Shadow of the Colossus im Test: Ein bezauberndes Abenteuer, aber spielerisch nicht perfekt gealtert

Test Lukas Schmid
Shadow of the Colossus im Test: Ein bezauberndes Abenteuer, aber spielerisch nicht perfekt gealtert
Quelle: PC Games

Shadow of the Colossus im Test: Eines der großartigsten PS2-Abenteuer kehrt schön wie nie auf der PS4 ein - Shadow of the Colossus setzte anno 2005 auf der PS2 neue Atmosphäre-Maßstäbe. Doch kann das Abenteuer abseits der opulenten Grafik auch im Remake überzeugen? Die Antwort auf diese Frage geben wir in unserem Review zum Spiel!

Das von vielen Fans als herausragenstes Werk des japanischen Entwicklerstudios Team Ico angesehene Spiel lag seit dem ursprünglichen Release im Jahr 2005 nicht brach herum. Nachdem wir uns auf der Playstation 3 aber bloß in einem auf HD-Auflösung hochgeschraubten Remaster des Playstation-2-Originals von Shadow of the Colossus (jetzt kaufen 29,90 € ) auf die Jagd nach den titelgebenden Riesenviechern begeben durften, tritt Sony auf der PS4 in die Vollen: Das namensgleiche Remake bleibt dem Original zwar spielerisch fast auf Punkt und Komma treu, kommt technisch aber als grandios aussehende Neuentwicklung daher. Das Ergebnis ist trotz einiger Makel ein Spiel, das man sich als PS4-Besitzer nicht entgehen lassen sollte, denn all das, was das Abenteuer dereinst ausmachte - eine einmalige Atmosphäre, eine herausragend präsentierte Geschichte und eine famos gestaltete Spielwelt - hat es heute genauso zu bieten wie anno dazumal.

Lesetipp - Shadow of the Colossus - Komplettlösung mit Tipps

Wander auf Wanderschaft

Zu den Grundlagen: Shadow of the Colossus steckt uns in die Haut des jungen, stillen Recken Wander, der sich gemeinsam mit seinem treuen Gaul Agro und einer leider ziemlich toten jungen Dame namens Mono auf die Reise in ein mysteriöses, offenbar verfluchtes Land macht. Schnell finden wir heraus, warum: In den Hallen eines riesigen Tempels ruht dort die körperlose Entität Dormin, die offenbar über die Macht verfügt, die Toten wieder zum Leben zu erwecken. Um seine Geliebte zurückzuerlangen, geht Wander einen Pakt mit der Stimme ein, die jedoch eine Bedingung stellt: Der junge Mann muss das Land durchstreichen, sechzehn Kolosse finden und sie töten, bevor Dormin seinen Teil der Abmachung einlöst. So weit, so simpel. Tatsächlich entwachsen aus dieser Prämisse keine drastischen weiteren Entwicklungen und das grobe Ende ist sehr vorhersehbar - was jedoch nichts daran ändert, dass das Spiel trotzdem mit einer der intensivsten und mitreißendsten Handlungen der Playstation-Geschichte aufwartet.
Während man einen eigentlich friedfertigen Koloss nach dem anderem abschlachtet, stellt sich nach und nach die Frage, ob wir denn wirklich der Held in der Handlung sind. Quelle: PC Games Während man einen eigentlich friedfertigen Koloss nach dem anderem abschlachtet, stellt sich nach und nach die Frage, ob wir denn wirklich der Held in der Handlung sind. Was die Erzählung auszeichnet, ist nämlich nicht das Was, sondern das Wie. Mit relativ wenigen Worten - wie in Ico und The Last Guardian - in untertitelter Fantasiesprache vorgetragen, werden hier große Emotionen übermittelt, spannende Hintergrundgeschichten werden angedeutet, aber nicht so weit vertieft, dass sie ihren Zauber verlieren. Sobald man das Ende der Geschichte erreicht, hat man das Gefühl, Wander ganz genau kennengelernt zu haben, obwohl man in Wahrheit kaum etwas über ihn weiß. Keine Frage: Was Atmosphäre und Erzählweise angeht, gehört Shadow of the Colossus zur absoluten Meisterklasse!
Unser treues Ross Argo transportiert uns nicht nur zuverlässig durch die Weiten der Spielwelt, sondern steht uns auch in den Kämpfen zur Seite. Und ja, man kann es streicheln! Quelle: PC Games Unser treues Ross Argo transportiert uns nicht nur zuverlässig durch die Weiten der Spielwelt, sondern steht uns auch in den Kämpfen zur Seite. Und ja, man kann es streicheln!

