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  • Dungeon Lords

    Trotz Mängel in der Spielmechanik und zahlreicher Bugs ist David Bradleys neues Werk ein ordentliches Rollenspiel für frustresistente Abenteurer -- aber weit weg vom erwarteten Meisterwerk.

    Ein Fantasy-Reich steht am Rande des Krieges, weil ein machtgieriger Magier und seine Verbündeten die Anhänger des Guten vernichten wollen. Allerdings hat der selbsternannte Zauberstab-Diktator nicht damit gerechnet, dass Sie vom unbedarften Nobody zum Retter der Welt avancieren und die Pläne des Fieslings vereiteln -- so weit, so bekannt. Diese schon oft erzählte Geschichte hat zwar ein paar nette Momente, überrascht aber nie und ist sicher nicht der Hauptgrund dafür, Dungeon Lords zu spielen. Vielmehr motivieren die Gefechte, die Jagd nach Schätzen und das Erforschen finsterer Dungeons. Schade, dass das Spiel zumindest in den USA veröffentlicht wurde, lange bevor es fertig war. So kämpfen Sie nicht nur gegen Monster, sondern auch gegen teils heftige Bugs, Designmängel und fehlende Features.

    Und: Action!

    Den Hauptteil der Zeit verbringen Sie mit actionreichen Kämpfen. Mit der rechten Maustaste blocken Sie (sofern Ihr Charakter einen Schild trägt), mit der linken greifen Sie an. Die Richtungstaste, die Sie während der Attacke drücken, entscheidet dabei über die Schlagart. So reihen Sie die Kampfbewegungen mit dem richtigen Timing zu einem zerstörerischen Tanz. Für jede Waffenart gibt es auch einige Kombos, die entweder besonders viel Schaden anrichten oder gleich mehrere Gegner treffen. Wer seine Athletik-Fähigkeit steigert, lernt Ausweichbewegungen wie Rückwärtssalto oder seitliche Rollen -- damit entgehen flinke Helden Pfeilen, Magischen Geschossen und Co.

    Zwar gibt es auch Fernkampfwaffen wie Bögen, Wurfmesser und Ninjasterne, doch richten die deutlich weniger Schaden an als Nahkampfgeräte. Gegen fliegende Feinde außerhalb der unmittelbaren Reichweite sind sie neben Zaubern aber das einzig probate Mittel. Insgesamt machen die Fließbandkämpfe zwar Spaß, allerdings hat beispielsweise Sudeki gezeigt, dass es auch actionreicher, mit mehr Combos und schöneren Kampfanimationen geht.

    Bekannt, nur dümmer

    Das Aufgebot der Feinde umfasst die üblichen Verdächtigen des Fantasy-Genres. Von Skeletten über Riesenspinnen bis hin zu Dämonen reicht die Palette, doch auch menschliche Gegner wollen Ihnen an den Kragen. Etwas verbindet alle Widersacher: Die schwache KI zusammen mit ebensolcher Wegfindung. Wenn sich auch nur das allerkleinste Hindernis, etwa ein Felsbröckchen, zwischen den Gegnern und Ihrem Helden befindet, bleiben die hilflosen KI-Deppen einfach stehen und lassen sich in Ruhe mit Fernwaffen oder Zaubern erledigen.

    Humanoide Gegner, von denen wir eigentlich zumindest einen Hauch von Intelligenz erwarten würden, agieren besonders dämlich und ohne Rücksicht auf Verluste. Sie brauchen nur einen Feind zwischen sich und die bösen Fernkämpfer und Zauberer des Gegners bringen -- und meist strecken die Trottel ihren eigenen Verbündeten mit Pfeilen oder Feuerbällen nieder. In engen Gängen verkeilen sich die Gegnergruppen oft ineinander und stecken fest, selbst offene Türen stellen mitunter ein unüberwindliches Hindernis dar. Daran ist nicht zuletzt die üble Kollisionsabfrage schuld, die aber auch Ihrem Helden Probleme bereitet. So bleiben Sie oft an Objekten hängen und bekommen gegnerische Zaubersprüche ab, die ungehindert durch Mauern brechen.

