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  • Scarface im Test

    Auch in der digitalen Umsetzung des Kinokults lebt Al Pacino alias Tony Montana nach einem einfachen Prinzip: Erst das Geld holen. Dann die Macht. Und danach die Weiber!

    Luftschlag: In späteren Missionen rücken die Gegner gerne mal mit bewaffneten Hubschraubern an. Luftschlag: In späteren Missionen rücken die Gegner gerne mal mit bewaffneten Hubschraubern an. Die Geschichte der Filmumsetzungen ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Missverständnis Nummer eins liegt auf Seiten der Entwickler. Die nahmen in der Vergangenheit oft an, dass sich ein mittelmäßiges Spiel schweinemäßig gut verkaufen müsste, wenn es nur auf einem Kino-Blockbuster basiert. Die Käufer solcher Spiele erliegen oft Missverständnis Nummer zwei, indem sie annehmen, dass ein großer Name auf ein großes Spiel hindeutet. Das Problem vieler Filmumsetzungen: Die Rechte an einem bekannten Film verschlingen häufig einen riesigen Geldbatzen, und somit bleibt nicht mehr viel für die eigentliche Produktion des Spiels übrig.

    Luxus per Telefon: Im Exoten-Katalog verprassen wir Tonys Drogengeld und stocken etwa unseren Fuhrpark auf. Luxus per Telefon: Im Exoten-Katalog verprassen wir Tonys Drogengeld und stocken etwa unseren Fuhrpark auf. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass die Ankündigung eines Spiels zum Kultstreifen Scarface in der PC-PowerPlay-Redaktion gemischte Gefühle auslöste. Schließlich ist es eher die Regel, dass Filmspiele schlecht, bestenfalls mittelmäßig sind -- siehe die diversen Matrix-Umsetzungen, die Entwicklerlegende Shiny verbrochen hat. Die größten Pessimisten unkten von einem billigen GTA-Klon mit aufgesetzter Tony-Montana-Story. Diese Schwarzseher hätten sich allerdings gründlicher nicht täuschen können.

    GTA Miami?

    Luxus per Telefon: Im Exoten-Katalog verprassen wir Tonys Drogengeld und stocken etwa unseren Fuhrpark auf. Luxus per Telefon: Im Exoten-Katalog verprassen wir Tonys Drogengeld und stocken etwa unseren Fuhrpark auf. Klar: Aufgrund der bisherigen Screenshots und Vorabinfos ist es leicht, in Scarface einen Abklatsch der GTA-Reihe zu sehen, und das Spiel bedient sich auch tatsächlich ganz offen beim großen Vorbild. Aber erstens haben die Mannen bei Rockstar mit dem Klauen angefangen (nämlich Vice City vom Scarface-Film) -- und zweitens ist es nur verständlich, dass sich Entwickler Radical am Genreprimus orientiert. Die Verwandtschaft ist dabei bei fast allen Elementen überdeutlich. Genau wie in GTA schlüpfen wir in die Rolle eines Gangsters, der sich auf der Erfolgsleiter nach oben arbeiten muss. In beiden Fällen tun wir das in einer riesigen, belebten und frei begehbaren Stadt. Sind zu Fuß oder im Auto unterwegs und erreichen unsere Ziele, indem wir zig Missionen absolvieren.

    Schnee in den Tropen

    Luxus per Telefon: Im Exoten-Katalog verprassen wir Tonys Drogengeld und stocken etwa unseren Fuhrpark auf. Luxus per Telefon: Im Exoten-Katalog verprassen wir Tonys Drogengeld und stocken etwa unseren Fuhrpark auf. Am schnellsten geht’s an die Spitze, indem wir mit Tony südamerikanisches Juckepulver unters Volk bringen. Wir holen uns einen Tipp von einem Kontaktmann, erledigen einen kleinen Auftrag (Konkurrenten killen, Freund beschützen) und schalten damit den Dealer frei. Bei dem absolvieren wir eine simple Geschicklichkeitsübung: Wir müssen eine Taste gedrückt halten, während sich eine runde Anzeige im Uhrzeigersinn schnell füllt. Das Ziel: Wie bei einem Golf- oder Fußballspiel möglichst spät, aber rechtzeitig loslassen, bevor die Anzeige »überläuft«. So bestimmen wir, wie viel heiße Ware wir für unser Geld bekommen.

    Im Grammbereich latschen wir dann weitere Straßendealer ab und verticken ihnen je 100 Einzelportionen Koks. Sobald wir ein paar Stufen aufgestiegen sind, vertreibt Tony den Stoff kiloweise und über seine Tarnfirmen -- die wir durch weitere Nebenmissionen freischalten und dann kaufen müssen.

