Prince of Persia
Vom Milchbubi in The Sands of Time zum kernigen Raubein in Warrior Within hat sich der persische Prinz in der Neuauflage der Kultserie schon gemausert. In The Two Thrones lässt es der zeitreisende Adelige wieder etwas ruhiger zugehen als im direkten Vorgänger. Statt harten Gitarrenriffs sind in den Kämpfen wieder orientalische Klänge zu hören, das vergossene Blut ist auf Normalmaß reduziert, der Fokus wieder etwas von den martialischen Gefechten abgerückt. Kurzum: The Two Thrones ist nicht mehr so düster wie Warrior Within und scheint ein würdiger Abschluss der Action-Trilogie zu sein. Den acht spielbaren Abschnitten unserer Vorabversion nach zu urteilen, haben die Entwickler Kämpfe und Turnübungen diesmal sehr gut ausbalanciert. Außerdem ist der Schwierigkeitsgrad moderater ausgefallen.
Schleichender Tod
Das Kampfsystem wurde noch einmal überarbeitet. Zu den Kombo-Angriffen gesellen sich diesmal so genannte Speed Kills. Die Entwickler von Ubisoft Montreal haben offenbar den Kollegen über die Schultern geschaut, die für Splinter Cell verantwortlich zeichnen, denn für diese speziellen Attacken eifern Sie dem schleichenden Sam Fisher nach. Viele Feinde stehen nämlich nicht auf der Stelle, sondern patrouillieren durch die Levels. Mit etwas Geschick und ein bisschen Timing können Sie sich dann von hinten anschleichen und die Burschen mit maximal zwei Schlägen außer Gefecht setzen -- vorausgesetzt, Sie haben gute Reaktionen. Sobald Sie den »Speed Kill« auslösen, läuft nämlich eine kurze Sequenz ab, in der Sie zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen müssen. Wenn Sie das nicht schaffen, dann wird aus dem vermeintlichen Überraschungsangriff ein normales Gefecht.
Und das spielt sich dann so wie schon die Handgreiflichkeiten in Warrior Within. Mit einer Taste schlagen Sie zu, mit einer anderen wird geblockt. Wenn Sie es effektvoll mögen, dann können Sie mit einem guten Dutzend Tastenkombinationen filmreife Angriffe starten und beispielsweise über den Feind hinweghopsen, um ihn dann von hinten zu erstechen.
Reaktionstest
Die Geschicklichkeitseinlagen sind um kleinere Varianten erweitert und dadurch noch abwechslungsreicher. So gibt es diesmal spezielle Wandfliesen, an denen wir uns mit dem Dolch festhalten können. Anstatt lediglich an einer Wand entlangzulaufen und im richtigen Moment abzuspringen, müssen wir in The Two Thrones zwischendurch immer wieder rechtzeitig an diesen Fliesen stoppen. An anderen Stellen springen wir mit Hilfe von anderen Spezialfliesen schräg von der Wand ab -- auch hier kommt es auf das richtige Timing an.
Zurück in die Heimat
All das spielt sich in der Heimatstadt des Prinzen ab, Babylon. Anstatt Orient-Idylle herrscht dort allerdings pures Chaos, denn der Sand der Zeit macht aus den Bewohnern blutrünstige Killer. Anders als in den Vorgängern sind wir diesmal größtenteils an der frischen Luft unterwegs und turnen nicht nur durch dunkle Gewölbe. Das macht vor allem die zahlreichen Geschicklichkeitseinlagen spannender, weil wir oft genug in luftigster Höhe elegant von Fahnenmast zu Fahnenmast schwingen -- hoch über den Dächern der Stadt.
Inszeniert ist das Abenteuer des Prinzen wieder mit jeder Menge Unschärfeeffekten und anderen grafischen Spielereien; allerdings sieht unsere Vorabversion merklich schlechter aus als Warrior Within. Wir hoffen, dass die Entwickler uns PC-Spieler in der finalen Version nicht mit groben Texturen abspeisen, nur weil sich PS2 und Xbox an den weitaus größeren Levels verschlucken.
David Bergmann