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  • Rise of the Tomb Raider: Ein sehr gutes, aber seelenloses Spiel

    Egal wie düster und bedrohlich die Schauplätze auch sind, aufgrund der gehetzten Erzählung fallen Identifikation und Immersion schwer. Quelle: Square Enix

    In unserer Kolumne zum vorerst Microsoft-Konsolen-exklusiven Rise of the Tomb Raider geht Redakteur Christian Dörre der Frage auf den Grund, warum ihn Laras Abenteuer emotional so wenig berührt, während er bei Sonys Uncharted-Reihe regelmäßig mit den Charakteren mitfiebert.

    Bitte nicht schlagen, die Überschrift ist bewusst so provokant gewählt. So viel Spaß ich mit Laras neuestem Abenteuer nämlich auch hatte, der allerletzte Funke ist dann doch irgendwie nicht übergesprungen. Das liegt allerdings nicht an dem nach wie vor super spaßigen Gameplay, sondern es hat ein paar andere Gründe. So viel Freude ich mit den Klettereien, den tollen Rätselgräbern, dem Finden von Geheimnissen in grandios gestalteten Schauplätzen hatte, irgendwann wurde mir klar, dass ich mich in ein paar Wochen wohl kaum noch an Rise of the Tomb Raider erinnern werde.

    Das ist natürlich in gewisser Weise gar nicht so schlecht, schließlich kommt in ein paar Monaten auch noch die PC- und nochmal später die PS4-Version zum Test, doch so ein großartig inszeniertes Spiel, das nicht besonders lange im Gedächtnis bleibt, hat dann doch irgendwo einen gewaltigen Makel.

    Ich bin aber nicht der Einzige, dem es bei den letzten Tomb-Raider-Spielen so geht. Spreche ich Freunde und Kollegen auf Naughty Dogs Uncharted-Serie an, bekomme ich als Antwort oftmals ein wohliges Seufzen gefolgt von Beispielen, warum sie diese Spiele so lieben. "Erinnerst du dich noch an die Stelle, wo Nathan …?", "Weißt du noch, als Sully …?" Ja, ich erinnere mich. Spreche ich dieselben Leute auf Tomb Raider an, kommt einfach nur ein "Klar, hab ich gespielt. War richtig gut." Aber wie kommt es, dass viele Spieler bei Uncharted emotional involviert sind und ein Tomb Raider einfach "nur" als sehr gutes Spiel wahrnehmen?
    Die Charaktere in Uncharted waren bislang auch nur Klischees, aber eben gut geschriebene und sympathische Klischees. Wir sind schon gespannt, wie sich Nathans Bruder in die Heldentruppe einfügen wird. Die Charaktere in Uncharted waren bislang auch nur Klischees, aber eben gut geschriebene und sympathische Klischees. Wir sind schon gespannt, wie sich Nathans Bruder in die Heldentruppe einfügen wird. Quelle: Naughty Dog

    Die Macht der Charakterbindung

    Der Test:
    Hier geht's zu unserem ausführlichen Test von Rise of the Tomb Raider.
    Am Gameplay liegt es sicherlich nicht. Ob man die neue Ausrichtung der Tomb-Raider-Spiele seit dem Reboot nun mag oder nicht, das Spielprinzip funktioniert tadellos. Ohnehin sind sich Lara Croft und Nathan Drake in dieser Hinsicht sehr, sehr ähnlich. Die Diskussion wer wann bei wem abgekupfert hat, ersparen wir uns hier übrigens lieber.

    Die emotionale Bindung wird selbstverständlich über die Erzählung erreicht, bei der beide Spielereihen dann doch sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen. Die eine Serie holt hier jedoch das Optimum heraus, während die andere ihrer Geschichte und deren Figuren zu wenig Zeit zur Entfaltung gibt.

