Duell der Super-Shooter: Kann id Softwares vierte Beben-Episode am Genre-Thron von Half-Life 2 rütteln? Wir geben die Antwort!
Will heißen: An jeder Ecke springt Ihnen gleich ein ganzes Dutzend Halunken vor die Flinte. Zum Glück lagern im Rucksack Ihres Marines passende Gegenargumente. Vom simplen Maschinengewehr über futuristische Laserknarren bis hin zur absurden (aber dafür umso mörderischeren) Dark Matter Gun reicht das Offensivarsenal.
Weil unentwegtes Monstermeucheln irgendwann langweilig wird, streuen die Entwickler diverse Fahrzeug-Intermezzi ein: Mal steuern Sie einen Hightech-Panzer, mal hocken Sie an der Bordkanone einer Schienenbahn. Leider wandelt sich die Freude über diese spielerische Abwechslung schnell in verständnisloses Kopfschütteln. Selbstmörderisch herbeistürzende Schufte, mangelnder Anspruch -- das erinnert fatal an den berüchtigten Shooter-Unfall "Moorhuhnjagd".
Ebenfalls ernüchternd: Ungefähr zur Hälfte des Solo-Abenteuers wird Ihr Recke von den Strogg gefangen genommen und zu einem Biomech umoperiert. Dieser an sich clevere Kniff hat aber leider keinerlei spielerische Auswirkung: 25 zusätzliche Lebenspunkte hier, veränderte Helden-Texturen da -- lieb- und ideenloser kann man einen solchen Story-Dreh kaum umsetzen.
Positiv fallen hingegen die Bosskämpfe auf. In regelmäßigen Abständen tritt Ihnen -- meist durch einen Heidenlärm angekündigt -- ein besonders dicker Strogg-Brocken entgegen. Diese Obermonster schocken nicht nur durch ihr bildschirmfüllendes XXL-Format, sondern auch durch ihre ellenlange Energieleiste. Ohne ausgeklügelte Taktik, dicke Munitionsvorräte und eifrigen Gebrauch der Schnellspeicher-Funktion lässt sich ein solches Duell kaum überstehen. Unfair wird das Spiel aber zu keiner Zeit.
FAZIT: Ein ungeschriebenes Gesetz der Zockerlehre lautet: "Ziehe den Spieler gleich zu Beginn des Abenteuers in deinen Bann, sonst hört er gelangweilt auf!" Genau gegen diese Richtlinie verstößt "Quake IV" auf fast schon peinliche Weise: Triste Außeneinsätze und lachhaft herumhüpfende KI-Dümmlinge bremsen die "Bloß einen Level noch!"-Motivation gehörig aus.
An der grenzwertigen Gegnerintelligenz ändert sich zwar auch im späteren Verlauf wenig, dafür schnellt aber die Spannungskurve deutlich nach oben: Gruselige Überraschungen, nette Schockeffekte, packende Massenschießereien -- besonders im letzten Spieldrittel findet der rabiate Horror-Reigen zu alter Serienstärke zurück. Was bleibt, ist ein zwar enorm unterhaltsames, jedoch zu keiner Zeit geniales Stück Action-Software. Und mal ehrlich: Wir hätten uns alle deutlich mehr von "Quake IV" erwartet.
