Ghost in the Shell: PC Games zu Gast beim Weta Workshop in Neuseeland

Special Christine Brunner Sascha Lohmüller
Ghost in the Shell: PC Games zu Gast beim Weta Workshop in Neuseeland
Quelle: PC Games

Passend zum DVD-Start der Manga-Verfilmung Ghost in the Shell besuchten wir die Special-Effekt-Künstler des Weta Workshop in Neuseeland.

Anlässlich zur DVD-Premiere von Ghost in the Shell am 3. August wurden wir von der Special-Effects-Schmiede Weta Workshop nach Wellington in Neuseeland eingeladen, um mehr über die Entstehung des Science-­Fiction-Abenteuers zu erfahren. Rupert Sanders' Ghost in the Shell ist die Realverfilmung der gleichnamigen Manga-Vorlage und des Kult-Anime von Mamoru Oshii aus dem Jahr 1995. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an diese Neuinterpretation der komplexen, melancholischen Geschichte.

Ghost in the Shell: Existenzielle Fragen und futuristische Action

Scarlett Johansson spielt hier den Major, einen weiblichen Cyborg mit einem technisch optimierten, künstlichen Körper und einem menschlichem Gehirn. Sie ist der namensgebende "Ghost in the Shell", ein menschlicher Geist in einer Maschine. Major arbeitet bei der Eliteeinheit Section 9 in der (Cyber-)Terrorbekämpfung und findet bei einem Einsatz Hinweise auf ihre menschliche Vergangenheit. Sie begibt sich auf die Suche nach ihrer Identität und findet heraus, dass ihre Erinnerungen nicht nur gehackt wurden, sondern auch, dass vieles was sie bisher als gegeben aufgefasst hat vielleicht nicht ganz der Wahrheit entspricht. Hinzu kommen noch existenzielle Fragen wie: Wo hört das Menschsein auf und wo fängt die Maschine an?Dass dieser Science-­Fiction-Cyberpunk-Streifen zu 90 Prozent in Neuseeland gefilmt wurde, hat uns wirklich überrascht. Denkt man an Neuseeland kommen einem ja eher grüne Hügel und atemberaubende Landschaften in den Sinn als düstere, futuristische Großstädte. Doch wenn man ehrlich ist: Alles, was man heutzutage braucht, um einen Science-Fiction-Blockbuster zu drehen, sind riesige Studios, professionelle Kulissenbauer und gute Special-Effects-Leute. Und davon gibt es in Neuseeland auf jeden Fall mehr als genug.

Weta - Experten mit Erfahrung

Neben Matt Hopkins arbeitete auch Costume Technician Flo Foxworthy am Anzug mit. Quelle: Weta Workshop Neben Matt Hopkins arbeitete auch Costume Technician Flo Foxworthy am Anzug mit. Weta Workshop ist eine hochspezialisierte Requisitenwerkstatt, in der Filmausstattung wie Kostüme, Masken, Waffen, Modelle und Kulissen gefertigt werden. Hier entstanden unter anderem das Design und die physische Ausstattung für Avatar, King Kong sowie die Trilogien Der Herr der Ringe, Der Hobbit und ­Narnia. Für alles, was sich real nicht bauen lässt, gibt es bei Weta noch eine zweite Abteilung: Weta Digital ist sozusagen der digitale Bruder von Weta Workshop. Das alte Handwerk der Kostümbildner und Set-Designer ist in Hollywood gefragter denn je, aber ohne digitale Effekte und 3D-Animation kommen die meisten Filme heute eben nicht mehr aus.Die ersten großen TV-Produktionen, die von Weta Workshop ausgestattet wurden, waren Hercules und Xena. Doch die Liste der preisgekrönten Hollywoodfilme und TV-Projekte, an denen Weta gearbeitet hat, ist lang. So hat sich Peter Jacksons kleine hauseigene Filmwerkstatt im verschlafenen Neuseeland über die Jahre zu einem weltweit führenden Anbieter für Special-Effects gemausert.

Schon kurz nach unserer Landung in Wellington ist Weta allgegenwärtig: In der Flughafenhalle empfängt uns Gandalf. Die lebensgroße Figur des Zauberers reitet auf einer von zwei riesigen Adlerfiguren mit 15 Metern Spannweite, die dort unter der Decke hängen (siehe Foto auf der nächsten Seite). Diese imposanten Skulpturen stammen auch aus der Werkstatt von Weta. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Taxi finden wir uns mitten in einem Wohngebiet im Stadtteil Miramar wieder. Als wir die drei zu Stein erstarrten Trolle vor dem Eingang sehen, wissen wir, dass wir am richtigen Ort sind. Dies ist die Pilgerstätte für Filmfans: die Weta Cave.

