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  • Was wurde eigentlich aus den Spielhöllen der 1990er-Jahre? - Teil 1

    [b]In Reih und Glied:[/b] Die Fighting-Cabinets sind in Spielhallen stets gut besetzt. Quelle: Games Aktuell

    Wann habt ihr das erste Mal Hand an ein Videospiel gelegt? Seid ihr deutlich jünger als ich (Kind der 1980er) oder beispielsweise Andy (noch viel älter)? Dann ist es wahrscheinlich, dass ihr zum ersten Mal bei Freunden oder in der Games-Abteilung eines Kaufhauses einen Controller in der Hand hieltet.

    Bei uns sah das damals noch ein wenig anders aus. Als ich klein war, verbot mir meine Mutter, Videospiele zu zocken. Der wehmütige Blick im Kaufhaus auf ein Mega Drive, welches Sonic über den angeschlossenen Röhrenbildschirm flitzen ließ, war eine ganze Weile das höchste der Gefühle. Doch eines Tages nahm mich mein Vater ins Kino mit. Egal wie sehr ich mich auch anstrenge, an den Film kann ich mich nicht mehr erinnern. Doch das ist auch völlig nebensächlich, denn an diesem Tag spielte ich mein erstes Arcade-Spiel - und das war in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes!

    Nichts für daheim

    Glücklich: In China besuchte ich 2015 eine der größten Arcades des Landes. Glücklich: In China besuchte ich 2015 eine der größten Arcades des Landes. Quelle: Games Aktuell Das Lichtspielhaus existiert heute noch und ist inzwischen ein opulenter Filmpalast mitten im Herzen von Nürnberg. Anno 1997 glich es jedoch eher einem Filmbunker, war deutlich schummriger und bot im spärlich beleuchteten und rauchigen Erdgeschoss immerhin eine kleine Auswahl an Videospielautomaten. Neben einem Kampfspiel, dessen Name mir entfallen ist, und Space Invaders übte vor allem ein prachtvoller Automat direkt neben dem Eingang eine unglaubliche Faszination auf mich aus.

    Le Mans 24 von Sega war gerade erst erschienen und stellte alles in den Schatten, was ich bis dato gesehen hatte. Heute muss ich lachen, wenn ich das schreibe, aber die grafische Qualität des Titels erschien mir damals so nahe an der Realität, dass ich überzeugt war, ich würde nie wieder etwas anderes spielen, wenn es dieses Game jemals in mein Wohnzimmer schaffen würde.

    Und genau das war das Problem: Solche Grafikwunder konnte man auf stationären Konsolen für den eigenen Fernseher lange suchen. Mein Vater gab mir ein paar D-Mark und ließ mich knapp 15 Minuten spielen. Es war ein Fest! Kein Vergleich zu den Controller-Games, die ich in den Monaten später bei Freunden zu Hause und letztlich irgendwann in den eigenen vier Wänden zocken durfte. Zwar schenkten mir meine Eltern - erweicht durch meine entflammte Videospiel-Leidenschaft und die immer nerviger werdenden Quengeleien - schließlich eine Playstation, doch dem Sega-Automaten konnte lange Zeit nichts das Wasser reichen.

    Fehlschuss: Star Fire war Spielern der 1980er zu fremdartig und floppte. Fehlschuss: Star Fire war Spielern der 1980er zu fremdartig und floppte. Quelle: Games Aktuell Dabei war es nicht einmal die Grafik, die mich so faszinierte. Es war das Fahrgefühl, das ich mir bis heute nur mit erheblichem finanziellen Aufwand ins Wohnzimmer holen kann: zweifarbige Rennsitze, Eisenpedale, ein Force-Feedback-Lenkrad, das so verwindungssteif wirkte, dass ich überzeugt war, es würde nach einem Bombenangriff immer noch funktionieren, und (ihr dürft lachen) High-Resolution-Optik mit 640 x 480 Pixeln und stets flüssigen 60 Bildern pro Sekunde.

