Nintendo Labo Multi Set im Test: Es rappelt und ist aus Karton - Klavier, Auto, Angel, Haus und Motorrad im Review.
Test
Fünf verschiedene Bastelprojekte, fünf unterschiedliche "Spiele" - wir haben alles, was im bunten Multi Set von Nintendo Labo steckt, zusammengebaut und ausprobiert. Sind die ganzen Bäume umsonst gestorben? Nein, Nintendos Pappkameraden funktionieren tatsächlich. Wir sind positiv überrascht, haben aber auch ein paar Verbesserungsvorschläge.
Viele haben gelächelt, ungläubig gestarrt oder sich einfach nur am Kopf gekratzt, als Nintendo zwei Papp-Bastel-Spielsets für die Switch ankündigte und auf den Namen Nintendo Labo (jetzt kaufen 115,55 € ) taufte. Geldmacherei oder geniales Spielkonzept? Prüfobjekt oder Altpapier? Da war sich nicht einmal die USK sicher ... Nach vielen hitzigen Diskussionen können wir dank der Testversionen des Robo Set und des Multi Set nun zumindest sagen: wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den beiden Extremen.
So viel Pappe ist jedenfalls zu viel für einen einzelnen Menschen! Für unseren Test der beiden Labo-Sets teilten wir uns auf. Das war eine gute Idee, denn das Zusammenbauen der einzelnen Teile ist zeitaufwendiger, als ihr euch das vielleicht im ersten Moment vorstellt. Während das Robo-Set nur ein Spiel und Großprojekt zum Basteln beinhaltet, stecken im Multi Set ganze fünf unterschiedliche Kreationen! Bei beiden Sets ist die sogenannte Labo-Garage enthalten, in der ihr zum Hobbyprogrammierer werdet - mehr dazu im Test des Robo Kit. Nicht beim Test berücksichtigt haben wir das Design-Paket: Das ist eine "Erweiterung" mit Aufklebern, Tesafilm und Schablonen, mit deren Hilfe ihr eure Werke verschönert. Ein Spiel oder Software ist bei diesem Mini-Set für etwa zwölf Euro nicht enthalten, und, ganz ehrlich: handelsübliche Buntstifte und so weiter tun es auch.
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Wenn ihr euch das Multi Kit besorgt habt, kann es auch schon losgehen: Alle Pappkartons im Multi Set sind eindeutig farbig gekennzeichnet, es besteht also keine Verwechslungsgefahr beim Zusammenbauen. Und da meistens nicht alle Teile auf einmal, sondern die Stücke schrittweise aus den Bögen gelöst werden, geht die Übersicht auch bei den komplexeren Bauwerken nicht verloren. Generell gilt aber: trotz der hohen Qualität der Sets solltet ihr stets Umsicht beim Bauen walten lassen und Kinder unter sechs Jahren brauchen (außer vielleicht beim Bau des Autos) Unterstützung.
Quelle: Nintendo
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RC-Auto
Gerade einmal fünf Minuten nach dem Starten der Anleitung steht euer RC-Auto auf sechs eigenen Beinen. Durch die Joy-Cons links und rechts bewegt sich das käferartige Pappgestell fort. Das ist nach dem ersten Aha-Effekt nicht mehr sonderlich faszinierend. Ihr könnt theoretisch Hindernisparcours aufbauen und mit dem Auto absolvieren. Wenn ihr ein zweites Set Joy-Cons besitzt, liefert ihr euch Wettrennen. Es gibt ein paar Möglichkeiten zur Manipulation des kleines Gefährts, ihr könnt zum Beispiel die Geschwindigkeit der Vibration per Seite einstellen, und die kleine Kamera am rechten Joy-Con fängt Bilder ein, die ihr auf der Switch-Konsole seht. Beachtet, dass die Beinchen des Autos schnell knicken und der Untergrund möglichst glatt sein sollte, damit das Käferchen gut vorankommt.
Schnell zusammengebaut und ausprobiert
Pro/Contra
+ Niedliches Design
+ Ein paar Bedienungsoptionen
+ Rudimentärer Zweispielermodus
+ Schöne Einführung ins Labo-Prinzip
- Kein Minispiel dabei
- Funktioniert nur auf festem, glatten Boden
- Beine knicken leicht um
Quelle: Nintendo
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Angel
Die Angel zu bauen dauert etwa eine Stunde, je nachdem, wie sorgfältig ihr seid. Gerade bei den Kartonstücken mit den runden Öffnungen ist beim Knicken an den Falzlinien Fingerspitzengefühl gefragt, die beiliegenden Plastikösen sorgen aber am Ende für die notwendige Stabilität. Auch das Einführen der Schnur in die Löcher könnte für jüngere Bastelmeister eine Herausforderung darstellen. Die Haptik der Angelrute ist hervorragend, durch ein kleines Pappplättchen erzeugt das Kurbeln sogar einen rhythmisches Klacken.
Das Ein- und Ausstecken der Joy-Cons funktioniert simpel und ohne die Angeln dabei arg in Mitleidenschaft zu ziehen. Das passende Minispiel zur Papphülle ist gut umgesetzt und erstaunlich unterhaltsam. Klar, eine anspruchsvolle Hochseefischereisimulation solltet ihr nicht erwarten, das Angeln mit der Hardware funktioniert aber einwandfrei, die Tiere sehen gut aus, und in unterschiedlichen Wasserschichten sind verschiedene Kiementräger unterwegs. Wie bei fast allen anderen Labo-Minispielen gibt's keinen Mehrspielermodus. Das Angeln ist entspannender und etwas länger unterhaltsam als das Motorradrennen, aber wohl keine Beschäftigung, die noch Wochen nach dem Basteln Laune macht.
