Auf Hasenjagd: Ubisofts Jump'n'Run-Recke sieht sich seiner bislang größten Herausforderung gegenüber -- einer Bande knuffiger Comic-Kaninchen!
Lustig: Zeichnet Rayman die Konturen der Lebensmittel korrekt nach, landen die Leckerein auf dem Teller des Nagers. (Wii)
Als olympisch agiler Hüpf-Heroe kann Rayman auf eine langjährige Karriere zurückblicken. Mitte der 1990er flitzte die Blondlocke zum ersten Mal durch platte 2D-Welten. Seitdem gehört der gliedlose Gute-Laune-Garant neben Klempner Mario und Igel Sonic zur Crème de la Crème des Jump'n'Run-Genres -- bis jetzt zumindest. Denn in seinem neuesten Abenteuer ist Raymans außerordentliches Sprungtalent nur rudimentär gefragt. Statt traditioneller Hopskost erwartet uns mit "Raving Rabbids" eine umfangreiche Sammlung aberwitziger Minispiele. Und damit nicht genug: Auch wenn Rayman Namenspatron ist, die eigentlichen Stars des Geschicklichkeits-Cocktails sind die wahnsinnig wahnsinnigen Häschen. Aber der Reihe nach…
Aufmarsch der Gladiatoren
Was der CDU mit der Steuerreform bis dato noch nicht gelungen ist, bewältigen die Entwickler mit der Story von "Raving Rabbids" mühelos. Der Plot ist tatsächlich derart überschaubar, dass er locker auf einen Bierdeckel passt: Während eines beschaulichen Picknicks entführt eine Horde durchgedrehter Karnickel Rayman und seine Globox-Kumpels. Der einzige Weg in die Freiheit führt durch die Arena der Prüfungen. Nur wenn der Held alle 75 Herausforderungen meistert, kann er den Häschen-Häschern entkommen.
Killerkaninchen: Mit Fadenkreuz und Pümpelmunition legen Sie auf die anstürmenden Langohren an. (Wii)
Zwar ist der Fokus des Abenteuers auf Mehrspieler-Action gerichtet, doch auch Solisten kommen auf ihre Kosten. Schließlich müssen die meisten Disziplinen erst im Einzel-Modus freigezockt werden, ehe sie für launige Partyrunden zur Verfügung stehen. Die Solo-Kampagne setzt sich wie folgt zusammen: An jedem virtuellen Tag müssen Sie mindestens drei von vier angebotenen Herausforderungen erfolgreich absolvieren, damit sich das Tor zu einer besonders heiklen Abschlussprüfung öffnet. Ist auch die bestanden, darf Rayman in seine Zelle zurückkehren und sich erspielte Musikstücke anhören oder Extrakostüme anziehen -- bis der nächste Tag in Hasenhausen anbricht.
Wii-Wundertüte
Kirmesklassiker: Tauchen die Rammler aus dem Erdreich auf, zieht Rayman ihnen eins mit dem Spaten über. (PS2)
Wer Freunden das Steuerkonzept der neuen Nintendo-Konsole demonstrieren möchte, ist mit "Raving Rabbids" optimal bedient. Die 75 meist extrem bizarren Geschicklichkeitstests bieten nicht nur jede Menge Abwechslung, sie nutzen auch das Potenzial von Fernbedienung und Nunchuk-Controller vielfältig aus. Zu den simpler gestrickten Aufgaben zählt etwa "Seilspringen". Hier gilt es lediglich, die Fernbedienung im rechten Augenblick hochzureißen, um Rayman über den rotierenden Strick hüpfen zu lassen. Das muntere "Kuhschleudern" wiederum ist dem Hammerwerfen nachempfunden. Beschreiben Sie mit dem Controller kreisförmige Bewegungen und schon dreht sich Goldlöckchen um die eigene Achse. Ein Druck auf den B-Knopf, und schwuppdiwupp, saust die mitgeführte Kuh quer über den Rübenacker -- oder geradewegs in die Hasentribüne, wenn Sie den Abwurfpunkt falsch gewählt haben. Bei komplexeren Herausforderungen wie "Tanzen" ist Rhythmusgefühl gefragt. Dabei werden Fernebedienung und Nunchuck wie Schlagzeugstöcke geschwungen, um die Weißpuschel zum Grooven zu bringen. In weiteren Disziplinen treibt Rayman ausgebüchste Schweine zurück in den Pferch oder zeichnet auf dem Bildschirm vorgegebene Muster nach. Zu den aufwändigsten Spielen zählen die Ballerprüfungen. Wie in handelsüblichen Lightgun-Shootern wandern Sie auf festgelegten Pfaden durch unterschiedliche Levels wie eine Westernstadt oder eine Friedhofslandschaft. Je nach Thematik springen Ihnen dort Indianer-Häschen und Cowboy-Nager bzw. Vampir-Rammler und Langohr-Zombies vor die Flinte. Oder besser gesagt, vor den Pümpel. Statt scharfer Munition verschießt Rayman nämlich rote WC-Saugglocken.
Auf PC und PS2 funktioniert der Karnickel-Knaller freilich etwas traditioneller: Die Minispiele müssen mit Pad, Maus und Tastatur absolviert werden -- was deutlich weniger spaßig ist. Man merkt eben, dass "Raving Rabbids" eine Wii-Entwicklung ist.
Saublöd und supersüss
Wenngleich "Raving Rabbids" für Solisten mehr zu bieten hat als etwa Nintendos "Mario Party"-Konkurrenz, geht die Gaudi doch erst dann so richtig los, wenn sich bis zu vier Kumpels vor der Glotze einfinden. Einziger Wermutstropfen: Eine ganze Reihe Disziplinen lässt sich leider nicht gleichzeitig zocken. Stattdessen kommen die Mitstreiter brav nacheinander an die Reihe.
Sittenwächter: Sobald sich eine WC-Kabine öffnet, müssen Sie die Tür zuschlagen, sonst rasten die Bunnys aus. (PC)
Neben der Vielfalt der Spiele ist die charmante Präsentation der zweite große Trumpf des Gladiatorenspektakels. Wie erwähnt, stehlen die putzigen Möhrenmampfer Held Rayman locker die Schau. Die tollpatschigen Kuschelpuschel haben dank wahnwitziger Mimik und schräger Animationen die Lacher eindeutig auf ihrer Seite. Wem es die Mundwinkel hier nicht unweigerlich nach oben zieht, der hat sein Humorzentrum bereits eingeäschert!
