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  • »Wenn die süchtig sind, dann zahlen die auch«

    In Frankfurt traf sich die Szene zur ersten deutschen Entwicklerkonferenz für Browserspiele. PC PowerPlay hat sich unter Programmierer und Geldgeber gemogelt und berichtet exklusiv von den geheimen Welteroberungsplänen.

    Längst sind Browserspiele nicht mehr das, was ihr allgemeines Bild unter Computerspielern mitunter noch immer vermittelt: Von Sonntagsprogrammierern zusammengeschusterte und nur mäßig funktionierende Textwüsten, an denen höchstens Freaks Gefallen finden können. Die Branche boomt; im Zuge des allgemeinen MMOG-Erfolgs werden auch Browserspiele immer beliebter.

    Um die Entwicklung zu unterstützen und gemeinsame Kräfte zu bündeln, trafen sich Anfang September auf Einladung von Tausendsassa Dr. Andreas Lober (Rechtsanwalt, PC PowerPlay- Autor und Betreiber des Browsergames-Portals Gamesdynamite.de) die Größen der Branche zur ersten deutschen Konferenz für die Entwicklung und Vermarktung von Browserspielen. Schon bei unserer Ankunft wird uns klar: Andreas hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Die ehemalige Fabrikhalle im Frankfurter Süden platzt bereits aus allen Nähten. Neben einer Vielzahl von Hobbyprogrammieren sind auch einige Größen der Branche anwesend: Etwa Klaas Kersting von Gameforge, den Betreibern des erfolgreichsten deutschen Browserspiels Ogame, oder Oliver Spahr vom Spieleportal 4Players. Nachdem der erste Begrüßungsschluck gekippt ist, geht's mit einstündiger Verspätung ans Eingemachte.

    Wir haben den Browser im Griff

    Dass die Programmierung eines komplexen Browserspiels kein Pappenstiel ist, erläutert der erste Referent des Tages, Nils »Core« Mitoussis. Der Chefprogrammierer von X-Wars bombardiert die Anwesenden mit der Präsentation komplexer Programmstrukturen und betont, dass sich die Entwicklung eines guten Browserspiels von einem Offline-Spiel kaum unterscheidet. Nur effizientes Teamwork und absolutes Beherrschen von Datenbanktechniken und Programmiersprachen führen zum gewünschten Erfolg und zur maximalen Performance. Obwohl wir zwischen all den Integern, Swaps und Timestamps meist nur Bahnhof verstehen, wird uns schnell klar, dass ein gut gemachtes Browserspiel nicht in Basic auf dem alten 486er im Keller betrieben werden kann: Ein zweckgemäßer Serverpark und eine saubere Programmierung sind Pflicht, wenn die User aufgrund unerklärlicher Fehlermeldungen und Schneckentempo nicht schnell das Weite suchen sollen. Laut Nils' Kollegen Sebastian »Degola« Lagemann ist das gewissenhafte Coden ebenfalls sehr wichtig, wenn es darum geht, unliebsame Cheater fernzuhalten.

    Die Erben von World of WarCraft

    »90 Prozent aller Browsergames sind für Normalsterbliche im Punkt Produktpräsentation absolut abschreckend«, sagt Oliver Spahr. Der Geschäftsführer des Online-Portals 4Players ist ein alter Hase in der Branche und betreibt mehrere Browserspiele. Das wichtigste Aushängeschild ist dabei die Startseite. Besucher bleiben meist nur wenige Sekunden; wenn sie dann nicht vom Inhalt überzeugt sind, gehen sie in der Regel für immer verloren.

    »Es kann nicht sein, dass ich vier bis fünf Klicks brauche, bis ich überhaupt einen Button finde, mit dem ich mich anmelden kann«, poltert Oliver und führt als Negativbeispiel die ehemalige Homepage des Browserspiels Scherbenwelten an. Es gäbe zwar einige Nischenprodukte, die nur für einen sehr kleinen Spielerkreis gedacht sind (etwa diverse Airline-Manager) sofern die Entwickler aber die breite Masse für sich begeistern wollen, dann sollten sie mal einen Blick auf die Produktseiten großer Online-Rollenspiele wie etwa World of WarCraft werfen.

