Auf der Suche nach der Wahrheit: 20 spektakuläre Dokumentarfilme über das große Ganze
Special
Diese Woche wird mit dem Kinostart von "Unsere Erde 2" eine der spektakulärsten und erfolgreichsten Doku-Reihen in Deutschland fortgesetzt. Sein Vorgänger mauserte sich 2007 zum absoluten Überraschungserfolg, lockte allein hierzulande knapp vier Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser und bewegt sich damit in ähnlichen Dimensionen wie die deutschen Top-Produktionen "Das Wunder von Bern", "Das Boot" oder "Zweiohrküken". Längst ist die Doku als Unterhaltungsform also in der Gesellschaft angekommen. Dies haben wir uns zum Anlass genommen, 20 wichtige Vertreter des Genres rauszusuchen.
Der Dokumentarfilm als solches zählt zu den ältesten Genres der Filmbranche. Als 1895 in einem Café in Paris der erste Dokumentarfilm, "Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat", aufgeführt wurde, soll es der Überlieferung nach zu tumultartigen Zuständen gekommen sein, denn die Gäste des Cafés dachten wirklich, dass sie gleich von einem Zug erfasst werden würden. Bewegte Bilder waren damals noch absolutes Neuland und nicht jeder war wohl auf die Filmrevolution schon gut vorbereitet.
Wie hoch der Wahrheitsgehalt der Geschichte ist, kann heute nicht mehr ermittelt werden, doch sie zeigt vor allem eins: Dokumentarfilme dienten schon immer einem möglichst genauem Abbild der Realität. Dabei unterscheidet sich die Doku insofern schon mal vom Spielfilm, dass sie nicht zwingend auf eine fortlaufende Handlung ausgelegt ist, sondern lediglich reale Zustände visuell aufbereitet. Sie unterliegen damit immer einem Wahrheits- und Authentizitätsanspruch und sollte diesen auch gewährleisten.
Freilich wurde dies in der Geschichte schon öfter missachtet, gerade die Nationalsozialisten produzierten z. B. zahlreiche Dokumentationen, die letztlich nur der Propaganda dienten. Doch gerade in der neueren Geschichte entstand eine Vielzahl wissenschaftlich fundierter und ansprechend aufgearbeiteter Dokus, die sich mit allen Bereichen des Lebens, der Menschen, der Tiere oder auch des Kosmos befassen. Der Dokumentarfilm an sich wurde in den letzten Jahren zunehmend kommerzialisiert und für ein größeres Publikum angelegt. Und das kommt an: "Fahrenheit 9/11" avancierte 2004 zum absoluten Sensationserfolg und machte den Doku-Markt massentauglich. In Deutschland erfolgte der Durchbruch mit "Die Reise der Pinguine" 2005 und spätestens seit dem Erfolg von "Unsere Erde" ist klar, dass Dokus auch das Zeug dazu haben, mit Spielfilmen mitzuhalten. Seit dieser Zeit steigt die Zahl der Produktionen und der Zuschauer stetig, was zu einem durchschnittlich höherem Produktionsbudget und damit zu immer umfassenderer Qualität führt. Dokumentationen sind das Vehikel der normalen Bevölkerungen, die großen Strukturen und Zusammenhänge unserer Zeit zu erkennen und leisten damit einen enorm wichtigen Beitrag zur Informationsgewinnung.
Aus der schieren Masse die besten Dokumentationen auszuwählen, erscheint nahezu unmöglich. Trotzdem haben wir zum Kinostart von "Unsere Erde 2" etwas recherchiert, und fünf starke Vertreter aus den Bereichen Gesellschaft/Wirtschaft, (Zeit-)Geschichte, Natur/Kosmos und Umwelt herausgesucht. Sie alle eint, dass sie sich im Wesentlichen nicht auf einzelne Personen oder Ereignisse fokussieren, sondern die großen Strukturen der Erde ergründen, seien dies wirtschaftliche Zusammenhänge, Ansätze zur Verbesserung des gesellschaftlichen Lebens, ein Überblick der globalen Artenvielfalt oder auch alarmierende Appelle an die Menschheit.
Mit dieser Liste möchten wir unterhaltsame und spannende Spielfilm-Alternativen vorstellen und euch auch wieder dazu anregen selbst eure Favoriten aus Bereichen zu nennen, die hier jetzt vielleicht noch zu kurz kamen.
