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  • Still Life

    Still Life ist ein klassisches Point&Click-Adventure, das auch komplett ohne Rätsel funktionieren könnte. Ein Glück für die Entwickler -- die haben vor lauter Geschichtenerzählen nämlich fast die Knobelei vergessen.

    Adventure-Fans erinnern sich vielleicht noch an Post Mortem. Als Privatdetektiv Gus McPherson musste man dort einen brutalen Mordfall im Paris des Jahres 1935 aufklären. In Still Life ist Gus erneut einem Serienmörder auf der Spur -- allerdings spielt er diesmal die Nebenrolle und rätselt nur in Rückblenden. Die Hauptrolle übernimmt seine Enkelin Victoria, die im heutigen Chicago eine Mordserie aufklärt, die dem Fall ihres spurensichernden Opas erstaunlich bis erschreckend ähnelt.

    Eins und eins zusammenzählen

    Still Life bedient sich auch in Sachen Rätseldesign beim Quasi-Vorgänger. Genau wie in Post Mortem gibt's statt Kombinationsrätseln einen ganzen Batzen Myst-kompatibler Logik-Puzzles. Da sollen Sie beispielsweise ein Schloss knacken, ohne Hightech-Gadgets. In mühsamer Kleinarbeit müssen Sie herausfinden, welche Stifte im Schloss miteinander zusammenhängen und sie nacheinander in die richtigen Positionen bringen. An anderer Stelle versperrt eine Tür samt Zahlenschloss den Weg, doch der passende Code ist nirgends zu finden. Weiter kommen Sie erst, wenn Sie vorher die Hinweise eines kryptischen Gedichts richtig deuten.

    Subtile Hilfestellung

    »Mühsam« bedeutet bei Still Life allerdings nicht »nahezu unschaffbar« -- ein Prädikat, das sich Post Mortem mit knüppelschweren Rätseln verdiente, für die es kaum Hinweise gab. In Still Life macht die Knobelei hingegen Spaß. Sich die Vorgehensweise komplett selbst zusammenreimen, das ist nur zwei Mal notwendig. Ansonsten gibt es immer Hinweise, die einem zwar unter die Arme greifen, aber niemals zu viel verraten -- es bleibt das Gefühl, die Kopfnüsse selbst geknackt zu haben und so in der Geschichte voranzukommen.

    Stillleben im Hirn

    Tatsächlich ist Still Life fast schon zu einfach und erinnert vor allem in den ersten beiden Dritteln an einen interaktiven Spielfilm. Die Geschichte wird in vielen gerenderten Zwischensequenzen und ausufernden Dialogen erzählt, bis ein kleines Rätsel den Erzählfluss stoppt. Ist dieses Rätsel gelöst, beginnt der nächste Geschichtsblock. Auf Grund der extrem spannend inszenierten Geschichte ist dieser Ablauf zu verschmerzen. Mit einem Adventure im klassischen Sinne hat Still Life zu Beginn allerdings bis auf die Steuerung mit der Maus nur wenig gemeinsam. Erst in den letzten vier von knapp zehn Stunden Spielzeit gibt es mehr Puzzles als Dialoge.

    Halt doch die Klappe!

    So spannend die düster inszenierte Geschichte auch ist, die Entwickler Microids hier mit Versatzstücken aus allerlei Hollywood-Horrorstreifen erzählt -- einer der großen Kritikpunkte an Still Life sind die Dialoge. Die entpuppen sich nämlich mehr und mehr als notwendiges Übel, um das man nicht herumkommt, will man nichts verpassen. Es sind vor allem die größtenteils sehr schwachen Sprecher, die die Schwätzchen mitunter unerträglich machen. Lediglich Victoria, Gus und ironischerweise zwei, drei unwichtige Nebenrollen sind gut besetzt. Für die restliche Sprecherriege heißt es: »Sechs, setzen!« Eigentlich dramatische Momente büßen viel Atmosphäre ein, weil die Sprecher scheinbar während der Aufnahmen im Buch »Emotionen für Dummys« geschmökert haben.

    Zudem sind die Gespräche extrem lang und bieten keine Möglichkeit, selbst tätig zu werden. Anstatt aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten zu wählen, klickt man nach jedem Wortwechsel auf die linke Maustaste, und weiter geht's. Hin und wieder darf man optional mit einem Rechtsklick persönliche Fragen stellen, die nichts mit dem Fall zu tun haben. Auf Gesprächs- oder Spielverlauf hat das keinen Einfluss.

    Gepflegt gruseln

    Während mancher Dialog die Atmosphäre in den Keller drückt, holt die Grafik sie ans Tageslicht. Von wenigen Stilbrüchen abgesehen (mitunter folgen gezeichnete und gerenderte Hintergründe direkt aufeinander), sind die Schauplätze stimmig inszeniert; die 3D-Charaktere fügen sich gut ein, statt deplatziert zu wirken.

    Fast schon reif fürs Kino sind die Zwischensequenzen. Mit schnellen Schnitten und geschicktem Effekt-Einsatz stehen sie Profi-Schockern wie The Ring in nichts nach. Auch die Soundkulisse bedient sich bei filmischen Vorbildern, ist aber gerade deswegen sehr stimmig.

    Rätselloses Adventure

    Still Life lebt von seiner Geschichte. Ständig stellt man sich nur eine Frage: »Wie geht's weiter?« Allein deshalb stört es nicht weiter, dass man in den ersten Stunden förmlich durch das Spiel hetzt, weil es zu wenig Rätsel gibt, die beschäftigen. Wer in erster Linie ein Adventure sucht, greift besser zu Nibiru. Da gibt's mehr zu Knobeln und etwas Grusel obendrauf.

    Mögen Sie spannende Geschichten und haben ein Faible für »heute Nacht schlafe ich schlecht«-Atmosphäre, dann können wir Ihnen Still Life nur empfehlen. Das hat nämlich auch der Vorzeige-Grusler Black Mirror nicht besser hinbekommen.

    David Bergmann

  • Still Life
    Still Life
    Publisher
    Flashpoint AG (DE)
    Developer
    Microids (FR)
    Release
    07.12.2009

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Still Life
Still Life
Still Life ist ein klassisches Point&Click-Adventure, das auch komplett ohne Rätsel funktionieren könnte. Ein Glück für die Entwickler -- die haben vor lauter Geschichtenerzählen nämlich fast die Knobelei vergessen.
http://www.gamesaktuell.de/Still-Life-Spiel-35393/Tests/Still-Life-715619/
01.06.2005
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/07/t_stilllife_999_06eps.jpg
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