    Wie es der Zufall so will ...

    Eine Besonderheit von Dungeon Lords ist das regelmäßige Auftauchen von zufallsgenerierten Monstern, besonders in Außenarealen und Dungeons. Dass dabei das Programm jedes Mal kurz ruckelt, ist nur eine der technischen Ungereimtheiten. Die Häufigkeit dieser Spawns können Sie optional zwar minimieren, allerdings bringen mehr Kämpfe natürlich mehr Erfahrungspunkte. Blöd ist das nur, wenn Sie ohnehin schon in einen schweren Kampf verwickelt sind und zusätzliche Feinde erscheinen. Als wir beispielsweise für unsere Samurai-Klassenquest einen NPC gegen einen Angreifer verteidigen sollten, tauchte ein Drache auf und erlegte alle drei Charaktere. Schon deshalb sollten Sie regelmäßig und an wichtigen Stellen immer speichern. Da das Spiel aber nur lächerliche zehn Spielstände zulässt, müssen Sie alte Savegames immer wieder von Hand unter Windows in einen anderen Ordner kopieren.

    Außergewöhnliches Magiesystem

    Das Magiesystem in Dungeon Lords ist insofern außergewöhnlich, als dass sich die vier Zauberschulen in Art und Anwendung stark unterscheiden. Die Arkane Magie entspricht dem klassischen Angriffs-Hokuspokus und umfasst beispielsweise Magische Geschosse, Feuerbälle und Blitze. Die entsprechenden Formeln finden Sie in Form von Rollen (zur einmaligen Benutzung) und Büchern, die sich nach Gebrauch erst wieder aufladen müssen. Ähnlich funktionieren auch Himmels- und Runenmagie, wobei statt Büchern dabei Sternenkristalle beziehungsweise magische Steine als Quellen der Zauber dienen. Für die Höllensprüche benötigen Sie Reagenzien, die Sie kaufen oder in Kisten, Schatztruhen sowie bei erlegten Monstern finden (etwa Fledermausflügel und Rattenschwänze). Die entsprechenden Zauber, die meisten davon Beschwörungen von verbündeten Monstern, finden Sie entweder auf Ihren Reisen oder durch Experimentieren.

    Echte Heldenkarrieren

    Der gelungenste Teil von Dungeon Lords ist die Charakterentwicklung. Zu Beginn wählen Sie neben Ihrer Rasse einen von vier Grundberufen (Kämpfer, Schurke, Magier oder Adept) und steigen im Verlauf Ihrer Karriere in bis zu zwei fortgeschrittene und eine meisterhafte Klasse auf. Welche das sind, entscheiden Sie anhand der Gilden, denen Sie beitreten. Kämpfer können sich beispielsweise zum Ritter und anschließend Lord weiterentwickeln, aber auch die Karriere als Samurai fortsetzen, um schließlich Hatamoto zu werden. Allerdings gibt es zwischen den Klassen gewisse Überschneidungen, denn beispielsweise können auch Schurken als Hatamoto enden. Jede Klasse erhält besondere Fähigkeiten und Boni, die im Handbuch detailliert aufgeführt sind. Um in eine fortgeschrittene oder meisterhafte Klasse aufzusteigen, muss Ihr Charakter bestimmte Attributwerte und Fähigkeiten besitzen und zusätzlich eine spezielle Klassenquest erfüllen.

    Charakter nach Maß

    Für das Besiegen von Monstern und erledigte Aufträge erhalten Sie Erfahrungspunkte. Die investieren Sie in Attribute wie Stärke oder Intelligenz und beeinflussen damit indirekte Charakterwerte. Hohe Geschicklichkeit sorgt beispielsweise dafür, dass Ihr Held besser trifft; Vitalität lässt traditionell die Lebensenergie steigen. Mit den Erfahrungspunkten erhöhen Sie aber auch die Fähigkeiten des Helden. Dazu gehören etwa die Kenntnisse der Magieschulen, Waffen- und Rüstungsarten. Je besser die Werte, desto effektiver zaubern und kämpfen Sie. Außerdem qualifizieren Sie Ihren Charakter so für die Benutzung besserer Gegenstände. Darüber hinaus umfassen die Fertigkeiten aber auch Sachen wie Fallen entschärfen, Handel und Athletik. Wie Sie Ihren Charakter entwickeln, hängt von Ihrem Spielstil und Charakter ab. Dungeon Lords lässt Ihnen die Freiheit zum individuellen Helden.