    Die Dialoge zwischen Protagonist Nathan Drake und seinem Mentor Sully setzen immer wieder kleine Höhepunkte im Spielverlauf. Die Dialoge zwischen Protagonist Nathan Drake und seinem Mentor Sully setzen immer wieder kleine Höhepunkte im Spielverlauf. Quelle: Naughty Dog Widmen wir uns zunächst einmal den von Amy Hennig geschriebenen drei Uncharted-Teilen, welche nicht so ernsthaft wie Tomb Raider daher kommen und auch an manchen Stellen schon mal ein wenig in Richtung Action-Klamauk abdriften. Die Uncharted-Spiele bieten auch allesamt keine besonders einfallsreichen Geschichten, bleiben uns aber allein aufgrund ihrer Figuren in Erinnerung. Dabei handelt es sich nicht einmal um besonders tiefsinnige Charaktere. Sie sind einfach so gut geschrieben, dass sie uns direkt ans Herz wachsen.

    Nathan Drake ist auch nichts anderes als ein charmantes Großmaul, das immer wieder das große Pech hat, in scheinbar ausweglose Situationen zu rutschen – ein Protagonist, wie wir ihn schon aus unzähligen Filmen und TV-Serien kennen und der im Verlauf der Spiele nicht unbedingt große Charakterentwicklungen durchmacht. Nathan Drake funktioniert aber dennoch, da seine Persönlichkeitszüge trotzdem gut dargestellt werden und sich die Spiele immer wieder ein bisschen Zeit nehmen, uns den Abenteurer näher zu bringen. Man denke nur an die Passage in Uncharted 3, wo wir Nathan als kleinen Rotzbengel steuern und die erste Begegnung mit seinem Mentor Sully erleben. Diese kleinen Momente steigern die Identifikation mit dem Charakter und machen uns seine Motivation deutlich.

    11:52
    Rise of the Tomb Raider im Testvideo - Lara Crofts tolles Comeback
    Spielecover zu Rise of the Tomb Raider
    Rise of the Tomb Raider


    Drakes Liebchen Elena ist oftmals eine klassische Zicke, Naughty Dog gelang es aber bisher trotzdem immer, sie sympathisch darzustellen. Drakes Liebchen Elena ist oftmals eine klassische Zicke, Naughty Dog gelang es aber bisher trotzdem immer, sie sympathisch darzustellen. Quelle: Naughty Dog Doch nicht nur Nathan selbst, sondern auch seine Kameraden machen uns viel Freude. Ob nun Chloe, Elena oder der bereits erwähnte Sully – es sind allesamt keine originellen Charaktere, sie funktionieren im Kontext aber ganz wunderbar, weil jede Figur ihren kleinen Moment bekommt, in dem sie glänzen darf. Die Interaktion der Charaktere untereinander ist zudem hervorragend. Die Dialoge sprühen vor Charme und Witz und sorgen dafür, dass wir uns an bestimmte Szenen der Spiele erinnern. Die Story mag eine 08/15-Abenteuer-Geschichte sein, doch sie wird von sympathischen und toll geschriebenen Figuren getragen.

    Obwohl auch ein Uncharted in jedem Teil auf die gleiche Erfolgsformel setzt, funktionierte die Serie bislang so gut, weil der Protagonist, seine Freunde und die Schurken unterhaltsam geschrieben sind und uns über Stereotypen hinwegsehen lassen. Beim kommenden Uncharted 4 freuen wir uns nicht einfach nur auf das tolle Gameplay oder eine weitere Schatzjagd-Story. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Charakteren.

    Arme Lara. Du machst so viel durch und wir möchten so gerne richtig mit dir mitfiebern, doch die Erzählung vereitelt das. Arme Lara. Du machst so viel durch und wir möchten so gerne richtig mit dir mitfiebern, doch die Erzählung vereitelt das. Quelle: Square Enix

    Persönliche Geschichte ohne Persönlichkeit

    Tomb Raider hingegen setzt auf ein düstereres und ernsthafteres Setting, bedient sich jedoch der gleichen Abenteuer-Klischees, ohne sie so passend zu verwenden wie die Konkurrenz. Schon der Reboot aus dem Jahr 2013 hatte einige erzählerische Probleme. Dass die Wandlung vom jungen unerfahrenen Mädchen zur abgebrühten Grabräuberin viel zu schnell ging, wurde damals zurecht in fast jedem Review kritisiert. Um den Spielfluss nicht zu gefährden, entschieden sich die Entwickler dazu, die Charakterwandlung recht fix über die Bühne zu bringen.

