Games World
Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
  • The Suffering Ties that Bind

    Seven + Saw * Aliens = Ties that bind: Populärwissenschaftlich ausgedrückt ist der Nachfolger von The Suffering eine grausige Reise in die perversen Phantasien eines Psychopathen. Und ein Horror-Shooter.

    Vorwarnung: Dieser Test beschreibt das Spiel so, wie es ist. Wenn Sie Probleme mit Gewalt gegen Frauen und Kinder haben, lesen Sie nicht weiter. Wenn Sie das Finale von Seven zu hart fanden, lesen Sie nicht weiter. Volljährige mit starken Nerven können sich dagegen auf eine sadistische Achterbahnfahrt einlassen.

    Ausrasten oder Gnade walten lassen?

    Torque ist ein verurteilter Massenmörder. Was er getan hat? Weiß man nicht genau. Aber es muss barbarisch und sehr blutig gewesen sein. Nicht so krank allerdings wie die Szenen, die sich in seinem Knast abspielen: Höllenkreaturen mit Scherenarmen metzeln Wärter und Gefangene. Torque hat offenbar etwas damit zu tun. Während des Massakers hört er Stimmen -- die seiner toten Frau, zum Beispiel. Die ihm Vorwürfe macht. Oder um ihr Leben winselt, als sie bestialisch zerstückelt wird. Der Sprecher hat offensichtlich perverse Freude daran, Torque zu quälen: »Blut ist das beste Gleitmittel«, raunt er ihm zu. Und der weiß genau, was gerade mit seiner Frau passiert.

    Wenn Ihnen dieser kleine Vorgeschmack bereits zu derb ist: Vergessen Sie dieses Spiel. Wer dagegen wissen will, wer hinter der spannenden Story steckt, gerät bald in Gewissenskonflikte. Torque ist nämlich selbst ein Monster. Es versteckt sich tief in seinem Inneren, doch wenn er sich durch Kämpfe bis zu seiner »Ausrast«-Grenze aufstachelt, kann er sich verwandeln. Und ist so viel stärker. Was dann von seinen Gegnern übrig bleibt, könnte nicht mal das CSI-Team in jahrelanger Arbeit identifizieren. Doch ist Ausrasten immer der beste Weg?

    Eine Frage der Moral

    Durch hervorragende Sprachausgabe und viele geschickt eingebaute Zwischensequenzen wird Torque immer wieder in Versuchung geführt, seine Brutalität auszuleben. Ein lästiger Junkie? »Schlag das Ungeziefer zu Brei«, flüstert ihm der Bösewicht aus dem Off ein. »Hab Mitleid«, sagt Torques tote Frau aus dem Jenseits. Die Entscheidung haben Sie. Ähnlich wie in Knights of the Old Republic können Sie es sich mal durch Gewalt leichter machen oder sich mal durch Hilfsbereitschaft besser fühlen. Abwechselnd gute oder schlechte Handlungen heben sich gegenseitig auf. Einen völlig anderen Spielverlauf, wie die Werbung verspricht, ermöglichen extreme Aktionen allerdings nicht, sondern nur andere End-Videos.

    Dennoch: Zur gruseligen Atmosphäre passt die Frage der Moral perfekt. Nicht nur Torques Frau spielt immer wieder eine Rolle, wenn der Held herauszufinden versucht, was alles während seiner Zeit im Knast passiert ist. Auch seine beiden Kinder tauchen als Geistererscheinungen auf und verbreiten subtilen Horror. Was die Entwickler noch alles auffahren, um dem Spieler ständig kalte Schauer über den Rücken laufen zu lassen, stellt selbst den Vorgänger in den Schatten. Intelligent inszenierte Schockmomente gibt es zuhauf, dagegen sieht auch Doom 3 aus wie ein Kindergeburtstag. Ties that bind lässt so gut wie kein Ekelthema aus, von Kindesmord über Vergewaltigung hin zu Kannibalismus. Das ganze ist drastisch inszeniert, auch in der so gut wie nicht geschnittenen deutschen Version.

    Ein Strudel aus Gewalt

    In Ties that bind laufen mehrere Handlungsstränge parallel. An vorderster Stelle die Suche Torques nach der Wahrheit. Dann die Invasion der Höllenkreaturen im verwüsteten Baltimore. Die Absichten der mysteriösen Jordan und ihrer paramilitärischen Foundation bleiben unklar -- aber sie haben mit den Invasoren aus dem Hades zu tun. Der brutale Blackmore verfolgt Torque schon seit seinen Tagen im Knast. Im Hintergrund zieht Dr. Killjoy seine Fäden. Der Gefängnispsychiater scheint zu wissen, was alle anderen nicht mal erahnen -- und er spielt seine Spielchen, vor allem mit Torque. Während der Spieler am Anfang nur weiß, dass Torque mehr als ein x-beliebiger Knacki ist, tauchen im weiteren Spielverlauf noch viel mehr Fragen auf. Erst gegen Ende der Gewaltorgie lösen sich die verwobenen Handlungsfäden auf.

    Neben vielen Zwischensequenzen und der beinahe pausenlosen Sprachausgabe geben Briefe Einblick in die Geschehnisse während Torques Abwesenheit. Genau wie der Held wird so auch der Spieler immer tiefer in den hoffnungslosen Strudel aus Gewalt und Perversion gezogen, der sich in Baltimore auftut. Grund: Nur wer die Briefe, Karten und dergleichen findet und liest, kommt weiter.

