Kein Höhenflug, aber auch keine Bruchlandung. Eine Simulation für Genrefans mit Faible für Oldtimer.
Der Untertitel Cold War Gone Hot gibt das Szenario vor: In Wings Over Europe prallen Nato und Warschauer Pakt in einem Kampf der Giganten aufeinander. Je nach Wahl der drei Kampagnen im geteilten Deutschland der 60er, 70er oder 80er Jahre. Hobbypiloten klettern auf Seiten der US Air Force, der Luftwaffe oder der Royal Air Force ins Cockpit.
Von Donnerhäuptlingen und Jägern
Ohne ausgefeilte Zielerfassung und mit gerade mal zwei Infrarot-Raketen bewaffnet, sind Dogfights mit der F-105 eine echte Herausforderung.
Vor allem der Zeitrahmen setzt Wings Over Europe von anderen Jet-Simulationen ab. Statt hypermoderner Düsenjäger fliegen Sie Oldtimer wie die F-100 Super Sabre, die F-105 Thunderchief oder die Hawker Hunter. Das heißt: Keine Radar-Duelle, sondern aufregende Dogfights auf Tuchfühlung, keine vollautomatischen Laser-Bomben, sondern ungelenkte Raketen und Freifall-Sprengköpfe. Nur im dritten hypothetischen Feldzug in den 80er Jahren kommt mit der F-15 Eagle und dem Harrier-Senkrechtstarter zeitgemäßes Equipment zum Einsatz.
Immer dieselbe Leier
Die Kampagnen sind allerdings auch der größte Schwachpunkt von Wings over Europe. Denn die reihen lediglich zufällig generierte Missionen aneinander: Patrouillenflüge, Bombenangriffe, Bodenunterstützung, Abfangjagden. Mangels Story-Verknüpfung lässt die Motivation schnell nach. Immerhin: Frontlinien und Versorgungslage verändern sich dynamisch. Fliegerasse können das Blatt zugunsten der Nato wenden.
Erklärungsnotstand
Während die Flugzeuge zwar wenig detailliert, aber durchaus ansehnlich sind, herrscht am Boden Polygon-Armut und Textur-Tristesse.
Obwohl Wings over Europe nicht die Komplexität von Falcon 4.0 erreicht, haben es Einsteiger schwer. Denn eine Pilotenschule fehlt ebenso wie eine ausführliche Anleitung oder eine Tastaturschablone. Das Handbuch erklärt gerade einmal die Basisfunktionen, auch das umfangreichere PDF-Dokument zum Ausdrucken lässt manche Frage offen. Zumindest bei niedrigen und mittleren Realismus-Einstellungen trösten Automatikfunktionen (etwa Zielerfassung) darüber hinweg. Wer allerdings auf solche Hilfssysteme verzichten will, sollte Grundlagenwissen mitbringen. Die aktive Community im Internet hilft aber gerne weiter. Außerdem bastelt man dort zahlreiche Addons.
