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  • VR-Ausblick: Liebe und Sex in Zeiten der Virtual Reality
    Quelle: PC Games

    VR-Ausblick: Liebe und Sex in Zeiten der Virtual Reality

    Mit dem Einzug der VR-Geräte ins heimische Wohnzimmer eröffnen sich für Anwender und auch für die Erotik-Industrie neue Möglichkeiten. Wird VR unser (Liebes-)Leben verändern?

    Wenn man den PR-Versprechen der Spieleindustrie Glauben schenken mag, wird 2017 das Jahr der Virtual Reality. In den letzten Monaten haben es die großen Player geschafft, eine erste Welle marktreifer Versionen ihrer Geräte zu veröffentlichen. Während Oculus Rift und HTC Vive bisher zumindest eher noch Early Adopter und PC-Fans ansprechen, erscheint im Herbst die Cyberbrille PlayStation VR für die PlayStation 4, die laut Sony inzwischen weltweit in über 40 Millionen Haushalten steht. Dann wird sich zeigen, ob und wie stark sich das Medium VR auf und in den Köpfen der Konsumenten etablieren kann.

    Hinweis: Dieser Artikel stammt aus der PC Games Ausgabe 09/16

    09:14
    VR-Pornos: Geil oder gruselig? Der jugendfreie Re(d)aktions-Check im Video

    Schöne neue Welt

          

    Die Pornodarstellerin Skin Diamond checkt ihren Twitterfeed, während sie auf die nächste Aufnahme für ihren Fullbody-Scan wartet. Auch der Anbieter Holodexxx arbeitet an Animationen. Die Pornodarstellerin Skin Diamond checkt ihren Twitterfeed, während sie auf die nächste Aufnahme für ihren Fullbody-Scan wartet. Auch der Anbieter Holodexxx arbeitet an Animationen. Quelle: Holodexx Die Erwartungen und Versprechen an die angeblich unmittelbar bevorstehende virtuelle Revolution sind groß. Schließlich ist alles möglich in VR: In der Theorie können wir nach dem Aufsetzen der sogenannten Head-Mounted Displays sein, wer wir wollen, uns an jeden beliebigen Ort des Universums begeben und dort Dinge erleben, die wir uns zuvor nicht mal vorstellen konnten. Noch sind wir nicht auf dem Stand der Picard' schen Enterprise aus Star Trek, deren Holodeck auf Zuruf in Sekundenbruchteilen neue Realitäten erschuf. Aber mit etwas Zeit und technischem Know-how können wir uns dank frei zugänglicher Software wie Unreal Engine 4 oder Unity schon jetzt so ziemlich alle Fantasien kreieren.

    In der Spielebranche sind derzeit alle Blicke auf die dazugehörigen Games gerichtet. Welches AAA- oder Indie-Studio wird als erstes die "Killer-App" für VR veröffentlichen, um der jungen Technologie zum großen Durchbruch zu verhelfen? Oder wird Virtual Reality gar floppen - wie zuvor die Versuche von Microsoft und Sony, den Erfolg der Wii mit Motion- Steuerung wie Kinect und Sonys Move auf ihre Konsolen zu übertragen? Auch wir haben keine Kristallkugel, die in die Zukunft blicken kann, aber wir können einen Blick über den Tellerrand wagen. Aus der Spieleindustrie heraus und rein in eine Branche, die auch früher schon dafür sorgte, dass sich Technologien dank ihres Einsatzes frühzeitig am Markt etablieren konnten: die Porno- und Erotik-Industrie.

    Der Status Quo

          

    Kuscheln mit 3D-Avataren in 3dxchat. Das kostenpflichtige Sex- MMO hat auch deutlich explizitere Darstellungen. Kuscheln mit 3D-Avataren in 3dxchat. Das kostenpflichtige Sex- MMO hat auch deutlich explizitere Darstellungen. Quelle: 3dxchat Uns interessiert, ob das Versprechen von "Sex in VR" dafür sorgen wird, dass sich Oculus Rift und Co. besser verkaufen. Dafür verabreden wir uns mit Christoph Spinger von VR-Nerds.de, der größten deutschsprachigen Website zum Thema Virtual Reality. Aktuell gäbe es für diesen Bereich noch zu viele technische Schwachstellen, um als Treiber zu fungieren, glaubt Spinger. "Viele Menschen haben mit der Veröffentlichung der Oculus-Entwicklerversionen geglaubt, dass die Porno-Industrie das Thema VR nun großmachen wird. Generell tut diese Industrie auch schon einiges, doch meiner Meinung nach ist die Auflösung für VR-Filme aktuell noch zu schlecht, um wirklich überzeugend zu sein." Mit der fortschreitenden Weiterentwicklung der Display-Technologie sei dieser Punkt aber in spätestens zwei bis drei Generationen ausgemerzt. Der Virtual-Reality-Experte ist davon überzeugt, dass VR-Geräte auf lange Sicht den klassischen Monitor ablösen werden und Inhalte jeglicher Art, die wir aktuell auf Bildschirmen konsumieren, entweder direkt oder auf projizierten Flächen in virtuellen Räumen dargestellt werden.

