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  • Quo Vadis, Deutschland?

    Wie sieht's aus in der heimischen Spieleszene, und wo geht's in der Zukunft hin? Unsere Reportage von der Entwicklerkonferenz Quo Vadis.

    Es ist ein bisschen komisch. Gilt der deutsche Spiele-Absatzmarkt als einer der wichtigsten weltweit, führen deutsche Spiele-Entwickler ein Schattendasein in der internationalen Szene. Der generelle Eindruck ist, dass die Deutschen am liebsten Spiele für sich selber entwickeln um diese dann hauptsächlich auch auf dem eigenen Markt zu verkaufen. Meistens Aufbaustrategietitel für den PC. Stimmt das? Und wenn ja, warum ist das so und wieso hängen wir scheinbar der weltweiten Konkurrenz hinterher?

    Overclocked: Teilt sich das Adventure-Genre in zwei Fraktionen auf? Overclocked: Teilt sich das Adventure-Genre in zwei Fraktionen auf? Die Quo Vadis ist eine Entwicklerkonferenz von Profis für Profis und sieht sich als direkter nationaler Vergleich zur Games Deve- loper Conference in San Francisco und zur GCDC, der europäischen Konferenz im Rahmen der Games Convention in Leipzig. Die Quo Vadis wird seit 2003 veranstaltet und ist dieses Jahr von Oberhausen nach Berlin gezogen. Ziel ist die Kommunikation der Branche untereinander. Ein Wissen- und Erfahrungsaustausch. Wir waren live vor Ort.

    Die große Frage

    Arne Peters von Intel moderierte die Diskussion um die Zukunft der deutschen Entwickler-Szene. Und die sieht weitaus besser aus als in den Vorjahren. Arne Peters von Intel moderierte die Diskussion um die Zukunft der deutschen Entwickler-Szene. Und die sieht weitaus besser aus als in den Vorjahren. Aber wie ist es denn bestellt um unsere Entwickler? Schon die Eröffnungsrede fängt mit viel Schwung an. SPD-Mann Jörg Tauss lobt die Branche -- ganz untypisch für so viele andere Politiker. Er hält sie für den Motor der Hightech-Industrie und die Zukunft des Medienmarktes in Deutschland. Große Worte, gleich zu Beginn.

    Die Kernveranstaltung zu dieser Schlüsselfrage der Konferenz findet im Rahmen einer Diskussion am Freitagmorgen statt. Auf der Bühne finden sich Arne Peters von Intel, Bernd Diemer von Crytek, Martin Löhlein von EA Phenomic und Teut Weidemann von CDV ein, um gemeinsam und mit dem Publikum über den Stand der Dinge in der Spiele-Republik zu sprechen. Es beginnt mit einem Vorwurf. Die deutschen Spiele-Entwickler hätten, mal wieder, die beiden aktuellsten Trends verschlafen: Konsolen und Onlinespiele. Immer noch produzieren die mittelgroßen Studios hauptsächlich für den eigenen Markt, den starken deutschen PC-Markt. Dieser Fokus, kombiniert mit den kulturellen und sprachlichen Barrieren gegenüber England, führe uns erstmal in eine isolierte Position.

    Wir gegen die Wikinger

    Design nach klaren Vorgaben. Ein Riesenteam wie Crytek braucht neben klaren Strukturen auch eine Philosophie, wie Lead-Designer Bernd Diemer darstellt. Design nach klaren Vorgaben. Ein Riesenteam wie Crytek braucht neben klaren Strukturen auch eine Philosophie, wie Lead-Designer Bernd Diemer darstellt. Natürlich fehlt es auch an Geld. In Frankreich werden Unternehmen mit großen Summen vom Staat unterstützt, in Deutschland lachen viele Investoren noch über das digitale Kinderspielzeug. Das Bewusstsein sei immer noch nicht da, wo es hin müsse. Zu wenig Geld führt zwangsläufig zu mangelnder Professionalität. Stellt sich die Frage: Warum sind die zahlenmäßig unterlegenen Skandinavier so viel erfolgreicher als wir? Siehe Remedy (Max Payne, Alan Wake), siehe Dice (Battlefield). Der Grund hierfür sei die Tatsache, dass die Skandinavier nie einen ausreichend starken Heimatmarkt hatten. Sie mussten sich von Minute Null an voll auf das internationale Niveau ausrichten, während deutsche Entwickler sich jahrelang voll und ganz auf den jetzt immer kleiner werdenden lokalen PC-Markt verlassen konnten.

    Aber, so betonten alle Anwesenden, es gehe bergauf. Wenn auch langsam.

    Ein absoluter Höhepunkt der Quo Vadis: nostalgische Wertungsfotos aus der Ur-Powerplay. Ein absoluter Höhepunkt der Quo Vadis: nostalgische Wertungsfotos aus der Ur-Powerplay. Als ein positives Beispiel wurde Gothic 3 mit Oblivion verglichen. Auch wenn das deutsche Spiel nur einen Bruchteil des Erfolges eingefahren hat, ist es doch international anerkannt. Genau wie die kleine Sensation, das Electronic Arts das deutsche Team von Phenomic (Spellforce) gekauft hat. Ein Ereignis, dass es so seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Vorzeige-Entwickler Crytek (Far Cry) stehe hingegen ganz anders da, so Lead-Designer Bernd Diemer. Sie seien kein klassisches deutsches Studio. Sondern ein internationales, was mehr oder weniger zufällig in Deutschland ansässig sei. Das Team war aber von Grund auf immer international angelegt.

