Games World
Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
als Startseite festgelegt.
    Möchtest du diese Seite als Startseite festlegen?
    Mobile als Startseite festgelegt.
  • Rise & Fall

    Für gewöhnlich führen Echtzeit-Strategen ihre Armeen in sicherer Entfernung in die Schlacht. In Rick Goodmans (Empire Earth) neuestem Opus müssen Hobbygeneräle höchstpersönlich zum Schwert greifen und sich ins Getümmel stürzen. Wir haben's exklusiv probiert.

    Ein Echtzeit-Stratege hat's gut. Während auf dem Bildschirm die Speerträger reihenweise aus den Latschen kippen, sich die Bogenschützen mit Pfeilregen überschütten und die Reiter im Clinch mit den gegnerischen Gardesoldaten liegen, räkelt sich der Gelegenheitsgeneral im Wohlfühlsessel und verfolgt die Schlacht bei einer Tasse Kaffee.

    Rise & Fall hingegen lässt Computer-Kommandeure nicht so glimpflich davonkommen: Nur wer höchstpersönlich zur Waffe greift und Seite an Seite mit seinen Schützlingen ins Gefecht zieht, wird in den gewaltigen Feldschlachten siegen. Ein Tastendruck genügt, und schon wechselt die Ansicht von der genretypischen Vogelperspektive zur Schulterkamera. Statt außerhalb der Gefahrenzone die Truppen zu dirigieren, stürmen die Befehlshaber als historische Helden wie Alexander der Große an die Front. Rise & Fall fordert Taktiker ebenso wie Actionspieler!

    Komplett durchgespielt

    Der Mann, der sich das ausgedacht hat, heißt Rick Goodman und hat im Bereich der Echtzeit-Strategie schon einige Hits auf dem Kerbholz. Age of Empires, Empire Earth und Empires: Die Neuzeit sind Genrefreunden in bester Erinnerung. Die kamen allerdings allesamt ohne Action-Anteile aus, warum also der Richtungswechsel? »Es ist einfach eine ganz neue Erfahrung«, schwärmt Rick. »Wenn Du mit Alexander die Griechen in die Schlacht gegen die Perser führst, fühlst Du Dich nicht als anonymer Befehlsgeber, sondern wirklich fast wie Alexander der Große.«

    Hört sich gut an, aber wie spielt sich der Genremix wirklich? Rund 20 Stunden lang kämpfen wir uns durch die aktuelle Vorabversion, gewinnen beide Feldzüge auf Seiten Alexanders und der Pharaonin Cleopatra. Und sind restlos überzeugt: Die Verknüpfung funktioniert blendend, erzeugt eine grandiose Schlachtfeld-Atmosphäre, die das alte Werbeversprechen »mittendrin statt nur dabei« endlich einmal einlöst.

    Kampf in Kairo

    Seine Action-Einflüsse sieht man Rise & Fall auf Anhieb nicht an, wohl aber die Echtzeit-Strategiewurzeln. Wir lassen unseren Blick über Kairo schweifen, erste Station von Cleopatras Ägyptentour. Die Pyramidenbaustelle, die Paläste und Statuen schinden Eindruck. Inmitten der flachen Lehmhäuser erhebt sich das Stadtzentrum, Sammelstelle für die beiden Rohstoffe Gold und Holz, die Arbeiter bereits fleißig herbeischaffen. Damit zimmern die Allroundtalente weitere Bauten, etwa Wachtürme, Ställe oder Tempelanlagen. Ein paar Meter weiter thront eine Kaserne, Ausbildungszentrum für Bogenschützen, Schwertkämpfer und Speerträger. Wir fordern einige Rekruten an, wenden unsere Aufmerksamkeit dann Richtung Stadtmauern, wo Unheil heraufzieht: Die Römer marschieren auf.