Bilder von unserem Besuch

Bildergalerie

Erfahrene Künstler bei der Arbeit

Nach einer kurzen Tour durch die heiligen Hallen von Weta Workshop wird klar: Hier sind echte Künstler am Werk. Mit viel Liebe zum Detail wird hier modelliert, geschnitzt, geschweißt und bemalt. Nur wenige der Workshop-Technicians haben eine formelle Ausbildung für das, was sie hier tun. Weta stellt gerne kreative Nerds ein, die eine Leidenschaft dafür haben, Dinge zu basteln.In allen Kostümen und Kulissen, die hier entstehen, steckt enorm viel Arbeit: Alleine für Ghost in the Shell hat Weta Workshop in mehr als 71.000 Arbeitsstunden über 2.700 Requisiten, Kostümelemente und Körperteile für die Mensch-Maschine-Hybriden gefertigt. Regisseur Rupert Sanders und sein Team aus Designern hatten sich entschieden, digitale Effekte wenn möglich zu vermeiden, um einen unperfekten, glaubwürdigeren Look zu erzielen. Viele der Szenen aus Ghost in the Shell, die eigentlich nach CGI aussehen, sind somit tatsächlich real gefilmte Modelle. Weta Workshop hat einen schier unglaublichen Aufwand betrieben, um diese Effekte zu realisieren, wie uns auch Interview-Partner Matt Hopkins bestätigen konnte.
Nein, keine Angst, Sir Ian McKellen ist echt und keine animatronische Requisite. Diese Gandalf-Statue dient einfach nur der Zierde. Quelle: PC Games Nein, keine Angst, Sir Ian McKellen ist echt und keine animatronische Requisite. Diese Gandalf-Statue dient einfach nur der Zierde.
So erhebt sich beispielsweise zu Beginn des Film Majors transparenter Körper mit dem synthetischen Skelett aus einer milchigen Flüssigkeit. Hierbei handelt es sich um einem 1:1-Abguss von Scarlett Johanssons Körper, der für den Dreh an dünnen Kabeln aufgehängt und langsam aus der Flüssigkeit gehoben wurde. Das Skelett besteht aus ca. 1.400 Einzelteilen und wurde mit einer 3D-Software am Computer gestaltet. Anschließend wurden die Teile einzeln mit einem 3D-Drucker ausgedruckt und in mühevoller Handarbeit zusammengesetzt. Über einen Monat hat das Team von Weta Workshop nur damit verbracht, Materialien und Farben für dieses Skelett zu testen, bis der Regisseur mit dem Endresultat zufrieden war.

Einmal Geisha mit Air-Conditioner bitte

Eine weitere große Herausforderung waren die Geishas: Für die Masken der Geishas wurde der Kopf der japanischen Schauspielerin Rila Fukushima mit einem 3D-Scanner abgetastet. Nach dieser Schablone wurden die Gesichter der Geisha-Masken gefertigt. Das Schwierigste an den Geishas war, dass Schauspielerinnen gefunden werden mussten, deren Köpfe in diese Masken passten. Die Masken waren zudem furchtbar unbequem und hatten sogar eine Lüftung eingebaut, um es für ihre Trägerinnen etwas erträglicher zu machen.Für die Dreharbeiten der Crash-Szene mit dem Müllwagen wurde in Wellingtons Innenstadt ein ganzer Straßenzug für drei Wochen komplett gesperrt und als asiatische Metropole umdekoriert. Filmprojekte wie Ghost in the Shell sind wichtig für die Wirtschaft der Region Wellington und so werden Wünsche von Filmcrews meist ganz unbürokratisch gehandhabt.Mit Ghost in the Shell hat sich Rupert Sanders kein einfaches Projekt ausgesucht. Er wollte für die Realverfilmung seinen eigenen Stil finden, ohne dabei die Fangemeinde der Mangas und Anime-Filme zu enttäuschen. Wir finden, diese Gratwanderung ist ihm trotz gemischter Kritiken gut gelungen. Auch wenn die Story des Films ihre Schwächen hat, ist der Film ein visueller Rausch aus Retro-Cyberpunk und kurzweiliger Action, der sich mit Klassikern wie Blade Runner und Matrix messen kann.
Auch einen Shop gibt es bei der Weta Cave. Schließlich soll sich die Reise auch für Otto-Normaltourist lohnen. Quelle: PC Games Auch einen Shop gibt es bei der Weta Cave. Schließlich soll sich die Reise auch für Otto-Normaltourist lohnen.

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