    VR ist ein neues Medium mit vielen Chancen, aber auch Risiken. Die Frage, warum es derzeit so gut wie keine interaktiven Anwendungen im Erotikbereich gibt, sondern fast ausschließlich Videomaterial, begründet er damit, dass der Markt für Investitionen noch zu klein sei. "Wer jetzt bereits viel Geld in die Hand nimmt, der muss damit rechnen, dass er dieses eventuell erst wieder zurückbekommt, wenn die Headsets in der nächsten oder in der dritten Generation angekommen sind", sagt Spinger. Außerdem fehle es Entwicklern von Interaktiv-Anwendungen an einem einheitlichen Standard für korrektes Hand- und Körpertracking, um glaubhafte und immersive Erlebnisse abbilden zu können. "Diesen Standard wird die Porno-Industrie aberkönnen. Hier liegt es an Oculus, HTC, Sony und Co., einen solchen gemeinsamen Standard zu etablieren. Das würde auch die Investitionen in die Entwicklung von interaktiven Anwendungen und Feedback-Hardware erhöhen", sagt Spinger.

    01:34
    Naughty America: VR-Pornos auf der E3 2016 - wir haben's ausprobiert

    Vom Silicon Valley ins Uncanny Valley

          

    Im Film Lars and the Real Girl von 2007 spielten die lebensechten Figuren der Firma RealDoll eine tragende Rolle. In Zukunft soll Robotik die Gesichter zum Leben erwecken. Im Film Lars and the Real Girl von 2007 spielten die lebensechten Figuren der Firma RealDoll eine tragende Rolle. In Zukunft soll Robotik die Gesichter zum Leben erwecken. Quelle: RealDoll Anbieter wie VRGirlz und Holodexxx arbeiten derzeit mit Hochdruck an der nächsten Zwischenstufe, die die Brücke zwischen dem Realismus von abgefilmten Menschen und der Freiheit von in 3D erstellten Figuren und Räumen schlagen soll. Ihr Lösungsansatz besteht darin, Vollkörper-Scans von Erotik-Models anzufertigen und diese dann als stereoskopische 3D-Modelle anzubieten. Mithilfe aufwendiger Kameraaufbauten werden die Pornodarsteller in 360 Grad "eingescannt". nicht schaffen Dies erlaubt eine fotorealistische Darstellung aus allen Blinkwinkeln, auch wenn sich der Nutzer im Raum um diese Figur bewegt und sich ihr nähert. Sogar einzelne Hautporen oder Wimpern sollen detailliert erfasst und dann in der 3D-Anwendung dargestellt werden.

    In der frei verfügbaren Demoversion von VRGirlz fällt jedoch schnell auf, worin derzeit abseits der zu geringen Auflösung der Displays das Problem für den Betrachter liegt: Die Körper, so perfekt und realistisch diese auch bereits aussehen, wirken nicht lebendig. Man kommt sich ein wenig vor wie bei einem Besuch in einem Wachsfigurenkabinett, in dem der pubertäre Sohn des Nachtwächters alle weiblichen Figuren entkleidet und in unzüchtigen Posen drapiert hat. Holodexxx hat den Veröffentlichungstermin ihres ersten geplanten Modells indes vorerst zurückgehalten und die Planung umgestellt. Via Crowdfunding will man nun weiteres Geld einsammeln, um nicht nur statische Positionen, sondern animierte Bewegungen anbieten zu können, die dadurch deutlich lebendiger wirken sollen.