    Kohorten gegen Kamelreiter

    Der folgende Zusammenprall läuft im Prinzip genauso ab wie von Age of Empires & Co. gewohnt: Unsere ägyptischen Säbelschwinger stürzen sich in den Nahkampf, die anfangs sauber geordneten Formationen beginnen zu wanken. Bogenschützen lassen Salve um Salve auf die Angreifer nieder regnen, Kamelreiter traben an den Flanken vorbei. Inmitten des Chaos behauptet sich Cleopatra höchstpersönlich, schlägt mit einer messerscharfen Sichel um sich, schaltet mit ihrem Langbogen einen Römer nach dem anderen aus. Kein gewöhnlicher Soldat ist ihrer Kraft gewachsen (von der Oberweite ganz zu schweigen). Unverwundbar ist die sexy Königin aber nicht. Als sie es mit zehn Reitern gleichzeitig aufnehmen will, sinkt ihr Gesundheitsbalken bedrohlich schnell gegen Null.

    ... uuuuund Action!

    Jetzt ist es an der Zeit, Legenden zu schreiben. Ein Druck auf die Q-Taste, es macht »Wusch!«, und die Kamera rast aus der Generalsansicht in die Tomb Raider-Perspektive. Wie weiland die gute Lara dirigieren wir nun Cleopatra mithilfe von WASD-Tasten und der Maus durch die feindlichen Reihen. Mit hektischen Klicks teilen wir links und rechts schnelle Hiebe aus, blocken gegnerische Attacken ab oder holen zu einem gewaltigen Rundumschlag aus. Ist die Kraft der Pharaonin schon im Strategiemodus eindrucksvoll, dreht sie bei direkter Kontrolle erst richtig auf -- im Alleingang mähen wir uns regelrecht durch die römische Kavallerie, die Legionäre fallen wie die Fliegen. Solange wir selbst steuern, können uns Pfeile und Klingen nichts mehr anhaben. Allerdings reduziert jeder Treffer ebenso wie jede unserer Attacken den Ausdauerbalken. Wenn der aufgebraucht ist, müssen wir die Kontrolle wieder abgeben. Nachfüllen können wir ihn nur mithilfe spezieller Amphoren, die in den Levels versteckt sind -- ähnlich den Medikits in Actionspielen.

    Entweder General oder Krieger

    Ein Nachteil: Solange wir fechten, können wir uns nicht mehr um Aufbau, Ausbildung und Armeemanagement kümmern. Zumindest ein bisschen Befehlsgewalt bleibt uns aber. Via Tastatur rufen wir allen Einheiten in Hörreichweite drei knappe Kommandos zu: »Haltet die Stellung!«, »Zum Angriff!« und »Folgt mir!« In manchen Missionen haben wir außerdem Zugriff auf einige Spezialfähigkeiten. Cleopatras Heldenkollege Alexander beispielsweise lässt eine Katapultsalve auf anvisierte Ziele krachen oder heilt seine Kameraden im Umfeld.

    Die Heldenrolle sparen wir uns für Entscheidungsschlachten auf, nicht nur weil die Zeit wegen der spärlich verteilten Energieamphoren begrenzt ist. Dann schlagen wir uns beispielsweise selbst zu der römischen Ballista durch, die aus sicherer Entfernung unseren Truppen einheizt. Oder wir stürmen als erster über den Belagerungsturm auf die gegnerischen Befestigungen, um den Bogenschützen weiter oben das Leben schwer zu machen.

    Alex in der Arena

    Rund ein Drittel der insgesamt 20 Missionen bestreiten wir gänzlich im Action-Modus, ganz ohne Aufbau und Ressourcensammeln. Da schiffen wir uns etwa mit Alexander auf eine griechische Trireme ein, setzen mit Pfeil und Bogen die persische Flotte in Brand. Kurz darauf geraten wir in Gefangenschaft und müssen uns in einem Colosseum gegen Wellen und Wellen von Gladiatoren behaupten, die schließlich sogar mit Kriegselefanten anrücken. Oder wir jagen zusammen mit Cleopatra einen verräterischen Anubispriester, der in einem Streitwagen zu entkommen versucht. Obwohl diese Aufgaben mit allerhand Skriptereignissen abwechslungsreich inszeniert werden, reichen sie in der aktuellen Alphaversion qualitativ dennoch nicht an waschechte Prügelspiele wie Knights of the Temple heran. Dazu sind die Handlungsmöglichkeiten ohne Spezialschläge, Powerups und so weiter einfach zu eingeschränkt. Reine Strategiemissionen gibt's im Gegenzug übrigens nicht.

