Dragon Age: Origins
Seit etlichen Jahren habe ich auf ein Spiel gewartet, welches das umsetzt, was einem Dragon Age nachgesagt wurde. Deswegen war ich auch Vorbesteller und konnte nun schon etliche Stunden mit dem Spiel verbringen. Diese Rezension ist völlig subjektiv aus der Sicht eines "Konsoleros" geschrieben, der lediglich bekannte Bioware und Blizzard Titel am PC gespielt hat.
Fangen wir mit der ersten negativen Auffälligkeit an: Es dauert schlichtweg zu lange, bis man das Spiel starten kann. Erst wird geladen, dann kommt das klassische Publisher-Entwickler Geplänkel und dann verbindet das Spiel erstmal mit dem Dragon Age Server. Sucht anschließend nach DLC und irgendwann darf man dann endlich anfangen. Hierbei handelt es sich um gefühlte 10 Minuten (trotz fleißigem überspringen mit der Quadrat-Taste) die man warten muß, bis man endlich den Charakter erstellen kann.
Wenn es dann mal soweit ist, geht es dafür umso schneller weiter. Der Charakter ist recht schnell erstellt, da der Editor vom Umfang her zu wünschen übrig läßt. Da mag ich zwar etwas verwöhnt sein, aber mehr Auswahl in Bezug auf Haarpracht, Bart usw. hätte ich dann doch gerne gehabt. Die Auswahl der Stimme hat auch lediglich einfluß das was man sagt, wenn man im Spiel mit X bestätigt. Leider klingt die Stimme meines Zweihandschwert-schwingenden, bluttriefendem Messerstecher und Herzensbrecher wie die Ankündigung Florian Silbereisens zum Musikantenstadl. Unschön.
Jetzt geht es aber richtig los. Egal für welchen Hintergrund man sich entschieden hat, sie bringen einen in die richtige Stimmung für das Spiel und schaffen von der ersten Spielminute an Emotionen. Außerdem dienen die Origins wunderbar als dezentes Tutorial, bei dem man einiges ausprobieren kann. Grandioser Einstieg für ein Rollenspiel. Dagegen können Fallout 3 und Oblivion nicht anstinken.
Die Steuerung ist hervorragend an den Controller angepasst. Die Quick-Slots werden zwar schon nach kurzer Zeit nicht mehr ausreichen (vorallem beim Magier), aber das Kampfmenü geht locker flockig von der Hand ohne durch die Pause-Funktion die Dynamik zu blockieren. Und wenn man schon im Kampfmenü ist, kann man den Mabari auch gleich mal darauf aufmerksam machen, das 20 Fuß entfernt ein Bogenschütze um seine Aufmerksamkeit buhlt. Funktioniert alles wunderbar, ist allerdings nicht so einfach wie beim PC, wo selbst ein Hamster das Spiel bedienen könnte (habe 3 Jahre Wow gespielt, das mit dem Hamster funktioniert).
Die weitere Entwicklung der Story ist auch über die Origins hinaus wunderbar inszeniert. Und bietet jedem Spielstil (gut, böse, einfach nur brutal, weicheirig) seine eigene Motivation. Irgendwie gefällt es mir Wegelagerern erst die ganze Beute durch Einschüchterung abzunehmen und nach Neuigkeiten auszuquetschen, nur um sie hinterher in ihrem eigenen Blut ersaufen zu lassen.
Man kann sie auch gehen lassen oder den Behörden übergeben.
Aber Hey, ich bin ein 2 Meter großer stacheldrahtfressender Berserker mit der Stimme von David Beckham. Da ist jede Menge Aggressionspotential vorhanden. Begleitet wird man dabei immer von gut durchdachten Charakteren mit eigenem (wenn auch geskriptetem) Willen die sich gerne beharken - z.B. Morigan und Alistair: "...warum verzieht Ihr Euch nicht hinter irgendeinen Busch und sterbt. Bitte."
Auch die Wortwechsel mit den Begleitern bei fragwürdigen Entscheidungen sind absolut motivierend. Top.
Baldur´s Gate hat es vorgemacht und Dragon Age führt es, wenn auch nicht ganz so perfekt, fort. Irgendwie fehlen mir Minsk und Bo.
Jetzt zu Deiner Frage:
Natürlich gibt es auch in Dragon Age die klischeebehaftete Basisstory vom übermächtigen Bösen, das das Land unterjochen will. Deine Aufgabe ist es, das ganze aufzuhalten blabla...
ABER, es liegt an Dir, wie Du das ganze bewerkstelligst. Natürlich nicht zu 100%, aber Du kannst die ganze Geschichte auch als richtig übler Bursche spielen. Und das ist das eigentlich motivierende an der Story. Zum einen ist sie spannend und mitreißend umgesetzt, zum Anderen bleibt Dir die Wahl Deiner charakterlichen Entwicklung. Und ich fand es höchst unterhaltsam zu sehen was passiert, wenn ich den einen NPC sterben lasse - einen anderen dafür aber rette.
Wenn Du aber skeptisch bist, empfehle ich Dir das Spiel einfach mal auszuleihen und Dich ein paar Stündchen damit zu beschäftigen.
Meiner Ansicht nach liegt die einzige Stärke von Sacred in der Befriedigung der guten, alten Sammlerleidenschaft. Dragon Age liefert diese "Befriedigung" meiner Meinung nach nicht.
Jedoch bietet Dragon Age eine tiefgründige Story, wie Du sie nur noch bei Mass Effect 2 findest...wenn überhaupt.
Wie schauts bei Dragon Age Origins aus? Ist die Story motivierend? Hatt sie nicht das Schema: Böse Horde macht schönes Land futsch du bringst wieder alles in Lot.
Super Test gibt 5 Sterne!