    Nicht nur was für Cracks

    Der Name von Blizzards Online-Hit wird in Olivers Vortrag noch häufiger fallen. Insbesondere als Musterbeispiel für Einsteigerfreundlichkeit. Bei vielen Browserspielen lassen erste Erfolgserlebnisse für den Spieler lange auf sich warten: Zunächst steht das mühsame Hochziehen von Gebäuden im Vordergrund, anschließend werden unzählige Stunden in die Forschung gesteckt. Die meisten Spieler fühlen sich von der Masse an Optionen völlig erschlagen, mit denen sie oft schon von Beginn an jonglieren müssen.

    »In World of WarCraft habe ich meine ersten Erfolgserlebnisse binnen weniger Minuten, erst ab Level 10 muss ich mich um meine Charaktertalente kümmern«, lobt Oliver Blizzards behutsamen Umgang mit Neueinsteigern. Bei kostenpflichtigen Browserspielen ist nämlich meistens eine Testphase enthalten. Wenn die Spieler in dieser ersten Zeit schon die Lust verlieren, dann sind sie für immer verloren. Sobald das Verhältnis zwischen Einsteigerfreundlichkeit, Spieltiefe und ersten Erfolgserlebnissen stimmt, stellt sich der Spielspaß wie von selbst ein. Oliver bringt es auf den Punkt: »Wenn die erst mal süchtig sind, dann zahlen die auch.«

    Wir drücken die Daumen, dass sich die Anwesenden die deutlichen Worte zu Herzen nehmen. Vielen Browserspielen lastet nach wie vor das freakige Image an World of WarCraft ist nicht zuletzt deswegen erfolgreich, weil es selbst Menschen vor den Monitor lockt, die mit Spielen sonst so gut wie gar nichts am Hut haben. Wenn die Branche es schafft, das auf die Browserspiele zu übertragen, kann das für uns Spieler nur positive Auswirkungen haben.

    Watt, wer bist du denn?

    Während Janusz Buttgereit von Datasturm über die Implementierung von Zahlungssystemen referiert, treffen wir uns auf einen kleinen Plausch mit den anwesenden Entwicklern. Viele fragen uns, warum ihr Browserspiel in PCPowerPlay noch nicht genannt wurde. Erstaunt hören wir von ambitionierten Projekten, Namen prasseln wie Gewehrfeuer auf uns ein, Visitenkarten werden gezückt. Wir geben ehrlich zu, dass wir von vielen Teams noch nie gehört haben. Einige Entwickler scheinen nämlich einen wichtigen Punkt zu vergessen: Pressearbeit und Marketing.

    Grund genug für Andreas Lober, dies zum Thema des nächsten Vortrags zu machen. Andreas betont, dass die meisten Browserspiele nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt werden Werbung findet, wenn überhaupt, nur in Bannernetzwerken statt. Der Vortrag wird zum Lehrstück: Wie und wann verfasse ich eine Pressemeldung, wann lohnt sich Werbung, wann sollte ich mit einem Magazin wie PCPowerPlay Kontakt aufnehmen? Nach Andreas' Ausführungen sind wir sehr zuversichtlich, dass die meisten Entwickler ihre Produkte sehr viel professioneller vermarkten und der Fachpresse interessant präsentieren werden.

    Und am siebten Tag erschuf er Grafik

    Die ersten Browserspiele verzichteten aus gutem Grund auf aufwändige Grafik: Die meisten User waren vor einigen Jahren maximal mit einem 56k-Modem unterwegs, und Hochgeschwindigkeits-Internet war noch eine Zukunftsvision. »Mittlerweile gibt es in Deutschland etwa fünf Millionen Benutzer mit Breitbandanschluss, im Jahr 2010 werden es an die 16 Millionen sein.« Gerhard »Keen« Müller, Betreiber des Browserspiels Travian, in dem Sie als Stammeshäuptling ein kleines Dorf hochziehen, sieht mittlerweile keine Argumente mehr, ein Browserspiel nicht grafisch etwas aufzupeppen.