Auf dieser Seite
- 1 (Zeit-)Geschichte
-
2
Natur/Kosmos
- 2.1 Deep Blue (Großbritannien 2003)
- 2.2 Darwins Alptraum (Österreich 2004)
- 2.3 Die Reise der Pinguine (Frankreich 2005)
- 2.4 Unsere Erde (Deutschland 2007)
- 2.5 Voyage of Time (USA 2016)
- 2.6 Gesellschaft/Wirtschaft
- 2.7 Bowling for Columbine (USA 2002)
- 2.8 Fahrenheit 9/11 (USA 2004)
- 2.9 Inside Job (USA 2010)
- 2.10 The True Cost - Der Preis der Mode (USA 2015)
- 2.11 The End of Meat (Deutschland 2017)
- 3 Umwelt
(Zeit-)Geschichte
Quelle: Komplett-Media, National Geographic, Koch
Die Deutschen / The Story of God / Wovon träumt das Internet?
Zeitgeist (USA 2007)
Die Doku-Reihe "Zeitgeist" gleicht einem Rundumschlag zu den Verschwörungstheorien der Menschheitsgeschichte. In drei Sequenzen geht Regisseur Peter Joseph auf die Wahrheit der Bibel ein, beschäftigt sich mit den Ungereimtheiten im Zuge der Anschläge auf das World Trade Center und zeichnet die Geschichte des amerikanischen Bankensystems und deren teils kriegerischen Absichten nach. Die Dokumentation ist nicht unumstritten und muss sich vor allem den Vorwurf gefallen lassen, Verschwörungstheorien eher zu konstruieren als zu lüften. Dennoch erregte der Film bei seiner Veröffentlichung auf Youtube einige Aufmerksamkeit im Internet und regte zu einer grundsätzlichen Diskussion über unser Bild der Welt an. Deshalb weitete Peter Joseph das Projekt zu einer Trilogie aus. 2008 erschien "Zeitgeist II: Addendum", in dem das schuldenbasierte globale Finanzsystem auf den Prüfstand gestellt und eine mögliche Alternative aufgezeigt wird. 2011 stellte dann "Zeitgeist III: Moving Forward" den Mensch als wirtschaftendes Wesen in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Die Deutschen (Deutschland 2008)
Wer wirklich einen Überblick über die Geschichte unseres Landes haben möchte, der ist mit der 10-teiligen Dokumentarserie "Die Deutschen" gut beraten. Anhand herausragender Persönlichkeiten wird die komplette Geschichte des deutschen Kaiserreiches aufgearbeitet, von Otto dem Großen (10. Jh.) bis zum Niedergang mit dem ersten Weltkrieg. Produziert wurde das Ganze von der Infotainment-Legende Guido Knopp, der mit seinem Team allein für die erste Staffel an über 200 Orten in Deutschland drehte. So wird die Geschichte von einer möglichst authentischen Darstellung der Ereignisse und Computeranimationen umrahmt. Die Serie wurde noch um eine weitere Staffel mit weiteren historischen Persönlichkeiten, sowie der Reihe "Die Deutschen im 20. Jahrhundert" erweitert.
The Story of God (USA 2015)
Oscarpreisträger Morgan Freeman wurde selbst schon die Ehre zu Teil, einmal Gott zu verkörpern, und zwar in den Komödien "Bruce Almmächtig" und "Evan Allmächtig". In "The Story of God" ergründet Freeman nun die Beziehung zwischen dem Göttlichen und den Menschen - Eine Beziehung, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Dafür reiste der Schauspieler um die ganze Welt, traf sich unter anderem mit Vertretern des Vatikans und mit islamischen Gelehrten in Kairo, aber auch mit Archäologen und Wissenschaftlern, um zwischen den Religionen einen gemeinsamen, göttlichen Konsens zu finden. Bei einem religiösen Ritual der Navajo in New Mexiko, sowie einem neuro-theologischem Experiment in der Schweiz möchte Freeman auch selbst Kontakt zu Gott aufnehmen. So entsteht ein fundiertes und ausdifferenziertes Bild des menschlichen Glaubens, der wohl zu den ältesten Ursachen für die Bildung von Zivilisationen gehört.
