Die Gargoyles-Saga: Retro-Special zur fast vergessenen Serie

Special Marco Cabibbo Lukas Schmid
Die Gargoyles-Saga: Retro-Special zur fast vergessenen Serie
Quelle: Capcom

Der Teufel steckt im Detail: Während jeder Retro-Spieler etwas mit der beliebten Ghouls 'n Ghosts-Serie anzufangen weiß, bleiben die Spin-offs rund um Gargoyle Firebrand im Dunkeln verborgen. Wir nehmen für euch die Fackel in die Hand und beleuchten in unserem Retro-Special Capcoms vergessene Serie.

Was macht eine gute Geschichte aus? Ist es die gut ausstaffierte und detailreich erzählte Welt, in der die Handlung spielt? Sind es die sympathischen Hauptcharaktere? Oder vielleicht doch eher die unerwartete Storywendung kurz vorm sich anbahnenden Finale?

Wahrscheinlich ist es eine gut abgeschmeckte Mischung aus allem. Vergessen sollte man dabei aber nicht, einen ebenso charismatischen wie hassenswerten Antagonisten einzubauen. Die Liste an populären Bösewichten ist lang: Von Darth Vader und dem Joker über Lord Voldemort bis hin zu Lelouch gibt es unzählige Beispiele dafür, wie wichtig es für die Story sein kann, einen starken Antagonisten als Konterpart vorzuweisen. Manchmal entstehen solche Gegenspieler aber auch aus dem Zufall heraus.

Capcom etwa hätte es sich wohl nie vorstellen können, aus einem Standardgegner einen vollwertigen Charakter zu erschaffen. Genau dies ist nämlich bei Ghouls 'n Ghosts der Fall gewesen, wo Ritter Arthur schon früh im ersten Level auf einen geflügelten roten Teufel stieß. Eine Kreatur, der schon bald eine rosige, aber auch recht kurzlebige Zukunft bevorstehen sollte.
Die Gargoyles-Saga: Retro-Special zur fast vergessenen Serie Quelle: PC Games Die Gargoyles-Saga: Retro-Special zur fast vergessenen Serie

Tausche Rüstung gegen Flügel

Und da ist er: Der allererste Auftritt von Firebrand. In Japan kennt man die roten Teufelchen aber unter einem anderen Namen, nämlich Red Arremer. Quelle: PC Games Und da ist er: Der allererste Auftritt von Firebrand. In Japan kennt man die roten Teufelchen aber unter einem anderen Namen, nämlich Red Arremer. Bevor Capcom allerdings auf die Idee kam, ein eigenes Spiel rund um den geflügelten Gar­goyle zu entwerfen, sollten noch einige Jährchen vergehen. Erst 1990 war man der Ansicht, dass nun die Zeit für ein Spin-off von Gargoyle's Quest auf dem Game Boy gekommen sei. Inhaltlich hat das Spiel dabei kaum noch was mit Ghouls 'n Ghosts zu tun - mit Ausnahme des gerade schon erwähnten Teufels namens Firebrand. Dieser ist dazu auserkoren, das Königreich der Gargolyes vor der Bedrohung aus einer anderen Dimension zu bewahren.Hierzu muss Firebrand in die fremdartige Dimension eindringen und dort den Dämonenherrscher Breager im Kampf besiegen. Genau wie Ghouls 'n Ghosts ist Gargoyle's Quest in erster Linie ein Plattformer. Im Gegensatz zu Ritter Arthur ist Firebrand aber in der Lage, über einen kurzen Zeitraum hinweg zu fliegen oder sich mit seinen Fußklauen an Mauervorsprüngen und Wänden festzukrallen. Dennoch ist für Firebrand noch viel Luft nach oben: Mehr als zwei Lebenspunkte und einen mageren Feuerblitz hat er König Breager anfangs noch nicht entgegenzusetzen.

