Abraham Lincoln Vampirjäger in der Filmkritik: Tagsüber ist er Präsident, nachts tötet er Vampire - Ab sofort im Kino
SpecialIm Oktober kommt das verschrobene Action-Biopic Abraham Lincoln Vampirjäger in die deutschen Kinos. Darin heißt es, der spätere US-Präsident sei vor seiner politischen Karriere Vampirjäger gewesen. Unser Kollege Sandro Odak hat das historisch nicht 100%ig korrekte Werk vom Regisseur Timur Bekmambetov (Wanted) schon jetzt ansehen können.
Abraham Lincoln war der 16. Präsident Amerikas. Soweit ist das bekannt. Weit weniger bekannt ist, dass er nebenberuflicher Vampirjäger war. Das jedenfalls wollen uns Tim Burton und Timur Bekmambetov in ihrem nicht ganz ernstgemeinten Lincoln-Film weismachen. Bizarr ist das, und gleichzeitig ziemlich komisch. Dabei bleibt die Story recht ernst: In jungen Jahren verliert Abe seine Mutter an einen Vampir. Auch sein Vater stirbt zu früh, sodass der spätere Präsident am Ende mit Nichts dasteht. Erst als er den vermeintlichen Mörder seiner Mutter im Kampf stellen will, erfährt er von seiner wahren Natur. Doch plötzlich eilt ihm ein Retter in der Not zur Hilfe: Der Jäger Henry vertreibt den Untoten und bildet Abraham aus. Immer das Ziel im Auge, den Tod der Mutter noch zu rächen, zieht er aus, um sich im Kampf gegen dunkle Wesen verdient zu machen und irgendwann den Vampir zu erlegen, den er so gerne tot sehen möchte.
Schon bald beginnt für Abe neben seinem Schattenleben auch ein richtiges: Frau, Familie, Freunde. All das sollte ihm laut seinem Lehrer eigentlich versagt bleiben, um die Vampirjäger-Mission nicht zu gefährden. Doch der Sturkopf setzt sich über die Regel hinweg und zieht sein eigenes Ding durch. Und schon bald weist sein Weg ihn weg vom Kampf gegen die Vampirunterdrückung und lässt ihn zum Sklavenbefreier werden. Diese Rolle, die den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten bis heute groß macht, bringt aber im Film auch gleichzeitig Unheil über alle… Denn es scheint, als wären nicht nur Südstaaten-Generäle an den Schaltern der Macht, die ihn stürzen wollen. Auch seine alten Feinde, die Vampire, mischen in dem Bürgerkrieg mit. Grund genug, dass Abe wieder zur silberbesetzten Axt greift!
Die Macher von Abraham Lincoln Vampirjäger hangeln sich im Verlauf der Geschichte immer wieder an historischen Fixpunkten und Fakten entlang, um dann doch eine ganz eigene Version erzählen. William Lincoln, in Wirklichkeit Lincolns in Kinderjahren gestorber Sohn, wird da zum Opfer der Vampire. Und selbst der Bürgerkrieg wird in ein pseudomystisches Gewand verpackt. Das gelingt ziemlich gut, trotz des insgesamt komischen Storykorsetts bleibt sich der Film treu. Gerade Benjamin Walker als Protagonist bleibt ernst und verzieht nur selten mal eine ironische Miene. So wirkt der ulkige Trash tatsächlich ganz real. Und ehrlich: Wer sich nur an einige Fakten des US-Bürgerkriegs erinnert, fühlt sich schnell verleitet den Schabernack zu glauben. Denn Fakt und Fiktion sind eng verwoben worden, was uns gut gefällt.
Quelle: © 2012 Twentieth Century Fox
Der Mann mit der Silberaxt: Abraham Lincoln ist nur tagsüber Präsident. Nachts jagt er Vampire!
Im Kern bleibt Abraham Lincoln Vampirjäger aber schon ein actionreiches Trash-Erlebnis. Statt mit Holzpflöcken geht unser Präsident mit einer versilberten Axt auf Untotenjagd, weil er als Junge Holzspalter war. Diese Kämpfe werden gerne blutig geführt, da fliegen Arme und Köpfe schon mal schnell durch die Gegend. Filmisch sind die Kämpfe rasant geschnitten und zeigen Lincoln fast schon als Fanatiker im Kampf. Der Todesstoß wird dann aber auch gerne in Slow-Mo stilisiert. Die Höhepunkte des Films sind dabei mit Sicherheit die Aufeinandertreffen von Abe, dem Mörder seiner Mutter und dem Obervampir, der all die anderen erschaffen hat. Da dies gleich mehrfach geschieht, gibt es ein Auf und Ab in Sachen Pacing und Action der Schlüsselszenen.
Neben Walker (Abraham Lincoln) überzeugen vor allem seine beiden Freunde Henry (gespielt von Dominic Cooper), der mehr zu sein scheint, als nur ein Vampirjäger, und Joshua Speed (Jimmi Simpson). Letzterer ist ein weiteres Beispiel dafür, wie eng Realität und Fiktion verwoben sind: Der reale Abraham Lincoln war gut mit Speed befreundet und die beiden schrieben sich oft Briefe, im Film jedoch arbeiten sie zusammen in einem Lebensmittelladen und gehen nachts auf die Jagd nach Untoten.
Einzig negativ fiel uns die 3D-Umsetzung auf. Der Effekt kommt häufig in ruhigen Szenen zum Tragen, indem Staubkörner glitzernd in der Luft schweben. Das sieht ästhetisch aus, nervt aber schnell gewaltig. Glitzernde Vampirfilme – nicht schon wieder! Weil wir die Pressevorführung übrigens nicht mit regulären RealD-Brillen sahen, sondern mit ziemlichen klobigen Shutterbrillen, kam uns das Bild ziemlich verwaschen und dunkel vor. Ob das nun Teil des düsteren Art Designs war oder eben doch den Brillen geschuldet ist – wir wissen es nicht. Spaß hatten wir an Abraham Lincoln Vampirjäger aber trotzdem allemal!