Wovon träumt das Internet? (USA 2016)
In seiner Dokumentation "Wovon träumt das Internet" unternimmt Werner Herzog eine Reise durch die moderne Geschichte einer Erfindung, die das Leben der gesamten Menschheit veränderte wie kaum ein Ereignis zuvor. In verschiedenen Episoden wird die Entstehung des Internets in einer Universität in Kalifornien ebenso thematisiert, wie die vielen Bereiche des Lebens, die von der digitalen Vernetzung radikal umgeworfen wurden. Mit Wissenschaftlern, Experten und Technikpionieren wie Elon Musk diskutiert Herzog die gesellschaftlichen Auswirkungen und gibt einen Ausblick auf die ungewisse Zukunft der neuen Welt. Besonders spannend für alle, die das Internet von Anfang an als gegeben bekommen haben und nie in einer Welt vor der digitalen Revolution leben konnten.
Requiem for the American Dream (USA 2016)
Noam Chomsky gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten und einflussreichsten lebenden Philosophen, seine Theorien prägten zahlreiche wissenschaftliche Strukturen des letzten Jahrhunderts. In "Requiem for the American Dream" legt er seine Sicht auf die gesellschaftliche Entwicklung in den USA dar und bietet damit eine Erklärung an, welche politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu dem gigantischen Unterschied zwischen Arm und Reich führten. Bei verschiedenen Interviews über einen Zeitraum von vier Jahren wirft er auch die Frage auf, wie die Entwicklung wohl anders hätte aussehen und laufen können. Die Doku ist dabei keine radikale Abrechnung mit dem bestehenden System, sondern eine nüchterne Analyse der Fakten, die dazu führten.
Natur/Kosmos
Quelle: Studiocanal, Universum
Die Reise der Pinguine / Voyage of Time / Deep Blue
Deep Blue (Großbritannien 2003)
Die Dokumentation "Deep Blue" nimmt uns mit auf eine Reise in die Tiefen der Weltmeere. Durch die spektakulären Unterwasseraufnahmen des Kamerateams der BBC Reihe "The Blue Planet" erhält der Zuschauer ungeahnte Einblicke in die Artenvielfalt der Meere, die noch nicht mal im Ansatz wirklich erforscht ist. In den dunkelsten Tiefen des unendlichen Ozeans tummeln sich allerlei komische Zeitgenossen, die wie Kreaturen aus einer anderen Welt wirken. Doch auch die flachen Korallengewässer oder die Küsten des Nord-und Südpols bieten zahlreichen Lebewesen ein Zuhause. Dabei wird vor allem klar, dass der gnadenlose Überlebenskampf unter Wasser noch einmal schwieriger ist, die Hierarchie der Nahrungskette noch erbarmungsloser.
Darwins Alptraum (Österreich 2004)
In seinem vielbeachteten Dokumentarfilm setzt sich der Österreicher Hubert Sauper mit dem Nilbarsch auseinander, der in den 60er Jahren in einem Experiment im afrikanischen Viktoriasee ausgesetzt wurde. Eigentlich sollte das vermehrungsfreudige Tier die Fischexporte der umliegenden Staaten ankurbeln, doch die rasante Ausbreitung des Barsches führt zum katastrophalen Aussterben heimischer Fischarten, die für die Verwertung der natürlichen Algen des Sees sorgten. So sank der Sauerstoffgehalt des Gewässers dramatisch. Anhand dieses Beispiels wird aufgezeigt, wie der Export des Fisches im direkten Gegenzug für den Einkauf von Waffen genutzt wird, welche die Region noch weiter destabilisieren, den Anwohnern aber keinen erhofften Vorteil bieten. Die sehr düstere Darstellung geht unter die Haut und brachte dem Film auch die Bezeichnung "Doku-Thriller" ein. Letztlich ist der Nilbarsch eine Metapher für Darwins Gesetz vom Überleben des Stärkeren, das hier auf die Beziehung zwischen Afrika und Europa angewendet wird.
