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  • Civilization 4

    6.000 Jahre Menschheitsgeschichte, 18 große Völker, über 80 bedeutende Erfindungen, fast ebenso viele Einheiten, 100 Bauwerke, 35 Ressourcen, sieben Weltreligionen -- Civilization 4 ist nicht nur ein Strategiespiel, es ist ein Epos. Ein verdammt spannendes.

    Lassen Sie sich nicht von den Zahlen erschlagen. Trotz der beinahe unüberschaubaren Featureliste ist Civilization 4 der einfachste Teil der altehrwürdigen Runden-Strategiereihe. Nicht, was den Schwierigkeitsgrad anbelangt. An den höheren Stufen werden auch Profis ganz schön zu knabbern haben. Vielmehr haben es die Entwickler rund um Urgestein Sid Meier geschafft, Bedienung und Menüs so weit vereinfachen und so viele Tipps und Hilfen einzubauen, dass selbst Serien-Neulinge ihr Volk durch die Jahrtausende zu Wohlstand und Größe führen werden. Denn dies ist die Aufgabe, die vor Ihnen liegt: Ein Reich zu schaffen, das die Zeit überdauert, wie es der alte Werbespruch so schön formuliert.

    Die Welt als Spiel

    Natürlich kann man eine Partie Civilization 4 gewinnen. Etwa mit dem Bau eines Generationenraumschiffs, das die Menschheit Richtung Alpha Centauri trägt. Oder durch die Wahl zum Generalsekretär der Vereinten Nationen. Oder durch bloßes Punktesammeln. Aber der Sieg war echten »Zivilisten« eigentlich noch nie so wichtig. Vielmehr ist der Weg das Ziel. Als Übervater eines kleinen Nomadenstamms 4.000 Jahre vor Christus die erste Siedlung gründen, Felder bewirtschaften, Technologien erforschen, Truppen ausbilden, Kundschafter ausschicken, mit immer neuen Städten wachsen, Handel treiben, diplomatisches Geschick beweisen -- kein anderes Spiel gibt Strategen derartige Macht, fordert in so vielen Bereichen. Kein Wunder, dass die Civilization-Serie zum Runden-Lager zählt. In Echtzeit wären die enormen Aufgaben nicht zu bewältigen.

    Unsere Stadt soll schöner werden

    Auf die Grundlagen reduziert gliedert sich Civilization 4 in vier Hauptbereiche: Aufbau, Forschung, Kampf und Diplomatie. Die meiste Zeit verbringen Sie als Städteplaner und Ingenieur. Gleich nach der Gründung Ihrer ersten Siedlung gehen Sie das erste Großprojekt an: Darf's ein Kornspeicher sein, der das Wachstum fördert, oder lieber Kasernen, um Truppen besser auszubilden? Vergehen anfangs noch viele Runden bis zur Fertigstellung, vergeben Sie im späteren Spielverlauf fast im Sekundentakt Aufträge. Aquädukt, Theater, Wasserkraftwerk -- jede Erweiterung hat ihre Vor- und Nachteile. Flughäfen etwa eröffnen neue Handelsrouten und bringen Einheiten in Windeseile von einem Ende des Reichs bis ans andere. Dafür meckern die Bürger über den Fluglärm. Rund um die Siedlungen legen Arbeiterkolonnen außerdem Getreidefarmen an, treiben Minen in die Berge, bohren nach Öl oder gründen Plantagen. Damit werden die 35 Rohstoffe gewonnen, vom Eisenerz bis hin zum Uran.

    Der Rote Baron im Mittelalter

    Mit all den schönen Fabriken und Bauernhöfen ist es allerdings Essig, wenn Sie nicht fleißig forschen. Das funktioniert ganz ähnlich wie der Aufbauteil. Einfach ein Projekt aus der mit fast 100 Einträgen gewaltigen Liste wählen, und ein paar Runden später dürfen Sie die Früchte Ihrer Arbeit genießen. Oder besser der Arbeit Ihrer Gelehrten. Jede Entdeckung ermöglicht andere Bauten, Einheiten, gesellschaftliche Fortschritte und wiederum andere Technologien. Denn wie in den vorangegangenen Civilization-Spielen bauen die Erfindungen aufeinander auf. Ohne Kenntnisse der Physik keine Elektrizität, und ohne Elektrizität keine Kühlschränke.

    Anders als früher führen im neuen Technologiebaum allerdings oft mehrere Wege zum Ziel. Um das Schießpulver zu entdecken, müssen Sie vorher Gilden oder Bildungswesen erforscht haben -- aber nicht unbedingt beides. Das ermöglicht stärkere Spezialisierungen als zuvor. Es ist möglich, bereits im Mittelalter mit Düsenjägern abzuheben, ohne eine Ahnung zu haben, was man mit diesen komischen wiehernden Huftieren da neben dem Flugplatz anstellen kann.