    Das war damals der absolute Overkill! Erst 1999 stand mit der Dreamcast eine Konsole in meinem Kinderzimmer, deren Spiele optisch mit Le Mans 24 mithalten konnten. Doch das Feeling hätte ich mir damals selbst mit dem teuersten Zubehör nicht 1:1 in die eigenen vier Wände holen können.

    Die goldene Zeit

    Wem hatte ich diese Spielvergnügen in Automatenform eigentlich zu verdanken? Nun, der Vater aller Videospiel-Automaten hört auf den Namen Nolan Bushnell und ist zufälligerweise - Kenner werden es bereits wissen - auch der Gründer von Atari. Gemeinsam mit seinem Freund Ted Dabney produzierte er das Spiel Computer Space. Wirklich besonders war das eigentlich nicht, denn es handelte sich lediglich um einen Spacewar!-Klon, ein Spiel, das Bushnell so sehr faszinierte, dass er es kopieren und auf besonderem Wege vermarkten wollte.

    Kennt jeder: Pac-Man ist Gamern seit den 1980er-Jahren ein Begriff. Kennt jeder: Pac-Man ist Gamern seit den 1980er-Jahren ein Begriff. Quelle: Games Aktuell Hier kam der Pioniergeist zum Tragen, der eine ganze Branche nachhaltig beeinflussen sollte. Im Gegensatz zu Spacewar!, das 1961 an einer Universität in Massachusetts auf einem Computer zum Laufen gebracht wurde, der so groß war wie zwei Kühlschränke, passte Computer Space in einen deutlich kleineren Automaten. Der sollte seinen Weg in die damaligen Spielhallen finden, die noch keine Videogames, sondern seit Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem Flippertische und einarmige Banditen boten.

    Das Spiel setzte zwar über drei Millionen Dollar um, wurde jedoch kommerziell ein Fehlschlag. Dennoch sollte Bushnells Idee wegbereitend sein. Mit Space Invaders (Taito, 1978) und Galaxian (Namco, 1979) nahm der Erfolg der Videospielautomaten weiter Fahrt auf, und als in den 1980ern Pac-Man (Namco, 1980), Centipede (Atari, 1980) oder Donkey Kong (Nintendo, 1981) erschienen, explodierte der Markt der Zockerautomaten vollends.

    Schnell gab es auch reine Videospielhallen, in denen die Flippertische und einarmigen Banditen nur noch Randerscheinungen waren. Längst waren auch andere Länder und Regionen außerhalb der USA boomende Arcade-Hochburgen. In Europa schossen immer mehr Arcades aus dem Boden und versprachen den Kunden spannende Unterhaltung sowie den Besitzern ein florierendes Geschäft mit prächtigen Umsätzen.

    Verrückt: Crazy Taxi war ein typischer Arcade-Titel: schnell, schwierig, spaßig! Verrückt: Crazy Taxi war ein typischer Arcade-Titel: schnell, schwierig, spaßig! Quelle: Games Aktuell Doch es war vor allem Japan, das sich als Zentrum der Spielhallen einen Namen machte. Japanische Hersteller investierten Unsummen in die Entwicklung von ArcadeSpielen und wussten, dass es sich lohnte. Sega, Taito, Tecmo, Capcom, Konami, SNK und viele mehr überschwemmten den Markt mit bunten, ausgefallenen und ausgefeilten Automaten, die jede erdenkliche und auch jede unvorstellbare Thematik behandelten. Tatsächlich muss es damals unglaublich spannend und neu gewesen sein, in Space Invaders heranfliegende Alien-Raumschiffe zu pulverisieren und die Erde zu retten.