Die Reise der Pinguine (Frankreich 2005)
Bei seiner Veröffentlichung im Jahr 2005 wurde diese berührende Dokumentation zum weltweiten Überraschungshit und konnte sogar in Deutschland knapp 1,5 Mio. Zuschauer in die Kinos locken - Eine Sensation für einen Dokumentarfilm. Der Schlüssel des Erfolgs liegt wohl im Aufbau der Geschichte. Dokumentarfilmer Luc Jacquet begleitete die majestätischen Kaiserpinguine über ein ganzes Jahr und fokussierte sich dabei vor allem auf die beschwerliche und lange Reise der Tiere auf dem antarktischen Packeis zu ihren Brutplätzen. Große Beachtung fand aber vor allem die Vermenschlichung der Tiere. Dabei wurden den Pinguinen Emotionen und Dialoge auf den Leib geschrieben wurden, wodurch sie wie Menschen miteinander interagieren und sprechen konnten. So verliert die Darstellung zwar etwas an Authentizität, erschafft dafür aber eine sehr ergreifende Atmosphäre, welche die gesamte Spielzeit hinweg für Spannung sorgt. Dafür wurde der Film 2006 mit dem Oscar ausgezeichnet. Inzwischen erschien auch "Die Reise der Pinguine 2", der sich nach demselben Schema der Aufzucht der Jungtiere widmet.
Unsere Erde (Deutschland 2007)
"Unsere Erde" zählt mit Produktionskosten von 30 Mio. Dollar zu den aufwendigsten Naturfilmen der Welt, avancierte dafür aber zu einem riesigen Erfolg. Nach der Sensationsveröffentlichung von "Die Reise der Pinguine" konnte der Film in Deutschland sogar 3,8 Mio. Zuschauer in die Kinos locken und erhielt dafür die Goldene Leinwand. Die enorm positive Rezension ist vor allem dem Einsatz unkonventioneller Kameraarbeit zu verdanken. So wurden erstmals spezielle Kameras an Hubschraubern und Flugzeugen befestigt, um aus großen Höhen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, ohne sie dabei zu stören. Spektakuläre Bilder und selten gezeigte Einblicke in das Sozialverhalten der Tiere sind die Folge. Der Fokus lag dabei nicht auf einzelnen Tierarten, sondern auf einem Gesamteindruck der Artenvielfalt des Planeten. Zudem erhält der Zuschauer weitere Informationen zur Entstehung des Lebens auf der Erde, der Pflanzenvielfalt und dem Einfluss unterschiedlicher Klimazonen. Diese Woche erscheint der zweite Teil in den deutschen Kinos.
Voyage of Time (USA 2016)
"Voyage of Time" geht weg von den kleinen und großen Problemen unserer Welt, hin zu den großen kosmischen Strukturen unseres Universums. Regisseur Terrence Malick erfüllte sich mit diesem Regiedebüt einen Traum und führt den Zuschauer mit echten Aufnahmen und animierten Sequenzen auf eine Reise zu den Anfängen des Universums, bei denen sie die Geburt aller Materie miterleben. Darauf folgt ein Überblick über die Geschichte des Kosmos, die bis in unsere Gegenwart reicht und noch darüber hinausgeht. Doch dadurch wird auch klar, wie wenig wir von der Welt wissen, die unsere Erde umgibt.
Gesellschaft/Wirtschaft
Quelle: Universum, cmv-Laservision, AL!VE
Bowling for Columbine / The True Cost / The End of Meat
Bowling for Columbine (USA 2002)
In "Bowling for Columbine" setzt sich der Dokumentarfilmer Michael Moore mit der amerikanischen Waffenindustrie und deren Einfluss auf die Politik und die Gesellschaft auseinander. Zum Anlass nahm er sich dabei das Schulmassaker von Littleton 1999, bei dem zwei Schüler der Columbine Highschool zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen. In verschiedenen Interviews, darunter mit Prominenten wie Marilyn Manson (dessen Musik von den Medien für den Amoklauf verantwortlich gemacht wurde) greift er zwar auch die Waffenindustrie an, definiert aber vor allem Erklärungsansätze für die hohe Kriminalität in den USA aus den vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen. Dafür wurde er 2003 sogar mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm geehrt.
