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  • The Bard's Tale

    Ein opportunistischer Schurke soll die Welt retten? Das kann ja nur schief gehen. Wärmen Sie die Lachmuskeln auf, und genießen Sie das wohl ungewöhnlichste Rollenspiel der letzten Jahre!

    »Du bist der Auserwählte, musst die Welt retten und tapfer gegen das Böse kämpfen!« Dieser Satz beschreibt den roten Faden so ziemlich aller Rollenspiele der letzten Jahrzehnte. Wer der Hauptfigur aus Ubisofts Action-Rollenspiel The Bard's Tale eine solche Aufgabe anträgt, erntet allenfalls Spott. Der Barde interessiert sich für Wein, Weib, Gesang und Geld. Helden, egal ob selbsternannte oder vom Schicksal bestimmte, gehen ihm genauso auf den Sack wie alle anderen Rollenspiel-Klischees. Deshalb werden sie in The Bard's Tale auch so richtig schön auf den Arm genommen und durch den Kakao gezogen. Freuen Sie sich auf 20 Stunden voller Humor, Anspielungen und witziger Dialoge, die von einer typischen Story und actionreichen Kämpfen umrahmt werden.

    Verlockende Melodien

    Die Besonderheit des Spiels besteht darin, dass sich der Barde mit seinen Liedern Gefährten herbeispielen kann. Die magischen Strophen lernen Sie im Laufe des Spiels. Außerdem erhöht sich die Zahl der Diener, die der Hauptfigur gleichzeitig zur Seite stehen. Ist es anfangs nur einer, so greift der Held später auf bis zu vier Mitstreiter zurück. Zu den melodiehörigen Kameraden zählen unter anderem ein Feuerelementar, eine Heldin mit Armbrust und die Schrulle, eine alte Frau mit Heilkräften. Die Kunst ist es nun, für jede Situation die passenden Helfer zu beschwören. Um beispielsweise durch die gefrorenen Wände eines Wikingergrabes zu kommen, brauchen Sie das Feuerelementar. In gefährlichen Gebieten hilft der Fallensucher, der entsprechende Vorrichtungen findet und entschärft. Im Kasten »Die Lieder des Barden« stellen wir alle potenziellen Gefährten vor.

    Welche Sie benutzen, hängt zu einem guten Teil auch von Ihrer Spielweise ab. Wenn Sie beispielsweise bevorzugt mit dem Bogen aus der Distanz angreifen, sollten Sie auf alle Fälle den Ritter als Tank wählen. Kämpfen Sie selbst in der ersten Reihe, ist die Schrulle mit den Heilzaubern eine gute Ergänzung. Im Laufe des Spiels lernen Sie verbesserte Versionen der Lieder, die den Mitstreitern eine entsprechend stärkere Form verleihen. Wenn die Lebensenergie erschöpft ist, lösen sich die Kameraden wieder in Wohlgefallen auf. Sofern Sie genügend Mana haben, können Sie die Verschwundenen aber sogleich wieder herbeirufen.

    Von der Mythologie inspiriert

    Das Abenteuers spielt auf den sagenumwobenen schottischen Orkney-Inseln, irgendwann im Mittelalter. Zu den Schauplätzen gehören neben idyllischen Dörfern und Wäldern unter anderem Schnee bedeckte Landschaften, von Toten besetzte Städte sowie finstere Höhlensysteme. Allerdings lädt das Spiel häufig nach, auch wenn Sie beispielsweise nur in eine kleine Hütte gehen -- das stört allerdings merklich den Spielfluss.

    Die Gegnertypen wurden aus dem üblichen Repertoire der Wölfe, Skelette, Golems und Co. rekrutiert. Dazu gesellen sich die passenden mythologischen Gestalten wie keltische Druiden, Wikinger-Krieger und diverse Arten von Trow (koboldartige Wesen, die angeblich auf den Orkney-Inseln hausen). Die normalen Gegner stellen Sie trotz zahlenmäßiger Überlegenheit kaum vor Probleme, auch wenn einige davon Tricks auf Lager haben: Druiden werfen Sie mit Zaubern zu Boden, Wölfe heulen, um ihr restliches Rudel zu alarmieren.

    Während Sie die meiste Zeit eher schwachbrüstige Feinde zerlegen, bekommen Sie es regelmäßig auch mit wesentlich heftigeren Bossen zu tun. Auch bei diesen Zwischengegnern dominieren mythologische Gestalten wie Herne und Lugh. Deren Spezialfähigkeiten erbt der Barde, nachdem er sie besiegt hat. Um sie einzusetzen, benötigen Sie so genannte Nattersteine, die Sie bei den Überresten besiegter Gegner oder in Truhen finden. Damit rufen Sie den Geist des Geschlagenen, der den gewünschten Effekt spendiert. Herne hält Widersacher zum Beispiel mit Wurzeln an Ort und Stelle fest, Lugh umgibt den Barden unter anderem mit wirbelnden Klingen, die alle Feinde in Reichweite schädigen.