    Setzte man einen Fuß in eine Spielhalle, so war jeder Automat, jeder Bildschirm ein Portal in eine Fantasie-Welt, die man vorher, wenn überhaupt, nur in Filmen erleben konnte. Dort war es - anders als in Filmen - möglich, das Schicksal der Figuren selbst in die Hand zu nehmen. Konsolen waren noch kaum verbreitet und so waren Arcades der letzte Schrei und die Gelegenheit überhaupt, eine völlig neue Art des Entertainments zu erleben. Vor allem Kinder und Jugendliche strömten in Scharen in die Spielhallen. Zwischen 1980 und 1982 schossen in den USA derart viele Arcades aus dem Boden, dass sich ihre Zahl im Land verdoppelte! König: King of Fighters trug seinen Titel zu Recht - es ist bis heute eines der besten Prügelspiele. König: King of Fighters trug seinen Titel zu Recht - es ist bis heute eines der besten Prügelspiele. Quelle: Games Aktuell

    Die Münzen fliessen

    Wie gesagt, die Automaten hatten noch kaum Konkurrenz von Videospielkonsolen. Diese waren technisch bedeutend schwächer und noch kaum verbreitet. Und so flossen wahre Münzströme in die Einwurfschlitze der Videospiel-Cabinets. Diese fanden sich übrigens längst nicht mehr nur in den Spielhöllen. Die Automaten standen plötzlich in Raststätten, Supermärkten und Tankstellen - oder wie in meiner Einstiegsanekdote in Kinos.

    Im Buch The Medium of the Video Game, herausgegeben von der Universität Texas, wird sogar beschrieben, dass selbst einige Bestattungsinstitute über Gaming-Automaten verfügten. Indes schossen die Einnahmen steiler nach oben als die Kanonen bei Space Invaders. Während in den Vereinigten Staaten im Jahre 1978 lediglich 50 Millionen US-Dollar mit dem Verkauf von Videospiel-Automaten umgesetzt wurden, waren es drei Jahre später unglaubliche 900 Millionen US-Dollar. 1982 wurden in den USA eine halbe Million Spielmaschinen verkauft. Manche kosteten bis zu 3.000 Dollar. Zu dieser Zeit gab es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten 1,5 Millionen aktiv registrierte Automaten und fast eine halbe Million Orte, an denen mindestens ein Automat aufgestellt war.

    Klassiker: Space Invaders war eines der Synonyme für Spielhallen. Klassiker: Space Invaders war eines der Synonyme für Spielhallen. Quelle: Games Aktuell Zum Vergleich: Von den einstmals so beliebten Flippertischen, die zu Amerika gehören wie die Schnellrestaurants, wurden in ihrem besten Jahr (1979) 200.000 Maschinen abgesetzt. Der Markt für Arcade-Automaten war indes immer mehr zum Haifischbecken geworden. Die Spiele mussten perfekt designt sein, um Profit abzuwerfen. Das Gameplay durfte nicht zu kompliziert, aber musste auf jeden Fall einfach zu verstehen sein. Gleichzeitig sollte es genügend Reserven bieten, damit der Spieler langfristig an den Automaten gefesselt war.

    Daraus ergab sich schnell die klassische Mischung eines Arcadespiels: leicht zu lernen, schwierig zu meistern. Viele Automaten waren bockschwer und man starb etliche Tode, um fleißig Münzen in die Maschinen zu werfen. Geräte, die aus diesem Muster ausscherten, gingen oft gnadenlos unter. The Adventures of Robby Roto! beispielsweise war ein komplexer und anspruchsvoller PacMan-Klon, der lediglich 2.000 Geräte absetzen konnte, da die Spieler ihn links liegen ließen. Star Fire, ein früher First-Person-Shooter im Weltall, war zwar der erste Titel, der dem Spieler erlaubte, seinen Highscore mit seinen Initialen zu verewigen. Er floppte jedoch ebenfalls, da die Arcade-Besucher nicht mit dem Spielprinzip vertraut waren - der Titel war ihnen zu exotisch.

    Debüt: Der Automat Donkey Kong bot auch Mario seinen ersten Auftritt! Debüt: Der Automat Donkey Kong bot auch Mario seinen ersten Auftritt! Quelle: Games Aktuell Währenddessen machten die Spielhallen in den USA mehr Umsätze als die Gerätehersteller mit den Verkäufen der Automaten. 1982 schätzte man die Einnahmen auf 8 Milliarden US-Dollar, was bereits doppelt so viel Geld war, wie die Amerikaner in diesem Jahr für Kinotickets und Popmusik zusammengenommen ausgegeben hatten.

