Tomb Raider: Legend
W enn Hollywood-Stars mal einen Flop landen, ist das nicht weiter tragisch -- schließlich war der Gehaltsscheck trotzdem üppig und die Chance zur Rehabilitierung kommt bestimmt. Bei digitalen Berühmtheiten hingegen kann bereits ein einziger Fauxpas verheerende Folgen haben. Die enttäuschten Fans wandern ab, Pressevertreter interessieren sich nicht mehr die Bohne für das jeweilige Franchise -- kurz gesagt: Die Marke scheint verdorben.
Auch die "Tomb Raider"-Reihe musste einen solchen Tiefschlag wegstecken. Einst als weltberühmte Popikone gefeiert, ging Software-Liebling Lara Croft mit ihrem letzten Auftritt "The Angel of Darkness" baden -- das Spiel wirkte einfach unfertig und hatte zu wenige Neuerungen an Bord. Doch die knackige Archäologin lässt sich nicht unterkriegen. Unter der Fuchtel eines neuen Entwicklerteams (Crystal Dynamics statt Core Design) und mithilfe ihres "Vaters" (Toby Gard) will Miss Adventure allen Zweiflern das Mundwerk stopfen. Seniler Größenwahn oder berechtigte Selbstsicherheit? Wir gehen der Frage nach.
Was war noch mal der größte Kritikpunkt am Vorgänger? Richtig, die störrische Steuerung! Und genau hier setzt Crystal Dynamics den Hebel an. Flüssig, intuitiv, geschmeidig -- so soll sich die neue Lara durch ihr kommendes Abenteuer scheuchen lassen. Doch was bringt die griffigste Kontrolle, wenn der Kameramann wilde Schwenks veranstaltet? Herzlich wenig. Ergo versprechen die neuen "Tomb Raider"-Macher clever gewählte Perspektiven mit cineastischem Einschlag -- kein Vergleich zum chaotischen Blickwinkel-Gezuckel der letzten Episode.
Alte Dame, neuer Look
Beim Leveldesign macht "Legend" hingegen einen Schritt zurück zu den Anfängen der Archäologensaga: Schummrige Höhlen, mysteriöse Tempel und altertümliche Grabstätten lassen Erinnerungen an Teil eins wach werden. "Tomb Raider"-Fans dürften sich hier ebenso heimisch fühlen wie Frau Croft selbst -- zumal sämtliche Areale mit wunderhübschen Details ausgeschmückt sind. Gleißende Lichteffekte und majestätische Polygonbauten katapultieren Lara wieder in die grafische Oberklasse der Adventure-Zunft.
Was den Spielablauf angeht, halten sich die Entwickler noch bedeckt. Klar ist jedoch, dass die legendäre Rückkehr Rätsel-Schlagseite haben wird: Ob antiker Mechanismus oder knifflige Schalterknobelei, Hirnakrobaten kommen voll auf ihre Kosten. Wer sich als Actionpurist bezeichnet, muss dennoch nicht verzagen: Scharmützel mit bösen Buben stehen nämlich ebenfalls ganz oben auf der "Muss Lara erledigen"-Liste. Wie praktisch, dass das Forscher-Fräulein jede Menge Offensiv-Utensilien mit sich herumschleppt. Neben dem bewährten Knarren-Doppel nutzt Lara erstmals Handgranaten sowie einen magnetischen Enterhaken. Das Wurfeisen bringt jedoch weniger durchschlagskräftigen als vielmehr akrobatischen Mehrwert: Ist das Kletterutensil erst einmal in der Wand verankert, hängt sich die sexy Polygon-Amazone dran und schwingt in bester Tarzan-Manier durch die Lüfte -- immer ganz zielstrebig dem VGA-Hit entgegen...tk