    Multiplayer-Modus freigeschaltet

          

    Das niederländische Unternehmen Kiiroo verkauft moderne Sextoys für Fernbeziehungen: Die eingebauten Sensoren im Vibrator werden über das Internet an den mechanischen Masturbator übertragen, um die Bewegungen zu synchronisieren. Das niederländische Unternehmen Kiiroo verkauft moderne Sextoys für Fernbeziehungen: Die eingebauten Sensoren im Vibrator werden über das Internet an den mechanischen Masturbator übertragen, um die Bewegungen zu synchronisieren. Quelle: Kiiroo Wie auch im realen Leben gilt: Sex ist nicht nur Geschlechtsverkehr, die menschliche Sexualität hat viele Facetten und Nuancen. Auch und vor allem in der virtuellen Realität stellt sich die Frage, was "Sex haben" überhaupt bedeutet. Vor der Einführung der VR-Technologie hatten Menschen ebenfalls Sex ohne körperlichen Kontakt über digitale und analoge Kanäle. Beim sogenannten "Sexting", also der erotischen Konversation über SMS-Nachrichten mit dem Partner oder auch romantische und sexualisierte Telefon-, Video- und Chat-Konversationen, findet keine gegenseitige körperliche Berührung statt. Der eigentliche Akt wird im Kopf und in der Fantasie der Teilnehmer und optional unterstützend durch Selbstbefriedigung ausgeführt. Software wie 3dxchat oder Chathouse 3D sind explizite Angebote, bei denen Avatare miteinander animierten Geschlechtsverkehr und andere sexuelle Spielarten simulieren können. Eine Unterstützung der gängigen VR-Geräte ist hier auch aus wirtschaftlicher Sicht der nachvollziehbare nächste Schritt.

    Noch wirken diese Angebote auf den ersten Blick etwas unbeholfen - und aufgrund ihrer ungelenken Barbieund- Ken-Optik oft eher belustigend als erregend. Aber das Bewusstsein, dass auf der anderen Seite ein echter Mensch mit einem interagiert, istvermutlich der sehr viel größere Anreiz. Mit einem zu erwartenden technischen Qualitätsanstieg der Charaktermodelle und der Animationen ist hier in naher Zukunft zu rechnen. Das dürfte bei Paaren zu interessanten Grundsatzdiskussionen führen: Gilt animierter Geschlechtsverkehr mit einem Sexchat-Avatar als Fremdgehen oder nicht? Verliebt in Siri und ihr süßes Cyborg-Stupsnäschen Wirklich visionäre Ideen und Entwicklungen sind uns bei der Recherche überraschend wenige begegnet. Doch das, was Matt McMullen, Creative Director und CEO des Unternehmens RealDolls derzeit plant, klingt vielversprechend und so richtig nach Science-Fiction und Zukunft. Der Erfinder und Künstler hinter den lebensgroßen Silikon-Sexpuppen hat das Projekt Realbotix gestartet. Dieses hat zum Ziel, Künstliche Intelligenz, Robotik und Virtual Reality miteinander zu verschmelzen, um das ultimative Sex-Erlebnis anbieten zu können.

    Wegschauen hilft nicht, virtuelle Realität wirft reale Probleme auf. Die Realbotix-App, die für Smartphones und Tablets veröffentlicht werden soll, klingt nach einer Realisierung der Geschichte des Spike- Jonze-Streifens Her aus dem Jahr 2013. In diesem verliebt sich Joaquin Phoenix in eine Künstliche Intelligenz auf seinem Smartphone - und, Mini-Spoiler, hat daraufhin auch mit ihr Sex. Die Realbotix-App soll ähnlich wie die Film-KI durch Interaktionen und Spracherkennung mit dem Benutzer nach und nach lernen, welche Vorlieben und Wünsche dieser hat und schlussendlich eine virtuelle Beziehung simulieren. Doch das ist nur der erste Schritt in McMullens Masterplan. In der zweiten Phase soll Robotik ins Spiel kommen. Aktuell arbeitet seine Firma an einem Roboterkopf- Aufsatz für ihre RealDoll-Modelle. In Verbindung mit der dann antrainierten Künstlichen Intelligenz der Realbotix-App soll dieser Kopf "zum Leben" erweckt werden. Die vorher rein virtuelle Persönlichkeit soll durch die mechanischen Bewegungen des Gesichts eine weitere, persönliche Ebene erhalten und damit "greifbarer" werden. Zusätzlich eingebaute Sensorik im Roboterkopf soll dafür sorgen, dass die KI sogar auf Berührungen im Gesicht reagieren kann.