    Geldbeutel statt Rucksack

    Auf ein klassisches Inventar haben die Entwickler praktischerweise verzichtet. Normale Gegenstände, die Sie in Truhen oder bei erlegten Monstern finden, werden automatisch in Silberstücke umgewandelt. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Beute, denn die besteht neben unbrauchbaren Waffen, Perlen, oder Edelsteinen auch aus witzigen Objekten, von Badehosen über Autogrammkarten bis hin zu Hautcreme und »Gesucht!«-Plakaten mit dem Konterfei des Barden.

    Mitunter finden Sie wertvolle Artefakte, die der Barde automatisch anlegt. Diese wertvollen Teile erhöhen bestimmte Attribute, Lebensenergie oder den Manavorrat. Bisweilen erhalten Sie die Artefakte auch für erledigte Quests. Gleiches gilt für Waffen und Rüstungen, die Sie aber auch beim örtlichen Händler für reichlich Silber kaufen können. Dabei ersetzen bessere Gegenstände die vorhandenen, wobei sich letztere wiederum in Silberstücke auflösen.

    Zynischer Sprücheklopfer

    Zu den großen Stärken des Spiels zählen der Humor und die Parodie des Genres. Das geht gleich zu Beginn des Spiels los, als der Barde die rollenspieltypische Aufgabe erhält, eine Ratte zu erledigen. Dass es sich dabei um ein Feuer speiendes Riesenexemplar handelt, muss er schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Bei dem ersten erschlagenen Wolf erbeutet er neben dem Fell auch Waffen und gar Haushaltsgegenstände, ein klarer Seitenhieb in Richtung Diablo 2, wo Insektenschwärme schon mal eine Kettenrüstung dabei hatten. Immer wieder treffen Sie irgendwelche »Auserwählten«, die meist einen völlig sinnlosen Heldentod sterben. Solche Anspielungen ziehen sich durch das gesamte Spiel und sorgen viele Grinser.

    In Gesprächen mit NPCs wählen Sie keine vorgefertigten Sätze aus, sondern einfach, ob Sie unfreundlich oder nett antworten wollen, seinen Text spricht der Barde dann von allein. Denken Sie aber nicht, dass höfliche Reaktionen immer die bessere Wahl sind: Mal kommen Sie als zynischer Fiesling weiter, mal als Kavalier. Jetzt raten Sie mal, wie Sie sich ein Nachtlager bei der vollbusigen Bardame Mary ergattern -- genau, Variante eins. Teilweise haben die Antworten auch kleinere Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. Im Grunde ist es aber Ihnen überlassen, wie Sie auftreten. Witziger sind jedenfalls die sarkastischen Sprüche.

    Sänger, Nahkämpfer oder Schütze?

    Während sich das Spiel in den meisten Belangen über seine Genrekollegen lustig macht, entspricht die Charakterentwicklung weitgehend klassischen Rollenspielen. Für ausgeschaltete Gegner und erledigte Aufträge erhalten Sie Erfahrungspunkte und steigen damit stufenweise auf. Bei jeder neuen Stufe verteilen Sie Punkte nach eigenem Gutdünken auf diverse Attribute. Stärke bestimmt beispielsweise, wie stark der Barde im Nahkampf hinlangt, hohes Charisma drückt die Preise bei Händlern, und viel Rhythmusgefühl steigert die Angriffskraft herbeigespielter Mitstreiter. Alle zwei Stufen entscheiden Sie sich außerdem für ein Talent. Dazu gehören vor allem Waffenkenntnisse, die es ermöglichen, mächtige Hau-Drauf-Instrumente wie zweihändige Schwerter und Morgensterne zu benutzen. Darauf basierend lernen Sie später Rundumschläge, Konterattacken und andere nützliche Techniken für Nah- und Fernkampfwaffen.

