Ryse: Son of Rome im Test: Pflichtkauf zum Launch der Xbox One?

Test Katharina Pache

Ryse im Test: Ryse musste im Vorfeld viel Kritik einstecken - zu viele Quick Time Events, ein zu simples Kampfsystem und unnötig brutale Hinrichtungs-Szenen. Wir haben das Xbox-One-exklusive Action-Spiel von Crytek getestet und verraten, wie unterhaltsam der Ausflug in die römische Geschichte wirklich ausfällt.

Der Barbar im Lendenschurz hat keine Chance: Der Schild von Legionär Marius zerschmettert dem unglücklichen Kontrahenten die Nase, das Schwert trennt seinen rechten Arm sauber ab und mit einem Todesstoß in die Brust setzt man den Angreifer endgültig außer Gefecht. Bereits die Beschreibung einer typischen Hinrichtung in Ryse klingt verstörend brutal, verblasst aber gegenüber dem Anblick solcher Szenen im Spiel - Crytek scheint es sich in ihrem hochpolierten Action-Spiel für die Xbox One zum Ziel gemacht haben, Gewaltdarstellung auf ein neues Level zu hieven.

Panisches Todesröcheln, spritzendes Blut, und fast lebensecht animierter Gesichter, in denen sich die Todesangst spiegelt dürften auch bei dem einen oder anderen hartgesottenen Zocker ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend auslösen. Da erheben Feinde, denen ihr eben ein Bein abgehackt habt und auf dem Boden liegen hilflos die Hände, um sich (vergeblich) vor eurem tödlichen Schwertstoß zu schützen, die einwandfreie Technik sorgt sogar dafür, dass das Bauchfett der beleibteren Gegner bei einem tödlichen Hieb physikalisch korrekt herumschwabbelt.

Die Pracht Roms
Ob man nun Gefallen findet an der Darstellungsweise der Hinrichtungen ist Geschmackssache, ohne Zweifel hingegen überzeugt die restliche Technik im Spiel. Die Gesichter der Charaktere sehen lebensecht aus, die Animationen überzeugen durch die Bank und auch die Umgebung punktet mit abwechslungsreichen und hübschen Szenarien. Das unverbrauchte Antike-Setting überzeugt und wartet mit netten Details auf: In Rom prangt an einigen Stellen Graffiti ("Nero est eunuchus") an den Wänden, über den finsteren Wäldern Britanniens kreisen schreiende Krähenschwärme. Die deutsche Synchronisation ist gelungen, ist aber nicht lippensynchron, was die Faszination an der lebensechten Mimik der virtuellen Darsteller etwas schmälert.

A, X, X, Y, A, X, X, Y ...
Ryse: Son of Rome im Test. (4) Quelle: PC Games Ryse: Son of Rome im Test. (4) Spielerisch solltet ihr kein God of War erwarten, denn Ryse ist ein simples Vergnügen. Ihr attackiert mit dem Schwert oder mit dem Schild, ihr blockt und weicht aus. Es gibt keine zusätzlichen Waffen (vom Wurfspeer abgesehen) und neue Kombos könnt ihr auch nicht kaufen. Meistens stehen die Gegner um euch herum und greifen der Reihe nach an, jede normale Attacke könnt ihr mit dem A-Knopf blocken – egal, ob ihr euch gerade in einer Kombo befindet. Das Zeitfenster für Eingabe des Abwehrbefehls ist zudem großzügig bemessen. Es gibt nur eine Handvoll unterschiedliche Gegnertypen, das Prinzip bleibt immer gleich: Hacken, Stoßen, Blocken, und wieder von vorne.

Alternativ wechselt ihr in den Fokus-Modus, bei dem ihr kurze Zeit stärker und schneller seid. Die Ausführung der eingangs erwähnten Hinrichtungen ist optional, wird aber mit Erfahrungspunkten, Ehre (damit könnt ihr eure Fähigkeiten verbessern) oder Gesundheitsregeneration belohnt. Natürlich erhält ein Spieler mit perfektem Timing die bessere Wertung und mehr Erfahrung, aber reines Button-Mashing tut es genauso, der Schwierigkeitsgrad ist niedrig. Zudem sammelt man rasch genug Ehre, um sich schon weit vor dem Ende des Spiels jede Verbesserung kaufen zu können. Die seltenen Momente, in denen ihr eure Legionäre befehligt und zum Beispiel in Schildkrötenformation voranmarschiert sind leider zu kurz und wie der Rest des Spiels zu einfach. Ryse: Son of Rome - Pflichtkauf zum Launch der Xbox One? Quelle: PC Games Ryse: Son of Rome - Pflichtkauf zum Launch der Xbox One? Ein kurzer Ausflug in die Antike
Und das Ende kommt schneller, als es vielen lieb sein dürfte. Mit etwa fünf Stunden Spielzeit für die Kampagne gehört Ryse definitiv nicht zu den Titeln, die euch mehrere Wochen vor die Konsole fesseln. Der Mehrspielermodus unterhält zumindest noch eine kurze Weile, hier tretet ihr im Kolosseum an um die blutrünstige Menge mit euren brutalen Hinrichtungen zu erfreuen. Der Lohn ist Geld, mit dem ihr eure Spielfigur individualisiert oder eure Fähigkeiten aufpoliert.

So kurz die Einzelspielererfahrung auch ist, die Geschichte hinter Ryse ist recht unterhaltsam und erzählt im Rückblick, wie Protagonist Marius im fernen England kämpft und seinen Glauben an den Kaiser verliert. Auch wenn die Story ohne große Überraschungsmomente auskommt punktet sie mit dem Auftritt des einen oder anderen Gottes und den gut inszenierten und schönen Zwischensequenzen. Die musikalische Untermalung erinnert teilweise stark an die Filmmusik der Herr-der-Ringe-Trilogie, passt aber immer gut zum blutigen Bildschirmgeschehen.

Meinung

Wertung zu Ryse (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Sehr gelungene CharaktermodelleLebensechte MimikSaubere OptikKoop-MehrspielermodusHinrichtungen sind optionalOrdentliche Synchronsprecher
Sprachausgabe nicht lippensynchronAnspruchsloses KampfsystemKaum taktische AspekteSehr kurzBlutrünstige InszenierungZiemlich einfach, auch in den beiden hohen SchwierigkeitsgradenWenig AbwechslungViele Quick-Time-Events
Fazit

An der Gewaltdarstellung werden sich die Geister scheiden. Gegen Ende des Spiels war ich aber merklich abgestumpft: ich habe jede Hinrichtungsart gefühlte tausendmal gesehen. Und wieso bin ich als Zenturio eigentlich die meiste Zeit alleine unterwegs, anstatt in einer Formation zu kämpfen und Befehle zu geben? Etwas mehr Tiefe hätte Ryse nicht geschadet, die seltenen Momente, in denen man seine Mannen anweist, sind völlig belanglos. Auch die Bossfights haben mich enttäuscht. Begeistert bin ich aber von den liebevoll modellierten Gesichtern, den flüssigen Animationen und den tollen Umgebungen.

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