    Wenig Waffen im Gepäck

    Weiterer Kniff, um den Spieler emotional zu packen: Der furchtbar fiese Dr. Killjoy will Torque immer wieder anstacheln, seinen Gewalttrieb auszuleben. Aber das wollen wir nicht, vor allem nicht auf Kommando. Muss aber manchmal trotzdem sein, weil sonst die Übermacht der Gegner nicht zu besiegen ist. Das ärgert, und nächstes Mal ist es umso schöner, dem doofen Killjoy eins auszuwischen und den »guten« Weg zu nehmen.

    Apropos Gegner: Nur manchmal rollen die Monster in Wellen an, meist kommen sie nur zu zweit oder zu dritt. Das ist oft schon hart genug, denn Torque kann gerade mal zwei Waffen mit sich schleppen. Zum Beispiel ein Stahlrohr für den Nahkampf und eine Schrotflinte. Oder zwei Revolver und eine Pumpgun. Welche Kombination in welcher Situation die richtige ist, muss der Spieler selbst herausfinden. Gut, dass Waffen, Medizin und Speicherpunkte fair verteilt sind. Wem das nicht reicht, der speichert eben zusätzlich jederzeit von Hand.

    Das Waffenarsenal ist nicht sonderlich umfangreich, reicht aber allemal. Zu den Schusswaffen von der Magnum bis zum Raketenwerfer kommen Granaten, Molotowcocktails und Schlagwaffen wie Rohre und Baseballschläger. Jede neue Waffe sieht nach dem ersten Kampf übrigens aus wie frisch aus der Schlachtschüssel. Mit spritzendem Blut geizt Ties that bind nicht.

    Perverse Monstrositäten

    Wirklich knifflige Rätsel gibt es keine. Mal muss Torque eine Kiste verschieben, um durch ein Fenster klettern zu können, mal gibt ihm ein Begleiter Tipps, wo es lang geht. Die Levels sind streng linear, Verlaufen ist angesichts der überschaubaren Größe unmöglich. Verschlossene Türen öffnen sich oft, wenn der dazugehörige Brief gelesen wurde -- wenig elegantes Spieldesign, aber nicht wirklich störend. Spezielle Texturen an Mauern zeigen, dass dahinter ein versteckter Raum oder der Ausweg liegt. Manche dieser Stellen kann Torque nur in Monstergestalt aufschlagen. Dann können Sie sicher sein, dass die nötigen Gruselgegner nicht fern sind.

    Die Bösewichte kommen in allen möglichen und vor allem unmöglichen Formen daher. Die Slayer genannten Scherenarmkämpfer sind flink, aber durchschaubar. Die Vielfraße können überraschend losstürmen, geben aufgrund ihrer Größe aber ein leichtes Ziel ab. Spätere Bestien werden immer raffinierter in ihrer Angriffsweise. Der Burrower gräbt sich geschwind durch die Erde und deutet sich nur durch eine Dreckspur an. Wenn er aus dem Boden springt, bleibt nur wenig Zeit für eine Reaktion. Gut, dass Torque auch mit Schusswaffen in den Nahkampf gehen kann. Auf Tastendruck rammt er seinen Gegner zum Beispiel den Gewehrkolben dahin, wo's wehtut.

    Härtester Gegner: die Steuerung

    Optisch ist das gesamte Spiel düster und stimmungsvoll gruselig. Viel Blut, verwesende Leichen und abgetrennte Köpfe sowie Gliedmaßen gehören zum deftigen Gesamtbild. Die Grafik ist aber technisch altbacken. Ties that bind können Sie sowohl in der Ego- als auch in der Verfolgerperspektive spielen. In beiden Ansichten stört aber die ungenaue Mausabfrage: Auf mehreren Rechnern und mit diversen Nagern war entweder die Geschwindigkeit zu niedrig, oder die Bewegungen waren zu ruckelig. Das erschwert die Kämpfe unnötig, weil feinfühliges Zielen kaum möglich ist. Möglicherweise könnte hier ein Patch helfen.

    Florian Stangl

  • The Suffering: Ties That Bind
    The Suffering: Ties That Bind
    Publisher
    Midway Games
    Developer
    Surreal Software
    Release
    28.09.2005

    Aktuelles zu The Suffering: Ties That Bind

    Aktuelle Action-Spiele Releases

    Cover Packshot von Haydee Release: Haydee
    Cover Packshot von Bioshock: The Collection Release: Bioshock: The Collection 2K Games
    Cover Packshot von Eisenhorn: XENOS Release: Eisenhorn: XENOS
    Cover Packshot von Space Rift Release: Space Rift bitComposer Games
    • Es gibt 0 Kommentare zum Artikel

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 10/2016 PC Games Hardware 11/2016 PC Games MMore 10/2016 play³ 11/2016 Games Aktuell 10/2016 buffed 10/2016 XBG Games 09/2016 N-Zone 10/2016 WideScreen 10/2016 SpieleFilmeTechnik 10/2016
    PC Games 10/2016 PCGH Magazin 11/2016 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
715535
The Suffering: Ties That Bind
The Suffering Ties that Bind
Seven + Saw * Aliens = Ties that bind: Populärwissenschaftlich ausgedrückt ist der Nachfolger von The Suffering eine grausige Reise in die perversen Phantasien eines Psychopathen. Und ein Horror-Shooter.
http://www.gamesaktuell.de/The-Suffering-Ties-That-Bind-Spiel-38341/Tests/The-Suffering-Ties-that-Bind-715535/
01.11.2005
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/07/t_suffering_01_11eps.jpg
tests