    Auch passive Skills, etwa die erhöhte Chance auf kritische Treffer oder »Schatzsucher« (Sie finden mehr Geld) sind im Angebot. Welche Sie auswählen, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass Sie zumindest eine Konterattacke beherrschen. Andernfalls haben Sie es in der zweiten Hälfte des Spiels deutlich schwerer. Uns hat der Kampf mit zwei Waffen (Schwert und Dolch) am besten gefallen, weil sich der Barde so einfach schneller bewegt. Außerdem sind Dolche vergleichweise früh verfügbar und billiger als die anderen Waffen. Schläge mit dem Kettenmorgenstern sind langsamer als mit Schwert oder Dolch, haben dafür aber die Chance, Gegner zu betäuben. Der Vorteil der Zweihandwaffen liegt in der hohen Reichweite und der enormen Wirkung.

    Praktische Kombination

    Sie steuern den Barden hauptsächlich mit der Maus. Mit der rechten Taste bewegen Sie sich, mit der linken kämpfen Sie. Bei mehrfachem Klicken und dem richtigen Timing reiht der Barde unterschiedliche Schläge aneinander. Der Held bewegt sich beim Linksklick allerdings nicht automatisch zum Gegner, um ihn anzugreifen. Stattdessen müssen Sie erst hinlaufen und dann attackieren. Das ist in den ersten Minuten gewöhnungsbedürftig, weil es fast alle Action-Rollenspiele anders machen. Nach einer Weile fällt das aber nicht mehr auf.

    Den Rest erledigen Sie mit der Tastatur: Mit den ersten vier Zifferntasten öffnen Sie Untermenüs und wählen mit dem vertrauten WASD-Kreuz Spezialfähigkeiten, Lieder oder Waffen. Das funktioniert tadellos und sehr flott, da man die Tastenkombinationen mit der Zeit auswendig kennt, etwa »2-W-A« für das Herbeizaubern der Schrulle. Trotzdem bauten die Entwickler für die einfache Heilzauber-Spezialfähigkeit einen Hotkey ein -- wenn das Leben des Helden auf dem Spiel steht, kann es schließlich nicht schnell genug gehen.

    Eine Minimap am rechten oberen Bildrand zeigt Türen, Quest-NPCs und einen Pfeil in die entsprechende Richtung. Diese Karte springt per Knopfdruck sogar in die Bildschirmmitte, falls Sie einen größeren Ausschnitt sehen wollen. Zwar sind die meisten Levels grundsätzlich linear aufgebaut, doch führen oft alternative Wege zum Ziel. Auf der Minimap sind auch die Speicherpunkte eingetragen. Die sind fast immer fair und häufig in der Spielwelt verteilt, so dass sie selbst bei eingefleischten Fans der freien Spielstandsicherung kaum als Manko durchgehen.

    Augen zu, Ohren auf!

    Grafisch hinterlässt The Bard's Tale einen gemischten Eindruck. Die Charaktermodelle sind größtenteils sehr hübsch und detailliert gestaltet. Dagegen fallen die groben, niedrig aufgelösten Umgebungstexturen negativ auf. Das Spiel verwendet die ungewöhnliche Vogelperspektive, in der die hübschen Kampfanimationen trotzdem gut zur Geltung kommen. Die Kamera lässt sich frei drehen, aber nur vernachlässigbar zoomen. Falls Sie Ihren Barden zum Fernkämpfer machen, sollten Sie letzteres bedenken, da es die Reichweite der Bögen einschränkt. Bei Interaktionen mit Händlern oder Zwischensequenzen zoomt und schwenkt die Kamera von der Vogelperspektive direkt ins Geschehen -- das trägt gerade in Gesprächen zur Atmosphäre bei, weil Sie einfach näher am Geschehen sind.

    Lobenswert ist die gelungene Synchronisierung. Alle Sprecher passen zu ihren Charakteren, auch wenn der Barde ruhig noch etwas zynischer hätte ausfallen dürfen. Absolut hörenswert sind die englischen Lieder der NPCs, etwa das Hoch auf den Erfinder des Biers in der Kneipe in Houton. Und damit Sie schön mitgrölen können, werden die Texte samt Karaoke-Hüpfball gleich mit eingeblendet. Wer gute Englischkenntnisse hat, sollte ohnehin erwägen, in der Originalsprache zu spielen -- die Soundfiles sind mit auf der DVD.

    Georg Valtin

  • The Bard's Tale
    The Bard's Tale
    Publisher
    Ubisoft
    Developer
    inXile Entertainment (US)
    Release
    16.05.2005

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The Bard's Tale
The Bard's Tale
Ein opportunistischer Schurke soll die Welt retten? Das kann ja nur schief gehen. Wärmen Sie die Lachmuskeln auf, und genießen Sie das wohl ungewöhnlichste Rollenspiel der letzten Jahre!
http://www.gamesaktuell.de/The-Bards-Tale-Spiel-37163/Tests/The-Bards-Tale-715602/
01.07.2005
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