    Nekromanten vom Nil

    Verglichen mit Age of Empires 3 oder Ricks älteren Werken wie Empire Earth wirkt das Echtzeit-Grundgerüst von Rise & Fall vereinfacht. Es gibt lediglich zwei Rohstoffe, nur eine Handvoll Gebäude und bei allen vier Hauptfraktionen (Ägypten, Griechenland, Rom und Persien; die letzten beiden sind allerdings nur im Multiplayermodus spielbar) die gleichen Basistruppen, namentlich Schwertkämpfer, Lanzenträger, Bogenschützen und Kavallerie. Dafür haben alle Parteien einige Spezialeinheiten in ihren Reihen. Die Ägypter beispielsweise bilden Heiler aus, die mit dem entsprechenden Upgrade sogar Tote auferwecken können. Die Griechen vertrauen auf Spartaner, die Angriffs- und Verteidigungswerte der Verbündeten steigern. Für Persien galoppieren berittene Bogenschützen ins Feld. Rom fährt den gefürchteten Palintonos auf: ein Katapult, das mehrere Brocken zugleich verschießt.

    Ruhm dem Architekten

    Ein paar Extras haben sich Rick und seine Entwickler dann aber doch wieder einfallen lassen. So verdienen Sie sich in jedem Gefecht Erfahrungspunkte, bei Rise & Fall Ruhm genannt. Den investieren Sie in diverse Erweiterungen. Erstens können Sie Ihren Helden weiterbilden. Jede der insgesamt fünf Stufen schaltet neue Truppentypen, Gebäude und Extrawaffen für den Action-Modus frei. Beispielsweise einen Bogen, der gleich vier Pfeile auf einmal abfeuert. Zweitens heuern Sie mit den Erfahrungspunkten diverse Berater an, quasi globale Upgrades. Der Architekt etwa steigert die Lebenspunkte aller Gebäude, mit dem Tribun können Truppenverbände durch sonst undurchdringliche Wälder pirschen, dank des Diplomaten kommen alle paar Minuten Verstärkungen an.

    Einmal freigeschaltet, bleiben Ihnen die Upgrades in folgenden Missionen erhalten. Allerdings gibt es in jedem Auftrag nur eine begrenzte Menge Ruhm einzuheimsen, so müssen Sie sich entscheiden: lieber den Helden oder die Marine aufrüsten?

    Klar zum Entern!

    Apropos Marine: Seeschlachten sind ein wichtiger Bestandteil von Rise & Fall, und nicht nur in einigen ausgewählten Action-Sequenzen. Die Boote befördern nicht nur Soldaten trockenen Fußes über Flüsse und Seen, sondern dienen gleichzeitig als Trainingscamp für ausgewählte Einheiten. Etwa Matrosen, die mit ihren Enterhaken gegnerische Bi- und Triremen kapern können. Oder Trommler, die die Ruderer auf Trab bringen und Rammstöße dirigieren dürfen. Auch als mobile Kampfplattformen für Bogenschützen eignen sich die Schiffe hervorragend, um etwa Küstenbefestigungen unter Feuer zu nehmen. Auf den größten Exemplaren finden sogar Katapulte Platz. Allerdings müssen sich Kapitäne vor der Archimedesklaue in Acht nehmen, einer Art Giganto-Flaschenzug, die von Stadtmauern aus Schiffe einfach aus dem Wasser hievt und zerschmettert. Funktioniert übrigens auch gegen Belagerungsgeräte zu Lande.

