Command & Conquer: Die ersten 10 Jahre

Test

Alle sechs Hauptprogramme und sechs Addons auf einer DVD -- das ist der perfekte Moment, um sich in die legendäre C&C-Serie zu stürzen.

Erwartungsvoll schieben wir die rappelvolle DVD in unser Laufwerk. Gleich wird der Hauch der Spielegeschichte über uns hinwegwehen! Schließlich glänzte schon der erste Teil von Command & Conquer mit EVAs erotischer Frauenstimme. EVA? Ja, das war die elektronische Assistentin, die uns das ganze Spiel über begleitet. Da kann sich noch heute jedes Navigationssystem eine große Scheibe von abschneiden!

Doch wir werden enttäuscht, statt EVA gibt's nur EA. Nämlich deren langweiligen Ladebalken. Und die Aufforderung, sieben (!) verschiedene Seriennummern einzugeben. Damit gehen schon mal einige Minuten der halbstündigen Installation fürs Zahlentippen drauf. Macht nix, denn kaum starten wir C&C -- Der Tiberiumkonflikt, dröhnen die bekannte Technomusik und verzerrte Androidenstimmen aus den Lautsprechern -- endlich brechen goldene Zeiten für Echtzeitstrategie-Nostalgiker an!

Krieg' mich doch!

Die Sammlung C&C -- Die ersten 10 Jahre enthält nicht nur das erste Scharmützel zwischen den Westmächten der GDI und der terroristischen Bruderschaft NOD. Neben sämtlichen Addons sind auch Alarmstufe Rot 1 und 2, Tiberian Sun, Renegade und Generäle auf der DVD. Ein wahres Fest für Echtzeitstrategen, die nun nicht mehr auf Tools wie die DOS-Box zurückgreifen müssen, um die Meilensteine der Strategie zu spielen. Alle C&C-Teile der Compilation laufen ohne Emulator unter Windows XP. Meistens jedenfalls. Aber dazu später mehr. Zuerst stellen wir Ihnen die drei C&C-Universen vor.

C&C: Der Urahn

Die Angst geht auf der Erde um, denn die NOD eignen sich alle Tiberiumvorkommen an. Kane, der größenwahnsinnige Anführer dieser Terroristen, bastelt mit seiner Mannschaft aus dem Tiberium zerstörerische Waffen, um die Herrschaft über die Erdbevölkerung an sich zu reißen. Deshalb schließen sich die westlichen Machthaber zu einer Vereinigung namens GDI zusammen, um den NOD Einhalt zu gebieten. Das Tiberium ist bis heute einer der »lebendigsten« Rohstoffe im Genre: Das grüne Zeugs vermehrt sich und richtet verheerende Schäden an ungeschützten Truppen an.

Im Ego-Shooter Renegade bekämpfen Sie die NOD als Nick »Havoc« Parker. Gut bestückt mit Waffen ballern Sie sich durch die Terroristen-Reihen. Heute ist Renegade vor allem noch als Multiplayer-Shooter beliebt -- weil Sie hier alle C&C-Vehikel steuern können, vom flotten Trike bis zum wuchtigen Mammutpanzer.

Alarmstufe Rot: alter Bekannter

Im zweiten C&C-Universum haben die alliierten Truppen den Zweiten Weltkrieg verhindern können und prügeln sich stattdessen mit den sowjetischen Mächten um die Vorherrschaft. Alarmstufe Rot 1 und 2 sind zeitlich vor den Geschehnissen des Tiberiumkonflikts angesiedelt, deshalb treffen Sie auf einen alten Bekannten: Kane. Der übernimmt am Ende von Alarmstufe Rot 1 nämlich die Kontrolle über die Sowjetunion. Alarmstufe 2 glänzt vor allem mit selbstironischen Videosequenzen -- da nimmt ein Filmchen etwa die damalige chronische Stromknappheit Kaliforniens auf die Schippe.

Generäle im Fadenkreuz

Der Start von C&C Generäle in Deutschland war überschattet -- es landete zwei Monate nach der Veröffentlichung auf dem Index, weil es Parallelen zum Irakkrieg enthielt (Stichwort Massenvernichtungswaffen). Erst als die menschlichen Einheiten gegen Roboter ausgetauscht wurden, durfte C&C Generäle wieder über den Ladentisch wandern.

Wir stürzen uns in Schlachten zwischen Alliierten, Chinesischem Pakt und der obligatorischen terroristischen Vereinigung -- die Aufträge sind dabei abwechslungsreicher als im Tiberiumkonflikt. Wenn wir die Kampagne der Terroristen starten, dürfen wir zum Beispiel ausgiebig Molotowcocktails unter der Bevölkerung einer Stadt verteilen und die Häuser plündern. Klasse auch die brachialen Zerstörungseffekte, etwa bei umkippenden Minaretten und berstenden Staudämmen.

Extrawünsche

Die Bonus-DVD gewährt Ihnen einen kleinen Blick in die Geschichte von Command & Conquer. Louis Castle, Mitbegründer der Entwicklerfirma Westwood, erzählt im Interview von den Anfängen der Reihe. Extras wie Fan-Videos, Rückblicke und Konzeptzeichnungen runden die nostalgische Reise in die Anfänge der Echtzeitstrategie ab. Schade, dass keines der Filmchen synchronisiert ist; lediglich eines hat deutsche Untertitel. Von einem kleinen Poster abgesehen, herrscht in der Box gähnende Leere.

Ärgerlich: Tiberian Sun stürzt häufiger ab, Multiplayer-Schlachten fuktionieren nicht -- Mängel, die eingefleischte Fans im offiziellen Forum von Electronic Arts anprangern. Immerhin gibt es einen Auto-Updater, der Sie informiert, wenn es einen neuen Patch gibt.

Susanne Braun

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