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  • Was wurde eigentlich aus den Spielhöllen der 1990-er Jahre? - Teil 2

    [b]Spaßstadt:[/b] Segas Joypolis ist heute vollständig von der Bildfläche verschwunden. Quelle: Games Aktuell

    Mitte der 1980er Jahre befanden sich die Spielhöllen in der Blüte ihrer Zeit. Doch die Konkurrenz schlief nicht. Welche Rolle spielten Sega Master System und Co. beim Fall der Arcades?

    Im Special Was wurde eigentlich aus den Spielhöllen der 1990-er Jahre? - Teil 1 vom 14.05.2016 erlebten wir den grandiosen Aufstieg der Arcades in den 1980er Jahren. Was passierte mit ihnen in den 1990-ern? Heilig: Wer sich einen echten Arcade-Fighter nennen will, braucht zwingend einen Arcade-Stick. Heilig: Wer sich einen echten Arcade-Fighter nennen will, braucht zwingend einen Arcade-Stick. Quelle: Games Aktuell

    Die technische Blüte

    Während die Menschen bis Mitte der 1980er kaum zögerten, ihre Münzen in der Spielhalle zu lassen, erwuchsen fortan mit dem Sega Master System (ab 1985) und vor allem dem Nintendo Entertainment System (ab 1983) starke Konkurrenten. Die Heimkonsolen konnten an den TV gestöpselt werden und boten, vor allem für Vielspieler, günstigere Unterhaltung. Zwar hatten die Arcade-Maschinen bis Ende der 1990er-Jahre einen sichtbaren, wenn auch kleiner werdenden Technik-Vorsprung, doch spätestens Mitte der 1990er-Jahre wurde der Unterschied immer irrelevanter.

    Sonys Playstation beeindruckte mit guten Spielhallenumsetzungen wie Ridge Racer (1993) und Tekken (1994), die zwar beide grafische Abstriche machen mussten, jedoch immer noch spektakuläre 3D-Grafiken boten. Beide Titel erschienen erst als Automat und jeweils ein Jahr darauf für die Playstation (1994 und 1995). Ich trug selbst aktiv dazu bei, die Spielhallen obsolet zu machen, denn ich stieg 1997 so richtig in das Medium Videospiele ein und kaufte ab da selbst fleißig Konsolen.

    Die Playstation war meine erste eigene Konsole und Tekken mein erstes Spiel dafür. Die Games sahen gut aus und vor allem die 2D-Darstellungen erreichten nun endlich Spielhallenqualität. Doch immer noch musste ich wehmütig in die Arcade-Buden blicken, um die grafische Crème de la Crème der 3D-Spiele erleben zu dürfen. Mein geliebtes, eingangs erwähntes Le Mans 24, Daytona USA, Virtua Fighter 2 und viele mehr waren auf den 32-Bit-Konsolen ein Ding der Unmöglichkeit. Doch ich hatte sowieso keinen Einfluss mehr auf die Ereignisse.

    Arcade-exklusiv: Daytona USA 2 erschien bis heute nie für Konsolen oder den PC. Arcade-exklusiv: Daytona USA 2 erschien bis heute nie für Konsolen oder den PC. Quelle: Games Aktuell Die Konsolen waren dabei, die Herrschaft an sich zu reißen. Während auch das Nintendo 64 die grafische Lücke zu den Automaten nicht schließen konnte, vollzog sich in der Branche durch die Veröffentlichung der Sega Dreamcast ein Paradigmenwechsel. Segas Ende 1998 erschienene Heimkonsole war unter starkem Zugzwang und musste ein Erfolg werden. Da Sega finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet war, sollte die Entwicklung der hausintern produzierten Spiele vereinfacht und günstiger gemacht werden, womit Dreamcast erstmals als Konsole konzipiert wurde, welche die Basis für die darauf folgende Sega-Spielhallen-Hardware darstellen sollte.

    Die Arcade-Hardware namens NAOMI war quasi eine Dreamcast für die Spielhalle. Zahlreiche Spiele wurden daraufhin von NAOMI auf Dreamcast portiert. Ein grafisches Unentscheiden war endlich erreicht und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Spielhallen-Hits wie Crazy Taxi, F355 Challenge und Soul Calibur ließen mir damals das Wasser im Munde zusammenlaufen und waren Grafik-Granaten mit einem ungemein hohen Suchtfaktor (Spielhalle eben). Als dann 1999 die Playstation 2 erschien, drehte sich der Spieß langsam, aber sicher um.

    Pferdestärken: F355 war für ein Arcade-Spiel ungewöhnlich realistisch. Pferdestärken: F355 war für ein Arcade-Spiel ungewöhnlich realistisch. Quelle: Games Aktuell Der Erfolg der Konsole war so phänomenal und die Bedeutung der Arcades inzwischen so gering geworden, dass die grafische Weiterentwicklung der Spielhallen-Games zu stagnieren begann. Spätestens ab der siebten Konsolengeneration, also der Xbox 360 und der PS3, fand ich auf Konsolen bessere Grafiken als in der Spielhalle. Selbst die Wii, die ja quasi nur ein leicht aufgebohrtes Gamecube ist, überflügelt grafisch immer noch viele aktuelle Arcade-Automaten aus dem Jahr 2016.