Intensiver als gedacht

In Demon’s Crest stellt sich euch mehrfach Arma zum Duell. Anfangs noch deutlich unterlegen, werdet ihr bald stark genug für einen Kampf auf Augenhöhe sein. Quelle: PC Games In Demon’s Crest stellt sich euch mehrfach Arma zum Duell. Anfangs noch deutlich unterlegen, werdet ihr bald stark genug für einen Kampf auf Augenhöhe sein. An dieser Stelle kommt das RPG-Gameplay ins Spiel - zum damaligen Zeitpunkt noch eine echte Seltenheit im Jump&Run-Genre! Sobald ihr einen Level abgeschlossen habt, startet nicht sofort der nächste. Auf einer Weltkarte müsst ihr das nachfolgende Areal zunächst ansteuern und euch vorher noch in den von Monstern bevölkerten Städten mit neuen Items oder Fähigkeiten eindecken.

So wird aus eurer anfänglich schwachen Fledermaus mit der Zeit ein vollwertiger Flattermann. Was von der Vorlage aber zweifelsohne übrig blieb, ist der knüppelharte Schwierigkeitsgrad. Fies platzierte Gegner, Unmengen von gefährlichen Stachelfeldern sowie ein komplexes, vertikales Leveldesign waren für so manches Game Over verantwortlich.

Gargoyle's Quest verkaufte sich dank seiner ungewöhnlichen Genre-Mischung überraschend gut, weshalb Capcom nicht lange zögerte und eine Fortsetzung veröffentlichte. Diese erschien 1992 aber weder für den Handheld noch auf dem neuen Super Nintendo, sondern auf dem langsam auf die Rente zugehenden NES. Dies dürfte einer der Hauptgründe sein, warum Gargoyle's Quest II: The Demon Darkness an vielen westlichen Spielern sprichwörtlich vorbeigeflogen ist und nur wenig Beachtung fand.

Das lächerliche US- und Europa-Cover vermittelte einen völlig falschen Eindruck vom Spiel. Gargoyle’s Quest ist optisch eines der gruseligsten Game-Boy-Spiele. Quelle: PC Games Das lächerliche US- und Europa-Cover vermittelte einen völlig falschen Eindruck vom Spiel. Gargoyle’s Quest ist optisch eines der gruseligsten Game-Boy-Spiele. Obwohl es inhaltlich als ein Prequel zum ersten Teil konzipiert ist, hat Capcom spielerisch kaum Veränderungen vorgenommen und auf die etablierten Stärken gesetzt. Spürbar verbessert wurden hingegen die Bosse, welche aggressiver vorgehen und strategischer bekämpft werden müssen. Abgesehen davon bot Capcom mit dem zweiten Teil aber im Grunde das gleiche Spiel wie auf dem Game Boy. Heute wird der NES-Titel fast immer mit dreistelligen Geldbeträgen gehandelt.

Das Trio ist komplett

An dieser Stelle hätte das Kapitel von Firebrand bereits zu Ende sein können, nahm doch das öffentliche Interesse an der Ghouls 'n Ghosts-Reihe langsam, aber sicher ab. Trotz alledem gab Capcom grünes Licht für einen dritten Teil, diesmal allerdings auf dem Super Nintendo und unter einem neuen Titel namens Demon's Crest. Heute lässt sich schwer sagen, ob die Entwickler mit Demon's Crest ein furioses Finale oder eine komplette Neuerfindung der Serie beabsichtigt hatten, wie man es kurz zuvor mit Mega Man X eindrucksvoll demonstriert hatte.

Gargoyle’s Quest II setzte den Erfolg des Vorgängers fort und verbesserte einige Spieldetails, etwa die Bossgegner oder die deutlich hübschere Grafik. Quelle: PC Games Gargoyle’s Quest II setzte den Erfolg des Vorgängers fort und verbesserte einige Spieldetails, etwa die Bossgegner oder die deutlich hübschere Grafik. Diverse Pa­rallelen zu den neuen Abenteuern des blauen Roboters können aber zweifelsohne gezogen werden. Wie schon in Mega Man X wirft euch Demon's Crest zunächst in einen beeindrucken Tutorial-Level. Das ohnehin schon düstere Artdesign der Reihe wurde noch einmal gehörig aufgewertet und begeistert selbst heute noch mit tollen Hintergründen und detaillierten Charakter-Sprites. Ist euer Charakter - erneut schlüpft ihr in die schuppige Haut von Firebrand - erst einmal dem Verlies und dem Friedhof entronnen, dürft ihr auf der Weltkarte den nächsten Zielpunkt selbst ansteuern.

