Die Akte Jowood
Gothic 3: Der kritische Test von PC PowerPlay führt zu Drohanrufen durch Publisher Jowood.
Redaktion PC PowerPlay, Donnerstag, 21. September 2006, 14:55 Uhr. Der Anrufer ist sauer, stinksauer. Wir hätten sein Spiel »kaputtgemacht«, beschimpft er uns. Er werde alles unternehmen, damit unser Heft die Druckerei nicht verlässt und nicht an die Kioske kommt. Er werde uns sämtliche Anzeigen entziehen, das werde auch sein Vertriebspartner machen. Und er werde sämtliche Firmen in der Spielebranche dazu bringen, das gleiche zu tun. Unseren Einwand, er würde das Spiel durch eine verfrühte Veröffentlich selber kaputtmachen, will er gar nicht mehr hören: Er legt auf.
Der Anrufer ist der Marketing Director der Jowood Productions Software AG. Da unser Heft noch nicht am Kiosk ist, kennt er zwar nicht den Inhalt, wohl aber die Titelseite: Einige unserer Abonnenten haben ihr Heft bereits bekommen und die Covertexte online gestellt, die sich im Internet wie ein Lauffeuer verbreiten. Unter anderen im Gothic-Fanforum Worldofgothic.de, das später noch eine wichtige Rolle spielen wird.
Unser Titeltext, um den es beim Telefonat geht: »Im Test durchgefallen: Warum Gothic 3 eine Riesenenttäuschung ist!« Und weiter: »Bug-Skandal: Wir decken die Fehler auf – und sagen, wie es weitergeht«.
Ja, nun nehmen wir mal eine Sekunde an, es gibt auf dieser Welt jemanden ohne Internetzugang / 56k Leitung ohne Flat. Nennen wir ihn mal Tom.
Tom geht in den Laden und sieht Gothic3 rumstehen. Er denkt sich: "Oh geil, ein Solo RPG, welches auch noch in den Himmel gelobt wurde!" Er kauft sich das Objekt und installiert es daheim auf seinen 4 Jahre alten PC, der zur Releasezeit von Gothic3 richtig gut war.
Leider muss Tom feststellen, dass das Kampfsystem richtig mies, die Gegner richtig doof und Wildschweine richtig fies sind. Zudem stürzt das Spiel alle Nase lang ab und Speichern und Laden bewegen ihn zwischendurch eine neue Fremdsprache zu erlernen.
Tom ist natürlich angepisst. Aber es besteht Hoffnung. Jemand sagt in einem Forum, dass Gothic3 mit "community patch 1.74 (glaube ich) Quest Packet 4.1 und content mod 2.0" zu einem richtig guten Spiel wird.
Er sucht besagten Patch. Die Patches sind insgesamt knapp 2GB groß. Da er keine Lust hat einen Monat lang Patches zu saugen, gibt er das Spiel entrüstet zurück.
So, ich habe mir das Spiel am Releasetag gekauft. Leider. Ich habe mir schon mehrere Spiele am Releasetag gekauft. (SC2 z.B.) und keins, K E I N S, war so fuchtbar verbuggt wie Gothic3. Ich hab wirklich versucht das Spiel gern zu haben. Hab versucht die vielen Fehler zu übersehen und das schlecht gemachte Intro für gut zu befinden. Aber nach einer Woche Spielzeit hatte ich gemerkt, dass ich hier einen Haufen Scheisse gekauft habe, der bei Microsoft noch nicht mal als Beta-Vista durchgegangen wäre.
Ein Spiel nach seinen Patches (_Community_ Patches wohlgemerkt) zu beurteilen ist einfach nur bescheuert. Ein Spiel sollte ohne Gigabyteladungen an Patchcode gut sein. Klar kann man nicht immer alles richtig machen, aber Gothic3 hat weeeeeeit über das Ziel hinausgeschossen und denen dann selbst nach 4 Jahren Geld für einen unfertigen Bytehaufen in den Rachen zu schieben halte ich sogar jetzt noch für Verschwendung.
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