    Spätestens nachdem der grafische Vorsprung nichtig war, Spiele für Konsolen als Budget-Versionen immer günstiger wurden und die Automaten für die meisten nur noch teure Geldschlucker mit opulenter Ausstattung waren, verschwanden auch die letzten Arcades im Westen.

    Wo sind die Arcades heute?

    3D-Power: Tekken beeindruckte 1994 mit detaillierten Texturen und Lichteffekten. 3D-Power: Tekken beeindruckte 1994 mit detaillierten Texturen und Lichteffekten. Quelle: Games Aktuell Selbst einzelne Arcade-Automaten sind in Europa nur noch sehr selten anzutreffen. Hier waren Spielhallen zwar nie so beliebt wie in Amerika oder vor allem Japan, doch in London gab es bis zum Jahr 2000 die SegaWorld - eine gigantische Videospielhalle mit Merchandise-Shops und Fahrgeschäften, die jedoch letztlich wegen Millionenverlusten die Pforten schloss oder besser gesagt den Besitzer wechselte. Zwar gibt es auch in London noch einige kleinere Arcades, doch gerade der Niedergang der SegaWorld-Marke ist bezeichnend für den Bedeutungsverlust der Videospielhallen.

    Ich träumte damals immer davon, einmal nach London in die SegaWorld zu fahren, doch leider war mir dieser Spaß nie vergönnt. Auch in anderen Ländern ging es bergab. SegaWorld Sydney und Schanghai sowie zahlreiche kleine Sega-Arcades in England waren kurz nach Beginn der 2000er-Jahre ebenso schnell verschwunden, wie sie Ende der 1990er aufgetaucht waren. Inzwischen finden sich die SegaWorld-Spielhallen nur noch in Japan.

    Weitere Marken und Kooperationen von Sega mit anderen Firmen, die ein ähnliches Konzept verfolgten, sind Joypolis (China und Japan), GameWorks in den USA (das inzwischen an eine Investorengruppe verkauft wurde und nur noch sechs Standorte in den USA zählt) und Sega Republic. Letzteres ist die erste und einzige Spielhalle ihrer Art im Mittleren Osten und befindet sich in der Dubai Mall. Sega Republic bietet neben Fahrgeschäften auch etliche Automaten. Sollte ich irgendwann nach Dubai fliegen, wird ein Besuch dort für mich zur Pflicht!

    Legendär: Segas Rennspiele waren stets eine Klasse für sich (hier Scud Race). Legendär: Segas Rennspiele waren stets eine Klasse für sich (hier Scud Race). Quelle: Games Aktuell Doch wie es scheint, ist dieser Standort so speziell, dass man dort gar nicht auf Hardcore-Gamer angewiesen ist. Sega Republic profitiert vom boomenden Tourismus und den gut betuchten Besuchern, die jedes Jahr zahlreicher werden. Doch das ist eine seltene Ausnahme.

    Nur in Japan sieht es noch einigermaßen gut für die Spielhallen aus. Aktuell gibt es ca. 5.500 lizenzierte Spielhallen und etwa 10.000 kleinere Spielecken mit Automaten in Nippon. Doch auch hier ist die Zahl eher rückläufig. Eigentlich schade, aber so läuft das Geschäft eben.

    Was heute der letzte Schrei ist, kann morgen schon fast vergessen sein. Handhelds werden schon bald das nächste Relikt auf dem Ruinenfeld der Videospielgeschichte sein. Ich sehe es positiv: Sehe ich doch mal einen Automaten und habe etwas Kleingeld dabei, fröne ich der Nostalgie umso intensiver. Dieses Gefühl ist meiner Meinung nach wertvoller als die Berge von Münzen, die in den letzten 40 Jahren mit Automaten umgesetzt wurden.


    2. Meinung von Andreas Szedlak

    Sieht heute noch gut aus: Soul Calibur (1998) wurde später auch für die Xbox 360 umgesetzt. Sieht heute noch gut aus: Soul Calibur (1998) wurde später auch für die Xbox 360 umgesetzt. Quelle: Games Aktuell Während meiner Bundeswehrzeit Anfang der 1990er war ich süchtig nach dem Rennspielautomaten Cruis'n USA. Wenn meine Kameraden im Mannschaftsheim ihren schmalen Wehrsold in Gerstensaft steckten, hockte ich jeden Abend vor dem Arcade-Automaten.

    Irgendwann beherrschte ich den Titel so gut, dass ich mir regelmäßig Freispiele erfuhr, was mich noch länger auf den virtuellen Straßen der USA verweilen ließ. Da ich schon immer ein Grafikfetischist war, begeisterte mich vor allem die fortschrittliche Technik.

    Auch Daytona USA oder den Prügler Killer Instinct fand ich optisch herausragend. Die Besuche in der Spielhalle waren immer wie eine Reise in die Zukunft. Nachdem die Playstation diese Zukunft zur Gegenwart oder gar Vergangenheit werden ließ, verlor ich die Lust auf Spielhallenautomaten. Ich denke aber immer noch gerne an die Zeit zurück.

    01:30
    Auto Club Revolution- Trailer zur Daytona-Strecke
    Spielecover zu Auto Club Revolution
    Auto Club Revolution
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Mitte der 1980er Jahre befanden sich die Spielhöllen in der Blüte ihrer Zeit. Doch die Konkurrenz schlief nicht. Welche Rolle spielten Sega Master System und Co. beim Fall der Arcades?
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