    Die Firma VRGirlz scannt menschliche Modelle komplett in 3D ein. Die Qualität ist schon so gut, dass einzelne Haare und Muttermale erkennbar sind. Animationen sollen bald folgen. Die Firma VRGirlz scannt menschliche Modelle komplett in 3D ein. Die Qualität ist schon so gut, dass einzelne Haare und Muttermale erkennbar sind. Animationen sollen bald folgen. Quelle: VRGirlz Da die Sexpuppen bereits schon heute ohne Robotik mehrere Tausend Dollar kosten, ist davon auszugehen, dass diese Form von Sexualität sicherlich ein Luxusspielzeug bleiben wird. McMullen hat aus diesem Grund auch angekündigt, als Erweiterung seiner Firmenstrategie in den VR-Markt investieren zu wollen. Unter dem Projektnamen "Virtual RealDolls" arbeiten die Programmierer derzeit an einer Anwendung, die die Interaktion mit der oben beschriebenen Künstlichen Intelligenz im virtuellen Raum ermöglichen soll. In Kombination mit einer "echten" RealDoll und Positionstracking im Raum soll so der Sex mit dem 3D-Avatar der KI im virtuellen Raum mit der physischen Präsenz und dem angeblich sehr realistischen Hautgefühl der lebensgroßen Silikonfigur synchronisiert werden. Übrigens gibt es die RealDolls nicht nur mit künstlichen Vaginen, sondern selbstverständlich auch mit Penisattrappen.

    Synchronisierter Cybersex: Eine Chance für Fernbeziehungen?

          

    Das Problem mit der fehlenden Haptik beim virtuellen Liebesspiel haben auch andere Firmen ausgemacht. Die Sexspielzeug-Industrie hat die aufklappende Lücke natürlich sofort für sich entdeckt und versucht, diese sinnbildlich mit neuen Produkten zu füllen. Die niederländische Firma Kiiroo etwa führte vor kurzem die Kiiroo Couple Toys für heterosexuelle Paare im Markt ein. Das Set besteht aus einem Vibrator und einem Masturbator und soll experimentierfreudige Fernbeziehungen ansprechen. Der Clou: Beide Geräte können über das Internet miteinander kommunizieren. Der Vibrator Pearl verfügt über insgesamt fünf Ringsensoren, die beim Einführen in den Körper die gemessenen Bewegungen als Signale auf die Mechanik des Onyx übertragen. Beim Onyx handelt es sich um eine künstliche Vagina mit Motoren zur Stimulation. Die übertragenen Signale lassen dann den Inneneinsatz des Masturbators kontrahieren, um das Gefühl einer Bewegung zu simulieren.

    Derzeit wirken viele Sexszenen in 3D noch etwas unfreiwillig komisch. Dass ein anderer, echter Mensch den anderen Avatar steuert, ist der eigentliche Reiz solcher Sexchat-Programme. Derzeit wirken viele Sexszenen in 3D noch etwas unfreiwillig komisch. Dass ein anderer, echter Mensch den anderen Avatar steuert, ist der eigentliche Reiz solcher Sexchat-Programme. Quelle: Chathouse3D "Meiner Meinung nach ist es aber noch ein weiter Weg zu einer gefühlsechten Stimulation", erklärt uns Henning vom Sextoy-Testblog Strap-on-it.de im Gespräch. Er hat das Partnertoy für die Test-Website mit seiner Partnerin ausprobiert. Wir wollen wissen, ob sich die Technik noch zu sehr als Fremdkörper anfühlt oder man sich nach einer Weile fallen lassen und die Stimulation des Penisaufsatzes auch als partnerschaftliche Berührung interpretieren kann: "Für mich persönlich ist die Stimulation noch zu mechanisch, wenn auch durchaus intensiv", sagt Henning. "Die Bewegungen sind für meinen Geschmack zu linear und zu gleichmäßig - nicht so wie man das aus der Realität kennt. Das Ganze läuft außerdem leider nicht ganz synchron, sondern etwas zeitversetzt. So zumindest war es bei uns, als wir uns über einen Videochat unterhalten haben. Meiner Meinung nach ist es noch ein weiter Weg zu einer gefühlsechten Stimulation."

