Mehr Platz im Regal, nie mehr im Nieselregen einkaufen -- dank legaler Spiele-Downloads. Digitale Distribution scheint die logische Zukunft unseres Mediums. Aber der virtuelle Spielevertrieb ist noch lange nicht am Ziel, wie unser Report zeigt.
Langsam nimmt Steam Fahrt auf. Trotz anfänglicher Skepsis lassen immer mehr namhafte Entwickler ihre Werke über Steam online vertreiben -- meistens als Ergänzung zum herkömlichen Verkaufsweg.
Die Idee ist so einfach, dass man sich fragt, warum es derart lange gedauert hat. Statt seine Spiele im Fachhandel zu kaufen oder über das Internet zu bestellen, lädt man sie einfach direkt runter -- völlig legal. Immerhin sind Spiele von Grund auf digital und somit hervorragend dafür geeignet. Das einzige, was technisch dagegensprach, war eine fehlende Verbreitung von Breitbandanschlüssen. Dieses Gegenargument ist aber mittlerweile größtenteils beseitigt. Eigentlich sollte dem digitalen Spieleladen also nichts mehr im Wege stehen. Eine Art iTunes, nur mit Games. Soweit die Vorstellung vor unserem geistigen Auge, aber wie sieht es in der Realität aus?
Spiel mir das Lied vom Download
Digitale Distribution gibt’s seit den Erfolgen in der Musikbranche überall. Erinnern wir uns kurz: Nachdem die illegalen Tauschbörsen Napster und Co. per neuer Gesetze und Gerichtsverfahren nach und nach verfolgt und zum Teil geschlossen wurden, verstand die Musikindustrie langsam, dass nicht nur kriminelle Energie die Menschen zum Downloaden von Liedern brachte. Die Kunden wünschten sich auch einfach einen neuen Vertriebsweg. Nach diversen Fehlstarts haben sich die legalen Dienste mittlerweile etabliert. Allen voran Apples iTunes -- nicht zuletzt, weil es direkt an ihren extrem erfolgreichen MP3-Spieler iPod gekoppelt ist.
Volle Ladung
Die bisher größte und präsenteste Plattform für Spiele-Downloads, gamesload.de, startete im August 2005. Der Service von T-Online steht in direkter Konkurrenz zu Metaboli.de, dem deutschen Ableger eines französischen Downloaddienstes, der auch sonst europaweit aktiv ist.
Powered by T-Online: Die bunte Spielemischung von Gamesload.de.
Da das Internet ja bekanntermaßen international ist, kann der deutsche User auch Download-Dienste aus dem Ausland nutzen, zumindest eingeschränkt. Der bekannteste Vertreter ist Direct2Drive, Spross des ständig wachsenden IGN.com-Netzwerks. Und dann ist da noch Steam -- die Download-Applikation von Half-Life 2-Entwickler Valve. Steam hat aus vielen Gründen eine Sonderstellung, nicht nur, weil es über ein eigenes Tool statt über eine klassische Webseite funktioniert.
Die Idee ist immer die gleiche: einloggen, bezahlen, Spiel downloaden, installieren und spielen. Der Mittelsmann, der Einzelhandel, wird ausgeschaltet. Die jeweiligen Dienste haben allerdings wichtige Unterschiede.
Details
Ein Vorbild aus der Konsolenwelt? Jeder Download läuft bei der Xbox über den Marketplace.
Die Seite von Gamesload.de erinnert den Betrachter sofort daran, dass es sich um ein Unternehmen der Telekom-Gruppe handelt und eine junge Zielgruppe ansprechen soll. Sie ist bunt und voll, oben werden aktuelle Kauftipps ausgesprochen. Zum Beispiel Ski Alpin Racing 2007 für 26,95 Euro oder das neue Spiel zu Alarm für Cobra 11, aber auch ausgewählte Vollpreisspiele wie Sid Meiers Railroads. Trotzdem: Schnell fällt bei Gamesload und auch bei Metaboli auf, dass beide Dienste hauptsächlich ältere Titel verkaufen, für die natürlich auch nicht mehr der volle Preis bezahlt werden muss. Das ist nicht das Fachhandel-Neuheitenregal in digitaler Shopform. Es wirkt eher wie eine lose Sammlung an Spielen, gemischt mit so genannten Easy Games, Low-Budget-Unterhaltungsspielen Marke Moorhuhnjagd.
Dazu passt auch das Angebot einer Spiele-Flatrate, neben der klassischen Zahle-pro-Spiel-Variante. Bei der Pauschale legt der User X Euro pro Monat auf den virtuellen Tisch und lädt sich dafür so viele Spiele runter, wie er will. Der direkte Konkurrent Metaboli.de funktioniert übrigens nur über dieses Modell, ist also eine reine Abo-Version. Einzelne Spiele werden gar nicht mehr verkauft. Auch die Metaboli.de-Seite ist bunt bevölkert und lockt mit Angeboten, Premium- und Vorteilspacks. Aber auch hier gibt es leider keine echte Aktualität. Ein Banner bewirbt Tomb Raider: Legend mit dem Wort »neu«. Dabei ist das Teil vier Monate alt ...