Fahrenheit 9/11 (USA 2004)
Die Veröffentlichung von "Fahrenheit 9/11" revolutionierte 2004 die öffentliche Rezension von Dokumentarfilmen und ist bis heute mit einem Einspielergebnis von ca. 220 Mio. Dollar der erfolgreichste Vertreter seines Genres. Darin geht der renommierte Regisseur Michael Moore den Ereignissen des 11. Septembers 2001 in Amerika auf den Grund und erschafft so ein differenziertes Bild der Verbindung zwischen der Bin Laden- und Bush-Familie, dem politischen Umgang mit dem Anschlag auf das World Trade Center sowie der fadenscheinigen Notwendigkeit des Irakkrieges. Als der Film 2004 erschien, hatte er den Anspruch, die erneute Wahl von George W. Bush zum amerikanischen Präsidenten zu verhindern.
Inside Job (USA 2010)
2011 wurde auch die Dokumentation "Inside Job" mit einem Oscar geehrt. Sie ist der erste Film über die Finanzkrise 2008. Ganz dem Titel entsprechend befragte Regisseur Charles H. Ferguson dafür Banker, Politiker und Wirtschaftsprofessoren, die tief im Finanzsystem drinstecken und gewann in den aufgezeigten Interviews einige Erkenntnisse über Auslöser, Verlauf und Folgen der Krise. Bei seinen Recherchen legte er zudem ein besonderes Augenmerk auf die Korruption in der amerikanischen Politik und Wissenschaft, durch die die wahren Gründe des Zusammenbruchs verschleiert werden. Anhand der Beschäftigung mit den großen Financial Players wird schließlich klar, wie allumfassend der Finanzmarkt verflochten ist und welch tragischen Ereignisse schon kleinste Veränderungen auslösen könnten.
The True Cost - Der Preis der Mode (USA 2015)
Die neue Jeans für 10€, das tolle T-Shirt für 5€ - Mode ist längst kein Luxus mehr. Doch wie kann es sein, das eine Tafel Qualitätsschokolade teilweise mehr kostet, als unsere Kleidung? "The True Cost" zeichnet den Weg nach, den unsere Kleidung auf der ganzen Welt zurücklegt, bevor sie in deutschen Läden zu Spottpreisen angeboten wird. Regisseur Andrew Morgan begab sich dafür in 13 Länder, die an der Modeproduktion mitwirken, und fing einige verstörende Bilder ein. Für ein differenziertes Bild bat er auch die Vertreter der Modeindustrie vor die Kamera, doch erhielt kein einziges Interview. Es wird deutlich, dass die Modeindustrie zu den größten jemals existierenden Ausbeutern der Menschheit gehört. Denn nur so können wir auch in Zukunft billige T-Shirts kaufen - Die Kosten tragen andere.
The End of Meat (Deutschland 2017)
Marc Pierschel begibt sich auf die Suche nach Alternativen im Zusammenleben von Mensch und Tier. Seit jeher machen wir uns Tiere als Nahrungsquelle nutzbar, was eine Grundlage der menschlichen Natur darstellt. Doch gibt es in unserer hochmodernen Welt nicht inzwischen Alternativen zum bedingungslosen Fleischkonsum? Pierschel trifft bei seinen Recherchen auf Pioniere der veganen Revolution, besucht die erste rein vegetarische Stadt in Indien und beschäftigt sich gemeinsam mit Wissenschaftlern mit der synthetischen Fleischerzeugung, die schon in einigen Jahren die Massentierhaltung ersetzen könnte. Zudem lädt er uns zu einem Gedankenspiel einer Welt ohne Fleisch ein und wagt einen Blick in die Zukunft.
Umwelt
Quelle: Lighthouse, EuroVideo
Bottled Life / Lastic Planet / Taste The Waste
Eine unbequeme Wahrheit (USA 2006)
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore erregte 2006 einiges Aufsehen mit seiner Dokumentation "Eine unbequeme Wahrheit". Darin legt er vortragsartig und wissenschaftlich fundiert dar, warum der Klimawandel entgegen aller Kritiker doch ein menschengemachtes Problem ist. Zwar würde der Wandel auch ohne die Menschheit eintreten, von uns aber exponentiell beschleunigt werden. Letztes Jahr erschien dann die Fortsetzung "Immer noch eine unbequeme Wahrheit" in der Gore die Entwicklungen seit dem ersten Film thematisiert und aufzeigt, dass die Menschheit zwar inzwischen auf einem guten Weg ist, aber immer noch viel Arbeit vor sich hat. Beide Filme glänzen vor allem durch die Bilder von Gores unermüdlichen Kampf gegen den Klimawandel auf der ganzen Welt, sowie aufrüttelnden Aufnahmen von Gebieten wie Gletschern oder Südseeinseln, die von der Wetterveränderung schon jetzt stark in Mitleidenschaft gezogen werden.
