Farpoint: Allein stehend eine mittelmäßiger Shooter, dank VR und Ziel-Controller ein immens immersives Erlebnis

Test Lukas Schmid
Farpoint: Allein stehend eine mittelmäßiger Shooter, dank VR und Ziel-Controller ein immens immersives Erlebnis
Quelle: PC Games

Farpoint im Test: Nach wie vor wartet Playstation VR auf DIE Killer-App, welche potenziell Interessierte zum Kauf animiert. Farpoint kommt diesem Anspruch zumindest nahe. In unserem Review zum VR-exklusiven Shooter klären wir, wie gut das Abenteuer ist, ob es nur mit dem neuen Ziel-Controller auch mit Standard-Gamepad überzeugt und was das Spiel sonst noch auszeichnet.

Was wir durch Interstellar gelernt haben: Weltall = groß, Wurmloch = gefährlich - beides taugt aber zu einer philosophisch angehauchten Science-Fiction-Erzählung. Das wissen auch die Macher von Farpoint und schicken uns in Gestalt eines Shuttle-Piloten in die Weiten des Weltalls. Dort sind wir gerade zusammen mit dem Forscher-Ehepaar Dr. Moon und Dr. Tyson am fröhlichen Raumschiff-Werkeln, als besagtes Wurmloch sich auftut, die drei unglücklichen Seelen einsaugt und sie auf der Oberfläche eines unbekannten Planeten wieder ausspuckt. Da Moon und Tyson verschwunden sind, machen wir uns auf die Suche nach ihnen.

Was erzählerisch folgt, ist simpel, aber unerwartet emotional und lässt uns die Erlebnisse der beiden NPC-Protagonisten mittels Hologrammen sowie durch Überwachungsvideo-Aufzeichnungen nachvollziehen. Ohne auf Details einzugehen - wir wollen schließlich nicht spoilern -, ist es überraschend, wie sehr einem die Figuren nach und nach ans Herz wachsen. Lediglich im letzten Dritten der knapp fünf- bis sechsstündigen Kampagne zieht sich die Erzählung etwas und endet in einem abrupten und leider viel zu sehr auf eine potenzielle Fortsetzung schielenden Finale. Zudem ist es schade, dass wir über die Spielfigur selbst so gut wie nichts erfahren.

Die unmittelbaren Erlebnisse von Dr. Moon und Dr. Tyson werden via holographischen Einblendungen nacherzählt. Quelle: PC Games In Videonachrichten tauchen wir tiefer in die Geschehnisse ein, welche Moon und Tyson auf dem Planeten beschäftigten. Quelle: PC Games

Fast perfektes VR-Erlebnis

Das Immersionsgefühl ist unglaublich gut gelungen. Während man über die die desolate Planetenoberfläche läuft, geschehen beeindruckende Ereignisse um uns herum. Quelle: PC Games Das Immersionsgefühl ist unglaublich gut gelungen. Während man über die die desolate Planetenoberfläche läuft, geschehen beeindruckende Ereignisse um uns herum. Der Fokus des Spiels liegt aber trotz der guten Erzählung zweifellos auf dem Gameplay, ist es doch eine der wenigen und potenziell die bisher ambitionierteste AAA-Exklusiventwicklung für Playstation VR. Anders als etwa bei Resident Evil 7 kann man also nicht einfach optional auf dem Fernseher ins Abenteuer ziehen. Und das ist gut so, denn durch diese Entscheidung funktionieren die VR-Elemente umso besser und bieten ein unglaublich rundes, wunderbar spielbares Shooter-Erlebnis aus der Ego-Perspektive. Wahlweise spielt man den Titel mit dem Dual Shock 4-Controller oder mit dem im Bundle mit dem Spiel erhältlichen Ziel-Controller (Details siehe Extrakasten). Auch, wenn der Preis für das Zusatz-Accessoire happig ist, empfehlen wir Käufern von Farpoint dringend seine Anschaffung, den Farpoint profitiert massiv davon. Während das Standard-Pad abseits der Kamera-Bewegung via Headset eine ebensolche Standard-Steuerung bietet, fühlt man sich dank Ziel-Controller mitten im Geschehen. Wir bewegen uns per auf dem Controller angebrachten Analogstick, kontrollieren die Bewegungen der Waffe via Motion-Steuerung völlig frei und sehen uns mit dem Headset um.

Besonders cool: Hält man die virtuelle Wumme vor die VR-Brille, kann man wie bei einer echten Waffe durch das Visier beziehungsweise auf Kimme und Korn schauen und ungemein realistisch Feinde gezielt ausschalten. Der Waffenwechsel zwischen Modellen wie Maschinengewehr, Sniper Rifle oder Laser Blaster, von denen wir stets zwei auf einmal dabei haben können, erfolgt durch eine simple Bewegung des Controllers Richtung Schulter. Weitere Aktionen wie Sekundärfunktionen der Schießprügel oder die Nutzung des eingebauten Scanners sind intuitiv an die Knöpfe des Spezial-Pads gebunden. Hat man einmal mit dem Ziel-Controller gespielt, fühlt es sich fast unnatürlich und unpassend an, wenn man danach einen normalen Shooter spielt - die Steuerung funktioniert tatsächlich so gut! Die extrem immersive Spielerfahrung, die sich dadurch und durch VR an sich ergibt, ist wirklich herausragend gut gelungen. Während des Testens standen wir mitten im Büro zwischen lauter Kollegen, die uns lachend begafften und wurden trotzdem kaum jemals aus der Illusion gerissen, gerade auf einem fremden Planeten unterwegs zu sein.

