Bernd Eichinger präsentiert einen tief beeindruckenden Film über das Ende des Nazi-Regimes, wie man es noch nie gesehen hat. Hauptdarsteller Bruno Ganz ging dafür an die Grenzen der Schauspielkunst und trug durch seine Leistung entscheidend dazu bei, dass "Der Untergang" für einen "Oscar" als bester ausländischer Film nominiert wurde. Die in fast jeder Hinsicht gelungene Premium Edition ist für DVD VISION ganz klar die DVD des Monats
Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass man dem Zuschauer irgendwie nicht allzu viel zumuten möchte. Außerdem vermeiden es Studios gerne, teure Filme zu brutal aussehen zu lassen, um dadadurch eine niedrigere, lukrativere Altersfreigabe zu erhalten. So gibt es tatsächlich nur wenige echte Anti-Kriegsfilme, die ihre Wirkung nicht verfehlen und durch harten Realismus abschrecken.
Dazu gehören z.B. "Im Westen nichts Neues" (1930) von Lewis Milestone, "Full Metal Jacket" (1987) von Stanley Kubrick, "Schindlers Liste" (1993) und die Anfangssequenz aus "Der Soldat James Ryan" (1998), beide von Steven Spielberg sowie "Der Pianist" (2002) von Roman Polanski, der darin seine persönlichen Erlebnisse verarbeitete.
Und was kam aus Deutschland? Peinlicherweise taten sich die Deutschen mit der Bewältigung ihrer Vergangenheit auf der Leinwand erstaunlich schwer. Abgesehen von Bernhard Wickis "Die Brücke" (1959) gab es nur wenige deutsche Produktionen, die dem Thema unbefangen gegenübertraten und ihm gerecht wurden.
"Des Teufels General" (1955), "Hunde, wollt ihr ewig leben" (1958), "Das Boot" (1981) und "Stalingrad" (1993) sind allesamt sehenswerte und ernst zu nehmende Filme, die aber nicht die Wurzel des Übels, Hitler, porträtierten, sondern den Fokus auf den gemeinen Soldaten legten, der sich den falschen Job zur falschen Zeit ausgesucht hatte.
Wichtiger Tabubruch
"Der Untergang" schließt diese Lücke. Deutschlands Top-Produzent Bernd Eichinger, seit 1979 erfolgreicher und prominenter Chef der Münchener Produktionsfirma Constantin, nahm sich der Sache persönlich an und verfasste ein Drehbuch, das auf dem gleichnamigen Buch des Autors Joachim Fest sowie der Erlebniserzählung "Bis zur letzten Stunde" von Traudl Junge und Melissa Müller basiert. Junge arbeitete zweieinhalb Jahre lang als Hitlers Sekretärin und war bis zur Befreiung Deutschlands an der Seite des Diktators. Den fertigen Film bekam die 2002 verstorbene Junge nicht mehr zu sehen, dafür wurden zwei Statements von ihr an Beginn und Ende geschnitten.
Als Regisseur verpflichtete Eichinger den erfahrenen Fernsehmann Oliver Hirschbiegel, dem mit "Das Experiment" (2001) bereits ein beeindruckendes Kinodebüt gelungen war.
