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Mein Name ist Vito Scaletta und ich habe eine Geschichte zu erzählen, wie sie eigentlich nur Hollywood schreiben kann. Denn die meisten Leute würden nicht glauben, was für Dinge ich in der Cosa Nostra schon erlebt habe. Nach Jahren in der Mafia klebt an meinen Händen so viel Blut, dass selbst meine eigene Familie mich nicht wiedererkennt. Dabei bin ich doch ihretwegen überhaupt erst auf die schiefe Bahn geraten.
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Hätte uns mein alter Vater nach seinem Tod nicht einen Berg an Schulden hinterlassen, wäre ich nach meinem Kriegsdienst gegen europäische Faschisten vielleicht nicht schnurstracks zu meinem alten Kumpel Joe gelaufen. Denn Joe hatte Kontakte bei den richtigen Leuten. Und das Leben, das ich auch führen wollte.
Eines hatte ich mir nämlich schon als kleiner Junge geschworen: Ich würde niemals enden wie mein Vater, der sein Leben lang am Hafen für einen Hungerlohn Schiffsladungen löschte. Eine verdammte Kiste nach der anderen.
Schöne neue Welt
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Meine Kindheit in der Gosse war die Hölle, dabei war Empire Bay City die schönste Stadt, die man da draußen je gesehen hat: Bis in die hinterste Ecke waren die Straßen mit Leben gefüllt und während Passanten in typischer 50er-Jahre-Kleidung die Gehwege entlang flanierten, spiegelte sich im Sommer das Sonnenlicht auf den glänzenden Kühlergrills der Karossen. Im Winter dachte man, die Welt entstamme einer Schneekugel: Als ich Anfang '45 aus dem Krieg heimkam, rutschten die Menschen auf den vereisten Bürgersteigen aus - und ich mit meiner geklauten Karre über die Straßen der Stadt. Ich erinnere mich noch genau an den Spaß, den ich beim Steuern der Fahrzeuge hatte, ständig mit den Fingern an der Handbremse. Driften konnte ich besonders gut, vor allem auf eisigen oder staubigen Wegen. Ist ja auch kein Wunder, denn schließlich wurde ich immer zum Fahren verdonnert, nie durfte ich mal aus dem Auto heraus ballern oder Verfolgungsjagden mit Waffengewalt beenden.
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Mich wunderte immer, dass mir die Polizei von Empire Bay selbst bei der flottesten Fahrweise keinen wirklichen Ärger bereitete: Rote Ampeln konnte ich grundsätzlich überfahren und Strafzettel für zu schnelles Fahren habe ich nicht mal im Traum bezahlt. In solchen Momenten habe ich einfach den Bleifuß sprechen lassen, denn sobald mich die Beamten für ein paar Sekunden aus den Augen verloren haben, gaben sie die Suche auf, egal, ob mein Fahndungslevel auf der ersten oder der vierten Stufe war. Selbst mit ihrem ausgeklügelten System aus Personenbeschreibung und Kennzeichenfahndung konnten mir die Ordnungshüter nicht viel anhaben, ich habe mich dann einfach umgezogen oder beim Mechaniker das Nummernschild gewechselt.
Grün hinter den Ohren
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Dort konnte ich auch meinen Fuhrpark tunen, auf den ich besonders stolz war. Jeder kleinste Kratzer war sofort auf der Karosserie zu sehen und nach einem Crash flogen die Einzelteile durch die Gegend - vor allem bei Verfolgungsjagden setzte ich manchmal den Wagen gegen die Wand und musste den Motor mit ein paar fixen Handgriffen wieder reparieren - quasi per Knopfdruck.
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Teilweise habe ich mir mit den Herren in Grün sogar einen Spaß erlaubt: Einmal haben sie mich bis vor die Haustür verfolgt, also bin ich einfach auf die Veranda hinter meiner Bude gefahren. Kaum haben sie mich nicht mehr gesehen, war die Fahndung vorüber, weil sie kein Phantombild oder Kennzeichen von mir hatten. Und hinters Haus haben sie nicht geschaut, obwohl sie direkt hinter mir waren. Die Geschichte habe ich Joe nie erzählt, der hätte seine Zunge verschluckt vor Lachen.
Sodom & Camorra
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Das Leben war wirklich gut zu Joe und mir. Wir erlebten unglaubliche Abenteuer und verdienten mit leichten Jobs eine Menge Knete, scheuten aber auch nie, den Abzug einer Waffe zu ziehen. Ich gebe es nur ungern zu, aber die Schießereien während unserer Missionen haben mir immer enorm viel Spaß gemacht. Erst nach einigen Einsätzen ist mir aufgefallen, dass wir trotz der unterschiedlichen Locations doch eigentlich immer das selbe taten: Hinfahren, Ballern, Jemanden verprügeln, Flüchten. Ich hörte oft die Geschichten von Niko Bellic aus Liberty City, der auf seinen Abenteuern die haarsträubendsten Dinge erlebt hat. Von Helikoptern oder Fallschirmen war natürlich zu meiner Zeit nichts zu sehen, aber ein wenig mehr halsbrecherische Geschichten hätte ich mir trotz meines erfüllten Lebens dann doch gewünscht.
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Am Ende meiner Karriere wurden die Schießereien fast ein wenig anspruchslos, auch weil die verfeindeten Syndikate nicht viel in der Birne hatten: Selbst in völliger Überzahl haben sie mich nie umlaufen oder auch nur ihre Positionen gewechselt. Stattdessen sind sie einfach nur aus ihren Deckungen hervorgekommen und abends an der Bar haben Joe und ich sie nach einigen Drinks immer "Schießbudenfiguren" genannt - was haben wir gelacht!
Geld, Frauen, Abgründe
Tommy Angelo aus Mafia: The City of Lost Heaven [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Auch wenn Hollywood mein Leben nicht besser hätte schreiben können: Ich war immer neidisch auf die Geschichten des legendären Mafia-Mitglieds Tommy Angelo, den man aus seiner Autobiographie Mafia: The City of Lost Heaven kennt. Während er in einer epischen Erzählung ein ganzes Syndikat quasi im Alleingang auffliegen ließ, drehte sich mein Leben in der Cosa Nostra eher um mich und Joe: Unsere Aufträge, unsere Parties, unsere Frauen. Manche nannten uns "Goodfellas", auch wenn ich lieber ein Pate gewesen wäre wie Tommy Angelo.
Aber das störte mich am Ende alles kaum: Wir waren wild, wir waren jung und wir hatten die Zeit unseres Lebens. Ich würde es sofort wieder genauso machen.
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