Teufelsaustreibung am PC: Blizzard kombiniert Hack&Slay mit Charakterentwicklung sowie der Jagd nach wertvollen Gegenständen und gründete so das Genre der Action-Rollenspiele.
Hübsch sieht es aus, das Örtchen Tristram. Zwischen Bächen, Bäumen und Felsen stehen die Bewohner friedlich vor ihren Häusern. Doch die Idylle täuscht: Unter der Kathedrale des Ortes treiben Dämonen und Untote ihr Unwesen. In Diablo ziehen Sie aus, um die teuflische Brut und den Leibhaftigen selbst zurück in die Hölle zu schicken. Dafür metzeln Sie sich durch die 16 Ebenen immer tiefer in die Unterwelt, verbessern Ihren Helden und sammeln immer stärkere Waffen, Rüstungen und Zaubersprüche.
Dieses einfache, aber Sucht erregende Spielprinzip in Kombination mit der simplen Steuerung machte Diablo so erfolgreich. Kaum ein anderer Titel (abgesehen vom Nachfolger) erzeugt einen so guten »Flow«, also Spielfluss: Spieler sind ständig beschäftigt und werden für ihre Aktionen meist unmittelbar in Form von Gold oder Gegenständen belohnt. Daher entsteht nie das Gefühl der Langeweile, Längen gibt's höchstens, wenn Sie vergessen haben, eine Spruchrolle fürs Stadtportal einzupacken und den ganze Weg zurücklaufen müssen.
Drei Helden, drei Stile
Diablo bietet die drei Charakterklassen Krieger, Schurkin und Zauberer. Die drei Helden unterscheiden sich grundlegend in der Spielweise. Der Krieger vermöbelt seine Gegner bevorzugt im Nahkampf, benutzt schwere Waffen und trägt dicke Rüstungen. Die Schurkin scheut direkten Kontakt und schaltet die Widersacher lieber mit Pfeil und Bogen aus der Entfernung aus. Am vielseitigsten, aber auch anspruchsvollsten, spielt sich der Zauberer, der die höllische Brut mit diversen Magieformeln erledigt. Die meisten davon verursachen Elementarschäden wie Feuer und Blitz. Sie können Gegner aber auch für kurze Zeit zu Stein erstarren lassen, sich selbst durch die Gegend teleportieren oder einen Golem beschwören, der für Sie kämpft.
Theoretisch können auch Krieger und Schurkin Zaubersprüche benutzen. Allerdings erfordern die wirkungsvollen Sprüche einen hohen Wert des Attributs »Magie«, das beide Klassen nicht haben -- Krieger steigern hauptsächlich Stärke und Vitalität, die Schurkin benötigt in erster Linie Geschicklichkeit. Daher beherrschen beide meist nur einfache Sprüche, wobei der Heilzauber noch am nützlichsten ist und in Ermangelung eines Tranks das Heldenleben retten kann.
Klick, klick, klick
Eine große Stärke von Diablo ist die einfache Bedienung. Alle wichtigen Anzeigen sind sofort erkennbar, und die wenigen Untermenüs lassen sich sofort per Hotkey aufrufen. Diablo verwendet für die Lebensenergie die Farbe rot, für Mana blau -- das ist seitdem Standard im Genre. Mit der linken Maustaste lösen Sie den Standardangriff aus, mit der rechten aktivieren Sie den voreingestellten Zauber -- sofern das Mana reicht. Das Programm erstellt die eigentlichen Levels per Zufallsgenerator und erzeugt gleichzeitig eine Karte, die Sie halbtransparent über die eigentliche Grafik einblenden können. Allerdings haben wir einige aus Diablo 2 bekannte Komfortfunktionen vermisst -- etwa, dass per Knopfdruck alle herumliegenden Gegenstände angezeigt werden, und eine Truhe zum Aufbewahren von Gold und Items.
Ohren auf!
Besonders erwähnenswert ist die grandiose musikalische Untermalung des Spieles. Komponist Matt Uelmen bezeichnet das Hauptthema als »Triumph der Inspiration über begrenzte Ressourcen«. Uelmen nahm die Passagen von Gitarre, Flöte und Okarina (eine Art Schnabelflöte aus Ton) mit einem billigen 150-Dollar-Mikrofon auf, das an einem Sampler mit nur 16 Megabyte Speicher angeschlossen war. Trotz dieser mageren Ausstattung schuf Uelmen eines der schönsten Werke, denen PC-Spieler je lauschen durften. Dieses Stück gefiel den Blizzard-Chefs so gut, dass sie es für den Abstecher nach Tristram in Diablo 2 gleich wieder verwendet haben. Interessante Randnotiz in Sachen Sound: Die Stimmen der NPCs und Monster stammen in einigen Fällen von den Blizzard-Mitarbeitern. So ließ es sich etwa Bill Roper nicht nehmen, den Part des Diablo zu sprechen. Einige Sprüche erlangten unter PC-Spielern sogar eine gewisse Berühmtheit: »Hello, my friend! Stay a while and listen!« sollte jeder Fan eindeutig als Deckard Cains Begrüßung erkennen.
Georg Valtin