    Langweilig und steril

    Die Spielwelt von Dungeon Lords erfüllt gerade mal Mindestansprüche und kann in keiner Weise mit der von Gothic 2, Morrowind oder Sacred mithalten. Städte und Dörfer wirken wie ausgestorben, weil es kaum NPCs gibt. Auch in den wenigen betretbaren Gebäuden herrscht tote Hose. So stehen beispielsweise im Wirtshaus von Arindale nicht einmal Tische und Stühle, von einer Küche, einem Tresen oder gar Gästen ganz zu schweigen. Die Außenareale sind völlig unbelebt, sieht man einmal von den Gegnern ab. Keine Rehe, keine Vögel, keine Hoppelhasen -- entsprechend steril wirken die Gebiete trotz dichter Vegetation dann auch. Der größte Teil der Spielwelt ist von einer Waldlandschaft überzogen, die quasi überall gleich aussieht. Einzige Abwechslung dazu sind einige Sümpfe, andere Landschaftstypen fehlen.

    Kaum besser sieht es in den Dungeons aus. Meist verwenden die Designer für riesige Komplexe nur eine Handvoll Texturen, die sich entsprechend oft wiederholen. In diesen gleichförmigen Hintergründen gehen kleine interaktive Objekte wie Schalter oder lose Ziegelsteine oft unter. Außerdem erschwert der grafische Einheitsbrei die Orientierung in den Labyrinth-artigen Arealen. Besondere Frechheit: Das Handbuch verspricht eine »Automap«-Funktion, die es jedoch gar nicht gibt. Halten Sie also Zettel und Papier für Notizen sowie Skizzen bereit, da Sie sich sonst garantiert regelmäßig verlaufen.

    Wenig zu tun

    Abgesehen von den Hauptquests und den Gildenaufträgen zur Charakterentwicklung gibt es kaum etwas zu tun. Kein Wunder, es gibt ja auch kaum NPCs, die Nebenquests anbieten könnten. Die wenigen Aufgaben verlangen meist die Beschaffung von Gegenständen, das Ausschalten eines bestimmen Gegners oder einfache Botengänge. Das Problem dabei ist, dass die Beschreibungen der Quests oft vage sind, in einigen Fällen bei den Ortsangaben sogar widersprüchlich. Am besten notieren Sie während der Gespräche alle Personen- und Ortsnamen sowie Richtungsangaben, da diese im Tagebuch oft fehlen. Dialoge führen Sie im Stile früher Rollenspiele, indem Sie einfach eine Liste von Stichwörtern abarbeiten. So etwas wie Multiple-Choice-Gespräche gibt es nicht, so dass die Kommunikation mit NPCs eine entsprechend geringe Rolle spielt.

    Kein Miteinander

    Der im Vorfeld als besonderes Schmankerl angekündigte kooperative Multiplayer-Modus mit bis zu acht Teilnehmern entpuppt sich in der Praxis als Spiel nebeneinander statt miteinander. Das Programm teilt weder Erfahrungspunkte noch Gold, Gegenstände lassen sich nur umständlich tauschen. Es gibt nicht einmal ein Gruppenfenster, in dem man die Lebensenergie der Mitstreiter sieht. Wer sich trotz dieser Spaßbremsen ins Multiplayer-Abenteuer stürzt, muss selbst im LAN mit Lags rechnen.

    Georg Valtin

  • Dungeon Lords
    Dungeon Lords
    Publisher
    dtp
    Developer
    Heuristic Park
    Release
    21.06.2005

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Dungeon Lords
Dungeon Lords
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http://www.gamesaktuell.de/Dungeon-Lords-Spiel-22300/Tests/Dungeon-Lords-715616/
01.06.2005
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/07/t_dungeonlords_999_06eps.jpg
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