Poor lonesome cowboy

Spielerisch wurde viel richtig gemacht, zudem arbeiten die Gameplay-Elemente und grundsätzliche Designentscheidungen Hand in Hand, um die wunderschöne, melancholische Stimmung des Abenteuers zu unterstreichen. In einer heute noch mutigen Entscheidung werden wir als Spieler nämlich in eine beachtlich große, aber so gut wie leere Welt geworfen. NPCs und Nebenmissionen gibt es überhaupt keine und abseits der Jagd auf die Kolosse können wir uns lediglich mit der Suche nach Schreinen, Eidechsen und Früchten, die unsere Lebensenergie und Ausdauer ein wenig steigern, die Zeit vertreiben.
DIe Welt ist wirklich phänomenal schön und relativ abwechslungsreich gestaltet. Sattgrüne Wiesen wechseln sich ab mit weiten Wüsten und dunkelgrünen Wäldern. Quelle: PC Games DIe Welt ist wirklich phänomenal schön und relativ abwechslungsreich gestaltet. Sattgrüne Wiesen wechseln sich ab mit weiten Wüsten und dunkelgrünen Wäldern. Das Gefühl der Einsamkeit, das dadurch erzeugt wird, ist ebenso beeindruckend wie bedrückend, genau wie jenes der Dringlichkeit: Wir haben eine Aufgabe und alles, was nicht Teil davon ist, wäre nichts als eine unnötige Ablenkung. Das muss man nicht mögen und kann es zu Recht kritisieren, es ist aber eine ganz offensichtlich sehr bewusste Entscheidung der Entwickler, die dem Spiel unserer Meinung nach zugutekommt. So verbringt man denn den Großteil seiner Zeit damit, sein Schwert in die Höhe zu recken, woraufhin (direkte Sonnenlichteinstrahlung vorausgesetzt) ein blaues Leuchten den Weg zum jeweils nächsten Giganten offenbart. Damals wie heute schade: Die Reihenfolge, in der wir gegen die Kolosse antreten, ist fest vorgegeben - frei Schnauze durch die Welt zu pendeln und zufällig über einen Feind zu stolpern, ist also nicht möglich, erscheinen sie doch erst, sobald wir im zentralen Tempel von Dormin unser nächstes Ziel erfahren haben. Allzu ausgiebiges Backtracking wird aber dankenswerterweise vermieden, die Wege zu den Bossgefechten unterscheiden sich meist recht stark. Manch einer findet sich inmitten eines Sees, noch einer in einer unterirdischen Höhle, wieder einer inmitten einer verfallenen, verwinkelten ehemaligen Stadt.


Grafikvergleich: Zurück ins verfluchte Land

Shadow of the Colossus auf der PS2 Quelle: PC Games Shadow of the Colossus auf der PS4 Quelle: PC Games

Seit dem ursprünglichen Release von Shadow of the Colossus im Jahr 2005 ist viel Zeit vergangen. Der PS2-Klassiker ist im Remake kaum wiederzuerkennen!


Damit diese Reisen keine virtuellen Tage dauern, nehmen wir über weite Teile der Strecken auf Agro Platz. Und wieder: Gameplay und Atmosphäre arbeiten perfekt zusammen, denn die Verbindung zwischen Wander und seinem einzigen, tierischen Freund in der verlassenen Welt fühlt sich ungemein intensiv an, ohne dass sie auch nur einmal wirklich thematisiert wird. Während wir auf der Reise zu den Bossen zwar die ein oder andere Geschicklichkeitseinlage bestehen müssen, geht die Action erst richtig los, wenn wir am Aufenthaltsort der Giganten angekommen sind.

  1. Seite 1 Handlung, Atmosphäre, Sammelgegenstände, Gestaltung der Welt
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