Criterion hat beim vermutlich letzten PS2-Burnout auf einige Extras verzichtet und setzt stattdessen auf pures Rennvergnügen.
Die japanische Bergstrecke Bushido Peak gehört zu den schönsten und kurvenreichsten Kursen. (PS2)
Um den Hauptunterschied zwischen "Dominator" und seinem Vorgänger "Revenge" zu verdeutlichen, muss man nur zwei Zahlen miteinander vergleichen: Als Racheengel kämpften wir letztes Jahr um 169 Goldmedaillen, bei der neuen Driftorgie winkt nur noch 88 Mal Edelmetall. Wie kommt's? Nun, Criterion hat den Crash-Modus komplett von der Ausstattungsliste gestrichen. Übrig bleiben reine Renn-Events, die dafür vielfältiger ausfallen.
Erst wenn der Balken komplett gefüllt ist, können Sie den neuen Super-Boost zünden. Dieser ermöglicht lange Burnout-Serien. (PS2)
Im neuen Maniac-Mode ist der Name Programm. Wer mit 300 Sachen im Gegenverkehr eine Bergstrecke hinabdriftet, hat entweder einen Kolben locker oder das Tempo-Gen im Körper. Klar, dass bei "Burnout"-Fans Letzteres der Fall ist. Damit bei den Maniac-Rennen die Punkte-Multiplikatoren ordentlich sprudeln, muss erst der Super-Boost aufgeladen werden. Dies geschieht wieder durch die üblichen Mutproben wie gewagte Überholmanöver, Sprünge, Drifts und natürlich Geisterfahrten. Allerdings füllt sich der Boost-Balken nun flotter als bei den Vorgängern.
Blinzeln verboten
Die Crashbreaker-Bombe ermöglicht wieder fiese Takedowns. Leider verhüllen dicke Balken Teile des Schadensmodells. (PS2)
Mit gezündetem Super-Boost kennt der Temporausch keine Grenzen mehr. Begleitet von irre lautem Düsenjägersound und einem extremen Verwischeffekt am Bildrand, stellt sich der "Burnout"-typische Tunnelblick ein -- speziell in der Stoßstangenansicht. Dann kann jedes Blinzeln einen fatalen Crash auslösen, denn anders als bei "Revenge" dürfen Sie die Vierrad-Schnecken auf Ihrer Spur nicht einfach beiseiteschieben.
Damit Karambolagen aber nicht übertrieben häufig vorkommen, wurde das Verkehrsaufkommen vor allem auf den unübersichtlichen Bergstrecken auf ein Minimum reduziert. So haben die Entwickler ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nervenkitzel und Tempohatz geschaffen -- zumindest empfinden das "Burnout"-Profis so. Serienneulinge hingegen dürften sich an der Goldmedaillenjagd spätestens zur Halbzeit die Zähne ausgebissen haben.
Herrliche Lichteffekte und alternative Routen kennzeichnen den toskanischen Kurs. Insgesamt ist die Streckenauswahl leider etwas dürftig. (PS2)
Klebt Ihr Finger auf dem Superboost-Button und riskieren Sie alles, gelingen Ihnen lange Burnout-Serien. Wir schafften im Test bis zu 18 Burnouts am Stück! Die bringen reichlich Punkte, und das nicht nur im Maniac-Mode. Bei der Near-Miss-Challenge gilt es, möglichst dicht am Verkehr vorbeizurasen. Die Drift-Challenge wiederum belohnt ausgedehnte Schlidderfahrten. Insgesamt sind die neuen Kurse kurvenreicher, was vor allem Drift-Junkies freuen dürfte.
Die detailreichen Oldtimer gefallen uns am besten. Sogar für klasse Reflexionen hatten die Entwickler Ressourcen übrig. (PS2)
Enge toskanische Gassen, farbenfrohe asiatische Bergpisten und belebte Stadtkurse mitten in den USA: Die Strecken der neuen Welttour sind schön, vielfältig und voller Abkürzungen oder Sprungschanzen. Wenn man mit Vollgas von einer Fahrbahnebene zur nächsten hüpft, rutscht das Herz schon mal eine Etage tiefer. Leider setzt Criterion seinen Sparkurs bei der Streckenauswahl fort: Mit lediglich zwölf (teilweise variierten) Kursen wird der Racer unseren Ansprüchen nicht gerecht.
Die Tour enthält sieben Fahrzeugklassen. Anfangs rasen Sie mit fiktiven Klassik-Karossen los, später steigen Sie in bullige Hotrods oder flache PS-Schleudern, die auf bis zu 350 Stundenkilometer beschleunigen.
Ungebremster Fahrspass
Mit 300 Stundenkilometern im Gegenverkehr durch die Kurve driften -- das bringt reichlich Punkte und noch mehr Fahrspaß! (PS2)
Selbst bei Höchsttempo bleibt die hohe Bildwiederholungsrate von 60 Bildern pro Sekunde absolut stabil. Allerdings mussten die Entwickler dafür einen Taschenspielertrick anwenden, den man eigentlich nur von Konamis "Pro Evolution Soccer"-Reihe kennt: An allen vier Seiten prangen schwarze Balken, die durch den Overscan am Fernseher kaum auffallen -- dafür aber beim Beamer-Bild. Ist das noch verzeihlich, stört das künstlich verengte Sichtfeld bei den Crashs doch sehr: Es verdeckt teilweise das geniale Schadensmodell.
Im Gegenzug werden verwöhnte Zockeraugen durch herrliche Lichteffekte in detailreichen Umgebungen entschädigt. Auch die Soundkulisse ist exzellent: Glasklare, direktionale Töne verwandeln Ihr Wohnzimmer in eine Autobahn. Zwar variieren die Motorengeräusche, doch klingen alle nicht unbedingt authentisch. Absolut echt sind dagegen die 33 Bands, die EA für die musikalische Untermalung verpflichtet hat (siehe Fußnote).
Leider haben die Entwickler auch den Online-Modus gestrichen. Die Auswahl für Mehrspieler-Freunde ist daher kläglich. Bei den Splitscreen-Duellen ist die Steuerung recht träge -- hier ist die Framerate einfach zu niedrig. Alternativ können Sie zu mit bis zu drei Kollegen ein Partyspiel starten, bei dem Sie sich nacheinander an den Events versuchen.
