Volle Packung

Special

Eigentlich dienen sie lediglich dem Transport eines Spiels und schützen die empfindlichen CD- und DVD-Scheiben. Doch viele sehen weitaus mehr in ihnen. Spieleverpackungen: Wirklich nur schnöde Hülle oder gern gesehenes Kunstwerk? Und wie stehen Publisher und Spieler zu Handbüchern, Dreingaben und Gimmicks?

Freund und Leid eng beieinander

Was gerade die ältere Spielergeneration in Rage gebracht hat, war vor allem für den Handel ein Segen. Der freute sich über die kompakteren DVD-Hüllen, da die einige offensichtliche Vorteile mit sich bringen. Die Lagerkosten sinken aufgrund des geringeren Platzbedarfs, und die Positionierung in den Verkaufsregalen geht einfacher von der Hand. Gleichzeitig wandert eine sehr viel größere Stückzahl in den Ausstellungsraum, was größere Absatzzahlen verspricht -- zumindest theoretisch. Doch dient damit die Verpackung einzig und alleine nur noch dem Transport des Datenträgers und verliert somit den ehemaligen »Status«? Nicht in den Augen von Markus Wilding, Head of PR bei Take 2. »Es ist vergleichbar mit der Umstellung von Langspielplatte auf CD in der Musikindustrie. Auch dort haben sich damals viele Leute gegen diesen Wechsel gesträubt und empfanden die kleinen CD-Hüllen als lieblos und ohne jeden Sammlerwert. Doch mittlerweile ist das Thema vom Tisch, und lediglich eingefleischte Fans wehren sich noch immer mit Händen und Füßen. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier und findet sich recht schnell mit solchen Veränderungen ab.«

Grand Thick Schachtel

Mit dieser Umstellung muss sich auch die PC- Gemeinde wohl oder übel abfinden, denn spätestens der Handel macht die meisten Ausbruchversuche mancher Publisher zunichte. Der pocht aus oben genannten Gründen auf die schmalen DVD-Hüllen und duldet meist nur in Ausnahmefällen andere Formate wie die bekannte Eurobox oder eine so genannte Collector's Edition, die jedoch sowieso nur in begrenzter und somit kleiner Stückzahl aufgefahren werden.

Doch die Anzahl der Spieler, die nach wie vor großen Wert auf eine aufwändige Verpackung legen, ist enorm. PC PowerPlay führte eine Umfrage mit insgesamt 150 Fans aller Altersgruppen durch; fast 60 Prozent der Befragten ziehen hübsche Kartons den unscheinbaren DVD-Cases vor. Und auch viele Publisher sehen das so und setzen in den letzten Monaten verstärkt auch hübschere Packungen. Bestes Beispiel dafür ist der Actiontitel GTA San Andreas. Take 2 steckt das Spiel in eine schicke Schuber-Box und legt sogar noch eine große Übersichtskarte und ein dickes, schön gestaltetes Handbuch bei -- ohne Aufpreis. Kritiker werden jetzt sicherlich schnell die Hand heben. Immerhin hätte sich gerade dieser Titel auch ohne Zusatzausstattung prächtig verkauft; es wäre also ein Mehraufwand ohne Nährwert für den Vertrieb. Ist das wirklich so? »Ganz und gar nicht«, erklärt Markus Wilding. »Sicherlich wären die Verkaufszahlen auch ohne diesen Schritt erfreulich hoch gewesen, doch es geht uns dabei um etwas gänzlich anderes. Wir wollen Highlights unseres Portfolios auch dem Kunden gegenüber ansprechend präsentieren, so dass sie spüren, ein wirklich besonderes Spiel in Händen zu halten.«

Eine löbliche Einstellung, denn dass es auch ganz anders geht, zeigt Branchenprimus Electronic Arts. Selbst Spitzentitel wie Battlefield 2 oder das gesamte Portfolio von EA Sports landen nach wie vor im engen DVD-Case. Auch Sunflowers' Martin Szymanski spricht der Schachtel eine hohe Bedeutung zu. »Die Verpackung ist in vielen Fällen der erste Berührungspunkt des Spielers mit dem Produkt. Grundsätzlich ist sie Werbeträger und oft entscheidender Faktor bei der Wahl eines Spieles -- das Auge isst ja bekanntlich mit!«

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