Pro/Contra
+ Robuste Angelrute
+ Simpel-unterhaltsames Angelspiel
+ Schönes Feedback beim Kurbeln
+ Mehrere Wasserschichten und Fischarten
+ Joy-Cons leicht entnehmbar
- Durch die per Schnur verbundenen Teile etwas schwierig zu transportieren
- Wenig Langzeitmotivation
Quelle: Nintendo
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Haus
Zum Bauen des Gebäudes und der drei Schalter, die ihr links, rechts und unten am Haus anbringen könnt, solltet ihr etwa eine Stunde und 15 Minuten Zeit einplanen. Das Zusammensetzen funktioniert super und die Hebel fühlen sich erstaunlich robust an. Im Häuschen wohnt ein niedliches Tier, mit dem ihr durch die Schalter interagiert. Ihr öffnet etwa Portale mit den durch Schnur verbundenen Steckern, durch die das Wesen fliegt, lasst ihm die Bude mit Wasser vollaufen, ändert die Tageszeit oder spielt ganz simple Minispiele wie Bowling oder Seilhüpfen. Am besten stellt ihr euch die Interaktion mit dem Haus-Set vor wie die mit einer Art überdimensioniertem Tamagochi. Das Zuschauen beim Spielen ist recht amüsant.
Pro/Contra
+ Mit ein paar (simplen) Minispielen
+ Schalter funktionieren sehr gut
+ Sehr knuffig gestaltet
+ Haus lädt zum Dekorieren ein
+ Abwechslungsreiches Bastelprojekt mit Schnüren, Kurbeln und Schaltern
- Einfügen der Switch etwas umständlich
- Kaum Langzeitmotivation
Quelle: Nintendo
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Motorrad
Das Motorrad ist vom Komplexitätsgrad mit dem Klavier vergleichbar - jüngere Kinder brauchen sehr wahrscheinlich Hilfe beim Knicken und Zusammensetzen der großen Teile. Ist der Lenker erst zusammengebaut, funktioniert die Mechanik mit Gummibändern und Papphebeln aber sehr gut. Umständlich: Zum Fahren müssen die Seiten des Lenkers geöffnet und die Joy-Cons eingelegt werden. Das ist schon anfangs fummelig und die kleinen Pappzungen sind verschleißanfällig. Durch den abnehmbaren "Tank" unterhalb der Switch-Halterung lässt sich die Pappbastelei aber gut an unterschiedlich große Spieler anpassen. Das Mini-Game an sich ist recht spaßig und kommt sogar mit einem Streckeneditor daher; viel mehr ist im Funracer aber nicht enthalten. Es gibt keinen Mehrspielermodus, keine Möglichkeiten, Motorrräder oder Aussehen zu wechseln, und jedes Rennen dauert nur genau eine Runde. Wenigstens gibt es drei Geschwindigkeitsklassen und damit drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.
Pro/Contra
+ Lenker funktioniert super und ist stabil
+ Rennspiel macht Spaß
+ Mehrere Geschwindigkeitsklassen und Strecken
+ Mit Streckeneditor
- Kein Mehrspielermodus
- Geringer Umfang
- Lenker muss geöffnet werden, damit die Joy-Cons entnommen und eingesetzt werden können
Quelle: Nintendo
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Klavier
Das Klavier ist groß und komplex, deshalb solltet ihr mindestens eineinhalb Stunden Zeit einplanen, um es fertig zu stellen. Da ihr jede Taste einzeln anfertigt, mutet das Basteln mitunter etwas monoton an. Außerdem müsst ihr viel Klebearbeit bei den Schaltern leisten, da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sobald ihr das Instrument aber erst fertiggestellt habt, bietet es euch einen erstaunlichen Funktionsumfang: Die Schalter bestimmen den Klang (Klavier, Katzenmiauen, Chor, Männerstimmen, Vibration), mit den Einschiebekarten manipuliert ihr die Klangverzerrung. Ihr spielt entweder angegebene Melodien nach, oder wechselt in den Studiomodus. Dort unterlegt ihr eure Kompositionen sogar mit Beats! Dafür braucht ihr die Einschiebekarte mit den zahlreichen Stanzlöchern.
Sehr schwierig: je nach Lochposition verändert sich der Rhythmus, Labo empfiehlt, die herausgedrückten Pappplättchen aufzuheben! Nicht sonderlich praktikabel, auch, wenn eigens eine Schablone zum Basteln einer Aufbewahrungsbox beiliegt. Die Funktionen des Studios jedenfalls sind beeindruckend, mit Aufnahme- und Wiederholungsoptionen, den bereits erwähnten Beats und der Erweiterung der Klaviatur (euch stehen also mehr als eine Oktave Töne zur Verfügung, obwohl das Klavier nur 13 Tasten aufweist). Zu guter Letzt könnt ihr das Instrument zu einem Aquarium umfunktionieren, dazu schiebt ihr die Karte mit dem halben Fisch darauf in den Schlitz.
Pro/Contra
+ Komplexe, faszinierende Mechanik
+ Erstaunlich viele Möglichkeiten beim Musizieren und Aufnehmen
+ Vermittelt sofort Spaß an der Musik
+ Einfache Melodien zum Nachspielen
- Papplochmechanik sehr filigran
- Das Aquarium ist recht öde
- Das Basteln ist etwas monoton