    Retro-Look

    Bei Design und Technik unterscheidet sich Scarface nicht sonderlich vom jüngsten GTA-Spiel: Die Grafik ist nicht auf der Höhe der Zeit und liegt in etwa auf San Andreas-Niveau. Häuser, Autos und Passanten leiden unter akuter Polygonarmut, animierte Gesichtszüge gibt’s höchstens in Zwischensequenzen, und Objekte in der Distanz werden teils erst spät eingeblendet.

    Trotzdem lebt, mordet und dealt Tony in einem glaubwürdigen virtuellen Miami, denn die Entwickler haben die Atmosphäre des Films perfekt eingefangen. Zum einen gibt’s zahlreiche Gebäude, die eins zu eins den Filmsets nachempfunden sind. Fans werden sich über begehbare Locations wie den Babylon-Club (Tonys Lieblingsdisco), das Sun Ray Motel (Schauplatz der berüchtigten Kettensägenszene) oder Tonys protzige Villa freuen.

    Disco-Power

    Ein weiterer Garant für authentische Atmosphäre: die akustische Untermalung. Hier trumpft das Spiel mit einer umfangreichen Musikbox und exzellenten Sprechern auf. Die Lieder laufen dabei anders als in GTA auf einem virtuellen Kassettenrekorder -- Radiostationen gibt es nicht. Dafür allerdings kommt Scarface mit einer Reihe von Mix-Tapes (etwa: Country, Latin oder Hardrock), und natürlich können wir Tony auch zu den Synthie-Klängen des Filmsoundtracks von Giorgio Moroder steuern.

    Tony Montana ist im Spiel (links) eindeutig die detaillierteste Figur. Gesichtszüge, Bewegungen und die äußerst geschmackvollen Klamotten und Brillen entsprechen fast haargenau der Filmvorlage (rechts). Tony Montana ist im Spiel (links) eindeutig die detaillierteste Figur. Gesichtszüge, Bewegungen und die äußerst geschmackvollen Klamotten und Brillen entsprechen fast haargenau der Filmvorlage (rechts). Beim Stimmencasting klotzt das Spiel richtig ran. In Nebenrollen kommen Hollywood-Größen wie James Woods oder Michael York zum Zuge, den Vogel allerdings schießt der exzellente Hauptdarsteller ab. Der flucht, beleidigt und lamentiert als Tony Montana derart originalgetreu, dass wohl nur intimen Kennern des Streifens auffallen dürfte, dass hier nicht Schauspielerlegende Al Pacino, sondern ein Herr namens André Sogliuzzo spricht. Gute Nachricht für Freunde englischer Dialoge und originalsprachiger Filme: Die deutsche Version wurde nicht synchronisiert. Lediglich die (ausblendbaren) Bildschirmtexte und Untertitel sind eingedeutscht.

    Ganz schön deftig

    Wenn Sogliuzzo für seine Rolle nach Flüchen bezahlt wurde, dürfte er heute ein extrem reicher Mann sein. Bereits im Kinofilm war Tonys Lieblingswort »Fuck«, und auch der virtuelle kubanische Giftzwerg spricht nur selten einen Satz, der diese Beschimpfung nicht mindestens einmal enthält.

    Alles im Griff: Über das Telefon-Menü rufen wir die Übersichtskarte auf, aktivieren neue Missionen oder kontrollieren unsere Handlanger. Alles im Griff: Über das Telefon-Menü rufen wir die Übersichtskarte auf, aktivieren neue Missionen oder kontrollieren unsere Handlanger. Passenderweise haben die Entwickler Tonys Vorliebe für deftige Beleidigungen zu einem zentralen Spielelement gemacht: Neben Zielaufschaltung und Feuern ist die Fluchtaste das wohl wichtigste Bedienelement in den Kämpfen. Für verspottete Gegner erhält Tony nämlich Mumm -- im Original treffender als »Balls« (Eier) bezeichnet. Sobald der auf Maximum steht, können wir mit einer weiteren Spezialtaste die »blinde Wut« aktivieren. Dabei schaltet das Spiel in die Egoperspektive und nimmt automatisch jeden Gegner in Sichtweite aufs Korn. Zusätzlich ist Tony dann unverwundbar, muss nicht nachladen und erhält für jeden getöteten Gegner Gesundheitspunkte zurück.

    Zielen: ein Kinderspiel

    Seefahrer: Die Schmuggeltouren werden mit zunehmender Spieldauer immer gefährlicher. Wenn Tony hier stirbt, ist der Stoff futsch. Seefahrer: Die Schmuggeltouren werden mit zunehmender Spieldauer immer gefährlicher. Wenn Tony hier stirbt, ist der Stoff futsch. Um es uns nicht allzu leicht zu machen, vergibt das Spiel mehr Mumm für Treffer, die wir im freien Schussmodus und ohne die Zielaufschaltung landen. Die ist nämlich eine große Hilfe in Feuergefechten: Mit der rechten Maustaste schalten wir einen Gegner auf und können dann innerhalb einer festen Markierung rund ums Opfer den Zielcursor nachjustieren. Praktischerweise funktioniert das auch in Fahrzeugen, sodass wir selbst in einer wilden Verfolgungsjagd noch halbwegs gezielt auf unsere Gegner feuern können.