Auf der Übersichtskarte steuert ihr das nächste Verlies oder die Stadt an, um euch mit neuen Items und Zaubern einzudecken. Die Mode-7-Grafik macht es möglich. Quelle: PC Games Auf der Übersichtskarte steuert ihr das nächste Verlies oder die Stadt an, um euch mit neuen Items und Zaubern einzudecken. Die Mode-7-Grafik macht es möglich. Wie schon in Gargoyle's Quest auf dem Game Boy ist Firebrand zu Beginn seiner Reise noch recht schwach. Besiegt ihr allerdings die superb in Szene gesetzten Bosse, kann Firebrand fortan eine neue Form annehmen, durch die ihr Felsen zertrümmern oder besser fliegen könnt. Auch zusätzliche Alchemie und Fähigkeiten, die eure Attribute steigern, könnt ihr in Demon's Crest finden. Genau wie Mega Man ist Demon's Crest - das gilt auch für die anderen beiden Titel - verschwindend kurz und kann binnen weniger Stunden bendet werden.

Flug ins Ungewisse

Gespräche mit NPCs, Fertigkeiten zum Aufleveln, Städte, die erforscht werden können: Das kleine Gargoyle’s Quest hegte sehr große Ambitionen. Quelle: PC Games Gespräche mit NPCs, Fertigkeiten zum Aufleveln, Städte, die erforscht werden können: Das kleine Gargoyle’s Quest hegte sehr große Ambitionen. Mit der Veröffentlichung von Demon's Crest erreichte die Firebrand-Trilogie nach einer kurzen Lebensdauer ihren fulminanten, wenn auch finanziell eher mittelmäßigen Höhepunkt. Das zu zaghafte Marketing von Capcom und der wohl zu gruselige Design-Ansatz ließen Gargoyle's Quest samt Nachfolger nie die Aufmerksamkeit zukommen, welche sie eigentlich verdient hatten.

Auch Ghouls 'n Ghosts legte als Franchise eine Zwangspause ein und wurde erst 2001 mit dem PS2-Titel Maximo wiederbelebt. Kurz darauf beorderte Capcom auch Arthur aus dem Ruhestand zurück, um Game Boy Advance und PSP von dem Bösen zu befreien. Firebrand hingegen durfte seither nur noch mit Gastauftritten auf sich aufmerksam machen. Zu den bekanntesten davon gehört ohne Zweifel der Crossover-Prügler Marvel vs. Capcom 3, und auch im vor einiger Zeit veröffentlichten Marvel vs. Capcom: Infinite nimmt er wieder seine Rolle als Kämpfer im Lizenz-Raster ein.

Eine glorreiche Herrschaft war Firebrand nicht vergönnt. Seit Jahren schon traut Capcom ihm nicht mehr zu als ein paar Gastauftritte in diversen anderen Spielen. Quelle: PC Games Eine glorreiche Herrschaft war Firebrand nicht vergönnt. Seit Jahren schon traut Capcom ihm nicht mehr zu als ein paar Gastauftritte in diversen anderen Spielen. Fraglich bleibt die Tatsache, ob die Serie jemals wieder mit einer Fortsetzung aus der Versenkung geholt wird. Wer sich nun selbst von der spielerischen Qualität überzeugen will, muss nicht verzagen, aber auf Nintendo-Hardware zurückgreifen. Alle drei Titel sind für 3DS (Gargoyle's Quest 1+2) bzw. für 3DS und Wii U (Demon 's Crest) erhältlich.

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