    Faustkeil gegen Panzerfaust

    Womit wir beim dritten Spielelement wären: der Kriegsführung. Die seltsamen Paarhufer lassen sich nämlich prima als mobiler Untersatz für Bogenschützen verwenden. Rund 80 Einheiten fährt Civilization 4 auf, angefangen beim Keulen schwingenden Barbaren bis hin zur Interkontinentalrakete. Ein paar davon bleiben einer bestimmten Fraktion vorbehalten. Die Engländer beispielsweise bilden als einzige Rotröcke aus, besonders starke Gewehrschützen, die Azteken haben die Jaguare, die sich im Dschungel besser schlagen als gewöhnliche Schwertkämpfer, die Mongolen setzen auf Keshik-Reiter.

    Im Krieg macht sich Wissensvorsprung schnell bezahlt. Wenn Panzer gegen Kavallerie rollen, ist das Ergebnis absehbar. Zwar kommt es gelegentlich vor, dass Musketiere einen Panzer knacken -- etwa wenn der schon angeschlagen ist oder die Soldaten Terrainvorteile nutzen können -- aber bei weitem nicht mehr so häufig, wie noch in den ersten beiden Teilen der Serie. Bei ebenbürtigen Kontrahenten entscheidet allerdings nach wie vor allein der Zufall über Sieg und Niederlage.

    Siegprämie Straßenkampf

    Das Kampfsystem selbst haben die Entwickler um Sid Meier ebenfalls verbessert. Zum einen kommt das Stein-Schere-Papier-Prinzip zum Tragen. Pikeniere beispielsweise schlagen sich gegen Ritter besonders gut, ziehen aber gegen Axtkrieger meistens den Kürzeren. Über-Soldaten wie die Marines im Vorgänger gibt es nicht mehr. Es gilt, mehrere Truppengattungen zu kombinieren, um für alle Situationen gerüstet zu sein.

    Zum anderen sammeln die Einheiten nun Erfahrungspunkte und lassen sich zu Spezialisten ausbilden. So werden aus Bogenschützen extra zähe Straßenkämpfer, Ritter dürfen sich zurückziehen, wenn sie starke Verluste erleiden. Besonders kampferprobte Veteranen kombinieren gleich mehrere Boni, etwa höhere Bewegungsrate, Erstschlag und Aufklärung.

    Montezumas Rache

    Als Kriegstreiber kommen Sie in Civilization allerdings nicht sehr weit. Große Armeen verschlingen Unmengen an Ressourcen, die besser in Städtebau und Forschung investiert werden. Außerdem sorgen langwierige Konflikte für Unruhe unter den Bürgern, die irgendwann einfach ihre Arbeit niederlegen (offene Revolten gibt's allerdings keine mehr).

    Die meisten Spannungen lassen sich auf dem diplomatischen Parkett viel besser lösen als auf dem Schlachtfeld. Ihren Verhandlungspartnern, den computergesteuerten Anführern der anderen Reiche, haben die Entwickler Charakter eingeimpft. Aztekenkönig Montezuma etwa erklärt jedem den Krieg, der auch nur zu laut hustet, Friedensfürst Gandhi dagegen geht jedem bewaffneten Konflikt aus dem Weg. Die einen versuchen, Ihre Gunst durch Geschenke zu erlangen, die anderen, Sie mit Drohungen einzuschüchtern.

    Ölkrise oder Kohleknappheit

    Sich mit allen gut zu stellen, ist schier unmöglich, und so sollten Sie sich Ihre Freunde und Feinde überlegt aussuchen. Verbündete werden Sie vor allem deshalb brauchen, weil die Rohstoffe auf den zufällig generierten oder vorgegebenen Karten weit verstreut sind. Oft fehlen Ihrem Territorium Schlüsselressourcen wie Eisen (Ritter) oder Aluminium (Hightech-Panzer), und Sie sind auf Tauschgeschäfte mit Ihren Nachbarn angewiesen. Viele Bodenschätze werden erst aufgedeckt, wenn die entsprechenden Technologien erforscht sind, etwa Uran (Kernspaltung) oder Öl (Verbrennungsmotor). Wenn Sie nach fünf Stunden Spielzeit feststellen müssen, dass die einzigen Kohlevorkommen tief im Feindesland liegen, haben Sie ein kleines Problem.

    Glaubenskriege

    Eine wesentliche Rolle bei den diplomatischen Beziehungen spielen die neu eingeführten Religionen. Im Lauf der Zeit gründen sich sieben Weltreligionen, vom Buddhismus bis hin zum Islam. Wobei die Verbreitung nicht unbedingt dem historischen Verlauf folgt, das Judentum mag auch in Spanien entstehen, die Inkas können überzeugte Hindus werden. Die Wahl der Staatskirche kann durchaus den Unterschied zwischen ewiger Freundschaft und ständigen Spannungen machen. Völker verschiedenen Glaubens greifen viel eher zur Waffe als Brüder im Geiste. Wobei sich die Religionen beinahe selbst als Waffe verwenden lassen: Wer es schafft, seinen Glauben mithilfe von Missionaren bei den Nachbarn zu verbreiten, kann denen ihre Städte abspenstig machen.

