Quake 4 (dt.)

Test

Ehrliche Bewertung statt Vor-Ort-Test: Bewaffnet mit der deutschen Verkaufsversion fühlen die Action-Experten von PC PowerPlay dem vierten Quake auf den Zahn.

Wir erinnern uns: Bereits in der letzten PC PowerPlay konnten Sie einen ausführlichen Bericht zur jüngsten Neuauflage der Shooter-Legende Quake lesen. Ausführlich vielleicht, aber nicht vollständig. Aufgrund der Testbedingungen konnten wir nämlich kein endgültiges Urteil abgeben, schließlich durfte nur ein Redakteur das Spiel beim Vor-Orttermin in London begutachten. Kommt Zeit, kommt Wertung: Inzwischen steht Quake 4 auch in der deutschen Fassung in den Läden, und im Nachhinein erweist sich unser Verzicht auf eine abschließende Wertung als Glücksfall. Selten wurden die Vor- und Nachteile eines Spiels von den PC-PowerPlay-Redakteuren untereinander hitziger diskutiert als im Fall von Quake 4.

Alles Geschmackssache

Grundsätzlich ist die Redaktion in zwei Lager gespalten. Während die eine Fraktion die mangelnde Innovation, die bescheidene Gegner-KI und das Leveldesign bekrittelt, pocht die andere Gruppe darauf, dass es bei Quake nie um diese Punkte ging, und dass der vierte Teil das Prinzip des bombastischen Simpel-Shooters gekonnt umgesetzt und perfektioniert hat. Bevor wir an dieser Stelle jedoch zu weit vorgreifen, verweisen wir dezent auf das Testcenter, das diesmal -- wie wir es Ihnen bei großen Titeln immer bieten -- mit vier Redakteuren großzügig besetzt ist.

Andere Länder, andere Sitten

Zurück zum Spiel: Die von uns getestete deutsche Quake 4-Version unterscheidet sich spielerisch zwar nicht grundlegend vom englischen Original. Wie nicht anders zu erwarten, mussten die Entwickler allerdings bei den Zwischensequenzen und den Hämoglobin-lastigen Spezialeffekten ausgiebig zur Zensurschere greifen, um das Spiel hierzulande ab 16 Jahren an den Mann bringen zu können. So werden Käufern der entschärften Version allzu harte Zwischensequenzen (wie etwa Kanes »Stroggifizierung«) vorenthalten. Zusätzlich fehlen im Einzel- und Mehrspielermodus Blutspritzer und alle derben Waffen- und Verstümmelungseffekte.

Gerade in LAN- und Internet-Partien dürfte das allerdings nur die hartnäckigsten Gore-Liebhaber stören, da das ausgiebig spritzende Pixelblut des Originals nicht wirklich gut aussieht und zudem eher vom Kampfgeschehen ablenkt. Wirklich störend ist allerdings die Tatsache, dass Käufer der deutschen Version online vom Rest der Welt abgeschnitten sind. Durch die umfangreichen Änderungen sind das Original und die zensierte Variante nämlich nicht mehr miteinander kompatibel.

Multiplayer für Konservative

Was wäre Quake ohne Mehrspieler-Part? Immerhin zählt der in Ehren ergraute Vorgänger noch heute zu den beliebtesten Titeln für Internet-Gefechte, und Quake 4 gibt sich alle Mühe, die treuen Fans der Serie nicht zu vergraulen. So haben beispielsweise die populärsten Karten aus Teil drei (wie die legendäre »DM17«) nach einer optischen Frischzellenkur geradewegs ihren Weg in die Neuauflage gefunden.

Auch bei den Waffen wagen die Entwickler keine Experimente: Neue Wummen gibt es nicht, und die alten sehen nun zwar schicker aus, spielen sich aber praktisch genauso wie in Quake 3 Arena. Selbst die Symbole für Railgun, Raketenwerfer und Co. wurden eins zu eins vom Vorgänger übernommen. Lediglich das Maschinengewehr kommt behutsam renoviert daher und hat nun eine Zoom-Funktion. Quake-Veteranen sollten sich also mit Teil vier schnell anfreunden können, allerdings laufen die Gefechte in der Neuauflage etwas behäbiger ab als im ultraschnellen Vorgänger.

Sascha Gliss

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