    Zwar erfordert das einen erhöhten Arbeitsaufwand und steigende Kosten. Auf der Haben-Seite erschließen die Entwickler aber neue Märkte. Das verwöhnte Auge beschäftigt sich nur ungern mit langweiligen und schwer durchschaubaren Textwüsten. Browserspiele werden natürlich niemals die opulente Grafik von Schwergewichten wie World of WarCraft oder Everquest 2 erreichen, zweckmäßige grafische Effekte erleichtern aber den Einstieg und erhöhen das Spielvergnügen. Die Ansprüche der Spieler sind gestiegen, die Textwüsten hoffentlich bald Schnee von Gestern.

    Ohne Community kein Spiel

    Dass eine Community ein Eigenleben entwickeln kann, zeigt das Beispiel Dark Age of Camelot. Durch mangelhafte Pflege und schlechte Moderation der offiziellen Foren stieg die Zahl der unzufriedenen Nutzer. Als die Moderatoren endlich eingriffen, war der Zug längst abgefahren: Die Community von DAoC war in der Szene bald als Chaos-Haufen verschrieen, und die Betreiber mussten sich mit Zensur-Vorwürfen auseinandersetzen. Für Henry »HSINC« Schibach vom Entwicklerteam des Browserspiels Ice Wars ist der richtige Umgang mit der Spielergemeinschaft kein Geheimnis: Freundlichkeit, Konsequenz, Freundlichkeit, Konsequenz und Freundlichkeit. Nach Henrys Vortrag ist auch dem letzten im Saal klar, dass Freundlichkeit und Konsequenz das A und O sind, um eine lebendige Community lebendig zu halten. Auch Kritik von langjährigen Spielern sollte ernst genommen werden. So kann es durchaus vorkommen, dass die Mitglieder zündende Ideen haben, die das Spiel deutlich verbessern. »Allerding«, so Henry, »gibt es auch einige gelinde gesagt seltsame Vorschläge.«

    Alle unter einem Dach

    Es ist spät geworden in Frankfurt, manche Teilnehmer dämmern bereits vor sich hin. Beim letzten Punkt auf der Tagesordnung werden sie aber alle wieder hellwach: Es geht um die gemeinsame Gründung eines Dachverbands für die Entwickler von Browserspielen. Initiator ist Sven Sladek von der Firma Webtales. Der Verband soll die Präsenz von Browserspielen in den Medien stärken und den Entwicklern als Austauschplattform dienen. Während die Idee grundsätzlich auf Zustimmung stößt, gibt es auch einige Kritik. Was soll so etwas nützen? Wollen wir wirklich unser Know-how auf breiter Basis zur Verfügung stellen? Misstrauen macht sich breit: Wollen die großen Betreiber sich bei den kleinen Entwicklern bedienen und sie dann im Regen stehen lassen? Am Ende einigt man sich darauf, zunächst mal ein Forum zu schaffen. Für eine rechtliche Form wie einen Verein ist es den meisten noch zu früh. Im nächsten Jahr vielleicht, wenn sich das Fensterln weiter etabliert hat.

    »Ein voller Erfolg«

    Am Ende der Konferenz ist Andreas Lober zufrieden: Das Treffen sei »ein voller Erfolg« geworden. Viele der über 100 Teilnehmer wollen nächstes Jahr wiederkommen. Wir sehen das ein wenig differenzierter: Die meisten Vorträge waren gut und sinnvoll, manche Redner blieben aber ein wenig oberflächlich und rezitierten viele Selbstverständlichkeiten. Solange die Konferenz dazu beiträgt, dass Browserspiele immer besser und bekannter werden, ist sie aus Spielersicht aber in der Tat ein voller Erfolg.

    Simon Fistrich

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