    Vielseitige Technik

    Die Seeschlachten machen nicht zuletzt deshalb Laune, weil Wasser und Wellen zu den größten optischen Leckerbissen von Rise & Fall gehören. Zwar ist Rick Goodmans neuester Streich aktuellen Titeln wie Age of Empires 3 grafisch nicht weit voraus. Die Engine beeindruckt dafür durch ihre Vielseitigkeit: Dass sie die teils riesigen Armeen (im Solomodus prallen durchaus mal 1.000 Mann aufeinander, im Multiplayer liegt das Limit sogar noch höher) sowohl in der Vogelperspektive als auch in der Tomb Raider-Ansicht flüssig auf den Schirm zaubert, ist schon eine beachtliche Leistung, wie auch unser extralanges HiRes-Video auf DVD demonstriert.

    Auch in den ausführlichen Zwischensequenzen kommt (um einige Effekte aufgepeppte) Spielgrafik zum Einsatz. Die erzählen mit gutenSynchronsprechern vor und nach den Einsätzen die vielleicht nicht historisch verbürgten, dafür umso spannenderen Geschichten von Liebe, Verrat und Heldenmut, untermalt vom bombastischen Orchester-Soundtrack.

    Raum für Verbesserungen

    Alles in allem macht Rise & Fall zum jetzigen Zeitpunkt bereits einen sehr fertigen Eindruck. Kein Wunder, sollte das Spiel doch ursprünglich noch rechtzeitig fürs Weihnachtsgeschäft erscheinen. Dass sich die Entwickler nun doch noch drei Monate Zeit nehmen, lässt hoffen, dass sie die erwähnten Kritikpunkte noch ausmerzen, allen voran die nur durchschnittlichen Action-Szenen. Um die manchmal hakelige Wegfindung und einige kleinere Fehler zu verbessern, sollten die kommenden Wochen auf jeden Fall reichen. Ein Teil des Teams ist außerdem bereits dabei, Ideen für ein Addon zu sammeln, das für den Sommer geplant ist. Wir würden uns als erstes neue Kampagnen wünschen, da uns die 20 Stunden Spielzeit (allerdings nur auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad) doch vergleichsweise kurz erscheinen.

    Allerdings bleiben da ja noch die Multiplayer-Matches (siehe Kasten) und der umfangreiche Skirmish-Modus. An dem werden vor allem Echtzeit-Generäle vom alten Schlag ihre Freude haben, da hier mehr als in den durchgeskripteten Feldzugmissionen klassisches Aufbautalent, Mikromanagement und taktisches Geschick gefordert sind. Und schließlich sollte der mächtige Editor (näheres ebenfalls im Extrakasten) bald für Nachschub aus der hoffentlich großen Fangemeinde sorgen.

    Rüdiger Steidle

  • Aktuelle Strategie-Spiele Releases

    Cover Packshot von Halcyon 6: Starbase Commander Release: Halcyon 6: Starbase Commander
    Cover Packshot von Champions of Anteria Release: Champions of Anteria Ubisoft , Blue Byte
    • Es gibt 0 Kommentare zum Artikel

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 10/2016 PC Games Hardware 11/2016 PC Games MMore 10/2016 play³ 10/2016 Games Aktuell 10/2016 buffed 10/2016 XBG Games 09/2016 N-Zone 10/2016 WideScreen 10/2016 SpieleFilmeTechnik 10/2016
    PC Games 10/2016 PCGH Magazin 11/2016 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
715524
Rise & Fall: Civilizations at War
Rise & Fall
Für gewöhnlich führen Echtzeit-Strategen ihre Armeen in sicherer Entfernung in die Schlacht. In Rick Goodmans (Empire Earth) neuestem Opus müssen Hobbygeneräle höchstpersönlich zum Schwert greifen und sich ins Getümmel stürzen. Wir haben's exklusiv probiert.
http://www.gamesaktuell.de/Rise-und-Fall-Civilizations-at-War-Spiel-30274/News/Rise-und-Fall-715524/
01.12.2005
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/07/titel_rf_tkhelden_12eps.jpg
news