    Große Werke großer Künstler

    Die Grenzen zwischen den Ländern sind nämlich alles andere als fest gefügt. Vielmehr entscheiden kulturelle Einflüsse über die Gebietshoheit. Wer viel Zeit und Geld in Kulturgüter und Bauten wie Theater, Universitäten und Radiostationen steckt, dehnt sein Territorium immer weiter aus. Fremde Städte lassen sich sogar soweit beeindrucken, dass sie irgendwann freiwillig die Seiten wechseln.

    Ein entscheidender Faktor dabei sind neben den nationalen und Weltwundern (besondere Prestigeobjekte wie Pyramiden, die teils mehrere Dutzend Jahre bis zur Fertigstellung benötigen, aber auch enorme Vorteile bringen) die so genannten Großen Persönlichkeiten, ebenfalls eine Neuerung von Civilization 4. Je größer die Investitionen in Kunst, Wissenschaft, Religion, Handel und Technik, desto wahrscheinlicher wird das Auftauchen eines großen Künstlers, Forschers, Propheten, Kaufmanns oder Ingenieurs. Diese Männer und Frauen haben besondere Tricks auf Lager. Künstler können beispielsweise ein episches Werk schaffen, das den Kulturausstoß einer Stadt verhundertfacht. Wenn Leonardo seine Mona Lisa pinselt, bleiben den Nachbarn die Münder offen stehen. Ingenieure stellen dagegen ein bestimmtes Bauprojekt im Handumdrehen fertig oder arbeiten als besonders begabte Spezialisten an künftigen Gebäuden. Wer zwei Große Persönlichkeiten »sammelt«, kann damit ein goldenes Zeitalter für sein Volk auslösen, in dem sich Produktionen, Einnahmen und Einfluss zeitweilig vervielfachen.

    Einfach und doch komplex

    Mit all seinen Neuerungen und erweiterten Features ist Civilization 4 der mit Abstand komplexeste Teil der Serie. Aber zum Glück nicht der Komplizierteste. Neulinge können das komplette Mikromanagement der Automatik überlassen und sich ganz darauf konzentrieren, Einheiten zu verschieben, Forschungs- und Bauaufträge zu vergeben und mit den Computerfürsten zu verhandeln. Theoretisch lässt sich Civilization 4 die ganze Zeit über auf der Weltkarte spielen, ohne jemals eines der vielen Untermenüs für Regierungsformen, Religionen oder Statistiken zu bemühen. Überall gibt es Tipps und Hilfebildschirme, die Aktionen und Auswirkungen erklären.

    Experten können natürlich nach wie vor alles bis ins kleinste Detail kontrollieren. In den höheren der neun Schwierigkeitsgrade ist das allerdings auch nötig, denn die Automatikfunktionen versuchen alle Bereiche von der Einheitenproduktion bis hin zur Forschung auszugleichen. Spezialisierungen sind aber auf Dauer deutlich effektiver. Etwa eine Stadt zur Kulturmetropole auszubauen, eine anderer zur Militärzentrale.

    Wer sich so richtig reinfuchsen will, kommt um ein Studium des Handbuchs nicht herum. Das lässt auf satten 226 Seiten nahezu keine Fragen offen. Kompliment an Publisher Take 2, der dieses exzellente Nachschlagewerk in Deutschland zum regulären Preis beipackt (fast; fünf Euro Aufschlag sind absolut okay), während es in den USA nur der Special Edition in gedruckter Form beiliegt. Außerdem gibt's ein Technologieposter.

    Alte Achillesferse Grafik

    Wenn es einen Punkt gab, in dem die Civilization-Serie noch nie brillieren konnte, dann die Grafik. Das gilt auch für Teil 4. Es gibt andererseits allerdings auch kaum Spiele, bei denen die Optik schon immer so herzlich egal war. Schließlich rühren viele Einschränkungen einfach auch vom Spielkonzept her. Zufallskarten, die aus einzelnen Terrainquadraten zusammengesetzt sind, können nun einmal nicht so gut aussehen wie die handgepinselten Spielfelder der meisten Echtzeit-Konkurrenten. Alles in allem hat die Civilization-Technik im viertenAnlauf aber einen Riesensprung nach vorne gemacht. Vor allem die Animationen -- Gefechte, Wasser, Wälder -- sind wirklich gelungen. Aber auch die Städte können sich sehen lassen, weil sie ihre Erweiterungen jetzt nicht mehr in einem Extrabildschirm verstecken, sondern direkt auf der übrigens beinahe stufenlos von der Iso-Nahansicht bis hin zum kompletten Globus zoombaren 3D-Karte zur Schau stellen.

    Rüdiger Steidle

  • Civilization 4
    Civilization 4
    Publisher
    Take-Two Interactive
    Developer
    Firaxis Games
    Release
    09.11.2010

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http://www.gamesaktuell.de/Civilization-4-Spiel-20094/Tests/Civilization-4-717398/
01.11.2005
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2006/07/t_civ4_01_11eps.jpg
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