Eigentlich dienen sie lediglich dem Transport eines Spiels und schützen die empfindlichen CD- und DVD-Scheiben. Doch viele sehen weitaus mehr in ihnen. Spieleverpackungen: Wirklich nur schnöde Hülle oder gern gesehenes Kunstwerk? Und wie stehen Publisher und Spieler zu Handbüchern, Dreingaben und Gimmicks?
Mit großen Augen öffnen wir die eben erworbene Spieleschachtel, die uns gerade noch im Laden um die Ecke so verheißungsvoll angelächelt hat. Wir heben den Deckel des großzügig dimensionierten Packkartons langsam hoch, werfen einen ersten Blick in sein Innenleben. Das lässt uns jubeln: Neben den Datenträgern findet sich nicht nur das ebenso umfangreiche wie schick aufgemachte Handbuch, sondern auch eine kunstvoll verarbeitete Stoffkarte jener Welt, in die wir gleich eintauchen werden. Zufrieden beginnen wir mit der Installation und studieren derweil staunend die Stoffkarte.
Ja, wir ahnen bereits, was Ihnen gerade durch den Kopf geht. »Da hat sich jemand eine sündhafte teure Special Edition gekauft, na und?« Wenn das wirklich Ihre Gedanken sind, liegen Sie leider falsch. Die eben beschriebene Szene fand bereits vor mehr als zehn Jahre statt und war vielmehr ein nostalgischer Rückblick. Bei besagtem Spiel handelte es sich übrigens um eine ganz normale Verkaufsversion (!) des Rollenspiels Ultima 7. Zu dieser Zeit steckten neue PC-Titel noch häufig in riesigen Boxen samt schicker Goodys in Form von Zinnfiguren oder Stoffkarten. Schlendert man heutzutage durch die Spieleabteilung eines Elektrogroßmarkts, schweift der Blick über eine endlose Reihe unscheinbarer DVD-Hüllen, die in den meisten Fällen außer dem bloßen Namen nicht viel vom enthaltenen Titel offenbaren. Ist die Zeit der kunstvollen Verpackungen wirklich schon vorbei? Legt die heutige Generation tatsächlich keinen Wert mehr auf solche Äußerlichkeiten und hat nur noch das eigentliche Spielerlebnis vor Augen? Wie stehen die Publi- sher dazu? Wir haben versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden.
Reise durch die Zeit
Doch bevor wir harte Fakten auf den Tisch legen, schwenken wir in die Vergangenheit. Nur so wird der direkte Vergleich zur heutigen Zeit deutlich. In den 80er-Jahren steckte die Branche der Computerspiele noch in den Kinderschuhen. Sie war weit vom heutigen Status eines Massenmediums entfernt und galt lange Zeit als Nischenplatz für Freaks. Es war aber auch die Zeit, in der die ersten Entwicklerstudios noch im Regal der Händler um die Gunst der Käufer buhlten und mit ebenso ausgefallenen wie kunstvollen Verpackungen auf sich aufmerksam machen wollten. Große Kartons mit wunderschönen Bildern, die selbst im heimischen Wohnzimmer ein echter Blickfang waren.
Doch damit nicht genug, auch das Innenleben machte einiges her. Die bereits erwähnten Figuren und Karten waren nur einige von vielen Beispielen; für seine 80 bis 90 Mark bekam der Spiele-Fan damals einiges geboten. Also für umgerechnet das gleiche Geld wie heute. Daran erinnert sich zum Beispiel Carsten Herzog, 33 Jahre, und noch immer begeisterter Spieler, sehr genau. »Es war jedes Mal ein ganz besonderes Ereignis, wenn du zuhause das Spiel ausgepackt hast und dich an den tollen Extras erfreuen konntest. Das war fast wie ein kleines Weihnachtsfest.« Zack, der Schnitt ins Jahr 2005. Heutige Highlights wie der Taktik-Shooter Battlefield 2 landen in einer unscheinbaren, kompakten DVD-Hülle auf unserem Schreibtisch. Außer der DVD-Scheibe und einem Handbuch im Miniformat gibt die Packung nichts mehr her. Martin Szymanski, International PR Manager bei Sunflowers, sieht das ähnlich kritisch: »Publisher heben sich mit aufwändigen Verpackungen von der breiten Masse ab und erlangen hohes Ansehen in der Community. Natürlich muss auch das Produkt dahinter stimmen. Der Kunde soll für sein Geld entsprechend gute Qualität erhalten, deshalb haben einfallslose DVD-Boxen mit einem zweiseitigem Werbeflyer nichts auf dem Markt verloren!«