    Der goldene Westen

    Der Rechtsanwalt Stephan Mathé erklärt hier anhand der offiziellen Richtlinien die Prüfkriterien der USK zum leidigen Thema Gewalt. Schon bei der Planung eines Spiels sollten Entwickler diese Punkte beachten. Der Rechtsanwalt Stephan Mathé erklärt hier anhand der offiziellen Richtlinien die Prüfkriterien der USK zum leidigen Thema Gewalt. Schon bei der Planung eines Spiels sollten Entwickler diese Punkte beachten. Aber auch andere Wahrnehmungen wurden beobachtet. Für viele Entwickler aus Ost-Europa gilt Deutschland zum Beispiel als absolute Chance. Die Möglichkeiten und Bezahlungen seien hier um ein vielfaches besser. Aber auch das sei mit Einschränkung zu sehen. Denn am Ende hat jeder junge Nachwuchsentwickler den gleichen Traum: Spiele entwickeln in den USA, mit den entsprechenden Möglichkeiten und Budgets, die es nur da gibt. Aber es sei ja auch gar nicht schlimm, Spiele für seinen eigenen Markt zu programmieren. Beispiel Adventures. Ein typisch deutsches Produkt für deutsche Spieler, nach wie vor kaum verändert -- und nach wie vor erfolgreich.

    Gut, aber hässlich

    Mitmachen erwünscht: Bei den zahlreichen Veranstaltungen wurde gefragt und mitdiskutiert. Aufgeteilt waren die Seminare in drei »Levels«, für Entwickler mit wenig, durchschnittlicher und viel Erfahrung. Mitmachen erwünscht: Bei den zahlreichen Veranstaltungen wurde gefragt und mitdiskutiert. Aufgeteilt waren die Seminare in drei »Levels«, für Entwickler mit wenig, durchschnittlicher und viel Erfahrung. Aber liegt unsere Zweitklassigkeit nur an Struktur- bzw. Geldproblemen? Ein Thema, das diskutiert wurde: Deutsche Entwickler arbeiten nicht professionell genug. Viele kleine Studios arbeiten ausschließlich »aus Liebe«, ohne auf den Markt zu achten -- und laufen so von Beginn an in die falsche Richtung. Hier fehlten Analysen und eine stärkere, unternehmerische und zielorientierte Sichtweise. Auch mangele es beim Design. Zwar sind die deutschen Spiele toll programmiert, aber von der Handschrift eines guten Art Directors ist oft weit und breit keine Spur.

    Und gerade im Bereich Art- und Game-Design herrsche ein erheblicher Personalmangel: Die Ausbildungssituation wird auch da nur langsam besser. Doch diesen Prozess könne man beschleunigen. Die zahlreichen kleinen, halbprofessionellen Entwickler sollten sich verstärkt nach Synergie-Effekten umschauen und eventuell Studios zusammenlegen. Denn eigentlich wollen sie doch alle das gleiche: tolle Spiele machen. Ein anderer Weg sei es, Arbeitskräfte auszulagern. Zum Beispiel in den, wie gesagt, immer noch billigeren Osten. So sind große Projekte durchaus auch mit weniger Budget möglich.

    Gut besucht: 531 Fachleute aus den verschiedensten Bereichen nahmen an der ersten Berliner Quo Vadis teil -- das sind rund doppelt so viele wie noch 2006 in der Ruhrpottmetropole Oberhausen. Gut besucht: 531 Fachleute aus den verschiedensten Bereichen nahmen an der ersten Berliner Quo Vadis teil -- das sind rund doppelt so viele wie noch 2006 in der Ruhrpottmetropole Oberhausen. Aber, so die abschließenden Worte, viel Geld habe noch kein Spiel gerettet, und viel Geld garantiere kein gutes Design. Trotzdem seien die neuen geplanten Fördermodelle eine riesige Chance. Ab dem nächsten Jahr wird es im Raum Berlin eine staatliche Förderung ähnlich der Filmförderung geben, bei dem ambitionierte Entwickler und Publisher um finanzielle Unterstützung für neue Projekte werben können. Das Budget dafür wird bei 30 Millionen Euro liegen. Damit könnte der Aufwärtstrend der deutschen Entwicklerszene beschleunigt werden. Denn, wie bei der Eröffnungsrede behauptet, sind Spiele die Zukunft des Medienmarktes Deutschland. Wir wussten das schon immer.

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http://www.gamesaktuell.de/Branchen-News-Thema-230074/Specials/Quo-Vadis-Deutschland-725834/
19.06.2007
http://www.gamesaktuell.de/screenshots/medium/2007/05/m_quovadis_17_06.jpg
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