Plastic Planet (Österreich 2009)
Plastik hat seit der erstmaligen Synthese des Kunstoffs Bakelit im Jahr 1907 einen ungeahnten Erfolgszug hingelegt und dominiert seitdem weltweit nicht nur die Verpackungsindustrie. Im Laufe der Zeit überflutete der Kunststoff den Planeten in allen Formen. Das große Problem dabei: Plastik bleibt der Erde bis zu tausenden von Jahren erhalten, ohne sich zu zersetzen. Um sich dieser Problematik anzunähern, recherchierte der österreichische Filmemacher Werner Boote jahrelang auf der ganzen Welt mit Hilfe von verschiedenen NGOs, Autoren, Wissenschaftlern, Lobbyisten und Ärzten zu dem Thema. Seine zusammengetragenen Fakten bereitet er teils animiert in der Doku "Plastic Planet" auf und gibt damit Einblicke in das Konsumverhalten der Menschen, der Gefahr von Mikroplastik, der Plastikverwertung in anderen Ländern oder die Rolle der Hersteller.
Bottled Life - Das Geschäft mit dem Wasser (Schweiz 2011)
Trinkwasser ist für uns ein völlig selbstverständliches Gut und es gibt (noch) keinen Zweifel daran, dass der Zugang dazu zu den Grundrechten jedes Menschen gehört. Doch nicht überall auf der Erde ist diese Meinung verbreitet, viele Länder können die staatliche Nutzbarmachung von Trinkwasser nicht gewährleisten. Hier kommen Privatkonzerne ins Spiel. Der Schweizer Journalist Res Gehriger unternahm für "Bottled Life" eine Reise um die ganze Welt, auf der Suche nach dem Geschäft mit dem Trinkwasser. Gerade in Dritte-Welt-Ländern, in denen die Wasserversorgung nicht verstaatlicht ist, stieß er dabei immer wieder auf den gleichen Konzern, der seine Finger bei der Vermarktung im Spiel hat: Den Lebensmittelgiganten Nestlé. Die Dokumentation beleuchtet die teils kriminellen Machenschaften des Unternehmens und wirft die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf, wenn vorhandenes Trinkwasser von einem Privatunternehmen beschlagnahmt wird, um es anschließend teuer zu verkaufen.
Taste the Waste (Deutschland 2011)
Die deutsche Dokumentation "Taste the Waste" beschäftigt sich mit der globalen Lebensmittelverschwendung. So werden beispielsweise in Europa jährlich 90 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, allein mit dem darunter vorhanden Brot könnte man ganz Spanien ernähren. Auf seiner Reise um die ganze Welt offenbart Valentin Thurn das massenhafte Aussortieren makelloser Früchte direkt nach der Ernte, den Druck des Handels auf die Erzeuger, die Weggwerf-Kultur von Supermärkten und das enorme Problem mit dem organischen Abfall, der bei seiner Verwesung das Treibhausgas Methan freisetzt. Aber die Dokumentation zeigt auch Lösungswege auf: Lebensmittel-Kooperationen in den USA, die Biogasverwertung oder der Einsatz von altem Brot zum Heizen von Bäcker-Öfen bilden spannende Ansätze und regen zu einem Umdenken in der Bevölkerung an.
Before the Flood (USA 2016)
In "Before the Flood" beschäftigt sich der Weltstar Leonardo DiCaprio mit der politischen Dimension des Klimawandels. Bei tiefgründigen Gesprächen kommt er mit dem damaligen Generalsekretär der UN Ban Ki-moon, Präsident Obama, Papst Franziskus oder auch Politikern aus Indien und China zusammen und diskutiert mit ihnen die Auswirkungen des warmen Klimas auf die verschiedenen Ökosysteme der Erde, sowie mögliche Maßnahmen, die auch jetzt noch greifen könnten. Dann begibt sich DiCaprio selbt in betroffene Regionen wie Grönland, Florida und den Polarkreis und sucht bei der Rodung des Regenwalds oder der Ölgewinnung nach den Ursachen der Krise
