Deponia Test: Adventure-Klassiker endlich auf Konsolen spielbar!

Test Felix Schütz
Arrogant: 
Rufus ist der wohl selbstsüchtigste Held der Adventure-Geschichte. Seine Sprüche und Witze sind daher nicht jedermanns Sache. (PS4)
Quelle: Games Aktuell

Witzig, respektlos und ziemlich irre: Den Adventure-Hit Deponia gibt's endlich auch für Playstation 4.

Deutschland ist Adventure-Land! Aus keiner anderen ­Nation kommen mehr klassische Point&Click-Abenteuer als aus ­heimischem Anbau - und sie genießen einen guten Ruf in der internatio­nalen Spielergemeinde. Das ist auch Daedalic zu verdanken: Das Hamburger Team versorgt Genre-Fans seit Jahren mit frischer Ware wie The Whis­pered World, ­Silence oder Edna bricht aus. Ihr größter Triumph ist aber die ­Deponia-Serie, die es auf PC schon auf vier gelungene Ableger bringt. Konsolenspieler gingen dagegen leer aus - bis jetzt. Mit Deponia ist endlich das erste Kapitel der vierteiligen Reihe auch für PS4 verfügbar. Wer die 20 Euro (30 Euro fallen für die Disc-Version an!) dafür hinblättert, sollte sich aber bewusst machen: Das Ende von Deponia ist komplett offen gehalten, erst im ­dritten der vier Spiele wird die verrückte Story zu Ende erzählt. Doch immerhin: Auch die restlichen drei Serienteile erscheinen 2017 für Playstation 4 und Xbox One. Durchgedreht: 
Die meisten der liebenswerten Nebenfiguren haben einen gehörigen Knall. (PS4) Quelle: Games Aktuell Durchgedreht: Die meisten der liebenswerten Nebenfiguren haben einen gehörigen Knall. (PS4)

Zwischen Müll und Wahnsinn

Deponia entführt uns auf einen gleichnamigen Schrottplaneten, auf dem der ganz und gar durchgedrehte, selbstsüchtige und haarsträubend untalentierte Hobby-Bastler Rufus sein Unwesen treibt. In einer halsbrecherischen Aktion versucht Rufus, die über Deponia schwebende Himmelsstadt Elysium zu erreichen, in der Hoffnung, den Müllbergen seiner verhassten ­Heimat ­entfliehen zu können.

So beginnt ein durchgeknalltes, gut gelauntes Comic-Abenteuer, das zwar einerseits eine wahnsinnige Gag-Dichte besitzt, aber andererseits auch einen eigenwil­ligen, teils ganz schön fiesen Humor an den Tag legt - und der ist eben Geschmackssache. Wer sich jedoch auf die absurden Kommentare von Rufus (charismatisch vertont von Monty Arnold) einlässt, der wird mit einem wilden Comic-Trip belohnt, der die grauen Zellen gehörig zum Qualmen bringt. Genauso verrückt wie die Welt und die Figuren von Deponia fällt nämlich auch das Rätseldesign aus. Da heißt es um die Ecke denken, Wortspiele durchschauen, massenhaft Items einsammeln und an anderer Stelle kombinieren! Das ist meistens, aber leider nicht immer logisch. In manchen Kommentaren und Gags stecken zwar nützliche Hinweise für bestimmte Puzzles, doch grundsätzlich sind Hilfestellungen eher selten.

PS4-Interface: 
Das Verbenmenü (benutzen und anschauen) wird automatisch über den vielen Hotspots eingeblendet. (PS4) Quelle: Gamezone PS4-Interface: Das Verbenmenü (benutzen und anschauen) wird automatisch über den vielen Hotspots eingeblendet. (PS4)

Pracht und Tücken

Das sechs- bis achtstündige Abenteuer schaut auf der PS4 genauso klasse aus wie auf dem PC: Der liebevoll gezeichnete Comicstil erstrahlt in Full HD und könnte glatt als Zeichentrickfilm durchgehen - wären da nicht die groben Charakteranimationen, die den tollen Eindruck ein wenig trüben. Technisch ist die Umsetzung gelungen, allerdings behält die PC-Fassung dank ihrer nahezu perfekten Maus-Steuerung klar die Nase vorn. Auf der Play­station 4 leidet die Steuerung unter einigen Macken.

Grundsätzlich schön: Wir lenken Rufus direkt mit dem linken Analogstick, während wir mit dem rechten Stick einen Cursor über die bildschöne Grafik bewegen. Da die Levels von Deponia jedoch vor ­Hotspots (interaktive ­Objekte, Gegenstände, Charaktere) nur so strotzen, ist das Absuchen per ­Cursor mühsam. Deshalb schalten wir die Hot­spots lieber per L1/R1-Tasten durch. Das ist zwar auch umständlich, geht aber schneller als die manuelle Suche. Über ­ausgewählten Hotspots wird ein kleines Verbenmenü eingeblendet. Und das passiert leider auch, wenn sich Rufus einem Interaktionspunkt nur nähert. Wenn wir also durch ­einen vollgepackten Bildschirm ­laufen, springt das ­Verbenmenü wild von einem Punkt zum ­nächsten.

Ebenfalls nicht perfekt gelöst: Laufwege lassen sich meistens, aber eben nicht immer per Druck auf den Kreis-Button abbrechen. Und beim Untersuchen von Gegenständen im ­Inventar werden hin und wieder ­unsere ­Eingaben nicht erkannt. Das ist zwar alles kein Beinbruch, funktionierte in der PC-Version von Deponia aber schlichtweg besser.

Entwickler: Daedalic Entertainment | Hersteller: Daedalic Entertainment | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 6

Meinung

Wertung zu Deponia (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Deponia (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Deponia (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Prächtig gezeichnete Comic-GrafikMotivierte deutsche SprecherExtrem hohe Gag-DichteMeist gutes, kniffliges Rätseldesign
… aber einige Lösungen sind zu abgehoben und wirken aufgesetztEtwas umständliche Steuerung Komplett offenes EndeTeils anstrengender, schwarzer Humor, der nicht immer zündet
Fazit

Trotz nicht perfekter Steuerung eine gute Umsetzung des PC-Adventure-Hits mit eigenwilligem Humor.

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