Rush for Berlin

Test

Im Rennen um die deutsche Hauptstadt gibt der Panzers-Nachfolger mit frischen Ideen und temporeichen Gefechten Gas. Altlasten wie die mäßige KI bremsen Taktiker allerdings aus.

Der entscheidende Faktor bei Rush for Berlin ist Zeit. Denn im inoffiziellen Panzers-Nachfolger liefern Sie sich auf Seiten der Alliierten und Sowjets einen Wettlauf um das Machtzentrum des Dritten Reiches. Oder versuchen als deutscher Heerführer, die Invasoren zu stoppen. Wenn Sie mit Ihren GIs zu spät den Rhein überschreiten oder mit Ihren Tigern die rote Flut nicht lange genug aufhalten, kann das das Aus für Ihren Feldzug bedeuten. Je schneller Sie die Uhr schlagen, desto mehr Nachschub und bessere Truppen stehen Ihnen im nächsten Einsatz zur Verfügung.

Je schneller, desto toter

Insgesamt erwarten Sie 25 Missionen in vier Kampagnen (mehr im Extrakasten). Wobei Sie entweder die sowjetische oder die alliierte siegreich beenden müssen, um die anderen beiden freizuschalten. Und das ist selbst im niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade nicht gerade einfach. Denn wenn Sie zu vorsichtig vorrücken, läuft Ihnen die Zeit davon. Mit einer Haudrauf-Taktik hingegen stecken Sie zu große Verluste ein. Die lassen sich nur schwer ausgleichen.

Immerhin: Anders als in Panzers Phase 1 und 2 dürfen Sie bei Rush for Berlin Verstärkung anfordern. In vorgefertigten Kasernen bilden Sie Grenadiere, Sanitäter oder Scharfschützen aus, in Fabriken geben Sie Kampfpanzer, Haubitzen oder Versorgungswagen in Auftrag. Das dauert allerdings. Außerdem sind die Rohstoffe begrenzt. Und Basisbau oder Ressourcengewinnung fehlen, wie im Taktik-Genre üblich.

Unersetzliche Erfahrung

Das Dilemma verschärft sich noch, weil Sie einen Teil Ihrer Truppen von Mission zu Mission übernehmen. Die gewinnen dann an Erfahrung, werden härter im Nehmen und lernen neue Kunststückchen. Dabei erweisen sich insbesondere Offiziere als wertvoll. Ein Panzerass der Stufe 3 zerstört beispielsweise jeden noch so starken Gegner mit dem ersten Treffer. Ein Pionierhauptmann repariert automatisch beschädigte Fahrzeuge. Wenn so ein Veteran ins Gras beißt, nimmt ein Rekrut seinen Platz ein. Also heißt es abwägen: Ziehen Sie Ihre verwundeten Stoppelhopser zurück zum Verbandsplatz oder riskieren Sie den Sturmangriff, um ja nicht zu spät zur Siegesfeier zu kommen?

Ardennen-Offensive mal anders

Meistens gibt uns das Oberkommando gleich mehrere Ziele vor, mitunter ergeben sich mitten im Gefecht weitere. Da sollen wir mit einem sowjetischen Stoßtrupp eine Handvoll deutscher Pioniere ausknipsen, bevor die ein Erzbergwerk demolieren. Ein andermal führen wir ein deutsches Suchkommando durch die Ardennen: Ein Flugzeug-Prototyp ist zwischen den Bäumen niedergegangen und droht den Amerikanern in die Hände zu fallen. Und irgendwo muss auch der Pilot stecken ... Dann wieder müssen wir zwei Fabriken gegen Luftangriffe der Briten verteidigen. Dummerweise versuchen die Tommies gleichzeitig, mit Fallschirmjägern unsere beiden Radarstationen einzunehmen. Und wenn die nicht mehr funken, ist unsere Flugabwehr praktisch blind.

Stau auf dem Panzerpfad

Verglichen mit Panzers Phase 2 haben die Szenarien deutlich an Umfang gewonnen. Zwar gibt es nach wie vor Kommandoeinsätze, in denen wir mit einer Handvoll Männer auskommen müssen. Sogar Rollenspielmissionen haben sich die Leveldesigner ausgedacht -- inklusive Mini-Rätseln. In vielen Schlachten befehligen wir aber ganze Kompanien von Fahrzeugen, Soldaten und Geschützen und kämpfen obendrein an mehreren Fronten gleichzeitig.

In solchen Fällen wiegt ein altbekannter Knackpunkt der Serie besonders schwer: die bescheidene Künstliche Intelligenz der Einheiten. Über längere Strecken verhaken sich Vehikel gerne mal in der Landschaft oder fahren zu unbeweglichen Knäueln zusammen, die wir im Pausenmodus mühsam entwirren müssen. Immerhin: Die Infanterie hat dazu gelernt. So flitzen die Sanis nicht mehr panisch von einem Verwundeten zum nächsten und geraten dabei selbst in die Schusslinie.

Schicke Schlachtfelder

Auch anderswo haben die Programmierer von Stormregion nachgebessert. Zum Beispiel dürfen wir die Spielkamera deutlich weiter herausfahren als früher. Gerade in den Mega-Schlachten ein unschätzbarer Vorteil. Was zusammen mit der weiter aufgehübschten Grafik allerdings auch bedeutet, dass die Hardwareanforderungen im Vergleich mit Phase 2 noch einmal gestiegen sind. Mit unter drei Gigahertz im Hauptprozessor und einer Oberklasse-Grafikkarte muss man stark an der Detailschraube drehen, sonst ruckelt's.

Risiko für Rusher

Schließlich haben die Entwickler noch den Multiplayer-Part aufgewertet. Neben üblichen Deathmatches (die viel zu schnell entschieden sind) und einer Flaggenhatz, stehen Kooperativ-Einsätze gegen den Computer ebenso zur Wahl wie zwei objektbasierte Modi namens Risk und Rush. Bei ersterem erhalten die bis zu sechs Teilnehmer jeweils eine zufällige Aufgabe. Während Spieler 1 beispielsweise per Fallschirm abgeworfene Container einsammeln soll, muss Spieler 2 einen KI-Konvoi in den Hinterhalt locken. An Battlefield 2 erinnert der Rush-Modus: Hier balgen sich die Kontrahenten um Schlüsselstellungen. Fürs Erobern und Halten gibt's Punkte, allerdings lassen sich die Positionen auch zerschießen.

Rüdiger Steidle

Fazit

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk