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  • Verspielte Welt

    Tactical Operations gegen einen Schweizer in Mexiko spielen, Fifa in den Anden und Counter-Strike in Tibet: Unser Autor Jan Tomaszewski hat auf seiner Weltreise die Spielekultur in Ländern wie Peru, Thailand und China beobachtet.

    Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: Mittlerweile, dem 21. Jahrhundert sei Dank, muss der Weltreisende von heute auf sein liebstes Hobby im Ausland nicht mehr verzichten. Spielen ist mittlerweile so beliebt und verbreitet, dass auch in den abgelegensten Winkeln der Welt mindestens eine Playstation steht oder Counter-Strike über den Bildschirm flimmert. Einsatzgebiet Nummer 1 des PCs dürften dennoch E-Mail, Instant-Messenger, Chats und Webcams sein -- eine Internetverbindung vorausgesetzt. Je entwickelter das Land, desto besser die Computer. In manchem »Dritte Welt«-Staat haben die Desktops noch eine Auflösung von 640 mal 480 Pixeln bei 16 Farben, wohingegen es in der so genannten entwickelten Welt größer, komplizierter und schneller wird.

    Time Crisis in Mexiko

    Mai 2004: In einem Hotel der 22-Millionen-Stadt Mexiko City treffe ich einen Schweizer, der auf seinem Laptop schreibt und nebenbei eine Packung gerösteter Grashüpfer nascht. Die seien gesund und schön salzig, erklärt er und bietet mir welche an. Ich lehne dankend ab, wir schließen lieber unsere beiden Rechner zusammen und spielen Tactical Operations im Netz. Es dauert nicht lange, ein paar Mexikaner, Kanadier und Briten gesellen sich dazu, und wir wechseln uns gegenseitig ab, damit jeder gegen jeden spielen kann. Zwischendurch machen Tequilas und Tacos die Runde.

    Weit beliebter und viel erschwinglicher, als einen eigenen PC zu besitzen, ist der Besuch der Spielhallen. Da stehen Automaten wie Segas Arcade-Shooter Time Crisis 3 oder das Rennspiel Super GT und erfreuen sich großer Beliebtheit, die nur von den japanischen Tanz-Automaten übertroffen wird. Auf denen wirbeln einige Mexikaner so eindrucksvoll umher, dass dagegen selbst Shakiras Hüftschwung alt aussieht.

    Fifa in den Anden

    Cabanaconde (Peru) ist ein winziges Dorf in den Anden, mit vielleicht 1.000 Einwohnern, dem tiefsten überirdischen Canyon der Welt und die Wahlheimat des majestätischen Kondors. Ist die Schule aus, müssen die Kinder auf die Felder zu ihren Eltern. Oder, viel beliebter, sie pilgern in ein kleines Haus am westlichen Rand des Orts. Das hat Strom, einen Fernseher und -- eine Playstation 2. Ihre Favoriten: Fifa, GTA Vice City und Tekken 3. Sehr viel größer ist die Spieleauswahl aber auch nicht. Was sie unbedingt mal spielen wollen, sind Halo und Call of Duty. Davon haben ihnen die Größeren aus der Schule erzählt, die »die richtigen PCs aus der großen Stadt kennen«. Aus Arequipa nämlich. Nach 16 Uhr, wenn die Sonne nicht mehr ganz so bitter brennt, verliert die Playstation aber ihren Reiz, und sie gehen auf den Fußballplatz. Ihre Einladung zum Mitspielen schlage ich allerdings aus, denn auf einer Höhe von über 3.000 Metern hinter dem Ball herzurennen, würde ich keine Minute aushalten.

    Doom 3 in Bolivien

    August 2004: id Softwares Doom 3 ist fertig und steht seit ein paar Tagen in den USA und anderen westlichen Ländern zum Verkauf. Will ich, gerade in Peru angekommen, natürlich auch haben und frage, wo der Hauptstädter seine Computerspiele üblicherweise kauft. »Compu Plaza«, die einstimmige Antwort. Das ist ein riesiger, hässlicher Klotz im alten Stadtzentrum Limas. Von außen sieht er aus wie ein Kaufhaus, von innen wie ein mehrstöckiger Trödelmarkt. Will man Software kaufen, läuft das so: Auf den Ladentheken liegen schwere A4-Ordner mit Listen oder Bildern von Programmen, Filmen und Spielen: Von 3D Studio Max über Rocco Siffredis Werke bis hin zur neusten Windows-Version gibt es hier alles -- nur momentan kein Doom 3. Pro Rohling, egal was drauf soll, kostet das umgerechnet 5 Euro. Nimmt man sich die Zeit und feilscht, kann der Preis auf einen Euro oder weniger sinken. Hat sich die Kundschaft dann entschieden, zieht einer der Händler los, um die Ware zu besorgen, beziehungsweise brennen zu lassen. Und die Polizei? Einige der Polizisten gehen hier auch einkaufen.

    Ähnlich in der bolivianischen Hauptstadt La Paz: Hier gehört es zum Stadtbild, dass vor der Universität ein Warez-Händler Medizin-Software, Auto-CAD und die gesamte Microsoft-Palette feilbietet. Und in den Straßen hunderte Händler Raubkopien unter freiem Himmel und Polizei-Schutz verscherbeln. Ist laut Gesetz zwar illegal, wird aber geduldet.

    Meinen Laptop in das Netzwerk eines Internet-Cafés gestöpselt, freue ich mich über einen Fund: Neben den internationalen Standards wie Counter-Strike, Diablo 2, WarCraft 3 und Fifa liegt da Doom 3 offen zugänglich: F + C, F + V gedrückt, und der Kopiervorgang läuft. Dass sich der Benutzer dieses PCs gerade über den Performance-Einbruch beim Café-Inhaber beschwert, ignoriere ich dezent. Doch dann, auch das gehört dazu, gibt es einen Knall, der Strom ist weg. Im gesamten Häuserblock. Nur das Display meines Laptops leuchtet noch. Und mit Doom 3 ist es wieder nichts geworden.

