Unser Fitness-Test enthüllt: Segas Sprintweltmeister Sonic hat auf der PlayStation3 ein erschütterndes Formtief. Was ging schief beim PS3-Premierenlauf?
Aufregend: Bei diesem Hochgeschwindigkeitslauf schleudert ein Tornado ein Auto in einen Stapel mit Holzkisten, welche daraufhin realistisch zerbersten. Während Sonic automatisch sprintet, können wir nur nach rechts oder links ausweichen und dabei springen.
Segas Firmenmaskottchen Sonic schreibt Videospiel-Geschichte: Zum ersten Mal in der Historie des japanischen Traditionsherstellers ist ein Game mit dem flinkfüßigen Igel direkt zum Erstverkaufstag einer PlayStation-Konsole erhältlich. Dementsprechend hoch sind natürlich unsere Erwartungen an das Jump'n'Run. Schließlich sollte das blitzschnelle Abenteuer rund um Sonic und seine Freunde immens von der leistungsfähigen PS3 profitieren. Wir legen also die Disc ein und bewundern sogleich die wunderhübsche Intro-Sequenz von "Sonic the Hedgehog". Sie erzählt uns die Geschichte des Königreichs Soleanna. Prinzessin Elise hat bei einer Zeremonie eine fürchterliche Vision.
Ein flammendes Monstrum legt ihre Stadt in Schutt und Asche. Kaum hat sie diese schrecklichen Bilder wieder aus ihrem Kopf verbannt, steht ihr allerdings ein nicht weniger bedrohliches Geschöpf gegenüber: Dr. Eggman, der gemeine Wissenschaftler. Mit seiner Armee von Robotern will er der Prinzessin den mächtigen Chaos Emerald stehlen. Buchstäblich in letzter Sekunde vereitelt Sonic diese Schandtat und bringt den wertvollen Klunker in Sicherheit.
Das Abenteuer beginnt
Elise jedoch wird von Dr. Eggman in seine geheime Basis verschleppt. Es liegt also wieder mal an unserem turboschnellen Wirbelwind, die Königstochter und damit die ganze Welt zu erlösen.
Wir starten also motiviert ins Abenteuer. Doch ehrlich gesagt leidet unsere Motivation bereits bei den unendlichen und viel zu zahlreich vorkommenden Ladepausen. Was wir nach den nervigen Ladesequenzen zu sehen bekommen, lässt sich kaum in Worte fassen. Wir stehen mit unserem blauen Helden mitten in der Hauptstadt von Soleanna und sind gelinde gesagt entsetzt.
Bosskampf: Über den roten Schwanz dieses riesigen Roboterhundes grinden wir zu seinem Kopf und lassen den Köter dann gegen die nächste Mauer laufen.
Niedrig aufgelöste Oberflächentexturen, triste Gebäude und Objekte, die wenige Meter vor uns aus dem Nichts auftauchen -- so etwas gab's selbst auf der PlayStation2 schon lange nicht mehr! Hinzu kommt an manchen Stellen ein wirklich krasses Ruckeln, das uns mehr an einen Zeitlupeneffekt als an ein komplett fertig gestelltes Videospiel erinnert. Bäh! Diese wenig gelungene Hauptstadt dient im Spiel als eine Art Oberwelt für die Ausflüge in verschiedene Levels. Wollen wir die anderen Welten erreichen, müssen wir zuerst diverse Aufgaben lösen. Wir testen mit Sonic die Supersohlen eines Schusters, fangen eine Horde von Kindern ein oder machen uns auf die Suche nach einem Polizei-hauptmann.
Auftrag mit Tücken
Übersinnlich: Silver kann Kisten, Autos und Felsen per Telekinese auf seine Widersacher schleudern. Hierbei kann man die schönen Physik-Effekte bewundern.
Klingt einfach? Ist es dank der hakeligen Kamera aber leider nicht. Vor allem in engen Gassen lässt sich diese nicht mal manuell vernünftig justieren. Erträglicher wird das Ganze in den eigentlichen Levels. Die Grafik sieht hier grundsätzlich ein gutes Stück besser aus, mit Rucklern und ins Bild ploppenden Details hat das Game aber auch hier zu kämpfen.
Zumindest beim Spielablauf setzt man auf bewährte Elemente. Der stachlige Held rast über Beschleunigungsfelder, flitzt durch Loopings, springt an kleinen Katapulten nach oben und sammelt bei dieser rasanten Hatz jede Menge goldener Ringe ein. Diese behält er so lange, bis ihn ein Widersacher erwischt. Dann purzelt Sonic seine güldene Beute aus der Tasche und bei der nächsten Attacke eines Unholds gibt er den Löffel ab.
Deshalb sollte man dem Bösewicht zuvor mit einem gezielten Sprung die blecherne Birne zerdeppern. Etwas Abwechslung bieten kurze Snowboard-Sequenzen. Allerdings ist die Steuerung hier alles andere als optimal, und die Spielfigur bleibt oft ohne erkennbaren Grund auf der Piste stehen.
Langweilig: In der Hauptstadt müssen wir in kleinen Gassen nach den Kindern suchen. Hierfür steht uns nur begrenzt Zeit zur Verfügung. Der normalerweise eingeblendete Radar wird während des Minispiels einfach deaktiviert.
Das rasante Jump'n'Run führt den Spieler durch unterschiedlichste Welten. Mal geht es an einem idyllischen Strand entlang, ein andermal durch eine staubige Wüste hindurch oder eine zerfallene Ruine hinauf. Hier trifft Sonic immer wieder auf seine Freunde. Sie folgen dem blauen Sprinter auf Schritt und Tritt oder lassen sich hin und wieder selbst als Spielfigur steuern. Dann kommen deren einzigartige Fähigkeiten zum Einsatz. Tails nutzt zum Beispiel seinen Schweif als Propeller und legt so weite Strecken in der Luft zurück. Silver hingegen schleudert Kisten und Felsen per Telekinese auf die Roboterarmee.
Spektakuläre Bosskämpfe dürfen in einem Sonic-Spiel natürlich nicht fehlen. Hier gilt es zuerst die Schwachstellen des Unholds auszukundschaften, ansonsten sieht man die Radieschen ganz schnell von unten. Einen Mehrspieler-Modus gibt es natürlich auch. Der Spieler bestreitet im Team-Modus die Levels des Hauptspiels gemeinsam mit einem Freund, oder leistet sich im Kampf-Modus einen spannenden Fight mit ihm.