    Ein weiterer Vergleich: Alle Einnahmen aus US-Sport-Events des Jahres 1982 zusammen reichten nicht an die Umsätze der Arcades heran. Oder: Die Flipper-Automaten nahmen in ihrer Blütezeit 1979 - wir erinnern uns - 2,3 Milliarden Dollar ein. Selbst die Casinos in Las Vegas setzten gerade einmal die Hälfte von dem um, was die Besitzer der Spielhallen verdienten. Es herrschte eine Goldgräberstimmung und keiner, der es sich leisten konnte, einen Automaten in sein Geschäft zu stellen, zögerte, die paar Tausend Dollar dafür zu investieren.

    Das Original: Spacewar! war eines der ersten Videospiele überhaupt. Das Original: Spacewar! war eines der ersten Videospiele überhaupt. Quelle: Games Aktuell Auch in Japan nahm das Geschäft Fahrt auf. Zwischen 1983 und 1994 wuchsen die Arcade-Einnahmen der Videospiel-Unternehmen in Nippon von 5,16 Milliarden US-Dollar auf 14,5 Milliarden US-Dollar jährlich. Danach jedoch schrumpfte der Markt weltweit beständig. Spielhallen, in denen man Anfang der 1990er vor lauter Geballer, Reifenquietschen und Münzrasseln sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte, waren nun leer gefegte geisterhafte Orte, an denen neonfarbene Spielmaschinen unmotiviert vor sich hin blinkten und piepten. Was war nur geschehen? Was hatte es mir als Elfjährigem im Jahre 1997 unmöglich gemacht, die Welt der Spielhallen in ihrer vollen Pracht zu erleben?

    Der Vater der Videospielautomaten

    Mastermind: Nolan Bushnell, ArcadePionier und Gründer von Atari. Mastermind: Nolan Bushnell, ArcadePionier und Gründer von Atari. Quelle: Games Aktuell Nolan Key Bushnell haben wir den Aufstieg der Videospielhallen zu verdanken.
    Es ist eigentlich unglaublich, was dieser Mann in seinem Leben bislang alles auf die Beine gestellt hat. Nolan Bushnell, geboren am 5. Februar 1943 in Clearfield, Utah, ist ein amerikanischer Ingenieur mit unbändigem Unternehmergeist. Er baute mit Computer Space den ersten Videospielautomaten und begründete damit eine Branche. Nebenbei ist er auch der Gründer von Atari und der Pizza-Restaurantkette Chuck E. Cheese Pizza. Auch die Videospielfirmen Arlon und Sente Games wurden von ihm gegründet. Seine jüngste Firma schuf er 2012. Brainrush ist laut eigenen Angaben sein bislang wichtigstes Projekt und widmet sich der Entwicklung fortschrittlicher Lernsoftware, der wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Feld der Hirnforschung zugrunde liegen.

    02:00
    The King of Fighters 14: Achter Teaser-Trailer zum PS4-Prügler
  • Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
    Von Tito
    Tischkikker und ein vernünftiker Flipperautomat sind zeitlos und üben immer noch einen reitz auf mich aus.
    Von aceego
    Ach ja die gute alte Zeit. Wer weiß wieviel Perlen an mir vorbei geschrammt sind weil ich noch viel zu klein war für…
    Von Phant
    Ich kann mich noch genau erinnern. Als ich klein war, waren wir in den Niederlanden in einem Centerpark. Dort gab es…
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Was wurde eigentlich aus den Spielhöllen der 1990er-Jahre? - Teil 1
Wann habt ihr das erste Mal Hand an ein Videospiel gelegt? Seid ihr deutlich jünger als ich (Kind der 1980er) oder beispielsweise Andy (noch viel älter)? Dann ist es wahrscheinlich, dass ihr zum ersten Mal bei Freunden oder in der Games-Abteilung eines Kaufhauses einen Controller in der Hand hieltet.
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14.05.2016
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