    Half-Life in Thailand

    November 2004: Half-Life 2 ist raus, und ich bin gerade in Bangkok, Thailand, angekommen. Wo den Shooter herbekommen, will ich wissen, und werde prompt in ein Taxi gesteckt. Alle Angebote des Fahrers, mir eine erotische Massage verpassen zu lassen, abgelehnt, stehe ich in einem Einkaufs-Zentrum und werde von den ersten Händlern belagert. »Buy Software?«, fragen sie mich und wedeln mit Katalogen. »Half-Life 2?«, frage ich. »Oh, no have«, die Antwort. Gefolgt von der Frage: »Buy sexy Movie?«

    Das Geschäft (http://zest.co.th) in der ersten Etage hat Half-Life 2 in der Collector's Edition, der US-Import-Version und in Thai. Ich entscheide mich für die Import-Version und nehme das nächste Taxi zurück ins Hotel. Komisch, auch dieser Fahrer meint, ich bräuchte dringend eine erotische Massage. Das Spiel installiert, Laptop kurz vor der Steam-Anmeldung zusammengeklappt und in ein Internet-Café gestöpselt, stelle ich fest, dass die Internetverbindung zu lahm ist. Im zweiten, dritten, vierten und fünften Netz-Café das gleiche Problem. Steam lädt, steht und bricht ab -- dabei wollte ich nur Half-Life 2 spielen. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Ich erstehe eine Internetkarte am Kiosk und schließe das 56K-Modem an die Telefonbuchse, um mir endlich die erforderlichen Daten ziehen zu können.

    XIII in China

    Für ein paar Tage schließe ich mich zwei US-Amerikanern an, die in China Englisch lehren und gerade Urlaub machen. Auf die Frage, wie es um die Moral ihrer Schüler gestellt ist, antwortet der Erste: »Ich hab' Schüler, die kommen morgens in die Klasse, legen den Kopf auf den Tisch und schlafen dann bis zur Mittagspause. Nach dem Essen kommen sie zurück, legen den Kopf auf den Tisch und schlafen bis Schulschluss.« Warum? Darum: »Abends lassen sie sich heimlich aus den Schlafsälen ausschließen, verbringen die ganze Nacht im Internet-Café und spielen.« Der zweite Lehrer ergänzt: »Da sie eh jede Nacht da sind, haben sie ein Monatsabo -- das ist billiger und sie bekommen zwischendurch zu trinken und zu essen, um den Rechner nicht verlassen zu müssen.« Was sie dagegen unternehmen, will ich von den beiden Lehrern wissen: »Nichts. Schlafen lassen. Solange sie die Prüfungen bestehen, ist alles in Ordnung.«

    Geld und Fortschritt sind hier das Nonplusultra. Ein Tipp: Beim Einkaufen oder bei McDonald's immer den Schritt an das Hinterteil des Vordermannes pressen, sonst drängelt sich sofort ein Chinese dazwischen, der unbedingt Geld ausgeben will. Geld zu haben und zu zeigen ist den Chinesen fast so wichtig wie Rauchen. Männer müssen rauchen. »Sohn, du bist jetzt zwölf Jahre alt und solltest anfangen zu rauchen«, habe ihm sein Vater damals gesagt, erzählt mir ein 19-Jähriger in der Wirtschaftsmetropole Chengdu. Dort schlendere ich durch die Abteilungen einer französischen Supermarkt-Kette und stoße auf PC-Spiele à la Diablo 2, WarCraft 3 oder auch XIII. Die Blizzard-Titel kosten je 39 Yuan (etwa vier Euro), XIII hingegen 69 Yuan. Kein Rechenfehler, sondern der Preis für die Originalversionen. Ich fackle nicht lange, und XIII landet im Einkaufswagen -- in der Packung sind ein Handbuch, ein Schlüsselanhänger und vier CDs. Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis und sogar billiger als eine frische, lebende Kröte aus der örtlichen Lebensmittel-Abteilung.

    Counter-Strike in Tibet

    Bei Tibet dachte ich zuerst immer an Rage Against The Machine oder den Dalai Lama, aber das Land auf dem Dach der Welt ist sehr viel mehr. Momentan gehört es offiziell zu China, das in der ehemaligen Hauptstadt Lhasa eine Militär-Hochburg errichtet hat. Der Telefon- und Internetverkehr wird lückenlos überwacht, Nachrichtenseiten wie die der BBC sind geblockt. Hier treffe ich einen Schotten, der den Weg von Thailand nach Tibet per Fahrrad zurückgelegt hat -- um die 4.000 Kilometer. »In China hat mich die Polizei mehrmals festgenommen und zurückgeschickt, so dass ich nicht mehr auf den Straßen oder nur bei Nacht weiterfahren konnte«, erzählt der 32-Jährige. »Das ging über Wochen so, bis ich irgendwann in irgendeinem Ort ankam, die Tür zum Internet-Café öffnete und zwei Polizisten vor mir saßen. Ich bin zusammengezuckt, doch sie schauten mich nur flüchtig an und zockten dann Counter-Strike weiter. Da wusste ich, dass ich wieder sicher bin.«

    Jan Tomaszewski

  • FIFA 06
    FIFA 06
    Publisher
    Electronic Arts
    Release
    29.09.2005

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FIFA 2006
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http://www.gamesaktuell.de/FIFA-06-Spiel-23277/Specials/Verspielte-Welt-717428/
01.09.2005
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