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To Michael! To all of us!!

mayaku

Verfasst am: 22.12.2011, 12:36h


Nach meinem etwas pathetisch geratenen Blog zu der Frage, was Gaming eigentlich ist, kann ich wohl sagen, dass ich die Intentionen der Macher der PlayStation-Spots durchschaut hatte.

Der folgende neue Spot zur Playstation 3 mit dem netten Schlusssatz "long live play" sieht zumindest so aus, als würde Sony das ganz ähnlichen sehen wie ich in meinem ersten Blog.
In ihrem neuen Spot geben sie denen eine Stimme, die doch wirklich wissen müssen, was Gaming bedeutet: Den Spielfiguren.

Blog-Bild 1


Eine völlig neue Perspektive für all die Skeptiker und vielleicht auch ein wenig für den Gamer, der sich nicht wirklich große Gedanken darüber gemacht hat, was es bedeuten kann zu zocken.
Es geht vielleicht gar nicht darum, ob Gewalt in dem jeweiligen Game vorkommt und wie drastisch sie dargestellt wird, vielleicht könnte man es auch so betrachten, dass man immer die Verantwortung für seine Spielfiguren übernimmt.

Zumindest zeigen das die Figuren in der Bar im Spot ganz deutlich: Michael, als Platzhalter für jeden einzelnen Gamer, ist ihre Hoffnung, ihr Held, egal welche Motivationen die Figuren selbst haben.
Ob man nun also dunklen Sith-Lord spielt oder einen strahlenden Jedi-Ritter ist eigentlich erst mal unerheblich.
Man hat die Verantwortung für seine Figur und möchte nicht, dass diese Schaden nimmt.
Zumindest ist das das ureigene Prinzip im Game: Achte auf das, was Dir anvertraut wurde, verbessere es, umsorge es, sonst wirst Du bestraft...mit Punktabzug oder dem virtuellen Tod.

Natürlich sind und bleiben - vorerst - Spielfiguren nur eine Ansammlung von Polygonen und Algorithmen, aber dieses Argument könnte man auch all den Kritikern vorhalten, die behaupten, dass Games die Spieler negativ beeinflussen.
Wer also behauptet, dass etwas einen negativen Einfluss auf die Psyche hat, der muss auch gestehen können, dass es möglich ist, dass das gleiche etwas - die Games - einen positiven Einfluss haben können.

Sicher gibt es mittlerweile auch genug Studien zu dem Thema wie toll Games Aggressionen abbauen können und die Auge-Hand-Koordination fördern können, aber mir geht es eher um etwas Anderes:
Ist man sich der Verantwortung bewusst, die man als Spieler dem Spiel bzw. der Spielfiguren gegenüber hat? Existiert sie überhaupt?

Vielleicht mag diese Fragen noch recht merkwürdig erscheinen. Verantwortung für etwas, das nicht lebt?
Kann man das haben?

Wer "Gamer" mit Gerard Butler gesehen oder "Schattenjagd" von Wolfgang Hohlbein gelesen hat, weiß wo einen das hinführen kann:

Im Fall von "Gamer" gibt es ein großes Spiel. Einen First Person Shooter. Ständig wird darüber in den Nachrichten berichtet, viele Menschen spielen mit, obwohl ein Account eine sehr teure Angelegenheit ist.
Der Witz an dem Spiel ist, dass echte Menschen die Avatare und die NPCs darstellen.

Das heißt, man steuert als Spieler einen zum Tode verurteilten Schwerverbrecher durch verschiedene Missionen. Die Gegner sind andere echte Menschen, die von wieder anderen gesteuert werden.
Besonders tragisch sind die NPCs, die wie in uns heute schon bekannten Games einfach herum stehen oder beispielsweise den Boden fegen und Pech haben, wenn sie in ein Feuergefecht geraten.
Sie haben keine Möglichkeit zu fliehen, weil sie auch von außen gesteuert werden.
Bei ihnen ist es allerdings kein zahlender Kunde, sondern nur irgendeine Game-Routine.

Bei "Schattenjagd" ist die Sache etwas anders: Die Protagonist spielt ein MMORPG das berühmt dafür ist, dass die im innewohnende KI sich teilen und lernen kann. D.h. dass irgendwann alle vorkommenden Figuren eine eigene KI haben, die sich ständig weiter entwickelt.
Der Spieler kommt in dem Buch auf die Idee das Spiel auf einen Super-Computer in der Firma seines Vaters zu laden und dort zu spielen.
Das Spiel fängt an sämtliche Ressourcen des Super-Rechners zu nutzen und alle anderen dort laufenden und installierten Anwendungen zu überschreiben und sich noch weiter zu entwickeln.
Bald wird klar, dass die KIs der Spielfiguren so ausgereift sind, dass es langsam schwierig wird, einen Unterschied zwischen dem Bewusstsein eines Menschen und einer Spielfigur zu machen.

In beiden Fällen wird die Frage nach der Verantwortung für die eigene Spielfigur natürlich auf die Spitze getrieben, aber hier zeigt sich, dass da noch "jemand Anderes" ist.
In unseren Fällen ist die Verantwortung doch eher einem Spiegelbild seiner selbst geschuldet.
"Avatar" bedeutet im Hinduismus "die körperliche Manifestation eines Gottes" unf da wir alle laut dem Buddhismus und den jüdisch-christlichen Religionen einen Gott bzw. einen göttlichen Funken in uns tragen, passt die Bedeutung von Avatar als Abbild unserer Selbst.

Man könnte auch daraufhin deuten, dass Gott uns nach seinem Ebenbild schuf udn wir die Avatare nach unserem Ebenbild.
Wir scheinen allerdings andere Götter zu sein, als unser Gott, denn uns treibt immer noch das Verlangen an unsere Schöpfung zu schützen. Aus egoistischen Motiven zwar, denn wir wollen das Spiel durch bekommen, den High-Score knacken, aber bei Güte könnte die Motivation zweitrangig sein.

Immerhin scheint es den Spielfiguren in der Taverne im Spot ziemlich egal zu sein, dass Michael auf all den Fotos an der Wand ein wenig...gelangweilt aussieht.

Der Gamer als gelangweilter, vielleicht auch egoistischer aber wenigstens gütiger Gott...

...na, wenn das nicht ein Weihnachtsblog ist!!

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Kommentare
GenX3601966

GenX3601966

Verfasst am: 05.01.2012, 10:29h

Jetzt erst gelesen. Mal wieder richtig klasse geworden. Like! :)
StHubi

Nach Werbeblogs jetzt Blogs über Werbung?

StHubi

Verfasst am: 22.12.2011, 19:00h

Aber dieser hier gefällt mir sehr gut und hat mich ein wenig zum Nachdenken angeregt...
Eintrag wurde am 22.12.2011 um 19:00h von StHubi geändert.