    Doch Kiiroo bietet auch eine zusätzliche Nutzungsvariante für das Onyx an, mit der vor allem Single- Männer von einem Kauf des Geräts überzeugt werden sollen. Dazu hat das Unternehmen Pornoclips, in denen die Darstellerinnen mit einem entsprechenden Sextoy hantieren, mit speziellen Timecodes nachbearbeitet, die die Kontraktionen im Masturbator passend zum Video auslösen. Zusätzlich erhalten professionelle Webcam-Girls die Möglichkeit, die Sensor-Übertragungen ihres Pearl-Dildos mit mehreren Zuschauern über die Eingabe eines PINs zu teilen. So ist das Gerät auch im Alleingang nutzbar und kann als körperliche Stimulation zum Gesehenen genutzt werden. Eine Erweiterung der Software für Virtual-Reality- Applikationen wie die bereits erwähnten Sex-Chats sind bereits in Planung.

    "Dennoch glaube ich, dass nichts, aber auch absolut gar nichts auf Dauer den zwischenmenschlichen (sexuellen) Kontakt ersetzen kann", sagt Henning - auch wenn er überzeugt davon ist, dass sich die Intensität dieser partnerschaftlichen Teledildonics durch eine Begegnung in VR in Zukunft noch verstärken lassen wird. Er sieht die technische Entwicklung insgesamt aber als Bereicherung an. "VR wird auch die Möglichkeit bieten, sich Wünsche und Fantasien, beispielsweise einen flotten Dreier, zu erfüllen, die sich jemand im echten Leben vielleicht nicht umzusetzen traut."

    Fog of War & Perspektivenwechsel

          

    Christian Schiffer verbrachte für den Bayerischen Rundfunk 24 Stunden in der virtuellen Realität. Ein Sex-Erlebnis der etwas anderen Art blieb dem Journalisten dabei besonders in Erinnerung. Christian Schiffer verbrachte für den Bayerischen Rundfunk 24 Stunden in der virtuellen Realität. Ein Sex-Erlebnis der etwas anderen Art blieb dem Journalisten dabei besonders in Erinnerung. Quelle: Julia Müller / BR Der Radio- und Spielejournalist Christian Schiffer wagte vor wenigen Wochen für den Bayerischen Rundfunk den Selbstversuch: Er verbrachte für ein Radio-Feature 24 Stunden in der virtuellen Realität und bekam in dieser Zeit verschiedene Welten, Erlebnisse und Experimente vorgesetzt. Natürlich hatte er an dem Tag auch Sex im virtuellen Raum und fand sich ohne Vorwissen plötzlich im Körper einer Frau wieder, der von einem Mann penetriert wurde. "Von allen Dingen, die ich in der Zeit erlebt habe, war dieses Erlebnis das, was mir am negativsten in Erinnerung geblieben ist", gesteht der Herausgeber des Videospiel-Bookazines WASD. "Ich war etwas erstaunt, wie ich einfach überhaupt nicht damit klarkam, obwohl ich mich eigentlich als sexuell sehr offenen Menschen verstehe", sagt Schiffer. "Ich habe an mir runtergeschaut und fand es total unattraktiv, dass es mein Frauenkörper war, mit dem da Dinge passieren. Obwohl es sich um einen sehr schönen Frauenkörper handelte, konnte ich das irgendwie nicht erregend finden."

    Nicht erst seit dieser sehr intensiven Erfahrung hält er Pornovideos in der Virtual Reality für völlig überbewertet und sieht diese erst am Anfang der Entwicklung. Das Problem, das auch uns bei der Recherche aufgefallen ist: Videos innerhalb einer VR-Umgebung bleiben trotz der räumlichen Wirkung und Abschirmung nur selbstablaufende Filme, die uns zum Zuseher degradieren und nicht zum agierenden Akteur werden lassen. Die starke Immersion, die Virtual Reality eigentlich bieten kann, wird von den meisten bisher verfügbaren Videoproduktionen nicht eingefangen. Zwar arbeiten viele Studios bereits mit stereoskopischen Kameras, und auch die Anzahl an 360-Grad-Videos nimmt rasant zu, dennoch bleibt stets das Gefühl, nur passiver Zuseher zu sein. Eine Veränderung der Perspektive ist nur sehr begrenzt möglich, eine Bewegung im Raum oder die Veränderung der Position wird bei diesen Anwendungen nicht registriert.

