar nicht unsere Kritikpunkte, aber wir setzten uns dennoch zuversichtlich mit Borderlands 2 auseinander und sagen euch im großen Borderlands 2-Test, ob die Entwickler ihr Vorhaben angemessen umgesetzt, oder die Borderlands-Formel doch am falschen Ende überarbeitet haben.
Story und Setting
Quelle: 2k Games
Die Vielfalt der Schauplätze reicht dieses Mal von Wüstenlandschaften bis hin zu futuristischen Städten.
In Borderlands 2 bekommen wir es diesmal mit Handsome Jack zu tun, seines Zeichens Leiter der Hyperion Corporation auf dem Fantasy-Planeten Pandora (hier bitte keine blauhäutigen Naturvölker erwarten!). Der Schönling hat Pandora vollends unter seiner Kontrolle und nicht vor, etwas daran zu ändern. Als Unterstützung dient ihm eine Roboterarmee, der wir uns in Borderlands 2 entgegenstellen müssen. Wir, das sind unser aus vier Figuren selbst gewählter Held und seine Gruppe an Gefolgsmännern, allerdings wird eben diese direkt am Anfang in einen Hinterhalt gelockt, bei dem ihr als einziger Überlebender übrig bleibt.
Wie es sich eben gehört, schwören wir Handsome Jack Rache und finden uns nach einem kurzweiligen Tutorial mit einer neuen Widerstandsgruppe in der Stadt Sanctuary zusammen. Die Story wirkt insgesamt nicht sonderlich tiefgründig, ist dafür aber mitreißend inszeniert und wird in gelungener deutscher Sprachausgabe präsentiert. Außerdem wartet die Geschichte mit einigen überraschenden Wendungen auf und bleibt so über das Spiel hinweg interessant. Auf aufwändige Zwischensequenzen wird hierbei weitgehend verzichtet, meistens seid ihr stattdessen mittendrin im Geschehen. Fans wissen den typischen Borderlands-Humor zu schätzen, der sich auch in Borderlands 2 wieder in zahlreichen Dialogen äußert. Fan-Service wird zudem durch das Zusammentreffen mit den Charakteren aus dem Vorgänger garantiert, natürlich darf auch Roboter-Maskottchen Claptrap nicht fehlen.
Abwechslung wird geboten
Um uns Handsome Jack ebenbürtig entgegenzustellen, gilt es möglichst viele Missionen abzuschließen, um Erfahrungspunkte zu sammeln und unser Waffen-Equipment aufzurüsten. Am meisten Spaß macht Borderlands 2 natürlich im Koop-Modus, der jetzt bis zu vier Spieler zulässt. Bereits nach wenigen Stunden wird erkennbar, dass Gearbox sich die Kritik zu Herzen genommen hat. Borderlands 2 führt uns durch weitaus abwechslungsreichere Umgebungen, von Eis-, Gras-, und Wüstenlandschaften bis hin zu futuristischen High-Tech-Städten wird uns hier einiges geboten. Dabei können sich die Objekte in der Umgebung wirklich sehen lassen: Die Cel-Shading-Grafik strotzt nur so vor Farben und die Texturen sind detailliert ausgearbeitet, sodass man den Eindruck hat, mitten in einem gigantischen Zeichentrickfilm zu stecken.
Quelle: Gamezone/2K Games
Die Sprengstoffexpertin Tiny Tina ist nur eine der abgedrehten Charaktere in Borderlands 2.
Doch nicht nur die Optik ist abwechslungsreicher ausgefallen, auch das Missionsdesign ist vielfältiger geworden. In den Haupt- und auch Nebenmissionen erwarten uns immer wieder neue Aufgaben, glücklicherweise beschränkt man sich nicht mehr nur darauf, uns immer wieder eine bestimmte Anzahl von Gegnern aus dem Weg räumen zu lassen. So helfen wir in einer Nebenmission beispielsweise der verrückten dreizehnjährigen Sprengstoffexpertin Tina dabei, ihre Tea-Party vorzubereiten. Zwar verläuft am Anfang noch alles ruhig, und wir sammeln entspannt Gegenstände und reparieren einen Generator, doch natürlich bleiben Zwischenfälle nicht aus. Nachdem wir einen unfreiwilligen Gast für die Party kidnappen mussten, ruft dieser zahlreiche Feinde zu sich und es kommt zum Kampf. Erst im Nachhinein stellt sich heraus, dass unser Kidnapping-Opfer für die Ermordung von Tinas Familie verantwortlich war, und wir unbewusst in einen Racheakt hineingezogen wurden. Solche Wendungen lassen uns dann doch immer wieder von den erzählerischen Fähigkeiten von Borderlands 2 überrascht zurück.
Kämpfe und Loot-System
In den Kämpfen spürt man schnell, dass auch an der Gegner-KI gefeilt wurde. Granaten werden taktisch sinnvoll geworfen, um euch abzulenken und einzukreisen, anders herum ziehen sich die Feinde auch zurück, wenn eine Defensive erforderlich wird. Außerdem existiert eine Art Bandensystem, denn es gibt verschiedene Fraktionen, die ihr mit etwas Geschick gezielt gegeneinander ausspielen könnt. Lotst ihr zwei verfeindete Parteien zueinander, so könnt ihr warten, bis sich die Scharen im Kampf dezimiert haben, um selbst mit besseren Gewinnchancen in die Schlacht zu ziehen.
Taktik ist auch bei der Auswahl der Spezialfähigkeiten und vor allem bei den Waffen gefordert. Gerade von letzteren gibt es nämlich unzählige Exemplare. Mehr als fünf Millionen zufallsgenerierte Wummen mit immer wieder neuen Eigenschaften stehen in Borderlands 2 zur Verfügung. Die Waffen beeinflussen die Kampfkraft unseres Helden maßgeblich, und so ist man ständig auf der Suche nach der optimalen Waffe, was das essentielle Looten so unglaublich motivierend macht. Die Vielfalt der Waffen ist enorm: Von Pistolen über Sturmgewehre bis hin zu Bazookas werden die Vorlieben eines jeden Waffennarrs bedient. Komplex wird das Ganze dadurch, dass sich die Schießeisen in Hinblick auf Stärke, Schussfrequenz und Genauigkeit unterscheiden. Überflüssig ist die Waffen-Customization jedoch keineswegs, denn für viele Gegner seid ihr auch auf die passende Waffe angewiesen.
