Was Sammy nicht lernt, lernt Sam nimmermehr: Im vierten Teil bleibt vieles beim Alten. Neu sind Gewissenskonflikte, und die machen Double Agent zum spannendsten Splinter Cell.
Auch wenn mehr Tageslicht in die Levels fällt, bleibt das Grundprinzip unverändert:zunächst lautlos anschleichen und dann zuschlagen.
Er steht in einem grell-weißen Nichts -- so weit er schauen kann: sterile Leere. »Ein Zivilist mit wichtigen Informationen wird von einem Terroristen gefangen gehalten. Befreien Sie ihn«, sagt die Stimme in seinem Ohr, plötzlich schießen Wände aus dem Boden. Sie formen einige kleine Räume, Türen entstehen wie von Geisterhand. Ein absurdes Schauspiel, in das sich plötzlich ein Polizist mischt. Der verschwindet prompt in einem der Räume, als hätte er nie etwas anderes getan. »Ein Polizist sucht die Gegend nach der Geisel ab. Wenn die Terroristen ihn sehen, wird die Geisel getötet«, meldet sich die Stimme erneut. Sam Fisher geht in die Hocke und folgt dem Wachmann, so wie er das schon seit Jahren tut.
Künstlerisch wertvoll
Quelle: www.ubisoft.com
In luftiger Höhe balanciert Sam sich an einer Hotelbar vorbei. Die gut angeschickerte Kundschaft darf den Geheimagenten dabei nicht sehen.
Eine Hommage an die virtuellen Trainingsmissionen von Schleicher-Kollege und -Vorbild Solid Snake aus Metal Gear Solid. Ein Bruch mit der Dunkelkammer-Tradition der Splinter Cell-Serie. Einfach wunderschön anzuschauen. Der verheißungsvolle Auftakt zu Double Agent erfüllt gleich drei Wünsche auf einmal. Und ganz nebenbei erinnert das Tutorial Serienveteranen an Sams Tugenden und führt Frischlinge an das Agentenleben heran. Gäbe es eine Oscarverleihung für Spiele, das Team von Ubisoft hätte sich für diesen Einstieg eines der Goldmännchen redlich verdient.
Klassisch klasse
Erschießen wir diese Geisel? Die Anzeige gibt an, welche Auswirkung unsere Entscheidung auf das Vertrauen der beiden Fraktionen hätte.
Im ersten richtigen Einsatz dann Altbekanntes. Sam turnt im schwarzen Strampelanzug durch eine in Island versteckte Raketenabschussbasis. Binnen weniger Minuten foppt er böse Buben, turnt durch Lüftungsschächte, rettet die Welt ... und erfährt, dass seine Tochter ermordet wurde. Irgendwie blöd, uns Spieler reißt das nicht wirklich mit -- aber schließlich haben die Entwickler es in den bis dato drei Spielen rund um das Klischee des harten Superagenten versäumt, uns den guten Sam als starken Charaktertypen näher zubringen.
Doch Sam selbst ist am Boden zerstört. Und erfüllt damit alle Voraussetzungen für den neuesten Auftrag der NSA mit dem Gütesiegel »Himmelfahrtskommando«. Sam soll sich als Undercover-Agent der Terroristenorganisation John Brown’s Army, kurz JBA, anschließen. Ihm steht ein Leben als Doppelagent bevor, und das wird er im Knast beginnen.