    Ausreichendes Treffer-Feedback: Im Vergleich zur harten US-Fassung sind die Blutspritzer der deutschen Version geradezu dezent. Ausreichendes Treffer-Feedback: Im Vergleich zur harten US-Fassung sind die Blutspritzer der deutschen Version geradezu dezent. Apropos Fahrzeuge: Der Fuhrpark ist groß, an den von GTA kommt er aber nicht heran. Tony brettert ausschließlich in Autos und Booten durch die Gegend. Motorräder oder gar Hubschrauber gibt es nicht, und das einzige Flugzeug im Spiel können wir nicht direkt steuern -- es dient lediglich als automatisches Lufttaxi. Macht aber nix, denn die Benzinschleudern und Boote kommen mit einem ähnlich guten, nachvollziehbaren Fahrverhalten wie in GTA daher und machen richtig Laune.

    Stehlen oder kaufen?

    Wie üblich können wir uns jeden Wagen auf der Straße klauen. Die elegantere Alternative ist allerdings Tonys privater Fuhrpark, der als Teil unserer Kollektion von Luxusartikeln nicht nur der schnöden Fortbewegung dient. Neben Autos und Booten können wir für unsere hart verdienten Drogen-Dollars nämlich auch Kunstgegenstände, Möbel, Helfershelfer oder Upgrades für unsere Villa kaufen. Damit verhelfen wir Tony zu höherem Ansehen und dem Levelaufstieg.

    Sobald wir den Fahrer angeheuert haben, sind unsere Autos immer und fast überall verfügbar. Dazu bestellen wir die Karren aus dem Fuhrpark einfach über Tonys Handy-Menü. Sogleich schnauzt Herr Montana den Chauffeur am überdimensionalen Funktelefon an, und einige Sekunden später erscheint das gewünschte Auto in unserer Nähe. Ganz schön praktisch, denn dadurch sind wir immer mobil und müssen uns nicht ständig bei der Polizei unbeliebt machen, indem wir neue Autos klauen.

    Eins, zwei, Polizei

    Ausreichendes Treffer-Feedback: Im Vergleich zur harten US-Fassung sind die Blutspritzer der deutschen Version geradezu dezent. Ausreichendes Treffer-Feedback: Im Vergleich zur harten US-Fassung sind die Blutspritzer der deutschen Version geradezu dezent. Die Ordnungshüter spielen natürlich auch in Scarface eine Rolle, und auch hier gibt es einen Fahndungslevel. Der wird als weißer Rand um die Minimap angezeigt, und steigt jedes Mal, wenn wir uns auffällig verhalten. Wer etwa zu lange mit einer gezückten Waffe herumläuft oder zu viele Konkurrenten auf offener Straße abmurkst, hat schon bald die Schmiere an der Backe. Wenn es den Ordnungshütern zu viel wird, schreiben sie uns zur Fahndung aus. Dann wird auf der Karte um den Tatort herum ein roter Bereich eingeblendet, den wir möglichst schnell verlassen sollten.

    Zusätzlich jagen uns Streifenwagen, aus deren Sichtbereich wir ebenfalls verschwinden müssen. Wenn uns das gelingt, ist die Jagd beendet, und unser Status bei der Polizei verschlechtert sich ein wenig. Wenn wir nicht entkommen, blendet das Spiel eine lapidare Meldung ein (»Du hast es versaut«), und Tony stirbt sofort. Minutenlange Schlachten mit immer fieseren Polizisten gibt es in Scarface also nicht, und ebenso wenig können wir als wahnsinniger Killer wahllos mordend durch die Gegend ziehen. Wenn wir auf einen Zivilisten anlegen, weigert sich Tony zu schießen und erklärt, dass er »diesen Scheiß« nicht braucht.

  • Scarface: The World is Yours (dt.)
    Scarface: The World is Yours (dt.)
    Publisher
    Vivendi
    Release
    27.10.2006

    Aktuelles zu Scarface: The World is Yours (dt.)

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Scarface: The World is Yours (dt.)
Scarface im Test
Auch in der digitalen Umsetzung des Kinokults lebt Al Pacino alias Tony Montana nach einem einfachen Prinzip: Erst das Geld holen. Dann die Macht. Und danach die Weiber!
http://www.gamesaktuell.de/Scarface-The-World-is-Yours-dt-Spiel-15968/Tests/Scarface-im-Test-721617/
27.12.2006
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/11/t_scarface_01_12.jpg
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