Spielerisches Mittelmaß

Die Genervielfalt ist relativ gering. Erst gegen Ende erwarten uns zudem Feinde mit einem Mindestmaß an künstlicher Intelligenz. Quelle: PC Games Die Genervielfalt ist relativ gering. Erst gegen Ende erwarten uns zudem Feinde mit einem Mindestmaß an künstlicher Intelligenz. Und es ist extrem wichtig für Farpoint, dass es diesen kritischen Aspekt und somit sein potenzielles Verkaufsargument dermaßen kompetent erfüllt, denn bricht man den Titel auf sein Gameplay herunter, ist er alles andere als ein herausragendes Erlebnis. Wir rennen durch lineare Levels, ballern auf zu wenige unterschiedliche Gegnerarten und wundern uns über das völlige Fehlen von Spielelementen abseits der (wie erwähnt hervorragend spielbaren) Schießereien. Auch das Bewegungsset des Helden ist, um nicht die berüchtigte Motion Sickness zu evozieren, recht eingeschränkt - nicht einmal springen können wir, von anderen Spielereien wie Wandläufen oder Gadgets wie steuerbaren Drohnen ganz zu schweigen. Das ergibt Sinn und tatsächlich wurde uns dadurch während des Spielens niemals schlecht (wenngleich wir dennoch ungefähr jede Stunde eine Pause einlegen mussten, um unseren Körper zu erholen), es bricht das Ego-Shooter-Gameplay aber leider auch auf seine wenig beeindruckende Basis herunter.


Exkurs: Geile Wumme zum ungeilen Preis - der Ziel-Controller

Farpoint erscheint einerseits als Standard-Variante, andererseits als 130 Euro teure Version im Bundle mit dem neuen Ziel-Controller.

Der Ziel-Controller kostet einiges, ist sein Geld aber Wert, wenn man auch in Zukunft PSVR-Shooterspielen möchte. Quelle: Sony Der Ziel-Controller kostet einiges, ist sein Geld aber Wert, wenn man auch in Zukunft PSVR-Shooterspielen möchte. Will man Farpoint anstatt mit den Dual Shock 4-Controller mit dem neu erschienenen Ziel-Controller erleben, muss man tief in die Tasche greifen - samt Spiel verlangt Sony knapp 130 Euro für das Teil, einzeln ist er zumindest vorläufig nicht erhältlich. In Zukunft sollen aber neben Farpoint noch weitere Ego-Shooter damit spielbar sein, sodass man den Kauf zumindest als Investition in die Zukunft sehen kann. Auch, wenn das Design gewöhnungsbedürftig ist, liebt die Wumme gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an; dank hochwertigem Bewegungs-Sensor werden unsere Manöver zudem fast fehlerfrei 1:1 ins Spiel übertragen. Zusätzlich dazu verfügt das gute Teil über sämtliche Knöpfe eines Standard-Controllers - inklusive Touchpad und dank des hinteren Abzugs sogar noch über einen Zusatz-Button. Aufgeladen wird der Akku des Ziel-Controllers klassisch via Micro-USB. Butter bei die Fische: Ohne den Zusatz-Controller kann man Farpoint auch gleich sein lassen.


Zudem können wir uns in den Gebieten zwar theoretisch umdrehen, das ist aber eine rechte Plackerei. Wohl um zu verhindern, dass Spielern unkontrolliert gegen Möbel, Mitbewohner, Hunde und anderes Wohnzimmer-Interieur rennen, werden wir dazu angehalten, meist in eine vorgegebene Richtung hin zu agieren. Auch hier: Nachvollziehbar und gut umgesetzt - schmerzhafte Unfälle blieben uns hier im Büro trotz beschränkten Platzes erspart -, aber auch etwas schade. Davon abgesehen überzeugt die künstliche Intelligenz der Gegner nur bedingt und die Tatsache, dass wir im Spielverlauf nur einem Boss gegenüberstehen, und das schon relativ früh, ist auch ärgerlich. Zusätzliche Spielmodi wie eine Highscore-Jagd und ein kooperativer Angriffswellen-Modus für zwei Spieler sind zwar nett, aber kaum mehr als eine hübsche Dreingabe.

Im kooperativen Spielmodus schießen wir uns online gemeinsam mit anderen VR-Fans durch aggressive Gegnerwellen. Quelle: PC Games Abseits der Story können wir in diversen Herausforderungslevels unser Highscore-Jäger-Talent unter Beweis stellen. Quelle: PC Games

Rosige VR-Aussichten

Tatsächlich allerdings geraten all diese negativen Aspekte angesichts des einmaligen Spielgefühls schnell in Vergessenheit. Unsere Wertung ist somit auch als eine für das Gesamtpaket aus VR und Ziel-Controller zu verstehen, denn ohne die Peripherie ist Farpoint ein sehr mittelmäßiger Spaß. Wer bereit ist, das entsprechende Geld zu löhnen, bekommt somit einen der ersten Titel, welche die Existenz von VR vollends rechtfertigt und, wenngleich selbst noch nicht perfekt, das riesige Potenzial für weitere Titel ähnlicher Machart in der Zukunft aufzeigt.

Meinung

Wertung zu Farpoint (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Extrem intensive VR-ErfahrungMit Ziel-Controller brillante SteuerungÜberraschend emotionale GeschichteNette Zusatz-Spielmodi
Als Shooter gerade mal MittelmaßWenige verschiedene SpielelementeZu wenige GegnerartenSehr linear
Fazit

Farpoint beweist, dass VR Spielerlebnisse wirklich bereichern kann.

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