    09:19
    HTC Vive vs. Oculus Rift - Das ist die momentan beste VR-Brille - Video-Special

    Man kann sich in den meisten Fällen nur in den meist klischeebeladenen und langweiligen Wohnzimmern und Schlafzimmern umschauen. Das Einzige, was daran besser ist als Zuhause: es ist immer schön aufgeräumt. "Das ist ein wenig so wie früher, als der zusätzliche Platz auf DVDs dafür genutzt wurde, die Kameraperspektive bei Pornos zu ändern. Das macht man ein, zwei Mal - und dann fragt man sich, was der Quatsch soll", stimmt Schiffer zu. Doch der Journalist sieht auch die positiven Seiten der Technologie. So erklärt uns Schiffer, dass Sexualforscher davon ausgehen, dass die eigene Sexualität wie eine Landkarte sei. Auf dieser gäbe es Inseln, die aber noch nicht aufgedeckt sind. "Die sind sozusagen verdeckt im Fog of War. Das finde ich schon spannend und aufregend! Ich glaube, Virtual Reality könnte dafür sorgen, solche Inseln für sich zu entdecken. Dinge, von denen man vorher noch nicht wusste, dass man sie geil findet, weil man sie nicht ausprobieren konnte oder wollte."

    Die berühmte Schmuddelecke oder eine Chance für Entwickler?

          

    Der größte Bremser der technischen Entwicklung im Erotikbereich, da sind sich die meisten unser Gesprächspartner einig, sind die Betreiber der Plattformen. Der Zugang zum Markt wird - wie auch in der Spieleindustrie - von einer Handvoll Firmen kontrolliert. Diese unterliegen jedoch in den meisten Fällen dem eher konservativen, hier oft als prüde geltenden US-amerikanischen Wertemodell. Dieses führt dazu, dass es im App-Store von Apple oder auf Steam keine "Inhalte für Erwachsene" - also Pornografie - gibt. Auch der hauseigene Shop von Oculus und das Playstation Network von Sony haben ein ähnlich striktes "No Porn"-Schild am Eingang aushängen.

    Zwar machen bereits erste Meldungen über Gründungen von auf Pornografie spezialisierten App-Stores und Software-Plattformen die Runde, es ist aber fraglich, ob es diese Anbieter schaffen, genügend Relevanz und Kunden zu bekommen. Ohne eine Sichtbarkeit in den offiziellen Kanälen von Steam, Oculus und im PSN werden diese Applikationen und Titel zwangsläufig eine Nische in der Nische bleiben und nur von Menschen gefunden werden, die wissen, wonach sie suchen müssen. Wir haben jemanden gefragt, der schon versucht hat, in diesem Bereich Fuß zu fassen. Markus Heimer ist Mitgründer der Firma Just-VR GmbH, die Virtual-Reality- Cardboard-Brillen entwickelt und vertreibt. Einige Jahre vor der Gründung seiner aktuellen Firma wollte der VR-Spezialist hochwertige Erotik-Anwendungen am noch sehr jungen VR-Markt zu etablieren. "Es ging uns darum, virtuelle Modelle zum Leben zu erwecken und dem Betrachter eine bis dahin noch nicht dagewesene Erfahrung zu verschaffen", sagt Heimer.
    Die Macher von Lollipop VR engagierten die professionelle Pole-Dance-Lehrerin Andrea Dreikluft für Motion-Capture-Aufnahmen. Den Aufwand für die Nachbearbeitung in 3D haben Heimer und Kollegen jedoch unterschätzt Die Macher von Lollipop VR engagierten die professionelle Pole-Dance-Lehrerin Andrea Dreikluft für Motion-Capture-Aufnahmen. Den Aufwand für die Nachbearbeitung in 3D haben Heimer und Kollegen jedoch unterschätzt Quelle: Markus Heimer Unter den Namen Lollipop VR hatten Heimer und sein ehemaliger Geschäftspartner eine virtuelle Striptease-Show für die damals verfügbaren Geräte entwickelt und auch verkauft. Dazu wurde im Vorfeld eine professionelle Tänzerin engagiert und ihre Tanzbewegungen an der Pole-Dance-Stange via Motion Capturing aufgenommen. Anschließend übertrag man diese Bewegungen auf ein virtuelles Modell. Doch Projekt und Startup existieren heute nicht mehr. Im Gespräch schildert Heimer, warum das Ganze eingestellt wurde. Zum einen waren die Kunden nicht in ausreichender Anzahl bereit, beim damaligen Stand der Technik und der visuellen Ausführung mehr Geld für eine solche Anwendung zu bezahlen. Außerdem kam es zu Problemen beim Überführen der Motion-Capturing- Aufnahmen auf das virtuelle Modell. Alleine für die erste Version von Eve's Moonlight Strip benötigte das Unternehmen fast ein halbes Jahr für die Nachbearbeitung der Tänzerin. "Wir waren seinerzeit, was die zeitliche Komponente angeht, sicher etwas zu blauäugig", gesteht sich Heimer ein.