    Der Erzählung gelingt es nicht, Action und Emotionen unter einen Hut zu bringen. Der Erzählung gelingt es nicht, Action und Emotionen unter einen Hut zu bringen. Quelle: Crystal Dynamics So kam es eben, dass Lara im einen Moment noch einen Weinkrampf aufgrund eines erlegten Rehs hatte und nur ein wenig später schon wahre Feindeshorden ohne mit der Wimper zu zucken über den Jordan schickte. Auch hier verschenkte man viel Potenzial, um den Spielern den Charakter Lara Croft näherzubringen. Zudem waren die Nebenfiguren so unsympathisch geschrieben, dass man sie lieber selbst in einen Sack gesteckt und ertränkt hätte, statt sie zu retten.

    Das wirkte im Erstling zwar etwas unrund, funktionierte jedoch, weil man eben wusste, worauf die Entwickler hinaus wollten. Für den Anfang reichte das aus. Rise of the Tomb Raider hat nun jedoch das Problem, dass schon wieder versäumt wird, dem Charakter Profil zu geben. Konnte man beim Vorgänger noch ein Auge zudrücken, was die Charakterzeichnung angeht, da es sich eben um einen Neustart handelte, wäre es nun aber an der Zeit gewesen, dem Spieler Frau Croft und ihre Motive näherzubringen. Auch hier ist sofort klar, was die Entwickler uns in ihrer Geschichte erzählen wollen, doch erneut wird sie so schnell abgehandelt, dass eine emotionale Bindung nicht stattfindet.

    30:16
    Rise of the Tomb Raider: Let's Play die erste Stunde - Teil 1
    Spielecover zu Rise of the Tomb Raider
    Rise of the Tomb Raider


    Der Aufhänger, dass Lara die Forschung ihres verstorbenen Vaters zu Ende führen möchte, über der er einst zerbrach, ist eigentlich hervorragend dafür geeignet, uns emotional an unsere Protagonistin zu binden. So persönlich die Geschichte für Lara aber ist, so halbgar wird sie uns vorgetragen. In kurzen Rückblenden versucht das Spiel, uns an der Beziehung von Lara zu ihrem Vater teilhaben zu lassen. Diese Rückblenden sind aber eben vor allem eines: kurz. Zu kurz. Sie machen uns die Motivation Lara Crofts begreiflich, sind aber einfach zu plump, um uns emotional zu packen. Dadurch, dass uns die Geschichte so lieblos dahingeklatscht wird, fallen uns auch die verwendeten Klischees viel deutlicher auf.

    Lara erlebt in Rise of the Tomb Raider ihr bislang persönlichstes Abenteuer. Wirklich mitgefiebert haben wir dennoch nicht. Lara erlebt in Rise of the Tomb Raider ihr bislang persönlichstes Abenteuer. Wirklich mitgefiebert haben wir dennoch nicht. Quelle: Square Enix Natürlich ist ein Vergleich mit Uncharted hier müßig. Die Sony-Serie lässt uns zwar mit den Charakteren mitfiebern, aber eben nicht mitleiden, wie es Rise of the Tomb Raider erreichen möchte. Doch trotzdem kann man ein anderes Naughty-Dog-Spiel als Beispiel für eine gelungene emotionale Involvierung des Spielers anführen. Wer den Anfang von The Last of Us gespielt hat, weiß wohl was gemeint ist. Klar, die Thematik ist eine andere, doch wird hier gezeigt, wie sehr man den Spieler packen kann, wenn man sich traut, der Geschichte genug Zeit zu geben.

    Doch auch abseits der Charakterbindung legt Rise of the Tomb Raider einfach zu wenig Wert auf seine Erzählung. Crystal Dynamics begeht diesmal zwar nicht den Fehler, uns unsympathische Nebenfiguren vor die Nase zu setzen und beschränkt sich auf wenige relevante Charaktere, diese sind jedoch so spannend und interessant wie ein Spiel des FC Bayern gegen eine Mannschaft aus der Kreisliga C. Zudem bedient sich die Story wieder vieler Abenteuer-Klischees. Das alleine wäre nicht allzu schlimm – Uncharted macht schließlich auch nichts anderes – doch die Geschichte ähnelt dem Aufbau des direkten Vorgängers teilweise so sehr, dass man das Gefühl hat, manche Szenen eben genau so schon einmal erlebt zu haben.

    Traut euch was!

    Das mag sich für den einen oder anderen jetzt nach Gejammer anhören oder gar danach, dass der Autor dieser Zeilen ein Uncharted-Fanboy ist, aber diese kleinen und vermeidbaren Fehler nerven mich. Ein wenig mehr Zeit, ein wenig mehr Sorgfalt bei Geschichte und Charakteren und das ohnehin schon sehr gute Rise of the Tomb Raider hätte noch so viel besser sein können. Liebe Entwickler von Crystal Dynamics, traut euch ruhig, euch für gewisse Momente, die ihr vermitteln wollt, mehr Zeit zu nehmen. Traut den Spielern zu, Geschichten und Charaktere zu würdigen. Dann kann der wahrscheinlich bereits geplante Nachfolger auch in die Spielspaß-Regionen eines Uncharted vorstoßen. So viel fehlt schließlich nicht dazu.

  • Rise of the Tomb Raider
    Rise of the Tomb Raider
    Publisher
    Square Enix
    Developer
    Crystal Dynamics
    Release
    28.01.2016
    Es gibt 11 Kommentare zum Artikel
    Von DixieDean
    Und das fragst du dich jetzt wahrscheinlich wirklich, nach deinem ersten Kommentar, oder? Wer regt sich denn hier…
    Von silenthill999tts
    Die Kolumne bringt es auf den Punkt. Der Reboot hat mir sehr gefallen und den hab ich auch gerne gespielt. Dennoch…
    Von GenX66
    Jetzt bringst du mich in eine Zwickmühle, denn es stimmt was du sagst. Gameplay ist mir aber schon wichtiger als eine…
    • Es gibt 11 Kommentare zum Artikel

      • Von DixieDean
        Zitat von GenX66
        Leute, warum gleich wieder so eine Aufregung?
        Und das fragst du dich jetzt wahrscheinlich wirklich, nach deinem ersten Kommentar, oder? Wer regt sich denn hier gleich wieder am meisten auf und fühlt sich sofort wieder persönlich angegriffen, wenn es jemand wagt, auch nur ein…
      • Von silenthill999tts
        Die Kolumne bringt es auf den Punkt. Der Reboot hat mir sehr gefallen und den hab ich auch gerne gespielt. Dennoch muss sich Tomb Raider den Vergleich zu Uncharted gefallen lassen wie schon vorher Uncharted mit Tomb Raider verglichen wurde. Egal wie gut dieses Spiel nun sein mag. Die Erfahrung mit…
      • Von GenX66
        Zitat von RoninXM
        Du wiedersprichst dir hier selber. Auf der einen Seite prangerst du Herr Dörres persönliche Meinung (was ja der definierte Inhalt einer Kolumne ist) an, auf der anderen Seite sagst du “Geschmäcker sind verschieden“. Was denn nun?

        Ich mag sowohl Uncharted…
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Rise of the Tomb Raider
Rise of the Tomb Raider: Ein sehr gutes, aber seelenloses Spiel
In unserer Kolumne zum vorerst Microsoft-Konsolen-exklusiven Rise of the Tomb Raider geht Redakteur Christian Dörre der Frage auf den Grund, warum ihn Laras Abenteuer emotional so wenig berührt, während er bei Sonys Uncharted-Reihe regelmäßig mit den Charakteren mitfiebert.
http://www.gamesaktuell.de/Rise-of-the-Tomb-Raider-Spiel-54451/Specials/Kolumne-Warum-so-gefuehllos-1177653/
14.11.2015
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2015/06/rottr1-visual-fidelity-pc-games_b2teaser_169.jpg
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