    Erschwerend kam hinzu, dass auch diese jungen Gründer vom Wertesystem einer US-Firma ausgebremst wurden. Die Verkäufe liefen über Plattformen, die den Bezahldienst PayPal nutzten. Nach einigen hundert verkauften Einheiten verlangte PayPal jedoch vom Plattformbetreiber, den Vertrieb der Anwendung einzustellen und drohte mit rechtlichen Konsequenzen und der sofortigen Beendigung der Zusammenarbeit. Daraufhin nahm die Plattform die Anwendung runter und die Verkäufe und vor allem die Vertriebsmöglichkeiten brachen rapide ein, sodass Heimer von der Produktion weiterer Inhalte Abstand nahm. Rückblickend glaubt er, dass auch die zu geringe Verbreitung der Technik zum Zeitpunkt der Fertigstellung eine Teilschuld daran trug, dass ein finanzieller Erfolg nicht erreicht werden konnte. Laut Heimer gab es 2014 nur etwa 100.000 bis 150.000 verkaufte VR-Geräte auf dem Markt und folglich eine sehr eng gesteckte Zielgruppe.

    Fazit: Wir brauchen virtuelle Spielregeln und einen öffentlichen Diskurs

          

    Virtual Reality wird in den nächsten Jahren unser Leben maßgeblich verändern und die gesellschaftlichen Debatten beeinflussen. Nicht nur, aber auch in Bezug auf unsere Sexualität werden neue Fragestellungen entstehen und einen öffentlich geführten Diskurs nötig machen. VR ist ein neues Medium - und wie bei allen neuen Technologien bringt dieses sehr viele Chancen, aber auch viele Risiken mit sich. Als aufgeklärte Gesellschaft ist es wichtig, dass wir frühzeitig bestimmen und lenken, in welche Richtung sich dieses Medium entwickelt und für welche Zwecke es benutzt wird. Nicht nur, weil in der Virtual Reality vielleicht auch schon in naher Zukunft sexuelle Wünsche und Fantasien erstellt und ausgelebt werden können, die in der Realität strafbar sind oder gesellschaftlich geächtet werden.

    Wie wollen und werden wir mit virtueller Kinderpornografie oder Sodomie umgehen, auch wenn dadurch keine Lebewesen zu Schaden kommen? Welche Bedeutung messen wir dem Recht auf das eigene Bild zu, wenn Firmen imstande sind, virtuellen Sex mit fotorealistischen 3D-Avataren von praktisch allen Menschen als herunterladbare Inhalte anzubieten? Die Erfahrung mit dem Internet zeigt, dass diese Dinge realisiert und verfügbar gemacht werden - egal ob wir uns vorher mit ihnen auseinandersetzen oder nicht. Wenn es technisch möglich ist, wird es auch passieren. Themen wie soziale Abgrenzung und Isolation müssen im Kontext mit der Zugänglichkeit von VR und VR-Pornografie neu betrachtet werden.

    Der Diskurs und die Auseinandersetzung mit diesen Themen sind daher im Grunde unabwendbar. Nicht sehr hilfreich ist dabei, dass die Plattformbetreiber von vornherein bei sexuellen Inhalten auf Blockade setzen und damit diese Themen direkt in den Schwarzmarkt und die Schmuddelecke drängen. Wegschauen hilft nicht, auch virtuelle Realitäten können reale Problemen aufwerfen, die wir vorher noch nicht kannten. 2017 wird das Jahr werden, in dem wir anfangen müssen, über den Tellerrand zu blicken.

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Mit dem Einzug der VR-Geräte ins heimische Wohnzimmer eröffnen sich für Anwender und auch für die Erotik-Industrie neue Möglichkeiten. Wird VR unser (Liebes-)Leben verändern?
http://www.gamesaktuell.de/Spielemarkt-Thema-117280/Specials/Liebe-und-Sex-in-Zeiten-der-Virtual-Reality-1204694/
28.11.2016
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